Skip to main content

Full text of "Mitteilungen des Deutschen Archaeologischen Instituts, Romische Abteilung. Bullettino dell'Istituto archeologico germanico, Sezione romana"

See other formats


'TOMM^SIiü^^^u^ 



wmm 






t 



'■1 



:|;| i.M;(;l.|-Hi, 



'vi!lvi'i'i'i'i'l'i'i'|i?i" 




THE J. PAUL GETTY MUSEUM LIBRARY 



MITTIIEILUNGEN 

DES KAISERLICH DEUTSCHEN 

AROHAEOLOGISCHEN INSTITUTS 

ROEMISCHE ABTHEILÜNG 
Band XIV. 



BULLETTINO 

DELL' IMPERIALE 



ISTITÜTO ARCHEOLOGICO GERMANICO 



SEZIONE ROMANA 
Vol. XIV. 




ROM 
[^ O E S G H E R & C." 

(BRETSCHNEIDER & EEGENBERG) 
1899 



UEBER EIN RELIEF IM MUSEO NAZIONALE ROMANO. 

(Tafel Ij. 



Im DulleUiao della Comm. arch. com. dl Roma vom Jahre 
1897 hat Savignoni ein Relief publiciert (T. V p. 73 if.), das vom 
Palatiii in das Museo nazionale romano gekommen ist. Es stellt 
drei weibliche Wesen neben einander stehend dar. Leider ist der 
Zustand sehr trümraerhaft ; man erkennt nm-, dass die beiden links 
stehenden näher mit einander verbunden sind, während die dritte 
rechts isoliert steht, aber das Gesicht nach den anderen zurückwen- 
det. Das Relief hat sich rechts und links nicht fortgesetzt ; bei- 
derseits ist Rand erhalten (^); auch ist die Composition in sich 
abgfechlossen. 

' Trotz der schlechten Arbeit des Esemplares erkennt man leicht, 
dass das einstige Original sich durch eine vornehme, ruhige Schönheit 
ausgezeichnet haben muss, die uns die bereits bekannten Dreifi- 
guren-Reliefs des fünften Jahrhunderts ins Gedächtnis ruft; des- 
wegen wird man gerne der bei dem fragmentarischen Zustande 
des Werkes natürlichen Neigung folgen, dem ursprünglichen Sinne 
und Bestände der Darstellung nachzuforschen. Allerdings scheint das 
Erhaltene zu gering, um mit seiner Hülfe zu einem sicheren Ziele 
gelangen zu können ; aber Savignoni glaubte diesem Mangel durch 
die Heranziehung eines anderen Kunstwerkes abhelfen zu können, 
das seiner Meinung nach den gleichen Gegenstand darstellt, des 
bekannten Gemäldes des Atheners Alexandros aus Herculaneum, 
auf dem man heute übereinstimmend die Versöhnung der Leto und 
Niobe nach einem ersten Bruch ihrer Freundschaft erkennt, dem 
Vorboten jenes unheilbaren, der zum Tode der Niobiden führt. 

(1) Ich habe diese Thatsache genau constatieren können ; vgl. Savignoni 
a. a. 0. p. 74. 



W. AMELUNG 



Savignoni hat zur Verdeutlichung seiner Anschauung auch eine 
Reconstructions-Skizze verötfentlicht (Fig. 2), auf der aber soviel 
der Willkür der ergänzenden Phantasie zufällt, dass wir sie besser 
bei Seite lassen. An zwei Punkten hat zudem Savignoni sicher 
nicht das Richtige getrotfen; so vor Allem in der p]rgänzung der 
Büste der mittleren Frau — doch davon nachher — , dann in der 
ihrer linken Hand. Die Finger müssten in der Haltung, die ihnen 
S. giebt, auf dem Oberschenkel der anderen Frau Spuren hinter- 
lassen haben, was in der That nicht der Fall ist. 

So hat denn auch Robert im XXI. Hallischen Winckelraanns- 
programm p. 4 ff. die Deutung Savignoni's und vor allem die Be- 
ziehung des Reliefs auf das Gemälde, wie mir scheint, mit Recht 
bestritten. Nur hat er S. misverstanden : dieser hält nicht die 
linke Figur für Niobe, die mittlere für die vermittelnde Phoibe. 
sondern umgekehrt die in der Mitte für Niobe, die um die Ver- 
mittelung der links stehenden Phoibe bittet. Die Deutung dieser 
Figur als Phoibe alias Artemis ist einer der bedenklichsten Punkte 
in Savignoni's Auseinandersetzung. Robert betont mit vollem Recht, 
dass es gar nicht angeht, die Phoibe auf dem Gemälde von der 
Hileaira ebenda zu trennen. Man könnte zu Savignoni's Gunsten 
höchstens anführen, dass die Verbindung der Leukippiden mit Leto, 
Niobe und ihrer Tochter uns rätselhaft scheint, und dass vielleicht 
diese Namenbeischriften erst eine Erfindung des Aleiandros seien, 
den man dann als Copisten nehmen muss. Bliebe aber immer noch 
zu erklären, wie Alexandros auf diese Erfindung verfallen sei, be- 
sonders befremdlich bei zwei Figuren, die im Bilde nicht eng ver- 
bunden sind. 

Mir scheint, ebenso wie Robert, aus dem Vergleich mit dem 
Gemälde weder für die Ergänzung noch für die Erklärung des Re- 
liefs etwas zu gewinnen zu sein. Robert schliesst mit Recht seine 
Besprechung mit dem Satz, dass jede Deutung des Reliefs so lange 
hypothetisch bliebe, bis vielleicht einmal die Auffindung einer 
besser erhaltenen Replik Licht brächte, — oder, kann man ange- 
sichts dessen, dass das Werk vom Palatin stammt, und in Rück- 
sicht auf das Schicksal des Palatin und der dort gefundenen 
Skulpturen hinzufügen, bis vielleicht weitere Fragmente desselben 
Reliefs in anderen Sammlungen zu Tage kämen. 



UEBER EIN RELIEF IM MUSEO KAZIONALE ROMANO 5 

E i n solches Fragment ist mir nun in der That gelungen zu 
entdecken. Es war bis vor Kurzem im Giardiiio della Pigna des 
Vatican eingemauert ('); jetzt ist es aus der Wand gelöst und harrt 
seiner Placierung in den Räumen des Museums. Durch das Entere- 
genkommen der Museumsverwaltung wurde es mir ermöglicht, einen 
Gypsabguss von dem Fragment nehmen zu lassen, der jetzt mit 
dem Original im Museo nazionale romano vereinigt ist; in dieser 
Vereinigung zeigt das Relief unsere Tafel, deren Vorlage mit güti- 
ger Erlaubnis der Direction des genannten Museums hergestellt 
werden konnte. 

Auf dem Fragment ist die Büste der mittleren Figur erhalten, 
auf der rechten Schulter die Finger von der linken Hand der links 
stehenden Frau. 

Unten und z. Th. an den Seiten passt Rand auf Rand. 

Der Marmor ist identisch. Die Erhaltung der Oberfläche ist 
besser als an dem Uebrigen, dessen flauer Eindruck durch die 
ziemlich starke Ueberarbeitung noch verstärkt worden ist. Die 
Nase ist bestosseu. Die Figur wendet ihren Kopf nach rechts ; 
darin also hat Savignoni bei seiner Reconstruction, wie schon oben 
angedeutet, das Richtige nicht getrotfen. Das Haupt ist geschmückt 
mit einem Diadem, an dem Rosetten und Palmetten in Relief ab- 
wechseln (die Figur links hat Rosetten im Haar). Die Haare sind 
hinten aufgebunden ; sie endigen in einen Schopf kurzer natürlicher 
Locken, während — ebenso wie bei der Figur links — auf die 
Schultern sehr dünne künstlich gedrehte Lochen herabfallen, die 
in eigentümlich spielender Weise von der links stehenden Figur 
zwischen die Finger der linken Hand genommen werden. Auf der 
linken Schulter liegt ein Bausch des Mantels, zu dem jedenfalls auch 
das Stück Stoff gehören wird, das am rechten Oberarm sichtbar wird. 
Das Gesicht hat einen ernsten hoheitsvollen Ausdruck, der dm-ch 
die energische Wendung des Kopfes und die stolze, aufrechte Hal- 
tung von Hals und Kopf wesentlich gehoben wird. 

Die Composition gewinnt durch diese Bereicherung sehr an 
Leben. Klar tritt jetzt hervor, dass die Figur, die im Mittelpunkt 
des Vorganges steht, die Figur rechts ist, denn die beiden andern 
wenden ihre Blicke ihr zu; klar wird, dass die Figur in der Mitte 

(1) In der Beschreibung Rora's ist es nicht erwähnt; auch sonst nicht. 



W. AMELUNG 



ihre Gefährtin liuks au Rang und Bedeutung tiberragt; auch äusser- 
lich ist sie grösser an Gestalt. Damit sind die elementarsten Grund- 
ztige der Deutung festgelegt: von den drei dargestellten Figuren 
sind zwei, eine königliche Fran und ihre Begleiterin, in engster, 
vertraulichster Beziehung; beide sind innerlich beschäftigt mit der 
dritten, die im Begriff scheint, sich zu entfernen. Wir können es 
Savignoni zugeben, dass diese Guudzüge mit denen seiner Deutung 
tibereinstimmen, und mtissen doch darauf bestehen, dass auch jetzt 
noch ein weiteres Detaillieren dieser Erklärung jenseits der Grenze 
liegt, die uns durch da;s Fehlen des :^opfes der Haupttigur, ihrer 
Hände und der linken Hand der Mittelfigur gezogen ist, d. h. ge- 
rade der Teile, in denen sich der Vorgang am deutlichsten ausspre- 
chen musste. 




Savisfnoni stellt das Relief seinem Stil nach neben die be- 
kannteste Gruppe der Dreifiguren-Reliefs : Orpheus, Peliaden, Pei- 
rithoos. Doch ergeben sich hier sogleich gewisse Verschiedenheiten, 
die auch S. nicht verkennt und die sich nicht allein durch das 
verändernde Eingreifen des Copisten erklären dürften. Indes ist ja 
die Art der Composition eines Reliefs in drei Figuren nicht nur 
auf die Zeit jener drei Werke beschränkt, wie z. B. das Relief der 
Villa Albani beweist, das Herakles bei den Hesperiden darstellt 
(Heibig, Führer IV nr. 778) und sicher erheblich jünger ist als 
jene andern. So dürfte auch das Oiiginal unseres Reliefs am wahr- 
scheinlichsten am Ende 'des 5. Jahrhunderts entstanden sein (^). 



(') Für den Lockenschopf der mittleren Figur und die merkwürdig klein- 
lich gedrehten Schulterlocken fehlen allerdings bisher Parallelen aus jener 
Zeit. Hier also könnte man eine selbständige Veränderung seitens des Co- 



UEBER EIN KEMEF IM MUSEO NAZIONALE ROMANO 7 

Das ganze Werk wegen der mit dem Stil jener Zeit nicht über- 
einstimmenden Einzelheiten und wegen der Art der Arbeit für die 
Originalerfindung eines etwa neu-attischen Künstlers römischer Zeit 
zu erklären, halte ich angesichts des Charakters und der künst- 
lerischen Schönheit der Composition für ausgeschlossen. 

W. Amelung, 



pisten annehmen. Für die Art, wie die Figur links den Mantel trägt, bieten 
die schlagendste Analogie eine Figur in Venedig (Clarac 774, 1930; Dütschke, 
Ant. Bildw. in Oberitalien V nr. 203), die Demeter eines Votivreliefs aus 
Eleusis (Athen. Mitth. 1895 T. VI) und zwei Figuren von den Reliefs des 
Hyposkenion im Dionysostheater zu Athen (Mon. d. J. IX tav. XVI), die sicher 
auch auf Originale vom Ende des 5. Jahrhundert zurückgehen. Siehe über diese 
Gruppe von Figuren jetzt Furtwängler, Griech. Originalstatuen in Venedig 
p. 305 ff. T. V. 



KYBELE-ORANS. 



Zosiraos berichtet im II. Buche seiner Hütoria nova Cap. 31, 
am Schluss des Passus über die Verschönerung und Bereicherung 
von Byzanz durch Konstantinos, Folgendes : ovai^q öi iv rcji Bv- 
Carrio) ^leyCdTi]!; dyoQag rsTQadxoov, xaru rag T^g fxiag üioäg 
axQag, elg rjv aväyovüiv ovx oh'yoi ßccdfioi, vccovg i^xodo}ii]aaTO 
ovo syxad^idQvaag äyälfiaTa, ^are'QO) ntv {xi^vQog &€(öi' ^Psag, 
07TSQ ervxov ot <Jvv ^Iccaori nXsvGavtsg tÖQVGdfxsvoi xaxd to JCv- 
Sv/^iov oQog To Kv^ixov Trjg nöX^wc imsQxsCiisvov. (paGi Sh ci5e >««« 
Ti)v neQi TO ^eiov sXu)ßrj(TaTO Qa&viuav, vovg ts Tteql exüxega 
Xsoviag TveQisXcdv xal xo (Tx^/ta röüv x**?wr «vaA- 
Xd^ag- xaxkxaiv ydq Tcdlai doxovGa rovg Xsovrag 
vvv elg ev^ofievr^g jusra ß s ß Xi]rcci ayf^rjfia, rrjv noXiv i(fo- 
Q(ü(Ta xal neQiiinovaa. ir di ^axt'QO) 'Pöj/ti/c tövaaxo tvx^v. 

Die Stelle ist bisher, soweit mir bekannt, von archäologischer 
Seite noch gar nicht in Betracht gezogen worden, und doch verdient 
sie das in mehrfacher Hinsicht. Beschäftigen wir uns zunächst nur 
mit den Worten über die Statue der Rhea — wir dürfen statt dessen 
ohne weiteres Kybele sagen, denn nur diese wurde auf dem Din- 
dymon verehrt — , die in eine Ora)is verwandelt wurde, so müssen 
wir zur Ergänzung der hier enthaltenen Angaben eine Stelle des 
ApoUonios Rhodios (I 1117 ff.) heranziehen, die jene Sage von der 
ursprünglichen Errichtung der Bildsäule durch die Argonauten dichte- 
risch behandelt. 

fCxe St TL außaQov axviro; dfiTtsXov errqotfov vXr], 
TTQoxvv ysQdvÖQVoV xo fihv excaaov, 0(fQa ue'Xoixo 
öaifiovog ovQeirjg teQ^^> ßqt-cag' s^ede J' "Aqyog 
tvxoGiiMg (•). 

(1) Siehe das Scholion zu 1119 = Meineke, Analecta Alexandr. p. 150 
CXLVI : xcd Kv(foQiü)V ro ^öavou ifj? ^rjTQog roj*/ d^euiv (prjaiv uynshvov eivai 
(vielleicht aus dem '.inoXko^cogog des Euphorion ; s. Meineke a. a. 0. p. 40 f. 
u. p. 18). Ueber den mythischen Künstler Argos siehe Koscher, Mythol. Lex. 
I Sp. 539 Z. 49 ff. 



W. AMELUNG. RYBELE-ORANS 9 

Augenscheinlich hatte es also bis zu den Zeiten Konstantin' s 
ein altes Holzbild in dem Heiligtum der Jirdviiia auf Kyzikos 
gegeben, dessen Aufstellung die Sage den Argonauten zuschrieb, und 
das dann von dem Kaiser nach Byzanz überführt und in der von 
Zosimos beschriebenen Weise verändert wurde (0- Von dem Aus- 
sehen dieses Bildes können wir uns aber nach den Worten unseres 
Geschichtschreibers eine recht genaue Vorstellung machen, und die- 
ses Resultat kann uns zu wiederum bedeutsamen Schlüssen dienen. 
Zunächst kommt hier in Betracht, dass die Figur durch die an ihr 
vorgenommenen Veränderungen zu einer evxoi^it'vr^, einer Orans 
wurde. Für diese hatte sich in altchristlicher Zeit ein fester Typus 
gebildet, der sich bis in's Mittelalter unverändert erhalten hat : 
eine in langem Gewände aufrecht stehende, dem Beschauer gerade 
zugewandte Frau, die die beiden Unterarme gleichmässig seitlich vom 
Körper abstreckt, sie bald mehr, bald weniger erhebt und dabei die 
innere Fläche der geöffneten Hand dem Beschauer zukehrt (s. Kraus, 
Real-Encyklopädie d. ehr. Altert. II p. 538 ff. u. Gesch. d. christl. 
Kunst I p. 126 ff.). Es ist der Typus, den man Maria oder Anima 
genannt oder für eine Personincation der christlichen Kirche erklärt 
hat. Von ihm müssen wir denn auch die allgemeinen Züge nehmen, 
um dann, das Veränderte wieder entfernend, das Entfernte wieder 
an seine Stelle setzend, das alte Bild der Kybele zurückzugewinnen. 

Entfernen wir also von der Orans die ausgebreiteten Hände, 
denn die Veränderung des c/z^/t« der Hände hat sie, wie Zosimos 
sagt, erst znr Beterin gemacht, und geben wir ihr jederseits einen 
Löwen {rovg nsQi ixccTsga XeoiTag) ; damit es scheine, dass sie 
diese Löwen niederhalte oder in ihrer Gewalt halte (xart/^n'), 
müssen die Hände die Löwen gepackt haben, und die natürlichste 
Annahme wäre, dass die Löwen sich jederseits an der Figur auf- 
gerichtet hatten, und die Hände sie an der Mähne oder an einer 
Pranke hielten, denn so konnte wirklich die Vorstellung des xcnt- 
X«v erweckt werden. Man könnte bei diesem Wort auch daran 
denken, dass die Göttin etwa ihre Hände wie schützend auf den 
Köpfen der sitzenden Thiere habe ruhen lassen ; aber diese hätten 
dann von ganz unverhältnismässiger Grösse sein müssen, um bis zu 

(>) Siehe über KvßeAt] Jlu^v^Uc Röscher, Mythol. Lex. II Sp. 1653 Z. 22 ff. 
w. Sp. 2856 Z 41 ff. u. Daremberg et Saglio I 2 p. 1680. 



10 W. AMELU.NG 

den erhobenen Händen der stehenden Figur eraporzureichen. Ent- 
scheidend ist jedoch, dass es nie einen derartigen Typus der Kyl)ele 
gegeben hat (^), während der Typus, den wir oben durch die einfache 
Benützung der Worte des Zosimos gewonnen haben, uns wohl be- 
kannt ist : es ist der Typus der griechischen nÖTvia ^r]QO)i' (cf. 
Röscher, Mythol. Lex. I Sp. 564 ff.). 

Die Einfachheit, -mit der sich dieses Eesultat aus der gesre- 
benen Ueberlieferung gewinnen liess, scheint mir für sich selbst zu 
sprechen und gegen die Annahme, dass hinter der Xachricht des 
Zosimos ein Gewebe von bewusst oder imbewusst falschen Combi- 
nationen verborgen sei, eine Annahme, die auch Marquardt {Cyücus 
p. 96) und Y. Schnitze (Geschichte des Untergangs des griech.- 
röm. Heidentums I p. 50 ff. II p. 279 ff. und Untersuchungen zur 
Geschichte Konstantin d, Gr. i. d. Zeitschr. für Kirchen^eschichte 
VII p. 355) zu teilen scheinen (vgl. Röscher, Mythol. Lex. II Sp. 
2904 Z. 83 ff.). Jedenfalls nehmen beide auf die Stelle bei Apol- 
lonios Rh. keine Rücksicht : Marquardt nimmt an, die nach Byzanz 
versetzte Statue sei aus Marmor gewesen ; Schnitze spricht in seiner 
li Geschichte » dagegen von einem Erzbild (p. 54), die Hände seien 
tt umgebogen " worden (p. 50), und giebt in den « Untersuchun- 
gen 1 folgende willkürliche Uebersetzung von der Stelle des Zosi- 
mos : " Man erzählt, er habe dieselbe in seiner Verachtung des 
Göttlichen verstümmelt, indem er die Löwen auf beiden Seiten 
(der Deichsel) hinwegnahm imd die Gestalt der Arme verän- 
derte. Denn während sie früher die Löwen lenkend dargestellt 
war, gab er ihr jetzt die Haltung einer Betenden, die über die 
Stadt hinschaut und sie beschirmt ". Er nimmt also den Typus der 
Göttermutter an, der sie auf einem Wagen, von Löwen gezogen, 
darstellt. Doch ist von alledem im Text des Zosimos nirsfend die 
Rede ; xuti-xhv bedeutet nicht lenken ; nicht die Arme, sondern nur 

(') Ohne Berücksichtigung des Typus der Orans — eine sit- 
zende evxofxirrj ist undenkbar — könnte mann zunächst an den der sitzenden 
Kybele denken, neben deren Thron jederseits ein Löwe Wache hält; doch auch 
bei diesem Typus kommt es — abgesehen von den sehr zweifelhaften zwei 
Figuren der Collection Mattei, Clarac 396, 664 B, C — niemals vor, dass die 
Göttin die Tiere mit ihren Händen berührt. Hiergegen spricht nicht etwa das 
Relief der Sammlung Sabouroff (T. 137 der Publication), auf dem nur e i n Löwe 
vorhanden ist, den die Göttin liebkost wie einen Hund. 



KYBELE-OKANS 11 

die Hände werden verändert, und auf jeden Fall wäre wiederum das 
Sitzen für die Beterin nicht passend. 

Wir können deshalb bei unserem Resultat beharren. Mit dem 
Typus ist zugleich auch die Entstehungszeit der Figur gegeben, die 
man nicht vor dem VII. und nicht nach dem VI. vorchristlichen 
Jahrhundert annehmen darf. Sicherlich war sie von einem griechi- 
schen Künstler gearbeitet und geweiht von Griechen, als sie Ky- 
zikos kolonisierten. 

Unsicher ist es, ob die Figur geflügelt oder ungeflügelt war. 
Beides kommt auf archaischen Denkmälern vor. Nach Studniczka 
(Kyrene p. 158) ist der Typus ohne Flügel der ältere, und (p. 159) 
die vollkommen symmetrische Darstellung, wie wir sie bei unserer 
Figur voraussetzen müssen, erst am Ende des VII. Jahrhunderts 
typisch geworden. 

Ebendort schreibt Studniczka : « G-estalten, wie die des Bron- 
zereliefs in Olympia und die ihr nächst verwandten, Hessen sich 
sehr wohl in Abhängigkeit von Cultstatuen denken " . Jener Bericht 
des Zosimos giebt uns die erste Nachricht von dem Vorhandensein 
eines solchen Cultbildes. 

Unser also gewonnenes Resultat hat aber auch ein besonderes 
Interesse für die antike Religionsgeschichte : Wir finden eine grie- 
chische Statue der griechischen ttötvicx ^r^goiv in höchster Verehrung 
in einem Centrum des Cultes der phrygischen Kvßs'h]. Diese That- 
sache findet ihre Parallele in einer anderen, deren Mittheilung wir 
A. Körte verdanken (Athen. Mitth. 1895 p. 1 T. I-II). Zu Dorylaion 
hat sich eine Grabstele aus dem VI. Jahrh. v. Chr. gefunden, auf 
deren Rückseite von der Hand eines griechischen Künstlers in Relief 
eine geflügelte Göttin dargestellt ist, die einen Löwen an einer Pranke 
hält. Körte nimmt ohne Zweifel mit Recht an, dass der ionische 
Künstler des Reliefs hier ohne Weiteres seine Göttin, die ttÖtviu 
^i]QÖ)v, dargestellt habe, während der Phrygier, für den die Stele 
gearbeitet war, in demselben Bilde Kvßt-Xt^, die grosse Göttin seines 
einheimischen Cultes, erkannt habe. Es scheint mir natürlich, dass 
da, wo sich die äusserlichen Vorstellungen zweier Religionen so 
stark vermischten, auch der Ideengehalt der einen nicht unberührt 
von dem der andern' bleiben konnte ('). 

(1) Cf. Körte a. a. 0. p. 12 ; S. Keinach im Bullet, de corr. hell. XIII 
p. 558 iF. Vgl. auch das in Phrygien gefundene Relief der Kybele bei Perrot 



12 \V. AMELUNG. KYBELE-ORANS 

Kehren wir endlich zu den Worten des Zosimos zurück. Es 
ist klar, dass Konstantin diese Kybele nicht zum Schmuck der Stadt 
aufstellen Hess, wie die Statuen der Dioskuren, des Apollon und 
der Musen, mit denen er den Circus zieren Hess. Darin, dass ihr 
in einem eigenen Tempel, der Tyche von Rom entsprechend, ihr 
Platz angewiesen wurde, spricht sich vielmehr eine besondere Ab- 
sicht aus, die auch nicht nur darin bestanden haben kann, das Bild 
der grossen heidnischen Göttin durch die Geberde des Betens zu 
erniedrigen. Mir scheint die Lösung vielmehr darin zu liegen, dass 
Kvbele, im Schmuck ihrer Mauerkrone, als Schirmerin der Städte 
verehrt wurde. In dieser Eigenschaft steht nun die Göttin entschie- 
den auch hier, entsprechend der Tyche von Rom ; neben Rom konnte 
aber nur eine andere Stadt durch ihre Göttin vertreten sein, nur 
Byzanz selbst. Zu der Tyche dieses zweiten Centrums des neuen 
Reiches war die grosse Herrin über Leben und Tod gestempelt wor- 
den. Auch Zosimos deutet dieses Schutzverhältnis mit den Worten 
an: tr]r ttoIiv ig^ogcöaa xal rteguTiovaa. Die gleiche Verbindung 
beider religiösen Vorstellungen ist übrigens für Byzanz Avohl auch 
bezeugt durch einen Satz des Hesych von Milet {Origiiies Constan- 
tmopolis § 15 Fragm. hist. graec. IV p. 149) in der Erzählung 
des Mythos von Byzas, dem sagenhaften Gründer der Stadt: 'Pi'ag 
jiih' xccTcc Tov Trjg BaailixTfi Xeyöi^ievov xönov vsoh' re xal ayal^ia 
xaO^iÖQvaaJO, ort xal Tvxaio%' toTc noXiTaig T€Tif^ir]TO (^). 

Zum Schluss sei noch auf ein Monument altchristlicher Kunst 
verwiesen, ein Bronze-Gefäss, auf dem in Relief ebenfalls eine Stadt-- 
gottheit mit dem Gestus der Oram erscheint. Das Gefäss wurde in 
Tunis gefunden, und die betreffende Figur ist die Personiflcation 

von Carthago (-). 

W. Amelüng. 



u. Chipiez, Histoire de Vart V p. 157 Ficr. HO. Da auch hier die beiden 
Löwen von der Göttin nicht gefasst werden, kann das Kelief mit unserer Statue 
nichts gemein haben. 

(1) Vgl. Schultze, Zeitschr. f. K. p. 355. 

{') Garrucci, Storia deWarte cristiana VI p. 34 tav. 428, 1 ; Kraus, 
Gesch. d. christl. Kunst I p. 127. Auf Münzen von Alexandria ist die Göttin 
dieser Stadt mit einem Gestus ihrer Rechten dargestellt, der kaum etwas an- 
deres sein dürfte, als die im Altertum gebräuchlichste Geberde des Betens ; 
Catalogue of the coins of Alexandria PI. XXIV nr. 2033 u. 2082. 



CERAMICA DELL'APÜLIA PREELLENICA 

II. LA PEUCEZIA 

(Tav. n-Vj 



In im prinio capitolo (^) avevo incominciato a chiarire un poco 
i concetti piiittosto vaghi che si avevano della ceramica appula 
in quanto non era ellenica, e a distinguerne le vahe classi 
secondo l'etä e il territorio, appartando in primo luogo le torzelle 
proprie a quella regione che e oggi la provincia di Lecce, specie 
di vasi di cui anche dopo la pubblicazione son venuti in luce 
parecchi esemplari, limitati sempre a quella regione, sempre fog- 
giati a manichi a piinta, diversi in tutto da qiielli della Lucania 
comparsi anch' essi quest' anno passato. Che il materiale appulo 
sia una ' rudis indigestaque molis\ appare chiaro anche dal tenta- 
tivo di G. Patroni, (-) articolo ove entravano anche vasi per niente 

(') BoU. d. Ist. XII pag. 201-252. I. La Messapia. 

(2) Mon. d. Line. 1896. Siccorae Patroni in altro periodico, Bull. d. Pal. 
etnol. 1898 p. 65, pubblicando le medesime figure la seconda e in parte la 
terza volta, si mostra preoccupato di attaccare il mio lavoro, conviene notare 
che le sue osservazioni sembrano destinate a chi non abbia letto i miei lavori 
in questione. Cosi ad es. egli a p. 67, 2 fa credere il lettore che io mi trovi 
in contraddizione coi fatti risultanti da " inventari e cataloghi", mentre io 
avevo segnatamente riferito che nel Museo in questione non esisteva fino al 
1891 un inventario e che questo poi venne compilato a base delle etichette 
incollate sui vasi stessi (Messap. p. 251, 1). Pare che il diritto di esaminare 
con proprio criterio le provenienze incerte, P. Io riserba per se solo. (Mon. 
d. Line. VI 371), applicandolo unicamente al Museo Naz. di Napoli, ove, come 
egli assicura (iv. 402, Ij, fino alla sua venuta, mancavano braccia adatte per 
far ordine. Se poi il P. si vanta (Bull. pal. p. 67, 2) di esser egli stato il primo 
a richiamare l'attenzione dei dotti sulla ceramica indigena delle Puglie, h un 
semplice dovere verso V Istituto Germanico d'Atene, frequentato anche da lui 
per molto terapo, il constatare, che nelle Mittheilungen di quest' Istituto giä 
nel 1887 Winter e Wolters avevano assegnato aH'Apulia certi vasi del Museo 



14 M. MAYER 

appuli e si mescolavano oggetti dell' epoca antica con molti che si 
e poi dimostrato appartenere all'epoca dei Tolouiei. Di fronte a tale 
esposizione nessimo avrebbe imaginato con qnanti precisi criteri 
si distinguono questi vasi, i quali per localitä e provenienza si 
distribuiscono in im territorio che si estende nientemeno dalla 
terra d'Otranto fino a Melfi ed al Gargano. Forse quella fräse 
latina dice anche troppo, perche fa credere che il materiale stesso 
giä si trovasse aramiicchiato, mentre alcune classi importanti non 
sono aifatto rappresentate nei Miisei ; e ciö va detto peciiliarmente 
della ceramica peucetica, di cui trattiamo in questo capitolo. 

A dir vero, ogni ricerca siilla civiltä e storia dei Japigi e 
Messapi, dovrebbe mnovere da Taranto, e per varie ragioni. In 
prima perche ivi soltanto ftirono con solerzia raccolti prodotti di 
strati antichissimi, per la intelligente ciira dei Viola; poi perche 
quella contrada segna su per giü il punto di distacco dal ramo 
Orientale dei Japigi da quello occidentale, che fii precocemente 
assorbito dai popoli Bruttii. Finalmente nelle lotte svoltesi nel V se- 
colo per Taranto e il suo territorio, Messapi e Japigi, nella nostra 
tradizione, non appaiono ancora disgiunti, mentre in seguito il nome 
Japigio svanisce ed il nome Messapico va sempre piü restringendosi 
al braccio meridionale, cioe al territorio Leccese. Si aggiungano 



di Napoli, ritenuti allora per Ciprioti. Sono costretto per la mia difesa di ri- 
levare, che nel Museo di Bari il P. prese 72 disegni di vasi, tutti italo-greci, 
a fig. r., senza punto incaricarsi dei vasi Messapici. Di questa classe preelle- 
lenica alcuni disegni vennero richiesti e speditigli a Siracusa non prima dei 
secondo anno dei mio servizio, quando io aveva segregato quel materiale, inte- 
ressandone da principio la Commissione Provinciale per la pubblicazione. — 
In quanto poi all'accennato lavoro di premio sugli ultimi vasi figurati, ai quali 
venne aggiunto, non so con quäl rapporto interno, un capitolo suH'epoca pri- 
mitiva (La Ceramica antica. Napoli 1897), avverto i lettori per mio conto — 
lasciando ad altri di richiamare la loro proprietä — che la teoria accennata 
colä p. 34 sg., e desunta dalla mia relazione, Not. d. Sc. 1896, p. 539, come 
(cosa meno rilevante) il nome ' torzella ', malgrado la diveraa ortografia, 
fu preso dallo stesso articolo, medesima pagina. — Noto infine per le due 
brocche, Mon. d. Line. VI p. 383, 384 fig. 29, 30, che io, e vero, le feci foto- 
grafare a Napoli, ma quali rappresentanti di un tipo Suessolano (conf. Not. 
d. Sc. 1878, tav. V, 1), senza immaginarmi, che esse poi verrebbero pubbli- 
cate dal P. quali vasi di Bari ! 



CERAMICA DELL'aPULIA PREELLENICA 15 

le ragioni clie derivano dalla ceramica Tarantina. Tralasciando la 
roba pi'imitiva d' impasto nero e prendendo in esaiiie soltanto i vasi 
d'argilla dipiiiti a stile geometrico, si trovano colä giä in grau 
parte i motivi della ceramica posteriore, e cioe in iina forma 
ancora semplice e senza le complicazioni che sopravvengono in 
seguito; le forme stesse dei vasi presentano grande semplicitä e 
predomina fra loro, oltre ad alcune forme piü semplici dl tazza e 
di iirna, un tipo Italico, affine a qiiello detto di Villanova, che 
in altre parti della Apiüia, se pur nou impossibile, e perö difficile 
rinvenire. 

E pure non possiamo adottare il criterio di muovere da Ta- 
ranto. Tale metodo si potrebbe seguire qualora il ricchissimo 
materiale ceramico delle Puglie fosse giä pubblicato e alla mano 
di tutti, di modo che nou abbisognerebbe altro che farne l'ana- 
lisi. E nei vasi stessi di Taranto c'e la circostanza speciale, che non 
sono dovuti a scavi sistematici, fatti in vari luoghi, bensi ad un 
rinvenimento fortuito in una certa localitä, anzi, per quanto si assi- 
cura, ad una grande tomba a pozzo, che avrebbe contenuto tanto 
i vasi dipinti, che sono piu o meno di una epoca, quanto i vasi 
a bucchero e quelli ad impasto nerastro, rappresentanti non solo 
un' altra civiltä o nazione, ma auche una evoluzione molto piü 
estesa ('). Noi invece, seguendo il metodo contrario, cerchiamo 
dai vasi piü recenti e di data certa, risalire a quelli di epoca 
precedente. Questo metodo si imponeva in Lecce per via della defi- 
cienza di classi molto antiche e d' altra parte a cagione delle iscri- 
zioni messapiche e del contatto palese con modelli greci. E per 
avventura nella regione contraria, a Canosa, ove comincia la civiltä 
nord-appula, un piccolo scavo ci condusse anche addirittura nel- 
l'ultima epoca, vicino alla fine della civiltä Japigia, quella dei 
vasi listati (succedanei dei geometrici), che abbiamo potuto cir- 
coscrivere al IV e III secolo av. C. {Notizie degli Scavi 181)8 
p. 206) : risultato, come si vede, assai diverso dalla cronologia 
arbitraria di G. Patroui, la quäle presa sul serio fuorviö altri ar- 
cheologi di giungere airVIII-XIII secolo con vasi canosini che 
alla detta classe grecizzante precedono quasi direttamente. 

Essendo giä cosi sull'avviso di non esagerare nella data della 

('j Alquanto diversi sono i fatti esposti oltre pag. 64 seg. 



16 M. MAYER 

ceramica pugliese, crediamo utile fare subito im cenno cronologico 
sui vasi siiddetti di Taranto stesso. Credo sarebbe imprudente argo- 
mentare che tiitti qiianti debbano essere anteriori alla colonizza- 
zione dorica, la cui data del resto Consta soltanto in modo 
approssimativo ('). In prima, vi e fra i saggi raccolti da me a Ta- 
ranto anche qualche pezzo simile piuttosto alla ceramica micenaica 
del terzo o quarto stile, anziehe alla protocorinzia, sieche non pos- 
siamo dire senz'altro che quei vasi japigi siano assolutamente i piü 
antichi fra i ritrovamenti del terreno. Poi, collocando la roba di- 
pinta japigia di Taranto nel IX o VIII secolo, si presumerebbe 
che con la entrata dei Lacedemoni la popolazione indigena fosse stata 
subito distrutta o cacciata completamente, mentre sappiamo da 
buona fönte (Strab. 279), che quei coloni furono bene accolti dai 
' ßägßaQoi del paese ' e vissero per un certo tempo con essi in 
rapporti amichevoli. E sebbene in seguito i Greci si facessero 
sempre piü padroni del paese, occorrevano certo le lotte fiere e 
sanguinose del V secolo, per estingere nel territorio tarantino 
gli Ultimi avanzi dell' elemento indigeno, quelli che p. e. nel 
V secolo continuarono a fabbricare colä torzelle messapiche (^). 

Forse la condizione nella quäle si trovavano gli avanzi indi- 
geni attorno a Taranto prima della grande sollevazione dei loro 
connazionali, riceve una certa illustrazione da quella storia che 
racconta Ateneo XII, 523 Ij (dal Clearcho). Si tratta della famosa 
conquista di Carbina, fatto di data perfettamente oscura. Un tempo, 
vi e detto, i Greci Tarantini andarono in quei paese dei Japigi, 
lo presero profanando i santuari e sottoponendo gli abitanti, uo- 
mini, donne e fanciulli, ad abusi e lazzi umiglianti ed osceni. Se- 
guiva indi la pena degli dei, in ispecie di Giove xaraißäri]c, 
il quäle sceso col fulmine uccise molti degli oltraggianti, di cui si 
scorgevano ancora a Taranto le tombe segnate da axi-lm davanti 
alle abitazioni. La localitä ignota di Carbina va generalmente 
cercata DeH'odierno Carovigno vicino ad Ostuni. Ma se il nome 
sia veramente geografico e non semplicemente una varietä mezzo- 
mitica di xa^ßhai (-- ßaQßagixcU Hesych.) O di xäqßav e xÜQßavog 
(cfr. specialmente Lycophr. 605 dai Japigi) o simile parola significa- 



(') Busolt, Griech. Geschichte, P 409. 
(2J Ved. Bull. d. Ist., XII, fig. 4. 



CERAMICA DELi/aPUMA PREELLENICA 17 

tiva per il popolo ' barbaro' , se adunqiie esisteva ima cittä di tal 
nome che ricorderebbe Carpina siil Gargano, Carbila dei Baebi 
Pliii. III, 10 od i Carbileti Tbrazi (ib. IV 70), resterebbe sempre 
il diibbio, come mai i sepolcri dei cadiiti in una guerra alla 
spiaggia Adriatica si trovassero nella cittä di Taranto. Non avremmo 
forse una inveuzione di epoca posteriore, probabilmente di autori 
venuti dalla Grecia, che non avvezzi a vedere sepolcri e stele sepol- 
crali ueH'abitatö davanti alle case secondo il costnme japigio ('), ne 
cercavano la spiegazione in qiialche fatto straordinario dei passato? 
D'altronde tutta la regione, ove si vorrebbe porre il sito di Carbina, 
cioe fra Brindisi ed Egnazia con Ostuni nel mezzo, tre cittä con grandi 
fortiticazioni, fra le quali Brindisi con proprio principe (-), era nel 
possesso degli indigeni, che non avrebbero tollerato iin simile 
misfatto commesso quasi sotto le mura di Ostuni (•*). Sembrerebbe 
trattarsi meno di una regolare spedizione militare che della sca- 
ramuccia occasionale di una soldatesca baldanzosa, avvenuta non 
tanto loutano da Taranto, in qualche stazione ove continuavano gl' in- 
digeni, che appaiono quasi ridotti a meteci, non preparati alla 
difesa armata, ma vendicati unicamente con la pena divina. Se 
questo rapporto forse non e ben d'accordo con le nostre idee del- 
r indole bellicosa dei popoli Japigi in genere, pur tuttavia si ca- 
pisce come tali maltrattamenti di qualche avanzo della popolazione 
indigena, sia isolato, sia bloccato dall'ambiente greco, abbia con- 
tribuito a provocare 1' insurrezione generale contro i conquistatori. 

Lasciando ora il territorio di Taranto, per circoscriFere la 
regione dei Peucezii o Pedicoli. oggetto di questo articolo, vi e 
da ricordare, che gli antichi badando specialmente ai territori vicini 
alla spiaggia, la fanuo corainciare da Egnazia o fra Brindisi ed 
Egnazia, e finire all'Ofanto (Aufidus). cioe alla linea Barletta-Cauosa- 
Spinazzola; mentre la frontiera naturale verso la montagna e 
formata dalVandamento delle colline dette Mursfe, ove la cittä di 
Silvion, probabilmente fra Spiuazzola e Gravina, ci e indicata come 



(1) Conf. N..t. d. Scavi 1898 p. 190, 1. 
{-) Antiochos presso Strab. 282 rj nuhg ßc<aüfvouirrj. 
(^) Questi scrupoli poi non venffono nemmeno scemati riconoscendo il 
sito di Karbina accennato dal Pais I 248, 2. 



18 M. MAYER 

termine dei Pedicoli. Verso ü Sud nell' interno tuito vaga nell' in- 
certezza. 

Stanno per veriticare e completare qiieste indicazioni generali, 
i monumenti, vale a dire nel caso nostro i vasi, i qiiali lasciano 
difatti distingiiere nettamente tre classi. secondo le tre regioni 
appiile degli antichi, se non che la roba peucetica, cioe della 
üdierna proviucia di Bari, s'estende al Nord tino a Ruvo, esclu- 
dendo TOfanto con Canosa; essa nou si riuviene nella penisola rae- 
ridiouale, la cui ceramica viceversa ditferisce molto da ambedue 
le altre classi. 

Con questa delineazione generale che bisognava nel principio 

di tale studio, non abbiamo perö chiuso gli occhi davanti a certe sot- 

todivisioni, ne agli elementi possibili fiiori di questa classificazione. 

Ed e specialmente il Sud ove verso la regione centrale si spingono 

tali elementi. Non parlo qui del problema della immigrazione Cre- 

tica. Vi sono perö nei tempi storici i Salentini e Calabri, i cui 

nonii emergono improvvisamente nel secolo IV quando giä i Romani 

apparvero sull'orizzonte meridionale. Di sicuro questi popoli, le 

cui origini si sono potute rintracciare molto piii a Nord, non erauo 

immigrati in epoca cosi bassa, ma rimanevano nascosti sotto il nome 

generale dei Japigi (cfr. Herod. IV 99), finche spezzata questa forza 

politica perfino allo svanire del nome Japigio stesso, venivano a 

galla tali nomi parziali. E non erano forse gli unici elementi 

della massa smembrata. Griä abbiamo parlato altrove di Egnazia 

illustrandone la civiltä speciale, erede o contemporanea della mes- 

sapica, e ben diversa, come vedremo, dalla peucetica, malgrado 

la vicinanza immediata. Fra Egnazia e la Messapia propria resta 

Brindisi ; un' altra isola etnogratica, antichissima stazione degli 

Japigi, che respinti da Taranto, si concentravano colä in grande 

moltitudine, estendendosi certamente nei territori vicini lungo la 

Costa marina. Ma mentre per il nome del primo paese, dei rvüOioi, 

non potremmo euunziare altro che vaghe congetture, e quello del 

paese situato nel mezzo, Ostuni, vorrebbesi dedurre anche dal 

greco ('), i Brindisini si presentano invece chiaramente con un antico 

nome nazionale. Si tratta di rettificare la spiegazione antica, de- 

(1) Cioe da (carv, per il nome medioevale Astunium ; etimologia assai 
dnbbia; io sospetto qui Fantico Stulnium o Sturnium (sulle monete 2tv-). 



CERAMICA. DELl'aPULIA PREELLENICA 19 

dotta (lalla forma del porto, che sarebbe somigliante ad iina testa 
di cervo, ßgävöav nella liugua messapica; il che, pur contenendo 
un cenno utile, uon puö stare, per varie considerazioni. Prima 
il nome, e specialmente se indigeno, de?' essere anteriore alla 
frequente navigazione in quel porto, che appena era cominciata 
neir epoca classica greca. Pol una popolazione che conservava 
dei ricordi cosi antichi come quello della affinitä nazionale coi 
Bottiaei, abitanti nel golfo Termaico in Macedonia, non avrä 
mancato facilmente di un nome proprio, indipendenteraente dalla 
localitä italiana, ove si era stanziata finalmente. Non dubito, 
che questa tribü si chiamava cosi dal cervo nel senso prei- 
storico come altri popoli da altri animali, i Picenti dal picus, 
gli Irpini dal hirpus, i Vitelli dal vitello o toro ('). Rivolgendoci 
poi all' interno della regione, seguendo il contine ideato fra 1^ 
Messapia e la regione centrale, il quäle comincia da Egnazia e si 
dirige verso 1' ' Hinterland " del territorio tarantino, c' imbattiamo 
ivi in quei due paesi rimarchevoli che sono Mottola e Castellaneta, 
la cui importanza oggi non possiamo che indovinare. Mi pare 
incredibile che la roccia di Mottola, che sembra dominare tutta 
la pianura fino a Taranto, non abbia avuto una importanza stra- 
tegica se non centrale nei movimenti di questi popoli, durante i 
tempi delle lotte attorno a quel golfo. E se la storia tace questa 
circostanza, forse perche appartenente ad un tempo piii remoto degli 
ayvenimenti che si aggirarono attorno alla spiaggia stessa, se anche 
di scavi archeologici non si e fatto finora un principio, stä invece il 
nome stesso per attestare, se non isbaglio, una delle primissime sta- 
zioni dei Japigi spintisi verso il mare mediterraneo. Potremmo mi- 
sconoscere Mtroidov o MszovXov, i] tmv ^lunööwv sGtI xscpah] (-), 
cioe la capitale nordica dei Japigi, trapiantata nella vicinanza del 
golfo meridionale ? A Castellaneta si sono rinvenuti in scavi fortuiti 
dei vasi italo-greci ed altri oggetti delF epoca progredita. Intanto 
non e improbabile, vista la tenacitä con cui l'Apulia conserva 
tuttora i nomi antichi, che nel Castello di Neta o Aneta ri- 

Q-) Conf. per queste analogie, G. Pais, Storia d. Sic. e d. M. Grecia, 
I, 37. 

(2) Appian lUyr., 19, Strab. 314. Japodi o Japicli = Japigi: v. Pais I, ßQ. 
Si noti che Motula {sie) e la forma con cui la cittä appula appare prima 
nell'epoca Langobarda. 



20 M. MAYER 

suoni un elemento identico al Netium (') dei Pedicoli. situato 
suUa strada interna conducente a Canosa. 

Non ci meraviglieremo, se nel Sud i confini della Peucezia si 
confondono per i geografi antichi, mentre il territoho quasi trian- 
golare fra Matera, Metaponto e Taranto resta dapertutto fuori del 
loro calcolo. II popolo Japigio. quello almeno che i Greci identi- 
ficarono per la liugua coi Messapi. si era spinto verso il golfo e 
diffuso a tutte le parti intorno: poi respinto e spezzato in vari 
modi finiva, pare, per raccogliersi in quelle ' isole ' ; forse anche in 
piü di quelle annoverate, che formavano quasi il passaggio ai paesi 
interni dei loro connazionali. rimasti piü in fondo ma in massa piü 
compatta ed uniforme. 

CEEAMICA DELLA APÜLL\ CENTRALE. 

I vasi che si devono descrivere e che si possono nel senso 
proprio raggruppare sotto il nome di vasi Baresi. si rinvengono 
specialmente in quel gruppo di paesi siti nella parte sud della 
cittä di Bari (^) : Canneto, Ceglie, Eutigliano e Noicattaro : si rinven- 
gono anche verso il Sud della provinciä: in Casamassima. Puti- 
gnano e Santeramo ; e verso il Nord, in Bitonto. e con qualche mo- 
diticazione, a Ruvo, dove perö la civil tä Peucezia, sotto 1' Influenza 
del Nord (Canosa) resta vinta e sopraifatta. Ed e non improbabile 
che simili prodotti vengano fuori in altre localitä della provinciä 
Peucezia, dove sinora non si e badato molto ai vasi rozzi per essersi 
tenuto in maggior conto i vasi figurati ; ciö fors' anche perche in 
genere gli uni e gli altri non si trovavano insieme nella medesima 
tomba, mentre soltanto questi ultimi cioe i vasi a vernice erano cri- 
terio per giudicar pagana greca nella loro idea una tomba, ed erano 
considerati degni di conservazione. S" intende che di fronte a si 
grande quantitä di vasi geometrici che vengono fuori quasi annual- 
mente dagli scavi di questi territori, specie dopo che richiamammo 
l'attenzione suUa loro importanza, i pochissimi esemplari dispersi 



(^) Strab. 282. Una cittä Netuni esisteva anche in Sicilia. 

(2j Nella cittä stessa, piazza Cavour, fu trovato un esemplare resralato 
da Giov. TJogadeo: Mus. prov. 3296. Altre tombe di Bari, della medesima 
epoca ved. oltre § IV. 



CERAMICA DELL'aPLLIA PREEI.I-ENICA 21 

fuori della regione non possono cambiare il fatto in se. Cosi im 
esemplare che esiste nella coUezione Bourguignon a Napoli, acqui- 
stato a Pozzuoli. con im biglietto attaccato, su cui e scritto Cumai, 
im altro dell' antica collezione Campana detta allora di prove- 
nienza Caeretana, ora conservato nel Louvre, D 95 del Catalogo illu- 
strato di Pottier; cf. giü p. 37; tinalmente iino del Miiseo di Bo- 
logna, il quäle potrebbe essere stato importato li nell' antichitä come 
il Taso Bologna 334 di stile Xord-Pugliese ed i vasi Appiili di 
Novilara (Mon. d. Line. V 298). Poco diibbio resta per la coppa di 
Stile Peucetico (ad alti manichi) della collezione Bourguignon che 
porta l'indicazione S. Maria di Capua, ove 1' oggetto resterebbe iso- 
lato: come ancora per un vaso di stile Nord-Appulo. Firenze Mus. 
Arch. 2967. che porta l'indicazione vecchia priva d' ogni valore, 
Maremme di Toscana. — 

I vasi di Bari del resto si possono facilmente riconoscere per 
le forme ed i disegni caratteristici che or ora studieremo ; sono 
sempre dipinti a tinta cupa di un color bruno o nerastro, ed anche 
perciö si distinguouo subito dalla ceramica del Nord (compresa par- 
zialmeute quella di Ruvo), ove la classe geometrica conserva i due 
colori. bruno e rosso o violette ; mentre sono poche le tracce di 
un' epoca antecedente in cui anche la Peucezia aveva vasi a vari 
colori che verranno descritti nel § YII con tav. V. 

I. Urne (')• 

1. Tav. II. Bari, Museo provinciale 3148, da Canneto. Alt. 0,28. 

2. Tav. IL Bari 342. A. 0,32. 

3. Tav. IL Bari 3150. Canneto. A. 0,31. 

Cratere o urna, che, a parte le varietä dei manichi, rappre- 
senta per il corpo il tipo principale del maggior numero dei vasi 
peucezi. La metä inferiore del corpo e tonda, un po' panciuta, la 
metä superiore piü o meno inclinata. II tipo s' avvicina forse piü 
che ad altro alle urne di Golasecca. che lo mostrano puro e sem- 
plice senza manichi aftatto, e s" intende senza cenno di piede o base. 



(') Xoto che i numeri dei vasi sono coiiservati puranche sulle tavole. 
GH oggetti fuori della serie sono niarcati con lettere. Si distingua inoltre la 
numerazione dei frammenti § YII. 



22 M MAYER 

1. II n. 1 ha manichi a forma di sella per cosi dire, forma 
conosciuta in ispecie dalla ceramica sicula antichissima. II piede e 
conico e breve come quasi sempre. II disegno della spalla, cMa- 
miamo cosi la metä siiperiore, consiste in fasce cht; chindono serie 
di piccoli qiiadrati messi a punta, che sono riempiti a lineette paral- 
lele ; una delle serie corre attorno al vaso intero, 1" altra muore ove 
cominciano i manichi. La pancia o metä inferiore, pel disegno sepa- 
rate nettamente con fasce fortissime, offre qiiel motivo principale 
e caratteristico dell' arte peiicetica, che rassomiglia ad im pettine, 
norae questo piü adatto a descrivere im oggetto bisliingo formato 
da ima forte cornice a tre lati, aperta al disotto, piena di iinee fine 
verticali. L' oggetto scompare sempre dal di sotto in iina fascia o 
in varie fasce del vaso, quasi come iin grande pettine intromesso 
in un nastro od ima cintura. Seguendo il movimento del vaso stesso. 
esso si apre un poco, quando e collocato siüla zona superiore, e si 
ritira un poco quando suUa inferiore. Non di rado i due larghi travi 
laterali sono rastremati in giü. II concetto e 1' origine di questo 
Schema verrä spiegato meglio quando si conoscerä piü largameute 
il nostro materiale (§ IX in tine). 

II presente vaso olfre un paio di questi pettini morenti in giü 
coi denti in un largo sistema di strie parallele. I pettini sono messi 
simmetricamente con un grande campo o quadro nel mezzo riem- 
pito in senso diagonale con vari sistemi di scacchi e di triangoli 
colorati. 

2. La differenza principale dal 1° sta nei manichi, che congiun- 
gono labbro e spalla come braccia appoggiate sul fianco, ma di una 
foggia piuttosto avanzata, cioe di larghe fasce senza sensibile spes" 
sore. Spiccano in essi le clepsydre dipinte ; ciascuna fra due punti 
tondi ai lati. Del resto gli elementi decorativi sono quasi identici 
con quei del n. 1. Nel quadro centrale spicca una grande scacchiera 
messa in cima con macchiette nei vuoti triangolari che avanzano. 
La divisione che si scorge in questi triangoli, non e arbitraria, 
bensi queste Iinee sono ideate, malgrado le loro irregolaritä, come 
i termini di lunghe diagonali incrociate, attraversanti tutt' il quadro, 
come e visibile piü chiaramente nel piccolo vaso n. 25 Fig. (§ III). — 
Sulla spalla la pittura non poteva portarsi intorno, come nel n. 1, 
ove il manico aperto dal di sopra non opponeva ostacolo al pennello 
del pittore. Quindi lo spazio vuoto al di sotto del manico oppure 



CERAMICA DELL'aPULIA PREELLENICA 23 

neir interno, che dava liiogo ad un altro ornamento, formato da 
linee convergenti non dissimile a tettoie messe l'una sopra l'altra. 

3. L' antica forma indigena qui subisce una trasformazione in 
una specie di cratere greco. Perö il manico congiimto col labbro 
non rinnega la sua origine dalla ' sella ' semplice pei- i ritinimenti 
a giiisa di aculei, piii accentuati ancora nel n. 21, che qui sono 
in direzione orizzontale per via del labbro allimgato. Si confronti 
il cratere rosso di Lecce (34) ove non esistono piü qiieste differenze 
capricciose doviite al sentimento non ancora perdiito del proprio stile. 
Quanto alla decorazione, essa mostra sulle parti laterali della 
pancia la svastica della quäle si parlerä subito, e parecchie serie 
di Corte zig-zag a forma di ^ sulla pancia, suUa spalla, sul labbro 
e financo sui manichi. Fra i piedi dei manichi si osserva un qua- 
drato di scacchi messo in piedi, e negli spazi irregolari a destra 
e a sinistra, gruppi di macchiette. 

4. Bari Mus. prov. 666. Alt. 0,30. 

Spalla: quadretti a 2 righe, tre fascie, al di sopra zig-zag 
a. nodi. AI di sotto dei manichi : tettoie. Campo centrale come nel 
n. 2, ma i quadretti scuri della scacchiera, invece di essere riem- 
piti di colori, hanuo una cancellata fine a croce. Campi laterali : 
ciascuno ha quattro clepsidre. Manichi, che qui sono perforati: 
la fascia divisa da linee trasversali in quadretti Yuoti; a questa 
fascia precede. come spesso sui manichi, un quadretto largo che 
si osserva anche nel n. 2: come il principio di un nastro che 
scompare e poi ricompare da capo ; ma colä resta inosservata quasi 
come uno sbaglio della pittura ove la tinta non abbia presa, mentre 
qui esso e distinto da una serie di macchiette, anzi globuli dise- 
gnati con diligenza, accostati di sopra e di sotto da linee paral- 
lele. Tali punti o macchiette circondano anche 1' orlo del labbro 
del presente come del n. 2. Della decorazione interna delle labbra 
che e quasi comune a tutti, si parlerä a suo luogo. II piede ha 
sistemi di semicerchi ma non pendenti, bensi rovesciati. 

Altri vasi un po' piü piccoli dei tipi descritti che si asso- 
ciano al n. 2 e 4, sono Bari Mus. prov. 3412 (da Bitonto, Not. 
d. scavi 1897, p. 434, fig. 2). 2928. 3153; ove s' incontrauo nei 
campi disponibili talvolta degli asterischi, uno in ciascun campo. 

Una impressione alquanto diversa fa 1' urna Bari 3149 coUe 
due Serie verticali di quadretti neri messi in cima, che servono 
invece del solito campo quadrato, a separare i pettini. 



24 



M. MAYER 



Accanto al pettine figiira in genere nna grande svastica, 
che va sempre collocata in im posto molto cospicuo. Questo sim- 
bolo, ignoto allo stile Nord-Appiilo. ha sempre la forma di quattro 
gambe con piede, e va- eseguito con linee piü forti dal di fuori e 
piü fine neir interno, abbellimento che non manca mai. 

Di quei vasi che portaiio la grande svastica nel qiiadro cen- 
trale rispettivamente nel laterale, sia in luogo degli scacchi o sia 
alternata con esse, vanno rilevati i vasi del Museo di Bari nn. 177. 
3657. 3653. 2927. 

Delle particolaritä interessanti öftre la grande urna seguente 
(ed il suo compagno che si trova in possesso privato). 

5. Tav. IL Bari Mus. prov. 3149. Alt. 0.27; da Canneto. 




Fiff 1. 



E questo non tanto nella parte inferiore che ha i pettini con 
grande svastica in mezzo, quanto nella parte superiore, ove i pet- 
tini si trovano insieme con altri ornati. Invece della scacchiera 
v' e un sisteraa di quadretti semplici messi in cima, disegnati se- 
condo r uso del presente stile con distinzione di uno piii forte ed 
altri piü fini. Negli angoli del campo vi sono crescenti dai 
quattro lati del quadrato, altrettanti elementi meandrici, cioe uncini 
voltati ad angolo nell' interno parecchie tiate, ma non in modo 
precisamente rettangolare. Nel centro del quadro v'e un motivo 
che non devesi confondere con la svastica; sono due S iucrociate, 
ciascuno con rifinimenti quasi meandrici; si potrebbe confrontare 
n. 14, ove le due S servono per un simile quadretto, ma collocateuna 



CERAMICA DELL'APULIA PREELLENICA 25 

accanto all' altra. Fra le strie che riempiono il resto di questa 
metä del vaso, si distingue una stretta zona con lunghi imcini 
obliqui addentellati, che da lontauo, per la piccolezza, rassomi- 
gliano a spirali. Tutta speciale e la figura che spicca fra i ma- 
nichi (a sella). L' ampio sistema di triangoli che coUa base comime 
rassomiglia ad ima tenda, e tanto piü perche i lati prendono spesso 
una leggera incurvatura concava. lo si conosce dai primi tempi 
deir arte meridionale ; Schema infatti che attraversa tutte le classi 
della ceramica appiila. Insolito perö e il trinchetto a croce che 
si eleva colä al di sopra, con due piccoli ritinimeuti verticali a 
ciasciin braccio : cosa che vuol' essere stiidiata assieme con certe 
altre figure non del tutto identiche, che s' incontreranno siii vasi 
presenti. 

Per ragione della decorazione identica devono collocaisi in 
questa serie alcuue urne con manichi a forma di tubo. 

6. Fig. 1. Bari Mus. prov. 125 A. 0,24. 

7. Ivi 3154. A. 0,245; da Canneto. 

8. Fig. 2. Ivi 3714. A. 0.26; da Montrone. 




Fisr. 2. 



'o 



La maniera di conservare i tubi verticali degli askoi anti- 
chissimi in un senso quasi uettamente decorativo anche in \'asi 
che, essendo largamente aperti, non avevano piü bisogno di quei 
scolatoi a canale, e conosciuta dai vasi Leccesi (^) e s' incontra, come 
si sa, anche p. es. nel Lazio (Roma), a Suessola ed altrove. A 

(ij Bull. d. Ist. XII, p. 216. 



26 M. M\YER 

Bari e nella Peucetia in genere i tubi compressi e trasformati in 
manichi offrono la particolaritä di restringersi in im collo con la 
bocca distaccata come im bottone. 

II n. 6 ha un manico a sella e invece dell' altro, im tubo in- 
tei'o come gli askoi veri (n. 15-17) che poteva servire da scolatoio, 
mentre si copriva 1' apertura centrale. La forma e la probabile 
funzione ricorda im poco quelle pseudo-askos con decorazione Nord- 
Appiila trovato nelle Pizzughe d' Istria (i) e quello di disegno piü si- 
mile alle stile peiicezio, che e pubblicato da Laborde Vases Lamberg 
II 48, 43. Questi sono sormontati da im'ansa semicerchiale imitando 
un forte filo di bronzo per sospendere il vaso. II corpo dei vasi 
Baresi e piü tondo, per non dire sferico, delle urne studiate finora. 
ma nou senza accentuare, almeno nel disegno, la distinzione della 
spalla. La parte inferiore öftre i soliti motivi del pettine e della 
grande svastica (6) o dei pettini soll nel mezzo separat! da sem- 
plici tratti orizzontali (7). La spalla del n. 7, dipinta in maniera 
piü andante, ha un grande zig-zag a linea raddoppiata, quella 
del n. 8 un ornato piü line, che vedremo meglio poi (conf. n. 21). 
II primo (6) ha bisognö di essere descritta nei particolari. Una 
delle strette zone della spalla, che sono spesso interrotte da li- 
neette verticali, tiene quegli imcini obliqui, giä incontrati nel 
n. 5 ma piü corte e fatte in una maniera un poco trascurata ; 
il tubo öftre alla fronte un altro pettine, dove e rilevato soltanto 
il bordo orizzontale, e alla parte contraria, cioe del manico, una 
figura assai speciale: prima il conosciuto sistema triangolare a 
' tenda ' onde si eleva quasi come un candelabro con molte can- 
dele, un fusto verticale con uno trasversale, il quäle ultimo e guar- 
nito di 11 13 piccoli oggetti verticali; il fusto principale e 
condotto a traverso la ' tenda ' fin alla base, forse per la sola 
comoditä del pittore, che trovava tale espediente piü semplice che 
attaccare la linea in senso strettamente verticale suUa cima della 
base. E palese la somiglianza con la figura dell' urna 5, ma non 
meno evidente la diff'erenza. 

La fine di questa enumerazione facciamo con diie vasi di 
una fattura non identica, ma ben diversa da quella presentatasi 



(^; A. Amoroso, Le Necropoli preistorichc dei Pizzughi. Atti e Mem, 
d. Soc. Istr. di Archeol. 1889, tav. V, 1. 



CERAMICA DEI,I,'a1'LLIA prkeixenica 27 

nei prodotti finora descritti. La provenienza non e accertata. ma 
di siciu-o non lontana da Bari: 

9. Fig. 8. Bari Mus. prov. 3650. Alt. 0.25. Urna come 
n. 1 segg.' con manichi a sella a piede svelto. Sulla spalla due 
Serie, non separate, di quadrati con cancellata e croce ; i quadrati, 
messi sulla punta piü graudi del solito. Sulla metä inferiore, 



«jjyj' /fi<i 








Fig. 3. 

grandi pettini e nel mezzo, disposti secondo la diagonale, scacchi 
e quadrati (mezzi e intieri) come quei primi. AI disotto le sollte 
strisce o fasce parallele, continuate qui anche sul piede piuttosto 
alto, ove poi le due ultime strisce sono congiunte da gruppetti 
di verticali. 

10. Tav. III. Bari Mus. prov. 3651. Alt. 0,195. ürna 'di 
corpo piü tondo, piü globoloso aucora di quelle due muuite del 
tubo. II labbro e attondato e non si distacca, come i precedenti, 
ad angolo con profilo dritto dal corpo. Le anse di forma touda 
piü semplice delle altre stanno di sbiego, e restano molto al di- 
sotto dell'altezza del vaso. Precisamente questo tipo di cratere 
zuppiera si trova giä fra i vasi geometrici di Tarauto (e si incon- 
trerä in una forma piü rüde a Santeramo ; 24). Ma il loro stato fran- 
tumato non permette di constatare se il piede giä era foggiato 
come il presente, che sebbene basso, e di una certa eleganza, 
concavo e senza sensibile distacco dal corpo. In quanto alla deco- 
razione, che riguarda soltanto la parte superiore, essa öftre senza 
simmetria la solita svastica accanto ad un altro pettine, quesf ul- 
timo con poca distinzione del bordo e con denti meno tini del 



28 M. MAYER 

solito. Nel campo laterale presso ai inanichi vi sono diie sistemi 
triangolari opposti cod le punte a modo della clepsidra, ma a 
linee cuiTate, concave in specie nella metä siiperiore, che anche 
neir interno differisce, offrendo iina linea incurvata in se stessa 
in modo di im triangolo aperto, motivo caratteristico per il pre- 
sente stile. Dal disopra e dai lati della tignra, che non giunge 
l'altezza del qiiadro, escono per animare l'avanzo di spazio, linee 
dritte a croce, come i rifinimenti di una croce irregolare in parte 
coperta dalla clepsidra. {') 

Un griippo per se formano le tre iirne segiienti di stile quasi 
identico, che presentano forma e decorazione della serie 1 segg. 
in uno stadio alquanto anteriore (-). 

11. Tay. IV e. Fig. 4. Bari Mus. prov. 3508. Alt. 0,25; da Ca- 
samassima. 

12. Fig. 5. 3498. Alt. 0,20 : probabilmeute da Ceglie di Bari. 

13. ib. 3152. Alt. 0,235; da Canneto. 

La forma e quella del n. 2 con manichi a fascia, di propor- 
zioni piii pesanti nella metä inferiore, con la spalla alta, cioe 
assai inchiuata, di protilo' duro, dritto, che per il distacco dalla 
pancia ha quasi Teffetto della concavitä. Come le fasce orizzontali 
che dividono le due metä, sono relativamente deboli, cosi 1' intera 
pittura ha qualche cosa di magro in confronto alle precedenti, 
che hauno spesso un aspetto rieco, por non dire ingombrato. Pet- 
tini e svastiche, alternate con simmetria e senza, adornano la parte 
inferiore ; i pettini con poca distinzione del bordo. Sulla spalla si 
distingue una zona principale e piü in giii un'altra, stretta. In 
quest' ultima si scorgono o piccoli triangoli (con un secondo nel- 
r interno, e base comune) contrapposti in senso alternante, o 
quegli uncini ritrovati nel u. 5 e 6 che si direbbero spirali ad 
ancfoli, se non fossero lievemente addentellati anzi che realmente 
congiunti. La zona piü larga, vicina al labbro, öftre nei n. 11-12 
quei motivi interessanti che non puö descriversi altrimenti che 
quäle meandro triangolare; cioe la base di un triangolo maggiore 
e da eiascuna parte rivolta all' interno, in modo da formare due 

(^) Quasi un compagno di questo, anche per la provenienza, e Mus. 
prov. 36.52, ove la metä superiore della clepsidra falsa 6 ripetuta in senso 
rovesciato al di sotto dei manichi. 

(2) Di questo tipo ö il vaso di Berlino 3908. 



CER.VMICA DELL'aI'LI.I.V l'REELLEMCA 29 

imcini triangolan ; cosi almeno nel n. 11. mentre nell' 12 le 
curvature sono meno regolari formando auche tre o qiiattro volte 
angoli diversi, tendenti ora al qiiadrato, ora al trapezoide. E di 




Fio-. 4. 



qiiesto tipo irregolare e anche quell' uucino isolato che va annesso 
(sempre internamente) vicino alla cima della figiira principale, 
sieche — a parte la base aperta — si ha 1' idea di iin triangolo 




F\S- 5. 



con ornati piü o meno egiiali nei tre aogoli. A traverso del tutto 
passa come linea conduttoria un grande zig-zag. Corrisponde nella 
maniera perfettamente il disegno visibile siil manico del n. 11, 



30 



M. MAYER 



ima specie di clepsidra, ma con le basi aperte da una parte, 
perche formato da due iincini incrociati rivolti in senso triangolare. 
Brevi ceniii triangolari sono inseriti siü labbro. 

II pittore del terzo vaso si e limitato a mettere invece di 
quel sistema \m poco complicato, due cenni triangolari con in 
mezzo la figura 1 1 (pag. 39) che ritorna nell' askos 30 in forma 
piü semplice, cioe i motivi che il n. 11 adoperava in luogo se- 
condario e siü manichi, il saggio di una linea ondulata ad angoli, 
specie di greca primitiva. 

Questi tre vasi ed i precedenti n. 5 e 6 ci offrono nientemeno 
che gli elementi fondamentali, dai quali dovette svilupparsi ii 
raeandro greco. V'e Tuncino meandrico, v'e la fascia accennata 
che continuata s' incontra almeno su di un vaso, una tazza Barese 
dell'epoca; ne mancava finalmente in un'altra parte di questo am- 
biente (37. fr. 9, 10) il meandro a forma di piede, l'elemento isolato 
in due. Bastava di congiungere parecchi dell'uno o Valtro tipo, 
per arrivare alla fascia meandrica, la cui giunzione interna degli 
elementi giä era iudicata dal tipo a forma di piede. Ma non si 
giunse oltre all' unire due uncini in senso contrario a forma di 
un S, come vedremo nel prossimo vaso. E neppure questo passo 
si e fatto ancora nelle urne presenti. Tanto lontani si erano dalla 
idea della fascia greca, che punto badavano quäl specie di figura 
tendesse a formare la linea spezzata, se triangolare o rettangolare 
poligonale o — ciö che non avviene punto raramente — un sistema 
misto da due elementi diversi. Ci troviamo dinnanzi ad uno stile 
tutto speciale, che con la sua maniera, di trattare e variare la 
linea spezzata sia a forma di sporgenze o di figure indipendenti, 
affronta in principio i freni della fascia rigata e piü di tutto la 
norma orizzontale. Sembrando a prima vista bizzarri e capricciosi, 
ma seguendo una legge interna stilistica, i tratti scorrono come una 
scrittura, che si direbbe talvolta quasi corsiva, guardando p. es. la 
croce del n. 24, in modo che non riesce facile rendere subito o 
imitare dalla memoria, figure come quella 11 pag. 39. 

Proprio questa maniera si osserva nelle spirall geometriche 
che si scorgono qui soltanto nell'arte paesana dall'Apulia. Certo 
nella classe Barese, priva completamente del compasso per fino 
alla deflcienza di ogni traccia di cerchio, non aspetteremo i cerchi 
con tangenti. Ma sorpreude a vedere con quanta cura minuziosa 



CKRAMICA DELL'aI'ULIA PREELLENUA 31 

anzi con qiianta speditezza gli uncini vanno eseguiti e spezzati 
piü tosto 3 4 volte, addentati fra loro ma senza contatto dei 
rifinimenti, mentre sembrerebbe cosa piü ovvia e commoda di 
attondiiii ad un solo tratto. E le varietä che si verificano anche 
qiü, confrontando p. es. il n. 6 e 5 con il tipo del n. 12, rivelano di 
niiovo una maniera abbarbicata, non inspirata da qualsiasi Influenza 
estrinseca. 

üna conferma per quel che si e detto, possediamo in qnel bel- 
lissimo vaso, regalato con im altro (n. 24) dal cav. De Laurentiis : 

14. Tav. III. Bari; Mus. pr. 3646, alt. 0,17 senza manichi; 
contrada di Santeramo. 

La forma ben di versa dalle precedenti, si presenta quasi 
come due emisferi, privi della calotta polare, onde si elevano due 
manichi ad orecchio appuntato. La parete e finissima ed il tutto 
della massima perfezione tecnica, alla quäle corrisponde la rara 
precisione e nettezza del disegno. La zona inferiore adoruano grandi 
svastiche e pettini, alternati senza simmetria, la superiore ha da 
ciascuna parte due campi quadrati, uno coUa svastica, l'altro con 
un bellissimo sistema di meandri, messi in senso diagonale. A 
primo aspetto si crede di scoprire un sistema di vere greche, men- 
tre in realtä le diagonali consistono soltanto in sistemi di due 
elementi meandrici uniti in un gruppo a forma di un S, alla quäle 
composizione si aggiunge un elemento isolato nel centro e uno in 
ciascun angolo esterno della figura. In forma piü semplice i due S 
sono ripetuti sui manichi in un quadrato messo sulla punta, con 
elementi isolati aggiunti questa volta ai lati per riempire gli an- 
goli vuoti; altri saggi meandrici sono sparsi sul coUo, vicino al 
labbro del vaso. Si deve confessare che questi artisti analfabeti 
sapevano profittare dei pochi motivi di cui disponevano, con una 
abilitä ed un talento, che sorprende e che produce degli etfetti dav- 
vero simpatici. E pure il tipo un po' arcaico del vaso, foggiato 
senza piede e con queste anse, nonche del pettine, coi denti 
grossi neU'interuo, muove dubbi, se il pittore volendo, avrebbe 
potuto continuare il sistema meandrico perflno ad una fascia sana 
orizzontale, e se ciö non uscisse dalla cerchia della sua couoscenza 
e tradizione. Questo passo non lo vediamo fatto se non su vasi 
imitanti anche nella forma, modelli greci. 



32 M. MAYER 

IL A 1 1 r e forme. — D e c o r a z i o n e ad ar c o. 

Finora abbiamo taciuto costaatemente della decorazione del 
labbro, di quella parte cioe interna che, sebbene non e sempre vi- 
sibile sulle nostre figure, certo non sarä rimasta grezza in vasi 
cosi riccamente dipinti. Nel solo n° 3 fii notata la serie di zig-zag 
del vaso, ripetuta siil labbro, proprio perche si trattava di una 
eccezione. II resto di questa serie, compresi molti simili esemplari 
non descritti, e costante ed öftre, se mai il labbro ha sufficiente 
larghezza, o archi liueari o merletti neri ad arco, orlati o no 
di lineamento fine o, finalmente, raggi neri piii o meno fini, 
inclusi no da una striscia larga inerente alla parte interna 
ed esterna del labbro. S' intende che qiiesti iiltimi motivi deri- 
vano dal sistema degli archi lineari ; riempita di colore la 
parte interna del labbro, nacquero prima i merletti neri con 
segmenti bianchi al di fuori, e per im processo di degenerazione 
quei raggi stretti che si conservano poscia anche su vasi mi 
nori, p. e., bicchieri di disegno non piii geometrico. Un processo 
alquauto simile si sv^olge suUa spalla dei vasi. La dai tempi an- 
tichissimi. esistevano spesso due serie di triangoli contrapposte a 
denti alternati ('), fra le quali rimase un vuoto a forma di zig-zag; 
col tempo si cominciava ad accentuare questo movimento con una 
linea, che in seguito rinforzata ed abbellita, fini per scacciare o 
assorbire i triangoli, come si scorge su varie urne (-), del resto identi- 
che con le altre per stile e fattura. — In quanto al labbro lo svolgi- 
mento dal sistema lineare, contornato, al massiccio, per cosi dire, 
dev' essere cominciato assai presto. I pizzi neri sono comuni giä in 
classi molto anteriori (§ VII) e compaiono poi ridotti a raggi 
stretti, maniera in geuere. che per la sua eleganza stona alquanto 
dal restante, e se ritrovati in frammenti come a Putignano, fa- 
rebbero facilmente aspettarci un corpo giä decorato quasi in uno 
stile greco. Le tre urne 11-13, di certo le piü antiche in questa 
serie, d' altronde afliuissime fra loro, mostrano tutte e tre varietä ; 
gli archi soli (11), i pizzi neri (12) ed i raggi stretti, qui anche 
separati e messi in distanza (13). 

(1) Per es. Taraiito 34. 

(2) Per es. n. 7 e Bari 128. 3151. 



CERAMICA DELL APUMA PREELLENICA 



33 



Tale decorazione e abitiiale anche allo stile delle allre re- 
gioni, ma per il labbro solo e per il piede, se ce n' e. La pre- 
sente classe invece 1' adopera pure per il corpo, come si vede nei 
seguenü vasi, che ho doviito rimandare fino a qiii, malgrado la 
identica epoca e fattura, trattandosi di forme differenti con dimen- 
sioni minori, che forse perciö si prestavano meno alla decorazione 
larga e ricca prescelta per le iirne. 

15. Fig. G. Bari. Mus. pr. 1551. Alt. 0,135. AsJws di 
corpo un poco ovale con bocca a tbggia di tubo corto e largo e 




Ficr. 6. 



con canaletto per sugare alla parte contraria ; piede breve conico, 
manico sul dorso a forma di fiocco o anello allungato. Sul dorso 
una Serie di zig-zag a forma di .2" e un doppio ordine di quadrati 
(in piedi) riempiti di lineette; conf. n. 21. Due metä del corpo sono 
anche qui distinte da una fascia larga ; da essa pendono semicer- 
chi in Serie doppia, il resto del corpo e coperto di strie paral- 
lele. II collo öftre, laddove egli si attacca al corpo, un disegno 
che ricorda quasi il petto di un cavallo bell' e guarnito, rispec- 
chiando bene, con le strie inclinate che ricevono in fine due orizzon- 
tali morenti, il movimento piuttosto ideato che eseguito del collo : 
insomraa tutto rivela quel sentimento fino e sicuro per stile e con- 
sistenza che distingue questa intiera ceramica. 

3 



34 



M. MAYER 



16. Tav. III. Bari. Mus. pr. 2395. Alt. 0,14. /skos si- 
mile al n° 15. Qiii nella zona inferiore si riscontra quel che si e 
detto sulla decorazione dei labbri delle urne : lo spazio presso le 
parti concave, che prima rlmase bianco, e riempito di colore e si 
prevede, che, come i diie archi sono in genere ridotti ad uno (con 
eccezioni visibili a destra), cosi in im prossimo vaso, dipinto forse 
con un po' di trascuratezza, anche quest'ultinio arco verrä omesso. 
In quanto al disegno del dorso, vi e soltanto la serie di zig-zag 
che si estende fin vicino al collo. 

17. Fig. 6 bis. Bari. Mus. pr. 2962. Askos, da Noicattaro. 
Alt. con manico 0,155. II corpo, piü globoso con piede brevis- 




Fig. 6. 



Fig. 6 l/is. 



simo, manico piü alto, e intieramente coperto da strie parallele ; 
fra quelle della parte inferiore si distingue una serie di archi pen- 
denti, e fra quelle piü fine della spalla, due serie (separate) di punti : 
il resto col manico, trattato quasi come un coperchio, riprende le 
strie piuttosto larghe. Notevole il pettiiie applicato al collo, e al 
di sotto della base una grande croce colorata, motivo giä incon- 
trato sulla grande tazza a torzella Messap. fig. 20 (^), cf. il nostro 
n° 23, e ripetuto due volte su di una urna o zuppiera di Sante- 
rarao, qui sotto, n° 24, raffigurata Tav. IV. 

18. Fig. 7. Bari Mus. pr. 3498. Alt. 0,125 Diam. mass. 0,17, 
probabilmente da Ceglie del Carapo. 

Specie di ' fruttiera ', che serviva perö piü probabilmente da 
sostegno per qualche altro vaso privo di piede, sia un askos — gli 
askoi perö di stile corrispondente sono tutti appianati al di sotto 



(>) Bull. d. Ist. 1897 p. 245. 




CERAMICA DELi/aPIMA PREELLEMCA 35 

miiniti di una base — ossia per una coppa emisferica di metallo o 
vetro qualche materiale esotico, come se ne trovano p. es. a Ca- 
nosa tanto in originali che imitati in creta, e proprio di dimensioni 
corrispondenti (Bari 1478. 1282. 3325 =Not. d. Sc. 1898, pag. 203 

fig. 6). Una 'fruttiera' di simili dimen- 
sioni trovai a Canosa fuori dello scavo, 
perduta nel terreno (Bari 3327) ; la coppa 
e piü bassa, ma proprio per questa ragione 
non adatta a ricevere friitta o simile, bensi 
fatta per appoggiare qualche altro piatto. 
L'interno della nostra e riccaraente dipinto, 
p-^ rj Un cerchio diviso in quattro parti come 

le roteile dei vasi Leccesi, Schema che ri- 
corre al di sotto del piede ('), e circondato a poea distanza da un 
largo sistema di archi colorati e contornati come se ne vedono sulla 
parte esterna. Per teuer la distanza fra l'uno e 1' altro serve una 
di quelle zone strettissime divise con gruppi di lineette. 

19. Bari Mus. pr. 3499, provenienza uguale. Piccola coppa 
diam. 0,117 con cenno di base, decorato all' interno in simile ma- 
niera, sistema di archi colorati con grande ornato centrale. Quest' ul- 
timo, per quanto la condizione sciupata lascia discernere, dev' es- 
sere stata quella svastica complicata o croce meandrica che — per 
non uscire dalla Apulia — si scorge nel nostro vaso 31 fig. 17 e su 
di una gioielliera d'oro, trovata a Noicattaro, conservato nel Museo 
di Bari (-) che riproduco qui per curiositä tav. III F). Sui vasi 
Baresi propri della classe presente quel motivo si trova raramente, 
p. e. su 308 al di sotto del piede. 

20. Tav. IV. Di simile stile e di uguale provenienza e anche 
la nrnetta (alt. 0, 11) Bari Mus. prov. 3794, di cui non avrei 
data la figura se non avesse una certa raritä di forma con le anse 
messe vicino alla base: forma resa con poca chiarezza del profilo, 

(') Tra i vasi della presente classe cf. Bari 3151. 

(2) No. 1660, 1660«. Diara. 0,045. 1 piccoli coni, dei quali uno e con- 
servato (alt. 0,016), erano una volta iiiuniti di pietre dure. Di altre tre pietre, 
piü piccole, la lastrina a d. conserva le montature. II cono ha in rilievo tre 
svastiche della forma comune, segregate per piccoli triangoli ascendenti, con 
alcuni archi rovesciati, immisti irregolarmente. Per i due serpi aggruppati con 
le svastiche conf. la scatola Tebana, Jahrb. d. Inst. III p. 357. 



36 



M. MAYER 



ma che giudicando da vasi come fig. B tav. IV Bari 2828 (Egna- 
zia), 3407 (Canosa) ed altre analogie (fig. A tav. IV, Mus. di 
Taranto 135) deve rimontare ad un tipo antichissimo, che riscon- 
treremo nelle classi anteriori ('). 

21. Fig. 8. Un poco diverso per la fattiira e 1' aspetto ge- 
nerale e il cratere da Valenzano, di possesso privato. Oltre alla 
decorazione a semiarchi conceutrici, prescelta per le discrete dimen- 




Ficj. 8. 



sioni del vaso che ha, per qiiesto tipo di urna cosa insolita, soltanto 
l'altezza di 0,18, spicca sulla parte superiore una fascia alquanto 
speciale, che ricorre, se se ue tolga la piccola modificazione nel 
n. 15, SU altre due urne: una giä T abbiamo incontrata (n. 8); 
r altra di uguale decorazione •(pettini, svastica) del corpo, simil- 
mente tondo ma con manichi a sella, fu trovata a Putignano ed 
e conservata colä nel Municipio. Qiieste due hanno i quadretti 
rierapiti di puntini ad una o due serie o gruppetti meno regolari. 
Alla presente classe appartiene chiaramente il vaso pubblicato 
da Laborde, Vases Lamberg II 48, 42 ; una pignatta ad un ma- 
nico, di tipo poco caratteristico (cfr. la nota pag. 38, 1). Ess a ha, 
per eccezione, i semicerchi incorniciati in un campo bislungo, e sul 



(1) Conf. anche Berlino 253. 



CERAMicA dp:ll'apulia. preellemca 37 

labbro arclii con triangoli im po" attonditi ; suU'orlo del labbro 
piccoli piiuti macchiette ('). 

Teinerei di stancare il lettore, se volessi qui euumerare e 
catalogare tutto il raateriale Barese decorato in questo stile, visto 
che ci resta ancora da studiare piü di una classe diversa e piü 
antica. Basti menzionare sommariamente il gran numero di urne 
decorate cogli elementi osservati tinora in due serie di vasi. Se- 
condo le dimensioni prevale 1' uno o 1' altro sistema, in modo che 
il secondo, quello ad archi, va prescelto per i vasi minori, pur 
dominando nell' uno e nell' altro siii labbri, spesso intimamente 
connesso con elementi triangolari, abilmente inseriti nei segmenti 
ed altri spazi vuoti. 

Nella gradazione di dimensioni che insensibilmente scende fin 
alla tazza, nel senso moderno, ima notevole ditferenza si verifica 

tutt'al piü nei manichi, che con la loro 
fascia larga e fina, foggiata ad orecchio 
tondo, spesso superano 1' altezza della 
iirnetta. Le tazze hauno spesso uno o 
due manichi ad orecchio appimtato, perö 
con la cima solcata come cuojo, non 
proprio biforcati come quei della Dau- 
nia. Di questo tipo raffigurato qui (22, 
p..^ f, tig. 9) in un esemplare di Putignano 

e in un altro trovato a Bari (gruppo 
fig. 9 pag. 38) e p. es. una tazza a Bologna, Sala VI, che per 
forma, disegno e creta mi ricordö subito la roba Peucezia in 
ispecie della contrada di Rutigliano; essa ha nella parte inferiore 
semicerchi concentrici, sulla spalla, vicino al labbro, una serie 
di qaesti uncini \C\C comunissimo disegno, e sul labbro stesso 
gruppi di linee verticaii. Si confrontino le numerose tazze Baresi, alle 
quali pure appartiene, come giä fu uotato a principio, il vaso (-) 

(') Finito lo stile geometrico, appare talvolta su certi bicchieri greciz- 
zanti, raessa vicina aH'orlo, ua;i serie di piccoli semicerchi duplici di una forma 
un poco allungata, avvicinata all' ovale, che potrebbe essere inspirata dagli 
ovuli dei vasi greci figurati. 

(2) Non capisco perche 1' autore voglia confrontarlo con tazze di Eodi 
come A 288 del catalogo (si poteva con lo stesso diritto o torto riferire al 
Dipylonj, che oltre ad una decorazione diversissima, hanno manichi alti e quasi 
diritti ed un collo verticale senza labbro. 




38 M. MAYER 

Loiivre D 95, che nel catalogo di Pottier non lascia ben discernere 
gli archi pendenti concentrici. 

Le stoviglie di questa classe, secondo la sobrietä del loro ca- 
rattere generale, si limitano a poche forme, e non presentano pimto 
qiiella varietä bizarra propria all' arte del nord. Oltre alle tazze 
— che del resto, qualora sieno di qualche dimensione e ad un 
manico tondo, portano talvolta una sporgenza a spina, conosciuta 
anche in altre regioni, sul manico laddove la mano di qiiel che 
versa o beve, metterebbe il pollice (') — meritano una breve men- 
zione le coppe, che sono quasi sempre grandi (0,16-0,19) e della 
forma profonda conica, come sulla fig. 10 in genere munite del ma- 




Fig. 10. 

nico a sella, piü raramente attondito. La loro decorazione e sempre 
della piü grande semplicita, con gruppetti di tratti verticali sull'ansa 
e attorno al labbro, che e rivolto all' interno, e con un cenno di 
disegno nel centro. questo perö senza cerchi circondanti, perche in tal 
luogo ristretto ci voleva il compasso e non bastava il tornio solo ; i 
primi tentativi titiibanti di mettere colä i cerchi, si verificano sotto 
r Influenza greca e col finire del disegno geometrico, anche di quel 



(') Per es. Bari 3155, 3158, e di epoca un poco posteriore 3164, 3612 
La forma del vaso di Novilara Mon. d. Line. 1895 p. 121 fig. 12, attribuito 
all'Apulia, non trova colä finora riscontro preciso. Si potrebbe magari confron- 
tare il vaso Laborde, v. p. 36 ; sorprenderebbe peru in questo ambiente la 
fascia greca, continuata attorno al vaso. Una somiglianza anche lontana coi 
vasi del Museo Napol. illustrati dal Winter .4^. Mitth. XII 241, 11, cioe con 
roba Nord-Appula, non ini riesce di vederla. Con questo peru non intendo 
di cscludere la possibilitä della attribuzione fatta dal Brizio. 



CERAMICA DELL'apULIA PREELLENICA 39 

poco nel centro delle coppe. — Convieue in fine notare, che se alcuni 
tipi di iirue o crateie come il n. 6 abbisognavano assolutamente di 
un copercliio, e d'altra parte v'e nessiina traccia di coperchi negli 
scavi, dovevaiio proprio essere queste coppe o exna^aaTa che ser- 
vivano — come si e osservato in altri siti antichi, — allo stesso 
tempo per coprire il recipiente. II fatto e che esse per foggia e 
misure si combaciano completamente alle aperture delle iirne. 





Fig. 11. Fig. 11 bis {v. pag. 46). 

III. Un supplemento 

non privo di qiialche Interesse formano i vasi seguenti, in maggior 
parte tazz9 a due manichi, ad orecchio tondo. 

*23. Bari Mus. prov. 2445. Bullet, d. Ist. XII p. 245 fig. 20. 

Questa pignatta — giä prima illustrata e perciö rilevata con 
un asterisco dalla serie nuova — che per la foggia del corpo e 
dei manichi un po' compressi, lasciavasi confrontare con le torzelle 
primitive, risulta appartenere all' ambiente Peucezio tanto per la 
disposizione dei disegni che per la fattura un po'rozza ed irrego- 
lare — il vaso sta male in piedi — che lo avvicina alle tre tazze 
che seguiranno. In quanto ai quadrati graticolati della spalla, messi 
a qualche distanza fra loro, non trovo sinora riscontro per tale dispo- 
sizione se non sul n. 32, che e pure di un tipo speciale e si 
allontana alquanto dal presente stile. II tipo delle grandi croci 
invece con la concavitä dei lati esterni ed un quadrato nel centro, 
s' incontra tal quäle sul fondo dell'askos 17 e su ciascun lato di 
una zuppiera di fattura piuttosto irregolare che arcaica, proveniente 
dalla tenuta De Laurentiis vicino a Santeramo: 

24. Tav. IV. Bari Mus. prov. 3647 alt. 0,21. In questa ma- 
niera a linee curve sono altrove (•) trattate talvolta le clepsidre, 

(>) Cfr. la brocca Caeretana, Louvre catal. 111. D 75, o la coppa Rodia 
ivi A 298. 



40 M. MAYER 

sembra per mera trascuratezza, mentre nell' arte presente ci antra 

una certa tendenza a variare, come si vede dalla clepsidra lineare 

tra i manichi del n. 10. Qiiella stessa croce perö che troviamo 

giä nella ceramica antichissima dell' Oriente Greco, di Cipro ('), 

Rodi e Greta (-) che altro e se non una coppia di clepsidre incro- 

ciate, motivo in ispecie comodo per ravvivare imo spazio quadrato 

circolare (^). II quadrato centrale serve a distaccare meglio le 

braccia, e si faceva in modo semplicissimo quando in due coppie 

di diagonal! s' introduceva colore nei quattro angoli, lasciando vuoto 

no il quadrato centrale (^). 

25-27. Tre piccole pignatte di Ceglie; alt. 0,06-0,08. 

25. Fig. 12. Bari Mus. prov. 3495. 

Da ciascuna parte vi e un campo quadrato con diagonali 

tutto in linee doppie, con un altro quadrato messo al di sopra in 

senso diagonale ; metodo di decorazione 

giä notato sopra, nelle urne n. 2 e 10 

(in tine) ; 1' interno rassomigliante da 

lontauo alla scacchiera, consiste invece 

di Serie confuse di macchie blanche con 

dentro macchiette nere; le linee veiti- 

cali che accompagnano la cornice, sem- 

brano rivelare la dipendenza da una 

composizione di campi quadrati, di- 

visi come di solito, con linee piü fine. 

T^. .„ Dai manichi alla base si estendono tre 

Flg. 12. 

larghe strisce. La spalla accenna fra 
istrettissime fasce due serie di triangoli ed inoltre — sproposito 
portato seco dalla trascuratezza evidente — degli uncini contrap- 
posti come quelli del n. 31, ma in senso orizzontale. Le labbra 
oflfrono un cenno trascurato dei pizzi neri ad arco. — Subito si 
riconosce che i motivi principali sono presi in prestito dalle grandi 
urne, non ostante le doppie strisce verticali, avanzo un po' ar- 

(1) Coli. Cesnola tav. CVIII 865-867. 

(2) Cf. Jahrb. d. Instit. I Anz. 134. Louvre, A "298 del catal. illustr. di 
Pottier. Cf. anche la brocca Caeretana Louvre D 75 catal. ill. 

(3) Cf. Wide, Mitth. d. Ath. Inst. XXII fig. 10. 12. 

{•*) Questo tipo offrono anche broiizi di Olympia, Furtwängler XXV 502; 
e in grafSatura, di Glasinac: Hoernes Urgeschichte d. bild. Kunst. Taf. XX 4. 





CERAMICA DELL'aPULIA PREKI.LENICA 41 

caico. La prova ne e data dal 26, che e rimasto in possesso 
privato, mentre le altre due passavano al Miiseo. Una grande sva- 
stica, copiata nello stile conosciuto. copre la maggior parte della 
parete ; dal rovescio si scorgono, imo suU' altro, due sistemi lineari 
di losanghe, con dentro due altri colorati ; per il terzo, che si era 
cominciato, non bastö lo spazio, mentre un quarto fu annesso al 
di fuori. Fra questo gruppo irregolare e la svastica vi sono dei 
travi larghi verticali (due) similmente al n. precedente, congiunti 
perö con due tronchi di non minore doppiezza ('). 

27. Fig. 13. Bari Mus. prov. 3496. 
La forma dei manichi e im po' com- 
pressa come nel 23. Sulla spalla un me- 
schino saggio di scacchiera. Sulla metä 
inferiore alcune losanghe a graticola, spro- 
porzionate anche queste alla piccolezza 
dei vaso, incluso in due paia di forti ver- 
ticali, che perö da fuori s' incurvano in 
p. .., modo da formare un trapezio concavo ; 

s' incrociano con una simile cornice allar- 
gata in giü, conteuente linee piü fine, figura che occupa il posto al 
disotto dei manichi. 

Un altro gruppo e formato da due urnette o grandi tazze a 
manichi alti e tondi, al quäle si associa, per certi particolari, un 
piccolo Askos. 

28. Fig. 14. possesso privato; da Putignano. Alt. senza ma- 
nico 0,135. 

29. Fig. 15. Bari, Mus. prov. 3156; da Canneto. Alt. senza 
man. 0,16. 

30. Fig. 16. Bari, Mus. prov. 3500; da Ceglie. Alt. senza 
man. 0,13. 

II primo vaso offre nel campo della spalla le conosciute figure 
triangolari in due serie contrapposte, attraversate da una tine linea 
a zig-zag; nella zona al disopra, vicino al labbro, campi bislunghi, 
alcuni con un zig-zag irregolare, la quäle decorazione e anche 
applicata, sui manichi (conf. inoltre la nota 1 ). Insignificanti sono le 
linee convergenti al disotto dei manichi ed il disegno che si trova 

(1) Cfr. § VII framm. 10. 



42 



iM. MAYER 



al di sotto della base, cioe diie diagonal! cogli angoli congiunti da 
linee concave. 11 labbro ha archi con saggi di meandro triango- 
lare nei vuoti. Desta invece Interesse la metä inferiore del corpo, 
ove, alternati con piccoli sistemi triangolari sporgenti dalla fascia 
principale, appaiono elementi meandrici rettangolari (') ; e a ciascuno 
di questi lüimi si attacca una linea prima rotta, poi dritta, quasi 
come iin fulmine, estendendosi sino alla fine del vaso, al cui piano 
e soltanto tolta una strettissima zona per non porre la stria finale 
proprio sul piede. 

In forma piü genuina lo stesso particolare si presenta sul 
piccolo Askos (30), ove la linea passa svelta e senza ostacolo 
proprio sino alla base, che e priva di piede. II resto del disegno 
e semplice, notevole perö sul petto o per meglio dire suUa parte 
anteriore del collo, una figura simile del n. 13, ma abbreviata; una 
nuova combinazione dei noti elementi. 





Fiff. U. 



Fig. 15. 



D' altronde la seconda urna (29), per il detto motivo, si allon- 
tana ancora piü della prima dal tipo originale, qualunque fosse Y idea 
della linea a fulmine. Come suUa spalla, che öftre un disegno 
simile al primo, il grande zig-zag e formato da due linee, cosi 
anche la linea a fulmine e raddoppiata ed inoltre ripetuta a modo 
di un gruppo simmetrico che finisce molto prima del corpo, essen- 
dovi due fasce orizzontali aggiunte, giusta la maggior altezza del 
piede. Nel mezzo, fra i due fulmini, si osservano alcune lineette 
sporgenti dalla fascia principale. 

(') Un simile elemento rettangolare si trova anche sul principio delle anse. 




CERAMICA DELL'aPLLIA PREELLENICA 43 

In quanto alle brevi linee pendenti ed agli altri brevi ornati 
(triangolari e qiiadrati) sporgenti dalla fascia principale del vaso, vi 
si riconosce una ereditä vetusta dello stile appulo, visibile, comin- 
ciando da Taranto, sotto varie forme in quasi tntte le classi. In 
origine tali sporgenze venivano attaccate ai contorni delle figure 
geometriche, in qualunque direzione, e non regolate ancora secondo 
la norma orizzontale, che giä prevale nello stadio attuale. Un cri- 
t.erio diverso richiedono le linee lunghe a fulmine, che sembrano 
come termini di qualche filo volante liberamente, e perciö nel n. 28 
aggiunte inorganicamente alle sporgenze della cinta. Se esse sem- 
bravano finora dure come fili di ferro, e sti- 
lizzate da ambedue i termini, lo stesso con- 
cetto possiamo, in forma piü libera, ricono- 
scere su qiiella pignattina trovata a Suessula 
(Notizie degli Scavi, 1878, tav. IV, 4), e ri- 
cordante piuttosto lo stile appulo che sues- 
sulano. Cola, pendono nella sfera inferiore 
priva di decorazione, dei corti fili svolazzanti 
liberamente, affatto verticali, muniti alla fine di piccoli anelli anzi 
lastrine tonde, aventi dentro un punto. Riscontro tanto meno dub- 
bioso, in quanto sul collo del vaso si scorgono due fulmini incro- 
ciati, elementi dunque propri anche a questo vaso, che coi manichi, 
adesso rotti, si sarä ancora di piü avvicinato al tipo pugliese. Un 
vaso proprio corrispondente non trovasi attualmente in Apulia; si 
possono perö confrontare per ora alcuni vasi Canosini, come quello 
pubblicato nelle Notizie degli Scavi, 1897, p. 196, fig. 1 per il collo, 
e Bari, Mus. prov. 3442 per la prossima zona con gruppo di denti. 
I pendagli dipinti posso tali quali, cioe con anello o lastrina vo- 
lanti liberamente in vario senso, presentare su di un vaso appulo : 

31. Fig. 17. Bari, Mus. prov. 3500; da Ceglie. Alt. 0,13 
senza man. 

Qui inoltre la fascia principale del vaso e guarnita da linee 
Corte, sebbene adesso molto sbiadite e appena visibili, tutt'attorno, 
e non solo a piccoli gruppi come nel n. 29, In tutti i modi restiamo 
nello stesso ordine di idee decorative ('). 

. (0 I pendagli svolazzanti di sbiego sono numerosi sul vaso, e special- 
mente sul rovcscio, ma le tracce, per se certissime, sono deboli, tanto da non 
prestarsi ad un discreto metodo di riproduzione. Vicino al piede si discernc 



44 



M. .MA.YEK 



II restante del vaso non ha rapporto col tema presente. Per 
i manichi verticali e pel loro forte distacco dal labbro esso si allon- 
tana altrettanto dal carattere Peiicezio quanto si avvicina allo stile 




Fig. 17. 

Leccese, che esso ricorda pure per la perfezione tecnica vista nella 
siiperticie dell'argilla, che appare, ma non e, coperta di iina tine 
•engobe. Questi bicchieri, in genere, e piü particolarmente un tipo 
affine senza angolo fra labbro e manichi, vengono in voga assieme 
con i grandi vasi a cestello, precisamente quando lo stile geome- 
trico sta per finire; il presente e iino dei pochi a pittura netta- 
mente geometrica. 



Non trovo luogo piü conveniente che sotto qiiesto supplemento, 
di far conoscere due vasi R u v e s i , soli che da quel materiale 
abbondante di carattere Nord-pugliese si distacchi nettamente, 
rispecchiando invece certa affiuitä coli' arte Barese. 

32. Tav. III. RiiYO, Mus. Jatta, senza numero. Alt. 0,10. 

33. Riivo, Coli. Caputi, 57, Alt. 0.16. 

II corpo di ambedue rassomiglia ai nostri N. 11-13, se non 
che nel profllo della parte superiore si distinguono tra loro alquanto 



ancora, ma non senza fatica, uiia fiiia stria con trattini pendenti conie suUa 
fascia principale; ma il tutto e sbiadito. 

Un vaso a cantaro, esistente nella piccola collezione del Municipio di 
Foggia, che contiene anche molti oggetti comperati nella provincia di Bari, 
mi ricordava il bicchiere presente, tanto per la forma identica che per la creta 
fina liscia (rossiccia, credo), e la pittura rossa, che consiste, peru, di sole 
strisce forti verticali. 



CERAMICA DELL'aHUM.V I'REELLENICA 45 

il collo e la spalla. I manichi del primo sono (cosa rara in questo 
ambiente) foggiati — secondo modelli di Rodi o simili — ciascuno 
come un pajo di funi intrecciate, la cui nividezza si voleva forse 
accennare coi tratti dipinti irregolarmente ; mentre il secondo ha 
le anse a fascia, un poco piü alte del corpo e compresse, anzi 
appiintate lievemente. L'argilla di quest'ultiino e molto chiara e 
fina, ciö che si verifica meno nell'altro, che, sebbene non trovato 
a Ruvo stesso, ma piü al sud, ha pure molta aftinitä, anche per 
la pittura bruna e violetto, corabinazione non comune nei vasi di 
Ruvo. L'effetto grazioso del vaso Jatta, bene apprezzato dai pro- 
prietari, e raggiunto con mezzi piuttosto semplici, propriamente 
con due soli ornati ripetuti e disposti con gusto e abilita: essi 
cioe sono (a) la croce meandrica o svastica complicata giä incontrata 
sopra al n. 19 un quadrato o losanga diviso in quattro quadretti 
con dentro un uncino : il collo ha una serie di a a piccole distanze, 
la spalla una serie di b messe sulla punta, divise da 3-4 linee 
dritte a guisa di quadri o metope. La parte inferiore del vaso 
ripete questi motivi in senso v e r t i c a 1 e , perö in modo che 
questa volta sono le losanghe che stanno a distanze e quindi spic- 
cano di piü, mentre con contrasto ben calcolato nella fascia densa 
si confondono all'occhio le svastiche colle linee trasversali. — II vaso 
Caputi ha sulla metä superiore soltanto alcune strie, fra le quali 
si discerne una stretta zona di uncini contrapposti, come nel n. 25, 
e ritti come nel n. 31. La parte tonda inferiore ha di comune col- 
l'antecedente la disposizione verticale, che consiste perö in mas- 
sima di semplici fasce scure, simili al n. 27; con la modificazione 
speciale che di ciascun gruppo di quattro parallele le due esterne 
si incurvano e si congiungono col prossimo gruppo a guisa di una 
finestra o porta ad arco, idea suggeritaci ancora di piü per una fine 
fascia meandrica verticale, che si dirige verso la cinta dell'arco. lo 
non scorgo in questo strano motivo altro che gli elementi del n. 27 
rovesciati e combinati in un modo nuovo ed originale. Quelle stesse 
pignattine ci sono anche rammentata dal vaso Jatta con le losan- 
ghe ascendente dal fondo. 



46 M- MAYER 



IV. C r n 1 g i a. 

Sarebbe far torto al lettore il voler tacere che le circostanze degli 
scavi onde sogliono provenire i nostri vasi, sieno state malissimo 
notate. Nessuno si curava di questa roba, che non era mai accom- 
pagnata da vasi figurati, o altri oggetti di qualche pregio o curio- 
sitä. Ma sbaglierebbe chi volesse concliiderne che siamo in ima 
epoca di molto anteriore ai vasi attici, cioe a figure rosse, quando 
cioe questa importazione non si effettuava ancora nella Apulia interna. 
Anzi la sperauza di poter peuetrare con questi prodotti cosi carat- 
teristici del paese in una antichitä lontana e piena di buio, sem- 
brerebbe fino a un certo punto delusa; tanto risulta dalle notizie 
raccolte da me in questi pochi anni e dai ritrovamenti recenti di 
sepolcri, le cui stoviglie i contadini, compresane finalmenta V impor- 
tanza, hanno cominciato a portare in modo piü completo al Museo di 
Bari. Assistere ad uno scavo, di fresco aperto, non riesce facilmente, 
poiche i sepolcri di questo genere, invece di essere bislunghi e di 
annunziarsi con la grande lastra di pietra, sono, almeno in Can- 
neto, spesso a forma di piccoli p o z z i raggruppati in gran numero, 
contenenti ciascuno pochi vasi, che vengono poi raccolti alla rin- 
fusa, cioe senza prendere nota dei pozzi onde provengono. 

D' altronde la vicinanza di tanti sepolcri ad una certa ed iden- 
tica profonditä, come spesso avviene, perraette di presumere che si 
tratti di sepolture non troppo distanti per 1' epoca, di tombe ap- 
partenenti a gente di qualche masseria o a poche famiglie abitanti 
in vicinanza di esse. Difatti anche senza poter assegnare il suo posto e 
Vassieme a ciascun oggetto pervenutoci in tali occassioni di ritrova- 
menti, possiamo quasi sempre osservare i medesimi fatti, uno svi- 
luppo non troppo esteso che finisce nel V secolo, forse anche circa 
il 400 av. Cr. Questo limite va segnato a mo' di documento da una 
coppa con le lottere AM (') dipinte nel centro interno (fig. U bis, Bari, 
Mus. 2394), unica traccia epigrafica che ho potuto trovare, se se ne 



(1) Riferibili forse non tanto a nomi come Anxa, Anxani o siniili, che al 
vicino Azetium, cittä il cui nome Messapico ö reso cosi nella lingua greca 
delle raonete, mentre Plin. N. IL III 105 offre Aegetium, Tab. Peuting. 
Echetium o Ezetium. 



CERAMICA DELL'aPULIA PREELLENICA 47 

toglie UD N dipinto siiUa spalla di im cratere a coloimette ('), per la 
tecnica affine alla detta coppa, il qiiale cratere, dipinto con edera 
sul collo, costitiiisce una delle numerose imitazioni locali dei vasi 
italo-greci figurati che hanno quasi sempre ima simile decorazione 
al collo; lavori dunque non anterior! al 400. La coppa proveniente 
da uno dei detti sepolcreti di Canneto, foggiata sul modello greco, 
con piede sviluppato, ma senza manichi, offre la fattura pesante 
propria alle coppe paesane ; essa si e dei resto torta nella fornace 
durante la lavorazioue. Se i caratteri epigratici sono un po' piü 
antichi, non impressiouerä chi ha letto le nostre osservazioni sulla 
Messapia, Bull. d. Ist. XII p. 226. Essa e giä dipinta d'un colore 
un po' luccicante, diverso dalla tinta cupa color cioccolata, pecu- 
liare ai vasi geometrici. L'applicazione di questa vernice primitiva 
comincia nel secolo quinto a. Cr. e procede di pari passo con altri 
tentativi pure diversi dalla tecnica iudigena, che si osservano sui 
numerosi vasi grecizzanti che, se non accompagnano, seguono perö 
a breve distanza i vasi geometrici ; sono : 1) brocche quasi com- 
pletamente grezze di un tipo derivato dal corinzio, di corpo larga- 
mente cilindrico, attondito alla base; 2) oenochoe trilobe, un po' 
panciute, con manico spesso diviso (cioe quasi a due funi), ma senza 
i bottoni laterali sull'attacco superiore, insomma di tipo piuttosto 
attico che rodio o corinzio ; 3) un tipo semplice di cratere o zuppiera, 
sempre privo di disegno, tranne qualche striscia, ed appartenente 
per l'assieme (-) e per i sepolcri dello strato superiore (^), certa- 
mente alle generazioni anterior! al quarto secolo av. Cr.; 4) piü 
raramente una specie di urne dei tipo descritto oltre, p. 60. Le 
oenochoe si distinguono per la tinezza della parete, e rivelano piü 
meno una speciale fabbrica eccellente in questo genere, ma di 
certo non greca (■^). 

Volevo soltanto rilevare con quäle roba i vasi geometrici si 
trovano in prossimitä. Vi e perö anche qualche prova della loro 
coesistenza. Una tomba a Noicattaro, per esempio, conteneva, oltre 
alcune tazze geometriche, una oenochoe tinta di nerastro, imita- 



(1) Bari Mus. prov. 341. 

(2) Bari Mus. prov. 2414. 2415. 

(3) Bari Mus. prov. 2416. 

(•*) Questo risulta da certi cenni di disegno. 



48 M. MAYER 

zione ineschina della vernice greca, con disegno (a violetto) di ba- 
stoDcini suUa spalla. Conteneva anche due coppe di tipo greco, 
frammenti di iina grande coppa oppure caldaia di bronzo, ima pic- 
cola fibula di bronzo e una di ferro, e dei coralli di ambra ('). 
Due sepolcri nelle adiacenze della cittä di Bari contenevano, 
oltre alle tazze geometriche di fattura ordinaria (-), roba grezza insi- 
gnificante ed una grande tazza con spina sul manico, con una pit- 
tura rossa, poca ma caratteristica, che mi senibrava indicare una 
fabbrica affine, se non identica, a quella dei tipi 2 e 4 fra le sto- 
viglie ora menzionate {^). 

Delle stoyiglie antiche geometriche, sono le tazze a due ma- 
nichi, che sembrano continuare piü a lungo e quasi sopravvivere al- 
l'epoca propriamente geometrica. Ma, in genere, il processo di deca- 
denza, se mai, e quasi insensibile; quest'arte cessö all' improvviso, 
come era apparsa, quasi bell' e fatta, senza uno sviluppo notevole. 
almeno nel centro della produzione, il quäle era presse Bari. 

Difficilmente si riesce a far riraontare questo stile fin alla metä 
dei secolo VI, e piü difficilmente ad assegnargli una durata che 
comprendesse due secoli, cioe lo spazio dal 600-400 a. Cr. Non 
importa se spesso s' iucontra il tipo corinzio della larga brocca ci- 
lindrica, sebbene un po* deformato con base arrotondita. Poiche 
anche gli originali stessi di questa roba a biion mercato, non 
erano veramente corinzi, ma imitazioni locali, dipinti in stile e co- 
lore italo-greco, come si rede dall'esemplare, Bari, Mus. prov. 2727. 
Si noti poi che la padella di bronzo con manico arcaico. descritta 
dall'Helbig ('*) ed ora passata colla restante suppellettile al Museo 
di Bari (3060), fu trovata in un sepolcro di Canneto. insieme a 
bronzi, certo dei V secolo, e con vasi attici a figure rosse di stile 
ben avanzato, vasi attribuiti allora (quando li vide 1' Heibig) alla 
fine, oggi probabilmente alla metä dei V secolo. Avviene sempre 



(>) Bari Mus. prov. 3343-3349. 

(2) üiia di queste e il vaso medio dei nostro irruppo fig. 10. 

(3) Bari Mus. prov. 3617-3620. 

{*) Bull. d. Ist. 1881 p. 181 No. 5. Conf. ib. 1875 p. 149. II tipo h piü 
meno quello di Karlsruhe 488 (Catal. Schumacher); cfr. De Eidder, Bronzes 
d'Athenes 709-715. Imitate in creta si trovano, a Canosa, padelle di questo 
simile tipo (Schumacher 489) ancho in tombe piii recenti ; esempi Bari Mus. 
165. 166. 



CERAMICA UELI, APIJLIA HRKELLENICA 



49 



quello che non cessö di assiciirare (') che, cioe, gli indigeni pu- 
gliesi, specialmente quelli deirinterno del paese, lontani dalla 
Costa Tarantina, conservavano gelosameiite per generazioni gli og- 
getti greci, finche 1' invadente popolazione ed arte greca con pro- 
prie officine, e con im commercio facilitato andö scemando il pregio 
di quei cimeli, ciö che si verificö sin dal IV secolo. 

Se il nostro calcolo, rigimrdo all'alta antichitä, forse siipposta 
da taliino pei vasi di uno stile cosi puramente geometrico, riesce in 
un senso piiittosto negativo, esso alla fin dei conti non troppo 
sorprenderä chi riguarda le forme stesse, in ispecie delle iirne, 
che non nascondono 1' influenza del cratere greco, malgrado l'abile 
combinazione col tipo locale di vaso ad m-na. Caratteristico in tal 
rispetto e im vaso trovato a Bitonto insieme con iin'urna pura- 
mente Barese (cfr. sopra pag. 24), con un altro di tipo Canosino 
del Nord in genere e con im elmo greco del VI-V sec. (2) : E (34 







D 




tav. III) ima oenochoe triloba, larga e panciuta, come il tipo ar- 
caico greco p. es. di Corinto. La decorazione del corpo, a grandi raggi 
denti, yista per la prima volta in queste contrade, non ci ha, 
s' intende, che fare col motivo di ' pettine ' ; essa si scorge accennata 
anche sulla zona mediana (perö confusa colä nella decorazione a 
liste, con tiori ecc.) di un piccolo askos doppio, stile posteriore di 
Canosa (Bari, Mus. 3449). II motivo deriva invece da quello che 
s' incontra piü puramente nella penisola Messapica, prima in Ta- 
ranto (fig. 18 D, tazza n. 36 della antichissima serie) e pol in 



(1) Bull. d. Ist. XII p. 228 segg. Not. d. Scavi 1896 p. 539. 

(2) Not. d. Scavi 1897 p. 434, fig. 1-4. 



50 . M. MAYER 

im'arte molto piü recente, su di im askos leccese con testa di bue 
(fig. 18 E) (0. 

La brocca di Bitonto presenta sulla spalla i quadretti messi 
in punta, con linee parallele di dentro, disegno, che, qualora conti- 
niiato a serie, e non troncato o interrotto come nello stile del Nord, 
e stereotipato nella classe di Bari e si avvicina piuttosto a quella 
Serie antichissima di Taranto (fig. 18 C, Tar. n. 43) (-). 

VI. Tappe mediane fra lo stile Barese 
e le sue origini (tav. IV 35-37). 

In vano si cercherebbe uel territorio di Bari e Ceglie qual- 
che traccia di uno stadio anteriore dello stile su illiistrato, qual- 
che oggetto che annimziasse un'arte cosi spiccata, presentatasi anche 
subito con una tecnica cosi perfezionata. Ciö che si puö trovare di 
interessante nel nostro materiale di scavo, sarä magari qualche 
oggetto ricordante altre regioni, come un bicchiere a foggia di piccolo 
piede (^) mal formato, (ved. la fig. 19) ; ima specie di candelabro o 
sostegno, fusto con coppino da ambo le parti (fig. 10), una scodella 
coppa di carattere misto con eleraenti esistenti o conservati di so- 
lito nella Daunia sola (ved. fig. 19 con la nota *). AI tri oggetti, come 1 
bicchieri conici o cilindrici a due colori, diffuse anticamente in varie 
parti dell'Apulia, sono difficilmente di fattura Barese, mentre alcuni 
semplici vasi (scodelle profonde o piccole zuppiere) lavorati a Ce- 



(') Mus. prov. di Lecce n. 42 ; tiuto in bianco con pittura color rosa. 
II vaso non porta indicazione della provenienza, mentre il conipagiio n. 44 
oflFre ' Canosa ', e un terzo, munito di altra testa ma del tutto inseparabile, 
n. 48, rivela l'unlca provenienza probabile per tutti e tre : ' Rugge '. A questo 
gruppo volli riferirmi Bull. d. Ist. XII 214, 1. 

(2) I disegni C D e A ftav. IV) sono stati eseguiti dietro gli schizzi fatti 
da me nell' inverno 1894/5. 

(3) Tra i piedi o vasi a piede delle varie regioni antiche non trovo niuno 
per forma e decorazione cosi simile al presente come quelli applicati ad un 
vaso Ungherese : Hoernes Urgesch. d. bild. Kunst Taf. XXII 7 (non XXV, 
come e stampato colä pag. 576). Erroneamente essi sono ritenuti per braccia 
c mani, ivi pag. 517. 576 ; vasi con mani oifre del resto l'Apulia stessa: Not. 
d. scavi 1898 fig. 8-10. Non raanco a richiamare 1' attenzione su altri vasi 
Ungheresi come ivi XXII 8 con disegni Appuli ; cfr. specialmente il meandro 
triangolare sulla spalla con le nostre urne 11. 12. 



CEKAMICA UELL'aPILIA PREELLENICA. 51 

glie, rivelano forse quel contatto con l'arte arcaica delle altre due 

regioni, ma non hanno rapporto con lo stile da noi illustrato. Per 

indagare qiiesto in imo stadio anteriore, veramente arcaico e na- 





Fig. 19 (*). 

scente, dovremmo allontanarci uu po' dal territorio Barese e diri- 
gerci verso il Sud della provincia Pencetica: 

Prima perö di miioverci nella direzione indicata, fa duopo par- 
lare di tre vasi che occupano come im posto mediano, connetten- 
dosi da una parte alla classe Barese, dall' altra a stadi di certo 
ad essa precedenti. E siccome della roba antichissima il materiale 
di cui disponiamo finora e soltanto frammentario, vale la pena fer- 
marsi per iin momento. Ed e niiovo ed essenziale per due di essi 

(*) Questo gruppo abbisogna di alcune dilucidazioni, 

1. Bari Mus. prov. 3161 ; da Canneto. Diamet. 0,14. La coppa a sini- 
stra, e identica con quella che si scorge piü a basso, ivi riprodotta sopra 
altra scala, troppo piccola per lasciar discernere i dettagli della decorazione 
interna, che si conosceranno meglio nell'arte Nord-Appula. La creta ö verda- 
stra come spesso a Canneto. 

2. Bari Mus. prov. 3162; da Canneto. Diamet. mass. 0,165. La coppa 
sfondata, visibile a destra, rassomigliante un poco aH'imbuto di uno ' sfagion ' 
(Notizie d. Scavi 1898 pag. 204 sg.). Creta giallognola. 

3. II piede. Bari Mus. prov. 3163; da Canneto. Alt. 0,085. Fattura 
siraile alla coppa 1. 



52 M. MAYER 

vasi il color rosso predominante, cioe di ima tinta feccia di vino, 
con disegni briini o neri, mentre il terzo, che uon conosco che dal 
catalogo, e tinto in nero con intonaco rosso. 

35. Tav. IV. Lecce. Mus. prov. 92. Alt. 0,26. 

36. Tav. IV. Bari, Mus. prov. 1536. Alt. 0,22 provenienza 
ignota. 

87. Tav. IV. Berlino, Mus. Reale 254. Alt. 0,245. 

Nel n. 35 ci si presenta un tipo di cratere puramente greco, 
il quäle perö, in quanto alla formazione del manico e del labbro, e 
anticipato in certomodo nei vasi greeizzanti messapici, in ispecie le 
urne, illustrati in una prima Memoria (p. 216). II labbro piano, 
schiacciato, perfettamente verticale ma non aguzzo, caratteristico 
dei vasi leccesi, non ricorre piü verso Nord, e nemmeno il collo 
dritto e breve sul corpo largamente panciuto. La parte inferiore 
ha i motivi conosciuti : pettini e svastica, perö alternati con grandi 
s p i r a 1 i , che sarebbero impossibili nello stile di Bari : sono dipinte 
con pennello pleno e largo, sempre perö in modo piü corretto e 
senza quel nocciolo che si vede nella torzella 16 (Messap. tav. X, 
p. 237). Questi vari elementi sono divisi da alcune linee semplici 
(nne e parallele) o da due gruppi di parallele con brevi tratti nel 
mezzo, alternati come da denti. Sulla parte superiore v'e un quadro 
figurato, stretto e lungo, fra due striscie verticali. In queste stri- 
seie vi sono sul fondo risparmiato piccoli sistemi di cerchi (a 
due). Nel quadro con cornice posto nel fondo naturale si scorgono 
quattro grandi uccelli acquatici, evidentemente anitre, malgrado le 
teste Ornate di una cresta, specialitä che non trova facilmente ri- 
scontro nella zoologia. Il corpo e la coda sono ravvivati con graf- 
fiatura a zig-zag, per accennare le penne. Una simile graffiatura e 
fatta sulla cornice del quadro. II margine del vaso ha tre simili 
quadi'i con uccelli piü svelti, forse cigni; ai fianchi, anche qui, 
striscie verticali con cerchietti, e per dividere i tre quadri servono 
altrettanti ornati tondi dipinti pure sul fondo risparmiato ; il mo- 
tivo rassomiglia ad una ruota con quattro raggi a slancio oscil- 
lante, quasi come una svastica a curve, inclusa in un cerchio. Tale 
ornamento e anche applicato sul piano sporgente dei manichi. — 
La mancata simmetria della pittura, sul labbro, con un quadro piü 
lungo degli altri, e l'esecuzione difettosa delle figure pare indicare 
che questo modo di decorazione era una novitä aggiunta ai disegni 



CERAMICA DELI- APljLIA PREELLEMCA bS 

lineari tradizionali. E tra qiiesti niiovi elementi possiamo anche 
annoverare la riiota, seppure noii significa soltanto una svastica 
trasformata. 

36. Per il cratere di Bari possiamo sbrigarci in poche parole. 
II qiiadro con la cornice e colä dipinto a nero, a parte alcuni pic- 
coli particolari (') che mostrano una tinta piii leggera, forse la 
medesima, ma allungata. Abbenche questo cd suo fregio di uccelli, 
si avvicina ancora di piü all' arte greca, rinunziando ai disegni geo- 
metrici, tranne che pel gruppo di cerchietti che si scopre al di- 
sotto delle anse; pure la forma del vaso, col labbro sporgente di 
sbiego direttamente dal corpo, resta piuttosto indipendente dal greco ; 
a parte la maggior larghezza del corpo, per le quali proporzioni 
l'ansa tonda, dipinta con Tantico filo dentato, ebbe una posizione 
piü ritta del tradizionale. Del resto, chi guarda da vicino, almeno 
suir originale, i cigni qui dipinti, si persuadera subito di non tro- 
varsi dinanzi ad un prodotto di quell" arte greca od italo-greca, che 
forniva al paese i bei piatti (a coppa senza piede) neri verniciati (-) 
che hanno nel centro spesso il cigno o l'oca, e snlla parte esterna 
sempre il ramo di lauro o d'olivo, tutto dipinto a color bianco o 
piü comuuemente rosso oscuro sovrapposto. Ma per il quadro lungo 
a cornice, collocato sulla spalla del vaso, possiamo notare che tale 
disposizione, perfettamente estranea all' arte del Nord e di Bari, 
s' incontra invece, anche su vasi puramente geometrici, avvi- 
cinandosi alla regione meridionale. Rimando ai vasi di Sante- 
ramo (24) e di Putignano (28), e d'altra parte alle torzelle lec- 
cesi Messap. fig. 18, 19, 22, per non parlare di quelle che nel 
disegno rivelano qualche Influenza della ceramica greca figurata. A 
questi esempi si aggiunge senz'altro il cratere leccese. E verso la 
stessa regione Sud siamo indirizzati dal disegno geometrico del 
medesimo cratere rosso, il quäle stile spiccatamente Peucetico, ha 
il suo apogeo a Bari, ma le origini piü al Sud, mentre esso si 
perde completamente verso il confine della Daunia, auzi giä nel 
teiTitorio di Ruvo. Quindi l'indicazione ' Canosa ' data sul cartello 
del vaso, se non e una delle sbagliate, che sono numerose nel 
Museo di Lecce, non avrebbe altro signiflcato se non di assicurare 
che il vaso anticamente fu venduto colä. 

(') Becco e penne sporgenti degli uccelli. 
(2) Per es. Bari, Mus. prov. 1234. 



54 M. MAYER 

37. 11 terzo cratere, di cui si conosce la provenienza com- 
merciale di Bari, sembra a primo aspetto cosa nuova e diversa 
dal vaso leccese. La forma e pure larga, panciuta, ma con manichi 
a sella, e con alto piede, e vi predomina il disegno geometrico. Vada 
perciö subito detto che nello spazio fra i mauiclii si discerne un 
fregio verticale di uccelli (non visibili suUa nostra figura) volanti, 
disegnati con le due ali visibili, cioe piü o meno nel concetto dei 
vasi arcaici greci. Per quel tanto che desumo dagli schizzi favo- 
ritimi, oltre alla fotogratia, da Berlino, il disegno di questi uccelli 
e trascurato ed il tipo ridotto ad elemento decorativo, ma nello 
stesso tempo per l'esattezza e la caratteristica dei volatili di molto 
piü affine al cratere leccese che ad ogni altra cosa. Chi confronti 
nella Puglia centrale e settentrionale i tentativi per imitare qual- 
che cosa di figurativo, pensera subito ad una officina Messapica o 
almeno affine a quella Messapia, la cui arte eccelle quasi dal primo 
momento in un eclettismo beu temperato ad elementi greci. Cola, 
e soltanto colä si trova quel disegno greco a bastoncini o foglie 
ottuse che adorna la bocca dei presente vaso ; rammento la tor- 
zella tarantina col fregio di poUi (Mess. p. 207) e la torzella Egna- 
ziana con figure nere arcaiche (')• 

Passando ora alla descrizione della parte principale che consiste 
essenzialmente in un graude quadro bislungo col restante libero, 
scorgiamo due larghi elementi meandrici uniti a forma di un lungo S 
coricato. Sono formati da una doppia fascia nera accompagnata 
sulla parte chiusa da una tiua fascia rossa di lineette parallele, 
mentre nel piü interno vuoto della figura, che dopo un augolo si 
apre, stauno, su fondo risparmiato, sistemi di cerchietti (ciascuno 
a due) come ne abbiamo trovati sugli altri due vasi. Altre fine 
bände (due) con lineette girano attorno al vaso sopra e sotto. II 
campo stesso, oltre alla cornice scura. e circondato da una fascia 
rossa con brevi tratti alternati fra le due righe in modo simile, 
ma piü trascurato dei vaso leccese. üna stretta relazione con que- 
sf ultimo in ispecie, e costituita prima dalla ruota caratteristica 
con razzuoli oscillanti (non visibile nella nostra figura), quali esi- 
stono da ciascuna parte dei quadro ; poi coi jjettini sul piede, 



(M Quest'ultima ha l'urnato in questione sul c o 1 1 o , non sulla spalla, 
come fu detto colä, p. 208, n. 9. 



CERAMICA DELL'aPUIJA I'REELLENICA 55 

forse alteriiati coii altri motivi Peucetici, per quanto si possa di- 
scernere, anzi sospettare fra la incrostazione che tuttora ricopre 
ima parte del piede. 

Abbiamo giä accennato alla Messapia per gli elementi greci 
e^per gli elementi geometrici alla parte meridionale della Peiicezia. 
Mi ricordo che nella prima stazione da Santeramo verso le mon- 
tagne, iu Mater a, vidi un cratere rosso affine ai due primi vasi 
con im simile fregio di uccelli, ma dipinti in un modo mälissimo 
inteso o trasformando le anitre in ima specie di motivi geometrici. 
Passiamo ora a Putignano, ove si ritrova la medesima roba tinta 
in rosso con uguali disegni lineari. 

VII. Classi anteriori (Tav. V). 

Nella parte esterna a Nord-Ovest della fortificazione medioe- 
vale (') di Putignano, la quäle seguiva probabilmente il tratto antico, 
a destra di chi usciva dalla porta allora esistente, accadde di im- 
battersi molti anni fä, in una camera a volta, forse di una tomba, 
ove si trovavano ammucchiate molte ossa e frammenti di vasi, rac- 
colti probabilmente da cristiani. che ritenevano per sepolcri cristiani 
le tombe distrutte da loro per lavori campestri. Questi rottami con- 
servati nel Municipio di quel comune e poi gentilmente donati al 
Museo di Bari (-), comprendono le classi piü varie, fino all' inizio 
dell'epoca dei vasi italo-greci verniciati al modo greco. 

Passo subito a descrivere la nostra tavola colorata, ove si 
scorge la roba rossa ed inoltre alcuni altri pezzi. 

Framm. 1. Facilmente si riconosce la ceramica affine al terzo 
dei crateri (37) innanzi illustrato: i medesimi cerchietti (in due) 
in identiche proporzioni e distanze dei gruppi, per lo piü allun- 
gati oltre all' ovale, spesso appuntati, insomma disegnati o senza 
esperienza o senza la cura necessaria. 

Per le fasce a due serie di macchiette, che presentava il cra- 
tere, possiamo subito confrontare due altri frammenti, 1' uno con 
larghe fasce di nero cupo e strie di rosso vino (fr. 18), e 1' altro 

(^) Essa venne abbattuta per nuovi fabbricati circa una veutina di anni 
addietro. 

(2) Numero cdlettivo : 3080. 



56 M- MAYER 

di im vaso diverso, dipinto in im color solo. La somiglianza e piü 
grande a confronto della fotografia del cratere, che non del nostro 

disegno. 

Framm. 2 e 3. La tinta uera e identica al fr. 1, la rossa un 
po'meno viva. Si scorge il motivo del pettine, ima volta grosso, 
senza distinzione di cornice e denti, T altra volta con bordo prin- 
cipale accennato. II fr. 2 proviene dalla parte inferiore di un'urna, 
come dimostra la forma del pettine e a destra 1' avanzo di nna 
zona superiore con qualche quadro trapezoide. 

Framm. 4. Questo pezzo appartenente, come anche i primi, 
ad ima iirna piiittosto grande, ha nondimeno ima parete assai 
fine, piü tiue dei precedenti. II rosso vino tende un poco al vio- 
letto, almeno nella presente condizione. Le linee fine appaiono 
brime, perfettamente come i particolari miniiti dei volatili sul cra- 
tere (36) ; sfumatm-a forse prodotta dal color nero allungato e peg- 
giorata ora dalla decomposizione del colore. Per ottenere im nuovo 
effetto i cerchi, invece che sul fondo naturale, sono stati messi, me- 
diante un disco risparmiato, su di una fascia rossa ed, almeno in- 
parte della serie, aumentati di uno. Ma il carattere del disegno 
rimase identico. üna novita sono le luughe losanghe, comuni tali 
e quali — graticola in cornice separata — sulle torzelle di Egna- 
zia, ma rarissimi nella ceramica Peucetica. 

Framm. 5. Segue il framm. 5 appartenente ad uno di questi 
vasi e piii particolarmente alla spalla vicino al collo. I semicer- 
chi fra un sistema di righe ci riconducono, come propriamente giä 
facevano i pettini, all'ambiente di Bari. Essi s' incontrano in questo 
rottame pure su di un askos (Fr. 15), sempre in serie semplice, 
non raddoppiata. Sono dipinti, specialmente su questo frammento, di 
mano ferma a pennello pleno, e non hanno niente di quel carat- 
tere incerto, titubante dei piccoli cerchi concentrici, che la pit- 
tura Barese o ignora o schiva saviamente, mentre abbonda in quei 
semicerchi svelti ed eleganti. 

Di roba a color rosso vino vi e ancora un pezzo della spalla 
di un' urna, ove perö sembra predominare il color nerastro ; e 
quello giä menzionato con le due righe di macchiette in una 
zona stretta- 

Framm. 0. Questo pezzo. piü curvato dei primi, che e da attri- 
buirsi ad un vaso di minori proporzioni, ha il color /lero predo- 



CERAMICA DELL'aPULIA PREELLENICA 57 

miuante con \m rosso, che adesso si presenta diversamente sulla 
Stria mediana e sui quadrati piccoli, che nel quadrato grande si al- 
ternano con altri neri graticolati. Questo alternare in im medesimo 
sistema (conf. sopra 1' urna 1), poi la posizione diagonale del si- 
stema dominante, finalmente la disposizione generale a qiiadri nel- 
r inizio asimmetrici, ci preparano allo stile trovato a Bari. La 
parete del vaso e di siraile linezza del fr. 4, la cottura forte come 
in tntta qiiesta roba arcaica. 

I frammenti 7 ed 8 ho creduto di rendere, non tanto per le 
incerte traccie di disegno, bensi per la raritä del color giallo, il quäle 
un simile colore si riconosce anche sul prossimo importante vaso 
che, per la sna specialitä meritava forse ima tavola a colori. 




Fr. 9 e 10. 



Framm. 9 e 10. La creta e scura, brunastra, la fattura meno 
fina, la decorazione piü arcaica dei vasi prenotati. Spiccano in 
due piani i grossi travi verticali, talvolta congiunti a due per 
mezzo di ima breve e grossa trasversale, maniera giä osservata su 
ima pignattina di Ceglie (26). Alternati con essi vi sono campi 
quadrati. Quelli del piano superiore contenevano un grande elemento 
meandrico, a forma di piede, come sul cratere 37, col principio di 
un secondo. Nel piano inferiore si scorgono gli avanzi di un grande 
quadrato messo sulla punta, con piccole sporgenze di fuori e nel- 
r interno. Presso al coUo, sono attaccati, in distanza, alla fascia 
superiore, uncini meandrici, non perfettamente rettangolari, ma un 
po' trapezoidi in armonia coUa forma allargantesi del vaso. Si con- 



58 M. MAYER 

frontino i simili pendagli meandrici del frammeato (Fr. 17) messi 
siil passaggio dal coUo alla spalla. Con lo strettissimo filo di mac- 
chiette tonde che ravviva le grandi fasce orizzontali, si annimzia 
im piccolo particolare non trascurabile, che poi diventa tipico sui 
vasi del teriitorio Barese (Ceglie), specialmente siilVoiio delle 
labbia, talvolta anche del piede. La pittura e, come sempre, nera ; 
soltanto agli angoli del grande meandro si yedono dipinti in un 
colore che appare adesso arancio o giallognolo, due uncini contrap- 
posti, come se ne sono trovati sopra (25. 31). 

Non essendo il caso di descrivere 
e Studiare tiitti i frammenti, rilevo i 
tipi principali. 

Framm. 11 e 12, offrono una creta 
la quäle, si ignora come, ha preso un 
colore verdastro. II primo appartiene ad 
una scodella profonda di forma non 
comune, e conserva l'avanzo di qualche 
disegno a forti travi verticali. L'altro, 
a quanto pare, da un vaso piü grande, 
conserva l'attacco inferiore di un manico 
a forma di tubo falso compresso, del 
quäl tipo un esemplare e conservato nel 
5Ti jn 0m ^ ^^ rottame, simile a quello dellurna n. 8. 

M^^ Entrambi questi pezzi sono dipinti sol- 

^^ tanto in ne/^o. 

Fr. 13 e 14. Framm. 13 e 14, di lavoro piü fino, 

quasi simile al fr. 6 (Tav. V) forse en- 
trambi pezzi di un medesimo vaso, lasciano discernere, in due piani, 
quadri asimmetrici con un motivo che s' incontra anche in altre classi 
appule: Not. d. Scavi, 1898, p. 204, fig. 8. La pittura e in nero. 
Altri frammenti, tutti in pittura nera, offrono saggi isolati (sul 
collo del vaso) del meandro misto fra elementi rettangolari e trian- 
golari, gli Ultimi come ritinimenti ; o avanzi di quadrati con quegli 
anffoli a nodo triangolare che si ravvisano sulla torzella 5 (Bull. 
d. Ist. XII 205 fig. 2) in maniera un po' diversa nell' arte del- 
l'oriente greco, particolare che sembrerebbe perö abbarbicato nel- 
r indole dell'arte japigia, giudicando dal fatto che a Taranto si 





CERAMICA DELL APULIA PREELLENICA 



59 



vedono tali sporgenze triangolari colorate anche aggiunte alla punta 
dei merletti neri (colä n. 90). 

II prossimo gruppo (Fr. 15) mostra im askos di im tipo co- 
nosciuto; esso e molto piü rozzo di quello che il disegno lascia 




Fr. 15. 

intravedere, di ima creta rossiccia che si trova qui anche in altri 
vasi quasi simili, pure con bocca stretta, lavorati a mano. I razzi 
sulla spalla, che finiscono perö in una breve striscia orizzontale, 
ricordano il motivo illustrato di sopra (cfr. u. 34). Caratteristici 
sono i tratti vaghi, alquanto paralleli, gittati a peunello pieno, 
nella maniera che si vede al fr. 3 della tavola ; si confronti anche 
fr. 2. II manico a staffa e dipinto con semicerchi, la bocca con 
tre archi riempiti a colore. 

Questo disegno a pizzi neri o ad archi piü o meno colorati nella 
parte convessa, cioe 1' interna del labbro, e predominante sui nu- 
merosi frammenti di bocche, e ne dififerisce un solo esemplare dipinto 
in nero con orlo rosso mattone (fr. 16). Per la forma tutte stanno 
piü meno di sbiego e sono ingrossate alla gola, strette e quasi 
aguzzate all' orlo. La forma piü comune del corpo era, ci pare, 
quella dei due vasi Euvesi (32-33) o delle m-ne 11-13, ma spesso 
piü arcaica di questi due tipi, con un profilo dell' alto coUo o un po' 
gonfiato con un altro distacco sensibile verso la spalla (fr. 17), 
insomma piü affine a quel tipo fondameutale esistente a Tarauto 



60 M. MAYER 

(Tav. IV A). Fra le bocche che hauno iina larghezza del labbro poco 
Variante dai 4 ai 5 centimetri, vi e qualche esemplare con appena 
il diiplice diametro neirapertura, tanto si restringevano queste iirae 
verso la cima. S' intende che v'erano anche dei vasi piü tondi, pan- 





Fr. 16. Fr. 17. 

ciuti, senza quelle precise sfiimature, tipi che non mancavano mal 
(cf.iirne 9 e 24). E specialmente nelle numerose iirnette o pignat- 
tine di circa 0,10 alt. si perdeva facilmente tale caratteristica. 

In quanto ai manichi fra qiiesto rottame la forma a sella e 
rara, i piü sono tondi ; fatto che sta in stretta relazione con la 
forma suppostta dei vasi che avrebbero avuto 1' ingrossamento mag- 
giore verso la base. 

Appare perö accanto a questo un altro tipo di m-na, meno au- 
tico ('). Rassomiglia ad una hydria greca, senza coUo e senza terzo 
manico, cioe muuita di due anse piü o meno orizzontali e con bocca 
sporgente direttamente dalla spaUa, la quäle e piuttosto piana, 
tendente all' orizzontale. Di la sono nei nostri rottami i vari pezzi 
piani come al fr. 5 e fr. 17. II passaggio dalla spalla al corpo non e 
conservato che in un pezzo piü recente (fr. 19), dipinto con fogliame, 
adoperando nna tinta nera poco diversa dal solito color cupo, ma ac- 
canto ad un giallo opaco, che si trova giä prima, cosi sul fr. 7. 8 
(tav. V), frammento pure di una spalla e del collo, distaccati fra 
essi lievemente. Un esemplare splendido, decorato a motivi greci, 
perö nella tecnica paesana a colore opaco e fondo rustico, esiste nel 
Museo di Lecce (colä n. 47, ved. la fig. pag. 80), lavoro senza dub- 
bio meridionale, affine ai bei cestelli e bicchieri a cantaro dif- 
fusi nelle varie regioni pugliesi. Nella Apulia centrale tino a Ruvo 

(') Cfr. Bari Mus. prov. 158. 160. 



CERAMICA DELL APULIA PREELLENICA 



61 



questo tipo di uraa s' incontra ne di rado ne troppo spesso, sempre 
rustico, tranne qualche stria o liaea oiidiilata ('). [Jna diramazione 
ancora posteriore offre la Lucania, ove fra i vari tipi di iirae dipinte 
a figiire greclie, e munite ad alto manico con piccole rotelle, appare 
anche qiiest'urna che finora non era conosciuta iu uno stile geometrico. 






Fr. 18. 



Fr. 19 



VIII. C n c 1 u s i n e. 

Anche chi non conoscesse altro che questi vari rottami, non 
esiterebbe a collocare alla fine della serie i pezzi di roba Barese, 
Stile di Ceglie, Canneto, ecc, che segnano la maggiore perfezione 
artistica e finezza tecnica, traendo la somma dell' intiero sviluppo. 
tanto vero che qiiella roba Cegliese si trova sempre o spesso negli 
scavi, avendo da ultimo spodestato ogni altra cosa. Difatti la roba 
di Putignano non e solo piü antica, ma segna pm-e lo stadio o 
imo degli stadi che precedono direttamente la ceramica Barese. 
Essa contiene tutti gli elementi decorativi dello stile Barese se ne 
togli la svastica, deficienza forse fortuita, forse no, piü qualche ele- 
mento arcaico perdutosi in seguito. 11 pettine invece si va for- 
mando davanti ai nostri occhi. Nel principio vi sono soltanto le 
fort! verticali, aggruppate, che non mancano neppure nello stile 
Nord-Appulo, con la differenza perö non trascurabile che colä stanno 
quasi al disotto della pancia, sempre vicino alla base, come per 



Un esemplare proveniente da Lecce ha una piccola svastica su cia- 
scuna parte della spalla. 



62 M. MAYER 

appoggiare 1' intiera costriizione, mentre qui 1' incootriamo giä nelle 
varie parti superiori. Man mauo si vanno distaccando dalle strie 
dominanti e raccogliendo in im sistema, iinito da una trave spe- 
ciale. Sviluppo questo che finora non si e potuto osservare in altre 
regioni. Ed e forse significante che l'askos tondo tutto a globo 
pubblicato dal Laborde (') con il pettine sul collo ed un simile cenno 
alla base giü sul fondo, va colä riportato assieme con un vaso di 
Stile puramente Peucetico, mentre nell' askos di simile forma tro- 
vato in Istria (2) con un cratere appulo, ambedue di stile Nord-Pu- 
gliese, il pettine figura piuttosto chiaramente da simbolo, senza 
essere ancora entrato nel sistema decorativo. Era 1' ultimo passo, 
qaello che scorgiamo fatto a Bari, di perfezionare questo motivo 
nel senso proprio, accentuando bene ed appuntando i bordi este- 
riori che includono i denti fini. E il medesimo sviluppo si verifica 
in tutti gli elementi della decorazione, come pure nella forma dei 
vasi, che vanno allargandosi nella parte superiore, accentuando il 
piede, e arrivando in ultimo ad un tipo che privo di collo distingue 
solamente una metä superiore piü dritta, e una inferiore piü tonda, 
tipo misto dei due osservati a Putignano. 

Tornando ora ai due crateri a color rosso, che sono affinissimi 
nella parte geometrica allo stile Peucetico, l'uno, quello di Lecce, 
allo stile sviluppato, 1' altro ad uno stadio anteriore, entrambi in- 
separabili dalla roba tinta in rosso di Putignano : possiamo con- 
statare che essi si distinguono dallo stile iudigeno soltanto per gli 
elementi greci che vi si aggiungono; abbellimento che attribuimmo 
al maggiore contatto con la civiltä della spiaggia meridionale, e 
alla capacitä distintiva dei Messapi meridionali di adattarsi allo 
stile greco. Vista la distanza di tempo fra gli originali e l'imi- 
tazione, che si veritica quasi dappertutto nella Puglia, la Messapia 
non esclusa, arriveremo col cratere di Lecce precisamente all' epoca 
dello Stile perfezionato di Bari, probabilmente, per la forma dei 
vaso, al 500, mentre 1' altro cratere resta in uno stadio un poco 
anteriore, al quäle la roba r o s s a di Putignano dev' essere piii o 
meno contemporanea. Da questo calcolo, se pure colpisce nel vero, 
risulterebbe la data approssimativa delle p r i m e classi esistenti 

(') V. sopra pag. 26, e pag. 36. 
(2) V. sopra pag. 26, 1. 



CERAMICA. DELL'aPULIA PREELLEMCA G3 

a Putignano. Misurarli perö, pensiero che sembrerebbe ovvio, alla 
scala della ceramica tarantina, la piü antica conosciuta tinora, non 
conviene, poiche qiiesta, che öftre con disegni piü semplici giä una 
tecnica in parte piü fina di Putignano, segne in genere una strada di- 
versa, mentre Putignano öftre elementi che poi a Bari si uniscono con 
elementi tarantini, o, per meglio dire, con elementi conservati net- 
tamente a Taranto. 

Putignano di certo era un'antichissima stazione, che sembra 
pure si possa rintracciare ed illnstrare da altra via, come verrä 
dimostrato in seguito. Nondiuieno, per il criterio cronologico in 
genere non devo omettere un fatto che riguarda non quel paese 
solo, ne solo il territorio di Bari, bensi l'intera regione. Vi si tro- 
vano spesso saggi di una ceramica primitiva, cioe vasi fatti con la 
mano, e da una massa che non e argilla figulina, ma un impasto 
rozzo, misto talvolta con sabbia. Sono cotti senza fornace, al fuoco 
vivo, ed in tutto o in parte neri. Alcuni sono stati levigati e pare 
anche impregnati di qualche grasso, altri rimasero rozzi. A parte 
una scodella (nera) di corpo quasi cilindrico, tipo che non ho in- 
contrato finora nella Puglia, ed un coperchio perforato nel bottone (^), 
tutti sono bicchieri, coppe o tazze, probabilmente perche pei vasi 
di maggiori proporzioni era giä in uso il tornio del pignattaio. In- 
fatti nessuno dei vasi in questione — sempre parlando della Peu- 
cezia — si lascia con certezza assegnare ad una epoca veramente 
primitiva e preistorica. Alcuni proveugono dagli stessi piccoli pozzi 
che contenevano delle urne dipinte, altri rispecchiano giä forme bene 
inoltrate. D'altra parte i vasi dipinti (cioe in istile lineare) conser- 
vano talvolta forme piuttosto primitive ; il tipo semplice della coppa 
di Canneto (fig, 19 p. 51) si ritrova senza accenno di base, s'intende, 
fra i rottami di Putignano in un pezzo d'impasto rozzo (in parte nera- 
stro, in parte tendente al rosso), e a Canneto stesso impastato roz- 
zamente da una creta bianca ; il quäle ultimo oggetto fu trovato con 
un altro di uguale fattura (bianco) imitante un candelabro o soste- 
gno, cioe fusto munito di una coppa da ciascun termine, tipo comune 
nel suppellettile arcaico, Insomma si ha Timpressione di costumi 
arretrati, coesistenti a quella civiltä che vediamo sorgere in rapido 

Q) Ambedue scavati vicino a Putignano dal sig. Nicola Colavecchio. 



64 -M. MAYER 

progresso, sempre in direzione dal Sud al Nord, prima a Putignano, 
poi nei territori di Bari e Ceglie. Cosi si compreude come si tro- 
vano bicchieri di varie forme con biiona pittura arcaica ed anche 
non piü arcaica, e pure lavorati a mano, riusciti piü o meno ir- 
regolari ; come peraltro vasi piü grandi, fatti a tornio, privi di 
pittura, riuscirono in un modo incredibile pesanti e grossolani (^), 
perche eseguiti fuori contatto con le officine che stavano giä eser- 
citando l'arte figulina con tanto successo. A proposito vorrei fra 
questi prodotti arretrati piü che antichissimi ascrivere, e special- 
mente per ragione del manico a tubo falso invece del canale, quel- 
l'askos dipinto frantumato (fr. 15), 

Quel che notiamo per lo scarso materiale primitive raccolto 
da me in questi pochi auni, cioe il fatto che esso si connette assai 
da vicino alle classi progredite dipinte, senza notevole passaggio 
da uua civiltä all'altra : questo riceve una certa illustrazione dai 
fatti notati da persona competente ad Egnazia {^). 

Cola nella spiaggia corrosa dal mare e tagliata a trincee, si 
distinguevano chiaramente due strati divisi, insieme alti 1,60, e 
fra ambedue un corso di pietre squadrate della prima cinta, ante- 
riore a quella in parte esistente tuttora. Lo strato superiore alto 
0,90 che l'osservatore chiama storico, conteneva, come risulta dalla 
descrizione, vasi verniciati con figure e senza, e molta varietä di 
vasellame sottile elegante, proprio all'epoca dal 400 in poi ; inol- 
tre delle torzelle, s'intende senza smalto, come oggi appena occorre 
rilevare ; finalmente del vasellame rustico, cioe privo di pittura, 
roba di meno importanza. ' Lo strato inferiore (riporto le sue pa- 
role) potremmo dirlo preistorico, che qui starebbe a rappresentare 
come un anello di passaggio dai periodi arcaici (nel senso del- 



(1) 011a da Barletta (coli. Cafieri) con due cenni di zigzag, sovrapposti 
in rilievo ; conf. la nota 1 pag. 65. L'orlo e foggiato come ad es. il noto vaso 
deH'Aristonothos (Baumeister, Denkrn. Vasenkunde p. 1956). Sembra apparte- 
nere allo stesso ritrovamento una coppa o tazza con ansa, piuttosto rozza, la- 
vorata a mano (Bari Mus. pr. 3631, 8632). 

(2) Lettera del Dott. De Giorgi, riportata da Ludovico Pepc, Gnathia 
(1883, Ostuni), pag. 86, monografia che nii duole di non aver giä menzionata 
nel mio primo articolo. 



CERAMrCA r-ELL'AITLIA PREELLENICA 65 

Tautore : primitivi) a quelli storici propriamente detti ' (^). I vari 
pezzi descritti da lui rivelano infatti una civiltä ne piü ne meno 
primitiva di quella che s'incontra nei luoghi da noi illustrati. Non 
sappiamo qiianto tempo sia passato d'allora tino alla costruzione 
della muraglia a pietre squadrate che resta al disopra e deve ap- 
partenere all'epoca delle torzelle o precederla di poco. Ma sembra 
che anche qui, come negli altri paesi, i fatti indichino l'assenza di 
una civiltä mediana che potrebbe veramente fornire il desiderato 
anello di passaggio. Di Taranto neppure qui e il caso di discor- 
rere, vista la ceramica fina, lucida, specie di bucchero, che precede 
colä i lavori di figulino dipinti, e trattandosi di una localitä sog- 
getta a tante influenze estere, centro per il sito incomparabile, giä 
dai primi tenipi. Del resto le condizioni storiche di Egnazia diffe- 
riscoiio tanto da quelle della restante regione Peucetica, compreso 
probabilmente Putignano, che si amerebbe schivare piü che farne 
uno stretto confronto (-'). 



(^) Egli descrive poi i frammenti da lui raccolti : ' 1. Un'ansa obliqua 
appartenente ad una larga coppa di forme grossolane e massicce, con cinque 
rilievi spiraliformi nella parte esterna. E formata di una pasta di argilla 
nerastra, quasi carbonizzata, che non da efFervescenza con gli acidi. La spes- 
sezza del vaso era assai notevole, cioe di 13 mm. — 2. Frammento di base 
di una ciottola formata di argilla rossastra nella quäle sono copiosamente 
disseminati dei cristallini di spato calcare di struttura romboedrica. La gros- 
sezza e di 20 mm. alla base e 12 nel resto. — 3. Frammenti di bocca a 
ventre di un'olla con orlo rovesciato in fuori formata di argilla nerastra con 
cristallini di calcite : grossezza mm. 6. — Li tutti questi frammenti non si 
vede calcinato iT calcare, il che esclude la cottura di quelle terrecotte nelle 
fornaci. Alcune sono soltanto arrossite nella superticie per azione superficiale 
del fuoco che ha mutato il protossido in sesquiossido di ferro, lasciando allo 
stato primitive e nerastro la parte mediana. Questi frammenti sono pesanti 
e massicci, e di una grossezza tripla e quadrupla di quelli dello strato 
superiore, nei quali Targilla e purissima e senza traccia di calcare. Possono 
quindi paragonarsi agil analoghi delle stazioni preistoriche della valle della 
Vibrata, ecc. '. 

(2) Noto che le torzelle d'Egnazia si estesero anche ai paesi vicini; ma 
quelle che si scorgono a Putignano, sono fra gli ultimi e trascurati prodotti 
di questa industria Messapica ; e che inoltre la restante roba di scavo che 
si vede accanto ad esse nelle case di chi ne possiede, sembra rimandarci ad 
un tempo non anteriore al 400. 

5 



6G M. MAYER 

Chi prende a raccogliere ed esaminare ud materiale non solo 
niiovo e inedito, ma neppure esistente nei Musei, non assume con 
ciö anche Vobbligo di trarne subito le concliisioni possibili sia per 
la determinazione dei popoli che esso rappresenta nei van strati di 
scavo, sia per i rapporti fra le classi illustrate con altre fuori della 
regione in cui esso fu rinvenuto. E in quäle abisso di discussioni 
verremmo noi portati se volessimo assegnare, per esempio, la ceramica 
ad impasto rosso-nerastro o a bucchero ad una popolazione indigena, 
e quella ad argilla figulina dipinta a popoli immigrati. invasione 
che a Egnazia potrebbe rimontare appena al VI secolo? D'altronde, 
guardando i disegni della classe Barese coi loro archi fra ampi 
sistemi di striscie parallele, vogliamo noi forse peusare alle in- 
fluenze di una iraportazione greca (stile üipylon o anteriore), le 
quali sarebbero state applicate a forme di vasi miste di crateri e 
di urne paesane, cioe ad influenze diverse venute ad un tratto, ma 
distanti fra loro di secoli ? Ipotesi che si complicherebbe aucora 
coirosservare in quäl grado l'arte Peucetica si mostra padroua di 
quei disegni, intimamente rannodati cogli altri motivi, mentre, 
ovunque entrano motivi estranei, come palmette, lotos, tutto in classi 
posteriori, per non parlare di tentativi figurativi, l'arte paesana 
rivela la sua piena ingenuitä. Si risponderä che lo stile geometrico 
era piü simpatico, piii omogeneo all' indole di questo popolo, e 
perciö penetrava piü facilmente nella loro vena artistica. Ma al- 
lora si domauda, perche, trattandosi di una classe cosi speciale, gli 
elementi aflini ad altri stili geometrici dovevano essere portati dal 
di fuori, perche non potevansi derivare dalle medesime fonti ed ori- 
gini preelleniche, onde dipendevano gli stili greci corrispondenti in 
uno altro dettaglio, il beoto, il cipro-arcadico, quello del Dipylon 
primitivo ecc? 

Sono questi problemi tutti nei quali non conviene adden- 
trarsi senza couoscere tutta la ceramica Appula, e che conviene 
quindi rimandare fino ad avere presentato e confrontato il ricco 
materiale che ci resta ad illustrare, cioe quello proprio dell'Apulia 
del Nord, e quello diffuso in diverse regioni, privo di aftinitä spe- 
ciale con l'una o l'altra classe. 

Voffliamo invece fermarci nella localitä, che ci ha fornito ftnora 
il materiale piii antico della ceramica Peucetica, cioe a Puti- 
gnano. Se non isbaglio, ci siamo imbattuti in un sito adatto ai 



CEKAMICA DELL APüLIA PREELLENICA 67 

dilti di quegli elementi popolari, che veneravano la grotta dcl 
Monte Gargano e che rivedevano in essa il sacro luogo in minori 
proporzioni. 

IX. Putinianum. — Fine. 

Questa cittä si eleva su im altipiano, che proprio di lä scende 
verso la pianura e prospetta le elevazioni di Gioja e lo montagne 
nel fondo Orientale. Proseguendo su quell" altipiano la strada al 
Sud verso Noci, si scorge, a sinistra, una collina isolata, la quäle 
attira subito l'atteuzione di chi suol badare ai siti anticlii. Sulla 
collina, coperta da uu boschetto con avanzi del laiiro che una volta 
giustiticava il nome di ' Monte Laureto ' (P. Gioia, Conferenze istor. 
III 175), non esisteva ancora il villino moderno, qiiando mi toccö di 
fermarmi la prima volta, inconscio della curiositä che ci attendeva 
sulla cima di essa. Si entra colä, per un'apertura discreta, in un'ampia 
grotta ('), nella quäle si scende per mezzo di 38 gradini allargautisi 
aH'interno. II fondo contiene una nicchia con volta, come una cap- 
pella, e a ciasciin lato di essa una piccola nicchia. Quella a sinistra 
contiene la statua di San Michele, lavoro del Rinascimento, avente 
im altare siil davanti. La statua del santo, che ha dato il nome 
al sito stesso, porta un elmo di bronzo e sta su di un plinto tondo 
con iscrizioue dell' artista, pei caratteri del tutto simile a quella 
incisa al di sotto dell'altra nicchia con la data di 1591, la quäle 
invece della statua conserva oggi soltanto un affresco della Madonna 
' de lo Carmine ' con due santi, pittura del 1538. 

La nicchia di S. Michele e fiancheggiata da due pilastri, sui 
quali, tolto il gesso, si scoprirono rilievi a piccoli quadri, uno sopra 
l'altro, di stile medioevale, rappresentanti in parte scene mitolo- 
giche. Negli angoli superiori si vedono le immagini di due Pani, 
a basso rilievo, di stile molto piii svelto, quasi antico greco-romano, 
forse del Rinascimento. La tradizione locale vuole, contrariamente 
alla evidenza, che la statua del Santo abbia prima rappresentato 
l'ApoUo Pitio Pitoctono, volendo dire che il culto del paese altra 
volta erapagano: opinione che accetteremo senz'altro e specialmente 
guardando le altre curiositä della grotta, le quali sono poco note. 

{}) Largh. mass. 17 m., lungh. 27. 



68 M. MAYER 

AH'entrata, presso ai gradini, si vede un po' a siniska, im 
antico pozzo di profonditä ragguardevole, circondato da im imteal 
moderno, cioe rinnovato ; e nella parete vicina un foro con im pic- 
colo finestrino, alt. 0,57, largh. 0.35, sitiiato molto basso, quasi a 
terra. Questo piccolo finestrino proviene da imo stretto corridoio, 
piü profondo dal livello del pavimento in sasso della grotta stessa, 
come ho potuto assicurarmi con un piccolo scavo, affrettato per la 
deficienza di luce adatta e per l'acqua stillante in quella stagione 
dalla umida grotta. Notevole e un fatto osservato dagli abitanti 
del paese, che accostando l'orecchio al piiteal si sente ogni parola 
pronunziata anche a bassa voce nel corridoio segreto, mentre di- 
versamente queste parole si perdono nella grotta quasi inosservate. 
II corridoio corre parallelo con la parete della grotta. almeno per 
quanto si puö proseguirlo finora, il resto essendo croUato o ingom- 
bro da pietre e terra. 

llivolgendoci di qua in diagonale all' angolo contrario della 
grotta, si trova in fondo l'ingresso di un altro corridoio, che volta 
a sinistra e finisce nella cappella cristiana, mentre auticamente, 
accompagnando il fondo della grotta, girava probabilmente tutt'at- 
torno, in corrispondenza con quel corridoio a sinistra. 

Ci augiiriamo uno scavo completo di questi misteri. 

Intanto quäle primo visitatore che studiava il sito dal punto 
di vista archeologico, non posso tacere che mi ritornava fortemente 
il ricordo della sacra grotta di Aesculapio, descritta da Pausania 
in Lebadeia della Beozia; impressione alla quäle allora non si 
associava ancora l'altra reminiscenza che sul Monte Gargano i 
popoli Japigi avevano il culto di Podalirio con oracolo ed incu- 
bazione sanitaria (^). 



(1) Noto che a 10 kilom. verso Ovest, sul Monte Saniiacc. esiste una antica 
grotta con un pozzo d' acqua e in fondo un affresco dell'Annunziata, la cui 
festa nella piccola chiesa, sovrapposta nel medioevo, va celebrata poche set- 
timane i>rima di S. Michele. Questa grotta e piii stretta e irregolare, a forma 
di un corridoio voltato e interrotto parecchie volte. Una parte ne e, con qualche 
difticoltä, accessibile per una stretta discesa al di sotto della cappella, mentre 
r ingresso antico si trovava probabilmente alla parte contraria, circa 50 m. 
distante, che venne poi trasformata in un grande pozzo fabbricato di 6 * 2 mq. 
La tradizione sostiene che vi era una volta il culto di Pallade Atena. Una Mi- 
nerba nei dintorni dipendenze di Conversano e menzionata nei tempi Bizantini 



CERAMICA DELL'aPULIA PREELLENICA 69 

Considerando tutta rimportanza del sito, checol Gargano divide 
aiiche il nome di San Michele, pare incredibile, che storia e lette- 
ratura antica non ne abbiano conservato qualsiasi ricordo. 

11 nome PiUiniammi (') non dev'essere latino come Conver- 
sano Rutigliano, pure deformati o tradotti da iinaltra lingua (-), 
bensi nascondere im elemento straniero, forse greco. 

Se le monete dellApulia centrale con riscrizione Fov vauno 
rettamente attribuite a Grumo (con meno ragione a Grumentum), 
possiamo per analogia azzardare la congettura che anche nel pre- 
sente nome la prima vocale sia stata un v. Tolta la terminazione 
romana esce Uvrivcc o Uvna, in ogni modo un nome simile a 
qnello di Greta Orientale, faniosa per la Grotta Dictea. Tr^g dö 
' I6t]g Xo(foc rivTVK — t((f' ov ^IsQänvira rj TioXig (Strab. 472). 
Con un altro nome, tuttora esistente la cittä cretese si chiamava 
'^IsQaiTkTqa. 

Invito ora il lettore a leggere la favola appula, che Antoninus 
Liberalis cap. 31 racconta (dal Nicandro) di una gara di danza 
fatta fra giovani pastori messapici e le ninfe pecorali imf^ujXidfc, 
nella qiiale gara i pastori vinti vennero trasformati in alber'i che 
sempre lasciavano udire un suono flebile. La divisione delle tre 
regioni appule, fatta da Nicandro in modo che Messapia sia intesa 
per la parte meridionale sv ?} TroXig roxr^Tai BQsvreffior, lascia 
sottointendere, che il confine coi Peucezii era imaginato piü al 
Nord che Brindisi, sieche Putignano resterebbe quasi vicino ai 
confini o nel territorio finitimo. Alla prima lettura sembra che 
l'autore non indichi la localitä propria in cui sarebbe avvenuta 
quella metamorfosi. Si noti perö che il principio del racconto 
€V tVi Msaaaniwv Yfj ^raQa tcc; Xeyoiiävag tsqcig Tii-TQCcg e la 
fine di esso: 6 dt rönog ovoad^eTai rvf^Kfcov ts xcd ttcuSoh' stanno 
quasi in contradizione qualora ambedue notizie avessero un signi- 



(Morea, Chartularium Cupersan. I p. 27 e 50), I pendii sono pieni di tombe 
italo-greche e di avanzi di muraglie rozze, come di terrazze primitive. ' La 
grotta ' della carta militare significa una raasseria, non il santuario, che si 
trova sulla cima, in altezza identica con S. Michele di Putignano. 

(') Nel medioevo anche Potignano e, corrotto dal dialetto, Pautignano. 

(2) Cio verrä dimostrato altrove per Rutigliano ; in quanto a Conversano 
V. pag. 77. 



70 M. MAYER 

ficato nettamente mitologico o leggendario. Una delle due denomi- 
nazioni dev'essere geografica, vale a dire la prima, cioe ^legal nttqcu 
che in Greta era un altro nome di Pytna. Infatti non si compren- 
derebbe come la saga parlando di alber i suonanti avrebbe potuto 
attaccarsi ad im sito detto ' sacre pietre ', se quest'iiltimo nome fosse 
stato anch'esso leggendario anziehe dato dalla geografia od almeno 
inerente a certa localitä. Del resto il fatto degli alberi, ideati quasi 
come r elemento onde nacquero gli aboriguies, sta probabilmente 
in relazione col nome dei Peucezii, che si voleva derivare da nsvxai. 
ed e forse perciö che la favola si trova riportata in prossimitä di 
' Drvopes ' (cap, 32) originati da öqvq (robur) o "Af.ia^Qväösg. 

Nessuno poträ disconoscere a priori la probabilitä che in Apulia 
come in Greta la localitä segnata dalle Pietre Sacre coincida col 
Pytna o col Pytina esisteute colä ugualmente. Prima perö d' insi- 
stere su tale argomento, giova confrontare Ovidio, il quäle nelle 
Metamorfosi XIV 512 racconta sulla Messapia la medesima fa- 
vola in una versione un poco modificata e parlando segnatamente 
di grotte, se pur ' antra ' non voglia, come pare, indicar per uso 
poetico una grotta sola. 

■ . . . . Venulus Calydonia regna (cioe la Daunia) 
Peucetioaque siiius J/essapiaque arva relinquit: 
In quibiis antra videt, quae muUa nuhila silva, 
et levibus sta./nis latitantia semicaper Fan 
nunc tenet : at quondam tenuerunt tempore nymphae. 
Apulus has illa pastor regione fugatas 
terruit et primo subita formidine movit. 
mox, ubi mens rediit, et contempsere sequentem, 
ad numerum motis pediOus duxere choreas. 
improbat has pastor saltuque imitatus agresti 
addidit ohscenis convicia rustica dictis. 
nee prius os tacuit, quam guttura condidit arbor. 
arbor enim sitcoquc licet rognoscere mores: 
quippe not.am linguae bacis oleaster amaris 
exhibet ; asperitas verborum cessit in illas. 

Questa versione, si vede, e meno graziosa della Nicandrea, 
ed ha invece una impronta piü arcaica. Ricordiamoci un poco, per 
mezzo del tieppiede tigurato di Lucera, quäl concetto il popolo 



CKRAMICA DELL'aPULIA PREEI.LEMCA 71 

avesse della vita pastorale ('). « Gli armati, dice la descrizioue, 
e quello che suona il corno a conchiglia, sodo vestiti, mentre chi 
spinge Tarmento e niido, noa solo, ma distinto anche con un brusco 
particolare fatto ad avvicinarne il carattere al satiresco «. Se pol 
iti Ovidio figura il dio Pan, si immischia, se non isbaglio, un mo- 
mento locale o, per dir cosi, storico. Accennu a quel paese, pre- 
dorico, Satyr ion, promesso dall'oracolo ai Greci, nella Messapia, 
chiainato cobi non dai Satiri baccbici, bensi da un certo demone 
come era in Arcadia quel cattivo Satiro, specie di pastore malan- 
drino, che rubava le pecore ai contadini, e che fu ucciso — an- 
che esso un tratto diverso dal carattere dei soliti satiri — dall'eroe 
Argos (-). La favola rara non omette di rilevare che l'eroe indos- 
sava una pelle bovina; altro tratto caratteristico per una civiltä 
primitiva pastorale, anteriore alla viticoltura e simile a quella con- 
servatasi piü a lungo nei Japigii, che solevano financo in tempi 
recenti, dormire nella grotta sacra del Gargano, avvolti nelle loro 
pelli di pecora. Del resto fra i cnlti esistenti su e presso il Gar- 
gano, di cui siamo informati da quei dotti autori che sono Timaeos 
e Lycofron, non v'e traccia del dio Pan, sieche, poesia a parte, il ri- 
scontro offertoci dalla Messapia meridionale, conserva il suo valore. 
In quanto al sito delle grotte, la gente di Putignano, che 
scolpiva la figura del dio Pan nella grotta del proprio paese, avrä 
letto i versi di Ovidio riferendoli appunto a quella contrada. Se 
questa era la loro opinione non potremmo dar loro torto, qualora 
si trattase di escludere la grande grotta sul Gargano, visto che la 
celebritä di questa e di data medioevale e che il poeta Sulmonese, 
se voleva riferirsi ad essa e porre l'origine dell'olivo selvaggio sulla 
montagna piuttosto che sulla pianura, non avrebbe omesso di rile- 
vare brevemente la montagna ed il promontorio d' Italia, in vece 
di parlare di un bosco qualunque, che, preso il testo verbalmente, 
sarebbe situato nella Peucezia o nella Messapia. Si deve conside- 
rare che, nei tempi antichi, anzi fino ai tempi medioevali, un grande 
bosco con molto selvaggiume si estendeva da Gioja fino a Monopol!, 
comprendendo dunque la contrada in questione. D'altronde non na- 
scondo il mio dubbio, che il poeta o il suo autore, se voleva al- 



Bull. d. Istit. Arch. Cierm., XII pa,?. 4, fig. 1, Petersen. 
(2) Apollodoro bibl. II, 1, 3. 



M. MAYER 



ludere a una certa localitä, forse non pensava tanto in genere ad 
iina grotta sacra, chiusa, qiianto ad una di quelle profane, mezzo 
aperte, che distinguono le varie ' Gravine ' appule, da Silvion fin 
a Massafra di Taranto, oppure a quelle simili che hanno dato il 
nome alla cittä di Grottaglie, vicino Taranto, alla Grottola medio- 
evale {^), e a quella stazione ' Speluncae ' vicino Ostuni, indicata 
sulle plante e negl' itinerari antichi. 

E sembra finalmente lo schietto fatto delle ' Pietre Sacre ' 
contenere im indizio in favore delle contrade meridionali, se non 
addirittura della contrada fra Putignano e la costa Adriatica. 
Giacche escluderei le colonne o sassi miracolosi di Diomede, po- 
sti in luogo favoloso dell'Adriatico settentrionale piü o meno yi- 
cino al Gargano ; fenomeno mitico che trova riscontro nelle colonne 
di Ercole, poste alla fine dell'orizzonte marittimo verso l'occidente, 
e nelle Plancte che segnavano quasi la fine contraria, cioe l'entrata 
nel regno favoloso del Mare Euxino. Nell'Adriatico la navigazione 
greca per secoli non andö di molto oltre il Gargano (2), e perciö tro- 
viamo qui l'idea delle pietre o colonne teniiinali, che con il ca- 
rattere miracoloso di potere, se rovesciate, rialzarsi di nuovo, ricor- 
dano addirittura le Plancte, rispecchiando le idee degli stessi na- 
vigatori e coloni Rodo-Milesi, che per primi penetrarono nel mare 
Euxino e che'approdarono alle coste appule sino al Gargano. Elimi- 
nato dunque il regno nordico di Diomede, rivolgiamoci alla fine 
opposta della lapigia. AI capo Leuca si vedeva, una volta (^), 
una grande pietra che Ercole, quando vi andö per domarne gli in- 
dicreni, sollevö con un solo dito. Per bene intendere questa leggenda, 
conviene ricordarsi, che SäxTv'/.oq nella mitologia ('') contiene sem- 
pre qualche ricordo oscurato dei Dactyli o Corybanti, sia nel signi- 
ficato delle persone, sia nel signiflcato delle pietre sacre dei culti 
primitiv!, che erano a forma di xvQßig, cioe piramidali, o a forma 
di colonna o phallos, detto JßxTi^Aoc per eufemismo. II migliore 
riscontro per questo doppio senso, offre la Hierapetra Oretese stessa, 
che si diceva fondata da certo Kyrbas e chiamata in origine Kyrba. 

(1) Cfr D'ürso, Storia di Andria, p. 52. 

(2) Probabilmente per la pirateria dei Liburni. 

(3) Pseudo-Aristot. Mirabil. XCVII (100) Westerm. Cfr. anche la pietra 
Sacra e miracolosa di Egnazia, Plin. n. h. II 240. 

(■») Cf. Röscher Lexic. mit. II 1, 1535. 



CERAMiCA dell'apulia preellemca 73 

Che questi rapporti non erauo mera mitologia, ma basati sii 
certe osservazioni di fatti storici o nazionali, forse balzerebbe fuori 
dal classico trattato di Demetrio Scepsio, presso di Strabone, nel 
libro X, se non sfortunatamente il rispettivo passo 473 fosse cor- 
rotto anzi lacunoso, fatto neppure notato nelle edizioni. JaxrvXovg 
d' löcäovq (fctüC rivsg xexXijtsOca roi', nQojTovg o^xr^Togag rrjg xavu 
rrjv'lSr^r vTTWQsiug' nödag fxh' ytiQ XkyefSdcti tag VTiuiQeiag^ 
xoQVifdg St xd icxQct tmv oqmv. Ne l'imo ne l'altro concetto 
trova dove attaccarsi. Ma ciö che si comprende, non ostante le 
deficienze del periodo, e questo che siccome xoQVifcd addita un xo- 
Qvßavreg che manca, cosi jiö^sg doveva servire a spiegare im pre- 
cedente ^länod sg, nome che forse dava otfesa al copista per 1' in- 
solito ambiente in cui figiira qui. I Japodes o Japudi, altrove 
menzionati dal geografo, popolo nordico dei paesi Balcanici, sono 
generalmeate riconosciuti identici agli Japigi entrati in Italia {}). 

Le ragioni per cui si volle introdurre questa nazione, stanuo in 
fatto nei limiti dell'Apulia, ossia nei paesi che avevano relazioni 
siano vere siano presunte dell'Apulia con l'isola di Greta o con altri 
paesi dei Cureti. Si puö pensare prima alle danze (conf. dinööiu^ 
tripudia), caratteristico mitologico degli "lunoötg in Apulia. La fa- 
vola dei pastori e delle ninfe ballanti con un Pane o Satiro in mezzo 
lo addita ; essa ci presenta un simile aggruppamento come il noto 
frammeuto attribuito ad Esiodo (-) ; e forse e degno di attenzione 
il fatto che le ninfe salutano i pastori Apuli gridando loro w xovooi 
invece di dire rroiatifg o vecaua, come ancora nell'estratto in prosa 
di Antonino Liberale. 

Questa interpretazione, e vero, non e quella che ci da Stra- 
bone. Ma anche la sua (rrö^eg = virojgaicc), che fa derivare il nome 
dalla pianura, e che pare non convenga ai montani, quali furono 
in origine gli lapodi, bene si spiega studiando le condizioni del- 
l'Apulia. Ivi cioe i Uf-dfxokoi o, come spesso si scrive questo nome, 
noi6{xoXoi, abitano tra le Messapia arva e il ' tavoliere di Foggia ". 
Essi, nella tripartizione in Daunii, Peucezii, Messapii, si lasciauo 

(') Ved. sopia pa^. 19. 

(2) Fr. 28 Markscheff. — Strab. X 471. 

£f 0»»' ovQiiat Ni''fj.cfra d-etci i^eyivovro, 

Kai ysroi; ovritfayioy ^lutvqmp x(d (lu)])[uyoeoyijjv 

KovQtJTEg TS &sol (fi'Aoncdyuoyei oQ/r^aitjoeg. 



74 M. MAYER 

da parte ed in genere convengono coi Peiicezii, senza perö iden- 
tificarsi con essi (0- Per quanto si vede il nome di Peucezii e di 
senso piii esteso. che si espande fin sui monti; invece, qiiando si 
parla dei Poedicoli con piii mai-cata precisione, si comprende ciö che 
piii brevemente risiilta auche da Strabone : trattarsi cioe degli abi- 
tanti della costa, eccettiiate le Murge, specialmente quelle fra Egna- 
zia e r Ofanto. 

Se si riflette che di Peucezii si parla anche in contrade ove 
essi, in tempi anteriori. potrebbero aver abitato benissimo, che di 
Pedicoli o Poediculi all'incontro fuori deU'Apulia non evvi traccia 
alcuna. a meuo che con Kiepert si voglia pensare a Poedicum 
sul contine della Pannonia e del Noricum, potrebbe credersi che 
questi ultimi, i quali anche presso Plinio (III, 101) stanno come 
gente lllirica non diversa di razza dai Japigi, non avessero un nome 
individuale, ma si chiamassero semplicemente Jltduu quali abi- 
tanti della pianura (■). 

E ciö, se anche non fosse la veritä, sembra perö essere il 
seuso nascosto delle parole corrotte di Strabone. In ogni caso bi- 
sogna accennarlo, sperando che da questo punto possa uscire un 
po' piü di luce. sebbene per il momento cresca forse il numero 
delle quistioni. 

In fondo anche presso Strabone si tratta dell'antica identifi- 
cazione di Cretesi ed Appuli, ipotesi emessa da Erodoto sotto la 
immane forma di un'emigrazione generale di quasi tutti i Cretesi 
verso l'occidente. Chiunque oggi si occupa di questo spinoso problema 
dovrä prendere il suo punto di vista un po" piü alto o piü distante 
che non poterono fare gli antichi. Anzitutto egli farä ricordare che 
non vi e piü contatto con l'isola di Greta che con altri paesi greci, 
dai quali i Cretesi stessi una volta si dipartirono. Qui perö dob- 
biamo occnparci solo di ciö che ci insegnano i ritrovamenti cera- 
mici. Ed a questo tema depo breve giro ci vedremo ricoudotti. 



(') II Kiepert, Geof/r. p. 450, 3, poco bene tenta di iclentificare i due 
iiomi, e Keller, Lat. Volksetym. p. 183, troppo condiscendente si e mostrato 
a siffalta tesi. 

(2) Per la formazione del nome conf. incola, ßovxo^og, (uTtoXos, (<jj(pino- 
'/.og {n = y), evxo'Ao;, dvaxokog ecc. Cfr. G. Curtius, Gr. Etymologie* p. 463. 



(KRAMICA DELL'aPULIA I'RKELLENICA 75 

I numismatici fanno osservare, senza perö tirarne conclusioni, 
che la monetazione della Cretese Hierapytaa va d'accordo in modo 
sorpreodente con quella degli Aeniani. Tale concordanza fra diie 
paesi cosi distanti pare non sia spiegabile se non da vera affinitä 
con relazioni antichissime uon mai neglette, sebbene esse comin- 
cino ad apparire soltanto in tempi relativamente tardi (circa 
l'anrio 300) con la coniazione aiitonoma di questi paesi. Gli Eniani, 
uno di quei popoli della Grecia settentrionale che rimasero presse 
a poco intatti dallo sviluppo storico dopo le grandi migrazioni. 
abitavano prima la Tessaglia piii settentrionale, e soltanto dopo 
molti giri nella Grecia media, che li portarono anche al golfo di 
Crissa e Cirrha, essi presero posto detinitivo siü lato nord dell'Oeta 
con la capitale Hypata. 

Le loro tradizioni tramandateci da Plutarco { Quaest. gr. XIII) 
trattauo di culti e costiimi antichissimi, cioe dell'epoca in cui la 
fronda era ancora 1' arma principale e una pietra avvolta, chia- 
mata allora mwxixov xQt'ctg, fii sacro simbolo di Apollo ovvero 
Zeus (vedi Plutarco). In quel nome, nonostante la metamorfosi 
leggendaria, sembra nascondersi un nome proprio, forse lo iruMitor 
con le vicine vette dello Hypatos e del Messapios, e la cittä di 
Anthedon, donde secondo la tradizione avrebbe incominciato la mi- 
grazione Messapica (0, la quäle si diresse verso l'isola di Creta e 
verso l'Apulia. Le piü antiche sedi, con quelle dei Bottiei ('-), pos- 
sono forse segiiarsi con le cittä di Pella, P3'dna ed Ainea. Dal quäl 
punto non vi e clie un passo agli Edoni, ai quali pare si riferisca 
'Av^ri6ü)v, la cosi detta cittä ' Tracia ' (Lycophr. v. 754), ed ai 
Brysai ed Haleti del Pangaion (Plin. a. h. IV. 40), i quali si ri- 
trovano nel cuore di Sparta in un ambiente del tutto preellenico 
(Paus. III. 20). Ivi troviamo strette, l'una accanto all' altra, 'AXt- 
ük(, TaXtTÖc Q Bova^af, paese sparito ; poi una divinitä chiamata 
MtaaanevQ (Zeus), presso un liumicello iVelXt« e probabilmente 
presso il paese Mtaüairtai (Theopomp. fr. 274) e sulla cima del 
moute i sacrifizi di cavalli in onore di Helios, quali dai Sallentini 
si facevano al Menzana (^). Con ciö tocchiamo uno dei centri del 



(1) Strab. IX 405, Paus. IX 22. 

(2) Ved. soprj. pag. 19. 

(3) Cfr. Mommsen, Unter italische Dialekte p. 70. 



76 M. MAYER 

problema Messapico. In fatto, attraverso tutta TEUa-de restaiio an- 
cora le traccie di una popolazione esistita pure in Apulia e che 
dal linguaggio si mostra ne Greca, ne Italica. 

Basta, prescindendo dal locale Spartano con la sorgente Mes- 
seis, rivolgere lo sguardo all'antico paese di Messa, situato sulla 
piinta meridionale del Peloponneso. II nome di questo paese ben 
presto sparito aai unoxorry]v si crede signiticare Messenia ; (Steph. 
Byz.). In fatto perö tuttora il locale tiene il nome MeGaam') ('). 
La medesima divisione si trova sul lato Italico. Ivi pure fra Taranto 
e Brindisi l'una presso l'altra si trovano le cittä Messapia {^) e Mes- 
senia (oggi Mesagne) ; fenomeno che ricorre pol alle sbocche del Po, 
ove la cittä di Adria (Etym. M. s. v.) si presenta con 1" eroe Mes- 
sapios, e Ravenna col canale ' Padusa quondam Messariicus appel- 
latus' (Plin. III 119). Sieche, se da una parte pare si confermi cio 
che giä lo Studniczka {Kyrene, p. 175 sg.) ha provato con le 
tradizioni di Phalanthos, 1' esistenza cioe in Messapia di una popo- 
lazione predorica, acheo-arcadica, s' intravede altronde la vastitä del 
problema: la possibile estensione della civiltä Appulo-Messapica, 
la confusione con gli Japigi, venuti dal nord, ecc. 

La necessitä di sfiorare qui siffatte questioni sarebbe chiara 
senz'altro, se la congettura del Dümmler (3), che Aineas fosse l'e- 
ponimo degli Eniani, trovasse appoggio nei fatti; ma tale ipotesi 
finora non trova la sua dimostrazione se non per la via della Pu- 
glia e forse del Peloponneso, via che per ora non posso seguire. 

Ciö che importa qui si e la dea col pettine strettaraente 
coUegata con Aenea. Nello scolion Hom. B 820 si annota al nome 
'AcpQodtrrj- iccvTr]g x6 ayaXucc nXÜTTovfn xtt'ra tf-t'^ior, particolare 
della sua rappresentazione che appena in tal modo si sarebbe ac- 
centuato e generalizzato, se esso non fosse, come nello scolion di 
poi si fa, messe in relazione speciale coi Romani e con Enea. II 
culto Romano, cui allude lo scolion nel luogo classico di Servio 
{Ae72. I. 720), e specificato con quello della Venus calva. L'iden- 
titä risulta specialmente da Serv. II 632, dal quäle passo di piü 
poi risulta che nel luogo precitato e proprio il culto della calva 

(1) Cfr. Bursian, Griech. Geogr. II 152. 

(2) II Corcia, Storia della Sicilia, III, ammom di non alterare il passo 
di Plinio n. h. III. 100. 

(3) Presso Studniczka, Kyrene, p. 195. 



CERAMrcA dell'apulia preellenica 77 

im altro simile ciii si riferiscono le parole ginnte in fine : apud 
Cyprios Venus in modum umbüiei vel ut quidam volunt metae 
colitur. Onde segne anche questo, mi pare, che il nome di calva 
non e originale, ma latinizzato da altra lingua. 

AH'Apiilia tocca anche la storia della Venus verticordia ('), 
nella quäle lo xvek fa le sue parti assai manifeste come simbolo 
mistico, come le faceva quäl simbolo mistico nelle feste delle donne 
greche, p. e. nelle Tesmoforia {^). 

Oltre a questi vi era in Apulia un culto di Venere sul capo 
Leuca, il quäle ben presto venne oscm'ato da quello di Athena (^), 
e massima poi in quella contrada, dalla quäle abbiamo preso le 
mosse nella vicinanza di Putignano. Ivi, cioe fra Conversano e 
Castellana, era un tempio molto frequentato che diede norae alla 
statio ad Veneris. Venendosi ora a sapere che Conversano prima 
ebbe un altro nome, il quäle si mantenne fino al medio evo, cioe 
Cuperscüium (^), con ciö s'intenderä che la dea qui chiamavasi Cu- 
pra, cioe col nome medesimo col quäle veniva chiamata nel Piceno. 
E cosi si comprende presto perche del culto ciprio si fa menzione 
appunto presso la Calva. Siccome perö questa fu la dea col pettine, il 
nome Conversano mediante metatesi sarä nato da Corvansano, unen- 
dovisi il significato di Verticordia ; e Calva si spiegherä da Carva o 
xuQßav, cui viene luce dalla serie Carovigno, Carbonara, xdgßiva {^). 

Dopo tutto ciö non sarä da sorprendere, qualora si afferma 
che la ceramica della Puglia media si serva con tanta predilezione 
delVornamento del pettine. Non importa molto che questo ornamento 
quasi sotto gli occhi nostri si sviluppi da altra figura, seppure viene 
un tempo, dal quäle esso si presenta chiaramente da pettine con- 
servando costantemente tale caratteristica. 

La svastica, di cui si presenta il tipo perfetto, potrebbe essere 
importata. Essa fa il suo apparire quasi contemporaneamente col tipo 

(1) V. Preller-Jordan, Rom. J/yth. I, 446. II nome stesso della faini- 
glia Elvia forse sta in connessione colla parola Appula Elpi. 

(2) Callimaco fr. 308 Sehn., Anthol. Pal. V 132; Poll. 11, 174; Ety7)i. 
M. Osafioff. 

i^j Cf. Corcia, Storia d. Sic. III, 425. Differisee l'opinione del Pais I 55"). 
(■*) Domenico Morea, Chartularium di Conversano I (dal 815 d. Cr. in 
l)oi), Montecassino 1892. 

(^) Cf. anche il popolo dei Carbelas sul Pangaion. Plin. lY, 44. 



M. II AVER 



de] pettine quasi pieuamente sviluppato. In tale iinione esso piiö 
aver valore di simbolo, come nella Grecia settentrionale, ove l'ba 
conservato lungo tempo: cosi le monete di Mesembria banno la 
leggenda Me-a con aggiiinta la svastica, la quäle quindi signiticbe- 
rebbe rjf-it'oct, ]]Xiog (i). Con ciö saremmo ricondotti alla vicinanza 
di un" antica cittä di Enea, quäle e Ainos, sulla costa della Tracia. 

Non ometto qui, riguardo al pettine, di far osservare che tale 
simbolo di nna dea dal Petersen (Ballett, di paletnol. ital. XXXIII, 
p. 81) venne riconosciuto in figure molto antiche della Beozia. 

Si sa poi qnanto e facile trovare pettiui di vario materiale, 
non tutti fatti per servirsene in realtä, ma anche per portarli come 
amuleti, tanto nei paesi dell'Istria quanto nell'Italia settentrionale. 




Fig. 20. 

E qui tinalmente e il luogo opportuno onde spiegare la ligura 
singolare che si vede su parecchi dei nostri vasi, cioe quel trin- 
chetto con maggiore o minor numero di punte, piantato sopra base 
triangolare. Sopra alcune urne (^) essa ha due sporgenze verticali al- 
l'estremitä di ciascun braccio, e ne ha una soltanto sopra un'urna 
che qui non abbiamo raffiguiata {^). Appena osservato questo tipo noi 
potremo sovvenirci di alcuni simboli, o, per meglio dire, di alcuni 



(1) Brit. Mus. Catal Thrace, pag 132, 4. 

(2) No. 5 e compagno. 

(3) Bari Mus. 3715; da Monlrone. 



CERAMICA DELI.'aHULIA. PREELLENICA 79 

idoli primitivi, come quelli che si vedono sopra alcune stele neo- 
pimiche nonclie quelli che si vedono piü verso il nord, come per 
esempio, ad Este (') noi li troviamo quali amuleti, o esemplari rap- 
presentaiiti figiire di donne, come sul vaso di Oedenburg (-), ove 
si scorge che la testa fii iiello stesso modo trascurata. Con tale 
idea perö sarebbe incompatibile 1' iirna n. 6,ove tiitta la linea tras- 
versale e piena di piinte come lo sarebbe un candelabro : fig. 20 b. 
E qiii non si puö pensare a un pettiue, ma bensi dappertutto a un 
trinchetto impiantato, ciö che risulta senz' altro da quei vasi Ap- 
puli, ove l'oggetto in quistione si vede raunito di manico ed isolato, 
cioe senza base ; cosi fig. 20 «?, graffiato al di sotto di una coppa 
Cegliese (Bari Mus. 773) e fig. 20d,e, dipinto due volle sul ma- 
uico di un askos Carosino (Bari Mus. 2298). 

Gli esempi riprodotti, pare, non lasciano alcun dubbio che 
sopra i vasi predetti la troppa brevitä e la troppa larghezza del- 
l'oggetto non possa essere decisiva e forse non si debba attribuire 
ad altro che ad una imperfetta caratteristica. 

Sopra uno dei vasi di stile Appulo del nord (•'), trovati nell'Istria, 
avente un rettangolo a guisa di finestra, si vedono, in direzione per- 
pendicolare due oggetti di questo genere ; con le punte in giü, ciö 
che con ogni prolabilitä risulta dalla piccola piramide di argilla 
(uno dei cosiddetti pesi) di Megara Iblaea (^), ove siffatta figura, 
appoggiata sulle punte, dirette in giü, al manico si vede munita di 
asta trasversale. 

La figura di un tridente impiantato, se cosi possiamo chia- 
mare il trinchetto {^), nel modo piü naturale, credo, si spiega 
dalle condizioni della Tessaglia settentrionale, specialmente da 
quelle dei Perrebi, antichi vicini degli Eniani, ove uno degli au- 
toctoni, Ceneo, nemico e rivale di Apollo, nella sua superbia (in 
questo modo cioe si caratterizza lo stato di cose piü antico) si dice 
che abbia piantato la sua lancia come sacramento e aver forzato 
la gente a far giuramento su questa C^). La trinchetta stessa e 

(') C. Hoernes, Urgeschichte der bild. Kunst, Taf. X, 12. 

(2) Cf. Hoernes 1. c. tav. XXX 1-2. 

(3) Amoroso, Le necropoli preistoriche dei Pizzughi. Atti e Memorie 
d. Soc. Istr. V fasc. 1, 2. tav. VI. 

(■*) Hoernes, Urgesch. d. B. K. p. 474. 

(^) Essa si allarga talvolta anche sugli arcaici pinukes di Corinto. 

(6) Cf. Schol. di Apoll, rod. I 57. 



80 M. MAYER. CERAMICA DELL APILIA PREELLENICA 

la sua apparizione in Apulia non sarä piü sorprendente dopo tiitto 
ciö che da altri fii esposto intorno a Phalanthos (Messap. BaXe- 
^ac, faXs^og) qiiale eroe predorico di Brindisi e di Taranto, ed 
intorno alle di lui vestigia in Tessaglia e Greta accompagnate 
sempre dal tridente. Giacche puranche remigrazione dei Messapi 
da Anthedon sta in diretta correlazione con Glaucos Pontios. Fin- 
anco il Messapus di Virgilio e figlio di Nettuno. 

Da queste circostanze, se si tradiicessero nel Greco, risulterebbe 
una iinione dei ciilti di Aphrodite e di Poseidon tale quäle esistette 
in Messene. in Aigion, nelVArcadica Orchomenos ed in Corinto ('). 

M. Mayer. 



(!) Cfr. Welcker Griech. Götterlehre II, 706. 



IKONOGRAPHISCHE STUDIEN (') 



XIV. Maussollos Fürst von Mylasa, 
Satrap von Karlen. 

Vor Jahren lernte ich aus einem Abguss Imhoof's, eine Münze 
von Kos, aus der Sammlung Waddington (-) kennen mit dem 
bärtigen Herakleskopf, der eine merkwürdige Aehnlichkeit mit den 
Zügen des damaligen Beherrschers der Insel (•^), mit Maussollos zeigt. 
Bei einem Besuch des Britischen Museums, im J. 1885, fand ich 
dazu ein verwandtes Exemplar (•^), das aber in der Prägung weniger 
vollständig gerathen ist. 

Ich habe damals diese Bemerkung als eine immerhin ganz 
hübsche, aber ohne weitere Bedeutung aufgehoben, und wüi-de jetzt 
kaum dazu kommen sie zu veröffentlichen, wenn sich die Sachlage 
nicht etwas verschoben hätte. Damals galt die bekannte Statue 
fast allgemein als integrirender Bestandtheil des Viergespannes 

(1) S. Rom. Mitth. 1898 XIII S. 60. Dort ist auf Seite 61 das Stirnhaar 
des Londoner Homerkopfes auf den Kopf gestellt, dasselbe wird deshalb hier 
richtig gestellt gedruckt. 




(2) Babelon Inventaire de la coli. Wadclington n. 2720. Paton und Hicks 
the Inscriptions of Cos, S. 305. 

(3) Paton und Hicks, a. a. 0. S. XXIX. 

(■*) Catalogue, Carla and Islands PI. XXX, 6. 

6 



82 J- six 

vom Gipfel des Maussolleums und deshalb sebstverstäadlich als 
Maussollos; jetzt da Percy Gardner (^) überzeugend dargethan hat, 
dass sie von diesem Viergespann nicht herrühren kann, ist jener 
Name ihr freilich von niemand streitig gemacht, aber thatsächlich 
ohne jegliche Begründung geblieben. Unter diesen Umständen kann 
meine Bemerkung willkommen sein um die gemeingültige Be- 
nennung zu stützen. 

Ich stelle hier eine Profilansicht des Statuenkopfes neben ein 
Exemplar des gewöhnlichen Typus und jenes mit den angeäh- 
nelten Zügen aus der Sammlung Waddingtou. Es leuchtet ein, wie 
gross die Uebereinstimmung ist. Dieselbe spricht sich besonders 
aus in der kräftigen Stirne und in der Weise, wie sich daran die 
starke Nase anschliesst. Zwar scheint die Münze eine breitere 
Nasenspitze zu zeigen als der Marmor ; aber diesem fehlt die 
Nasenspitze, die am Abguss wohl zu schmal restaurirt ist. Ein 
etwas kräftiger Nasenknopf, würde die Nase ungemein beleben. 
Freilich ist es nur in der Profilansicht dass die Restauration zu 
tadeln wäre, sonst stimmt die Form zum Münzbilde. 

Ebenso stimmt die hoch und rund gezogene Braue vorzüglich, 
und scheint das Auge in der Profilaufnahme viel kleiner als an 
der Münze, so belehrt uns auch hier wieder das Original, dass 
ein sehr weit geöffnetes, gross scheinendes Auge, von dem Stem- 
pelschneider naturgetreuer wie von einer Profilphotographie wieder- 
gegeben wird. Auch Lippen- und Schnurrbart des, im Vergleich 
mit den anderen Zügen, kleinen Mundes sind noch verwandt. Nur 
der Kinnbart scheint am Marmor kürzer geschnitten zu sein als 
im Münzbilde; aber auch dieses kann nur Schein sein, wenn man 
darauf achtet, wie am Koloss zAvar kurze aber doch bestimmt 
getrennte Locken angedeutet sind, die im Münzbilde, im Stil jener 
Zeit, kaum viel anders wiedergegeben werden konnten, als wie 
geschehen ist. Es gilt ja nicht die Frage, ob der Münzstempel 
nach der Statue, sondern ob beide nach der Person des Maussollos 
gearbeitet sind. 

Was schliesslich auch hier wieder den Ausschlag geben muss, 
ist der Eindruck der ganzen, grossen und grossartig aufgefassten 

{') Journal of Hellenic Studies XIII S. 188. Die Argumente, die Oldfield 
Archaeologia 55, 2. S. 305 f. dagegen anführt, sind ungenügend. Die Statuen 
bleiben zu klein für die Pferde. 



IKONOGRArmSCHE STUDIKN 83 

Züge und breiten Formen, ein Eindruck, den ich nicht besser 
anzudeuten weiss als durch den Verweis auf durch eine Lupe 
gesehene Formen. 




/^ 





XV. Alexander III Könior von Makedonien 



Dieser und der nächstfolgende Aufsatz, verdanken ihre Ent- 
stehung einer Anregung meines Vaters und einer gemeinschaftlichen 
Ueberlegung, wobei ihm in diesen numismatischen Dingen selbst- 
verständlich der Hauptanteil zukommt. 



84 J- six 

Die Ikonographie Alexanders lässt, so wichtiges und vorzüg- 
lich bearbeitetes Material wir auch besitzen, doch noch eine 
eingehende Untersuchung vermissen über das was aus den eigenen 
Münzen des Königs über sein Aeusseres zu ermitteln wäre. 

Die Münzen nämlich mit den Ammonshörnern die, wie allgemein 
anerkannt wird, wenigstens zum Theil die Züge Alexanders zeigen^ 
sind bekanntlich erst von Lysimachos geprägt worden. Die Münzen 
mit der Elephantenhaut, die auch als Bildnisse Alexanders gelten, 
und auf die wir unten zurückzukommen haben, rühren von Ptole- 
maios Soter her ; hier handelt es sich um den Heraklestj^pus der 
bei Lebzeiten des Königs geprägten Münzen. 

Das was für und gegen die Anschauung zu sagen ist, wonach, 
man in jenem Herakleskopf das Bild Alexanders erkennt, hat schon 
L. Müller (') ausführlich erörtert. Imhoof hat die Hauptsachen 
dieser Ausführungen, höchst vorsichtig kurz so formulirt {-) : «^ Auf 
einem von Agathokles in Baktrien zur Erinnerung an Alexander 
geprägten Tetradachmon (der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts 
vor Chr.) erscheint dieser mit dem Attribute des Herakles, dem 
Löwenfelle (Gardner, Num. Chronicle 1880. Taf. X. 1) und ebenso- 
in der Kaiserzeit, auf makedonischen Bronzen (^), einem anderen (^) 
Goldmedaillon mit identischem Revers (Taf. X ^qm Revue Niün.\%Q%) 
und Contorniaten. Es ist daher die Annahme, auch der Kopftypus 
der sogenannten Alexandermünzen, derjenige des jugendlichen He- 
rakles, sei für ein Abbild Alexanders gehalten worden, nicht 
dm-chaus zu verwerfen. " 

Weiter geht Koepp (^) « Dann sah man in dem Herakleskopf 
der Silber-und Kupfermünzen den Kopf des Königs mit dem 
Abzeichen seines Ahnherrn. Dieses Costttm konnte nicht befrem- 
den, und Münzen der römischen Kaiserzeit, die demselben Kopf 

(1) Numismatiqiie cVAlexandre le Grand S. 12 f. 

(2) Gr. Porträtköpfe S. 14. 

(^) Denen sind jetzt die Bronzen von Apollonia Mordiaea hinzuzufüofen 
{British Museum, Catalogue, Lycia etc. PL XXXIII, 1 und 5) wo der3Typus 
als Alexander, Stifter der Stadt bezeichnet wird und, merkwürdiger Weise, 
nicht eine beliebige Alexander-Münze copiert ist, sondern eben ein Exemplar 
derjenigen Classe, die wir bald zu erwähnen haben. 

(*\ Zu wissen aus dem Funde von Tarsos. 

(^) Ueber das Bildnis Alexanders des Grossen, 52. Winckelmanns-Pro- 
gramm. 



IKONOGRAPHISCHE STUDIEN 85 

die Inschrift 'AXs^ccvSqov beifügten, scheinen die Deutung zu 
beweisen ; ja man konnte sich auf Münzen des Alexander Balas 
aus der Mitte des zweiten Jahrhunderts v. Chr., die den Kopf 
dieses Fürsten in derselben Tracht zeigen, berufen als auf Zeugnisse 
dafür, dass schon damals der Herakleskopf als das Bildnis Alexan- 
ders galt. Aber der Herakleskopf kommt, wie bereits Eckhel 
gesehen hat, schon vor Alexander auf makedonischen Münzen vor 
und kann also unmöglich ursprünglich als Bildnis des Königs 
gemeint sein; und dass die Diadochen erst erheblich später den 
eigenen Kopf auf ihren Münzen zu prägen beginnen, und dass 
das Bildnis der Scheinkönige der Zwischenzeit auf den Münzen 
fehlt, spricht dafür, dass hier Alexander nicht mit seinem Bei- 
spiel vorangegangen war. Einige Numismatiker wollten, wie auch 
Visconti, wenigstens auf den Prägungen einzelner Städte die Züge 
des Herakles denen des Königs angeähnlicht finden. Wer die, bei 
der Zahl der Prägstätten, sehr begreiflichen Verschiedenheiten des 
Herakleskopfes überblickt, wird diese Möglichkeit nicht durchaus 
bestreiten wollen ; aber sie kann an der Thatsache, dass der Kopf 
Herakles darstellt und einen überkommenen Typus wiedergibt, 
nichts ändern und ist für die Ikonographie Alexanders wertlos. " 
Wertlos nun scheint mir jene Aehnlichkeit keineswegs, und 
sie kann es auch nicht sein, wenn man darauf achtet, welche 
Stücke am meisten Uebereinstimmung mit den anerkannten Typen 
aufweisen, worunter neben der Herme des Louvre, mit der mo- 
derneu Nase, und dem Mosaikbild der Alexanderschlacht, der wun- 
dervolle Kopf der Perserschlacht, am s. g. Alexandersarkophag, die 
erste Stelle einnimmt ('). Es sind dies nämlich mehrere Münzen 
der zweiten Klasse Müllers (-), die nicht, wie er meinte, nach 
Kilikieu hingehören, sondern eher nach Syrien oder Mesopotamien, 
jedenfalls mit zu den ältesten Prägungen dieses Typus zu rechnen 
sind. Ein Monogramm scheint sogar auf Damaskus, wo Alexander 
zuerst durch Parmenion in Besitz von grösseren Schätzen ge- 
langte (■^), zu weisen. 

(}) Damit man nicht wegen des Löwenhelmes dieses Kopfes geneigt sei 
an einen Zirkelschluss zu denken, weise ich darauf hin, dass dieser Kopf dem 
Ammonskopfe der Lysimachosmünzen am nächsten steht. 

(2) Ein schönes Exemplar bei Head Guide PL 27. 7. 

(3) Arrianus Anabasis II, 11, 10. 



86 J- six 

Besonders zu vergleichen ist die Nase, die, wie aus dem 
Mosaik, dem Sarkophag und den Lysimachosmünzen hervorgeht, 
ein ziemlich starkes Nasenbein sehen lässt und von da zur Spitze 
ganz leise eingebogen ist (i), das hochliegende Auge auch und der 
kleine Mund mit der kurzen Oberlippe, eine allgemeine Aehn- 
lichkeit endlich, die nicht sehr weit geht aber doch genügt, um 
augenblicklich die Exemplare dieses Typus auszusondern aus der 
grösseren Masse, der die Aehnlichkeit fehlt, wie sie in der Haupt- 
sache die anderen Klassen Müllers bilden. 

In einer Beziehung aber weicht der Münztypus ganz bestimmt 
von dem bishergenannten Bildnisse Alexanders ab, indem diese die 
Züge edel und fein, ja beinahe etwas mager zeigen, der Herakles- 
kopf dagegen grob kräftig und schwer, mehr sogar als es aus 
künstlerischer Rücksicht der Heros verlangt. Das ist auch nicht 
die Fülle der Formen, die uns die Münchener Statue in einem 
Bilde der blühenden Jugend des Königs zeigt, sondern eine Fett- 
ablagerung, die die Züge vergröbert und an deren Entstehung 
Ausschweifungen nicht fremd gewesen sein mögen. Mehr als die 
eben genannte Gruppe zeigen noch diese Eigenschaft die Münzen 
(der dritten Classe) die Imhoof der Münzstätte Babylon und der 
letzten Lebenszeit Alexanders zugewiesen hat (^). Bei diesen hat 
denn auch die Aehnlichkeit mit den genannten Bildnissen des Kö- 
nigs wieder einiges eingebüsst. 

Absichtlich habe ich bis jetzt noch unerwähnt gelassen ein 
Bildniss, das hier zu vergleichen ist, dasjenige nämlich in der 
Löwenjagd des Alesandersarkophags (3), das auffallend dieselben 
Abweichungen vom gewöhnlichen Typus aufweist wie diese Münzen. 
Auch hier sind die Formen schwerer, stärker, gröber, voller, be- 
sonders an Wangen und Nase. Stirne und Augenhöhlen haben sich 



{>) Es liegt besonders an dem Fehlen dieser Nase, dass die Herme das 
uQQsyoinöv vermissen lässt, welches doch in den Werken Lysipp's nach Plu- 
tarch [d. Alex. magn. s. virt. s. fort. II 2) nicht fehlen darf und in den 
Lysimachosmünzen sowie am Sarkophag zu erkennen ist. Das keoyrw<f6? spricht 
sich ja auch in der Herme sehr klar aus in dem mähnenartigen Wuchs der 
Haare an der Stirne. 

(2) Numismatische Zeitschrift 1895 S. 4. Taf. I. 3, 4. 

(3) Hamdy-Bcy u. Th. Reinach la Necropole de Sidon PL XXX. 



IKONOGRAPHISGHK STIDIEN 87 

am wenigsten geändert; der Mund lässt sich noch vergleichen, 
besser aber mit demjenigen der Keiterstatuette aus Neapel ('). 

Wann war überhaupt Lysipp, auf welchen Koepp den Typus 
der Herme zurückgeführt hat, in der Lage Alexander nach dem 
Leben zu bilden? Hat der König ihm gesessen vor seinem Auf- 
bruch gegen die Perser im J. 334, als er 22 Jahr alt war, oder 
soll man glauben dass Lysipp ihm im J. 332 nach Aegypten, im 
nächsten Jahr nach Babylon nachgereist wäre ? Er wird ihm doch 
auf keinen Fall nach Gedrosien und Indien gefolgt sein, und für 
die Rückkehr nach Babylon im J. 323 ist das Bild jedenfalls zu 
jugendlich. 

Ich sehe in der Herme überhaupt nichts, Avas der Annahme 
widerspräche, dieses Bild sei noch in Griechenland oder Makedo- 
nien entstanden, ja es scheint nichts der Vermuthung im Wege 
zu stehen, dass Lysipp, der in Sikyon lebte, den König, bei seiner 
Anwesenkeit in Korinth im J. 336, also 20 Jahr alt, zuerst 
und vielleicht zuletzt nach dem Leben gebildet hat. Als er 
zwei Jahre später, nach der Schlacht am Granikos die turma 
Alexandri darstellen sollte, kann er den König noch leicht persön- 
lich im J. 334 in Asien aufgesucht haben, kann sich aber auch mit 
einer übersandten Skizze von anderer Hand (^) geholfen haben. 

Jedenfalls zeigt die Neapeler Bronze, die wahrscheinlich jene 
Reiterstatue wiedergibt, schon reifere Formen als die Herme. 

Für die spätere Ikonographie des Eroberers von Asien wären 
somit die bei seinem Leben geprägten Heraklesköpfe der Münzen, 
die im Altertum allgemein als Bildniss Alexanders galten (^) 
und der Kopf der Löwenjagd, vorläufig unsere einzige Zeugen. 
Aber mit diesen zeigt eine merkwürdige Uebereinstimmung ein 
unbärtiger, kurzgelockter Kopf des Lateran (^) mit Königsbinde 



(') Visconti Iconographie Grecque T. 39, 4; Koepp a. a. 0. S. 27. 

(2) Apelles malte damals den König zu Ephesos. 

(3) Ein analoger Vorgang ladet zur Vergleichung ein. Es gibt von Eem- 
brandt Selbstbildnisse die Menge; und doch kennen weitere Kreise ihn beson- 
ders aus der Kadirung, wo er an seinen natürlich wallenden Locken, deren 
Umrisz noch erkenntlich bleibet, längere Sträne anradirte. So scheint auch 
im späten Altertum Alexander am meisten ans dem Herakles-Bildnisse be- 
kannt gewesen zu sein. 

(4) Benndorf-Schöne no. 236: Arndt (ir. u. R. Porträtküpfe no. 351, 352. 



88 J- s'^ 

und wachsenden Stierhörnern, sowohl im Bau wie in den Zügen 
und sogar im wuthschnaubenden Ausdruck. Leider ist an diesem 
Exemplar die ganze Nase modern und wäre eine besser erhaltene 
Replik sehr erwünscht zum Vergleich. Aber schon jetzt wage ich 
es auf dieses Werk hinzuweisen, da der sich mir immer stärker 
aufdrängenden Aehnlichkeit keine einzige Form widerspricht. 

Allerdings wüsste ich nicht, dass Alexander sonst so mit 
wachsenden Stierhörnern dargestellt wäre, aber dem Eroberer von 
Indien möchte man "meinen, komme dieses Dionysische Attribut 
wie keinem andern zu. . 

XVI. Alexander IV. König von Makedonien. 

Einen Typus, den Imhoof (0 noch als, sei es auch ideali- 
sirten, Alexander gelten lassen will, den Kopf mit den kleineu 
Ammonshörnern und der Elephantenhaut, haben wir bis jetzt ganz 
ausser Acht gelassen. Es scheint nämlich einleuchtend, dass der 
Kopf nicht so sehr idealisii-t ist, als vielmehr viel zu jugendlich 
um Alexander den Grossen darstellen zu können, und dass er, trotz 
einer gewissen Aehnlichkeit, jemand anders darstellt. Vor allem 
ist die Profillinie verschieden, was zunächst an der flachen Stirne 
und dem ungebrochenen Verlauf der Nase liegt, aber auch an 
dem Stand, den das Untergesicht dem Oberkopfe gegenüber ein- 
nimmt. Wen dieser Knabenkopf mit dem Ammonshorn und der 
Elephantenkappe und Aegis, und bald auch mit einer Art Dia- 
dem (-), darstellen kann, wird kaum fraglich sein, wenn man 
bedenkt, dass Ptolemaios diese Münzen mit der Aufschrift 'AXs- 
'^dvÖQov schon prägen Hess während der Zeit, da er im Namen 
Alexanders, des Sohnes der ßoxane die Herrschaft führte, d. h. 
nach den Aegyptischen Königslisten, bis er selber im J. 305 den 
Königstitel annahm {^). 

Die ältere Serie, der meistens noch das Diadem fehlt, und 
deren Rückseite den Zeus der Alexandermünzen zeigt, setzt Poole 

(i) Gr. Porträtköpfe S. 14. 

(2) Die Köpfe der Bronzemünzen (Imhoof 'J'af. II. 2), denen die Ele- 
phantenhaut fehlt, zeigen durch das Fehlen der Schleife, dass dieses Diadem 
kein Königsdiadem ist. Vielleicht weist es auf Vergötterung. 

(3) Lepsius Königsbuch XXXII. III. 



IKONOr.RAPHlSl'HE STUDIEN 89 

noch während des Lebens des jungen Alexander an, nach dem 
Tode des Philippos Arrhidaios (317), also von 316-11; die zweite, 
der das Diadem nicht fehlt, und deren Revers schon die Athene 
des Ptolemaios zeigt, schreibt er zweifelnd dem Interregnum zu (^). 
Eine seltene Münze (-) aber, die noch den Zeus der Kehrseite 
und doch das Diadem hat, zeigt durch den Adler auf dem Blitz, 
das Königssymbol des Soter, dass sie erst nach 305 geprägt worden 
ist. Auch das Fehlen des Wortes ßaaiXtwg bei dem Namen Alex- 
anders macht es fraglich, ob nicht eher der ganze Typus erst 
nach dem Tode des jungen Königs entstanden ist und ihn von 
Anfang an vergöttert darstellt. 

Auch hier besitzen wir ein Mittel der Controle, das leider 
aber nicht ganz so unzweideutig scheint, wie man wünschen 
könnte. Es ist die kolossale Statue in aegyptischer Königstracht, 
die Maspero, Archeologie EgyjMeiine, S. 229 fig. 202 abbildet 
als im Museum zu Boiilaq befindlich. Wahrscheinlich ist das 
Werk jetzt im Museum von Gizeh, dessen Catalog mir aber nicht 
zugänglich ist. Baedeker (^) verzeichnet diesen Koloss nicht. 

Nach den Worten Maspero's zu urtheilen, soll das Werk 
noch fast durchaus aegyptisch sein und kaum hie und da die Spuren 
von griechischem Einfluss vermerken lassen. Nach der zwar kleinen, 
aber scheinbar sehr charakteristischen Abbildung würde man geneigt 
sein, den Kopf für nicht allzu aegyptisch zu nehmen. Das sehr 
kurze üntergesicht, Kinn und Mund, mag auf aegyptische Gewohn- 
heit zurückzuführen sein, das sehr grosse Auge, an Alexandrini- 
sche Mode, wie wir sie aus den späteren Ptolemäer-Münzen und 
den süditalischen Fresken kennen, gemahnen; im übrigen scheint 
doch das Gesicht einen durchaus griechischen Typus zu haben, 
der sich mit dem Münztypus wohl vergleichen lässt. Besonders 
achte man auf die Profillinie, die, wie wir gesehen, für das Münz- 
bild charakteristisch ist und an dem Koloss sich wieder findet. 
Die gerade Nase sitzt in derselben Weise an der flachen Stirne; 
der kleine Mund ist ganz ähnlich, nur am Koloss vielleicht noch 
kleiner, wie auch das Kinn; ja die Formen sind am Koloss über- 



(') Cataloque of Greek Coins, The Ptolemies S. 1 ff. 

(2) A. a. 0. Taf. XXXII. 2. 

(S) Unteraegypten III. Auflage 189-1. 



90 J. SIX, IKONOGRAPHISCHE STUD EN 

haupt weniger voll ; aber nirgends finde ich Abweichungen, die 
unserem Vorschlag widersprechen. Das Haar der Statue hängt 
schlicht nieder, und so auch das Haar des ersten Münztypus, da 
wo es unter dem Ammonshorn hervortritt; erst im zweiten ringelt 
es sich um das Stirnband, und an dem unbedeckten T3'pus der 
Bronzen ist das Haar zwar nicht so schlicht wie am Koloss, aber 
doch viel schlichter als an Alexanderköpfen. Viel darf dabei einer- 
und andererseits auf Kechnung der verschiedenen Auffassung der 
Stempelschneider und des aegyptischen Bildhauers geschrieben wer- 
den, aber jedenfalls wäre für eine sichere Beurtheilung eine bessere 
Piiblication des merkwürdigen Werkes sehr erwünscht. Es wäre 
doch wichtig, ein sicheres Bildniss zu kennen von dem unglückli- 
chen Knaben, in dessen Antlitz sich die königlichen Züge seines 
Vaters mit der wunderbaren Schönheit seiner Mutter vermischt 
zu haben scheinen ('). 

J. Six. 



(0 Wem der Typus der Münzen nicht jung genug scheinen sollte für 
einen zwölfjährigen Knahen, der mag bedenken, dass die Statue keinen jün- 
geren Eindruck macht, und dass wohl auch in jenen Ländern ein Kind von elf 
bis zwölf Jahren mit einem nordischen Knaben von vierzehn bis fünfzehn zu 
vergleichen sein mag. 



ARTEMIS UND HIPPOLYTOS 



Vier Wiederliolungen zählt man von einer noch unerklärten 
Darstellung aus dem Mytheukreise der Artemis, drei davon bei 
Heibig, Wandgemälde n. 253 ff. beschrieben, das vierte von So- 
gliano, le jyitlure miirali n. 119, auch von Knapp in unserm Bul- 
lettim 1879 S. 108 mit Zusatz von Mau. Sie seien hier in dersel- 
ben Reihenfolge A-D genannt, davon A hier auf S. 92 abgebildet. 

Das besterhaltene und vollständigste ist Heibig n. 253 also A : 
im Waldofebirge lieget ein Heiligthum, kenntlich als solches an dem 
hohen Pfeiler. Ist auch das Cultusobjekt oder Anathem, welches 
oben darauf errichtet steht, nicht deutlich, so lässt doch die in 
D mit einer Binde an dem Pfeiler befestigte Fackel das Heilig- 
thum der Waldesgöttin Artemis erkennen. In der That sitzt Ar- 
temis, sie wenigstens hier nie verkannt, rechts hinter einer niedrigen 
Schranke, die von jenem Pfeiler sich herzieht und als Einfriedigung 
des Heiligthums verstanden werden muss. Die Zackenkrone auf ihrem 
Kopfe, das kurze Kleid der Jägerin bei hohen Stiefeln, rechts neben 
ihr das an den Felsensitz gelehnte Schiesszeug und zwei Wurf- 
spiesse kennzeichnen zur genüge die Göttin des Waldreviers. Auf- 
fallend nur grade bei ihr ist, dass ein kleiner Eros mit erhobenen 
Flügeln an die jungfiäuliche Gröttin gelehnt steht, mit ernstem 
Auge sie anblickend, während er einen seiner Pfeile wie spielend 
zwischen den Fingern hält, also dass die Spitze gegen die Brust der 
Spröden gekehrt ist. 

Während diese, die Inhaberin des Heiligthums, die einzige Sit- 
zende ist ('), sind drei ihrer Begleiterinnen mehr zurück stehend 
dargestellt, zwei weiter rechts hinter dem Felsen hervorragend, an 



(1) Nach Sogliano, Mau a. a. 0. sitzt auch die Dritte in D ähnlich wie 
Artemis. 



92 



E. PETERSEN 



welchem Artemis sitzt, die dritte Aveiter links neben der Schranke. 
Alle drei sind mit Blumen unbestimmten Charakters gekränzt; der 
ersten hängt auch ein Schleier von Kopf herab. Diese legt die Fin- 
gerspitzen der Rechten an den Mund ; die zweite, die hinter jener 




vorschaut, giebt sich durch zwei Wurfspiesse an der Schulter als 
Jagdgenossin der Artemis zu erkennen ; die dritte hat in D einen 
Nimbus ums Haupt bekommen und einen Hirtenstecken in die 
Linke. Auch sie steht noch innerhalb des Peribolos aber zunächst 
dem Jüngling, der von aussen an die Schranke herangetreten, die 



ARTEMIS UND HIPPOLYTOS 



93 



Aufmerksamkeit aller vier Jungfrauen auf sich zieht und durch seine 
Rede ihre Theilnahme in verschiedener Weise erregt. 




Auch er ist Jäger, angethan mit kurzem violettem langerem- 
ligem Chiton, mit weisser oder geblicher Chlamys und hohen Stie 



94 E. PETERSEN 

fein. In der Linken hat er zwei Speere, auf dem Kücken (in D) 
Bogen und Köcher. Sein lockiges Haar ist von einer Binde um- 
wunden. Haltung und Gesichtsausdruck sind, soweit noch kenntlich, 
namentlich in A ernst und gemessen. Dass er spricht, erkennt mau 
an der über die Schranke hin vorgestreckten Rechten, deren Zeige- 
und Mittelfinger, wie es scheint den Gestus der corna machen ; und 
dass Liebe im spiel ist zeigt auch der halb versteckt unten im 
Mittelpunkt der fein zusammengeschlossenen Composition stehende 
Eros. 

Die Kunst des Malers, der dieses Bild erdacht und zuerst 
gemalt hat, war aber nicht darauf zumeist gerichtet, die anmuthi- 
gen Gestalten, lauter Jugend und Liebreiz in Auge und Sinn er- 
frischender Umgebung des im Waldgebirg versteckten Heiligthums 
vorzustellen, sondern augenscheinlich galt sein bestes Können dem 
seelischen Ausdruck aller sechs im Bilde vereinten Personen. Wie 
sich Spiel und Ernst, Schelmerei und Tiefsin in Blick und Thun 
des Eros verbanden, das lässt sein emporgewandtes Antlitz nur 
ahnen, das Spiel mit dem Pfeile noch erkennen. Artemis hebt 
die Linke mit der gegen den Jüngling zugekehrten Innenseite. 
Deutlich spricht sich darin Abwehr, vielleicht Abscheu aus; aber 
nur dem was der Jüngling berichtet gilt die Abwehr ; denn ihn 
selbst blickt sie dabei vielmehr mit innig besorgtem Ausdruck an. 
Die Verschleierte scheint, indem sei die Fingerspitzen an das 
Kinn und den geschlossenen Mund legt, und dabei mit ein wenig 
zurückgezogenem Kopfe den Jüngling scharf ansieht, zum Schweigen 
zu mahnen. Ganz nur innige Theilnahme, fast Liebe zu dem schö- 
nen Jäger drückt sich in Blick und Kopfneigung der Zweiten 
aus. Zur Vorsicht endlich mahnt die Dritte, indem sich ihre 
Rechte, die Innenfläche nach unten, auf den gesticulierenden Arm 
des Jünglings legen zu wollen scheint. 

Wem fiele dabei nicht Timanthes' Opferung der Iphigeneia ein, 
mit der, nach Art und Verhältniss zur Geopferten, verschiedenen 
Färbung und Abstufung der Theilnahme, wovon ja ein schwacher 
Abglanz in einem pompejanischen Bilde gesehen wird? Mehr Ver- 
gleichungspunkte, scheint mir, bieten ein par Bilder Pompejis, die 
eine andere Composition etwas freier variieren. Es sind die von 
mir in der Arch. Zeit. 1863 S. 105 ff., jetzt allgemein auf Admet 
und Alkestis bezogenen Darstellungen, Taf. CLXXX 1 und 2. Aus 



ARTEMIS UND HIPPOLYTOS 95 

freier Natur ist hier allerdings die Handlung ins Innere des Hauses 
verlegt, aber übereinstimmend mit den Artemisbildern ist die Ge- 
schlossenheit der Composition, besonders in 1, fast auch die gleiche 
Zahl der Personen, die allgemeine Aufmerksamkeit auf das Wort 
des Boten, die je nach Alter, Charakter und innerer Beziehung zu 
Admet bei allen verschiedene Wirkung dieses Wortes, also wie- 
derum im Psychologischen die eigentliche Pointe des Bildes. Ja auch 
kleinere Einzelheiten darf man vergleichen, die mit der Innenflä- 
che nach aussen erhobene Hand, die aus Kinn gelegten Finger und 
in 2 die Schranke ('). Und zu all diesen Uebereinstimmungen wird 
noch hinzukommen, dass beide Compositionen aus derselben Quelle 
geschöpft sind, und nach gewissermassen gleicher Methode. 

Dass es nicht angeht, diese Bilder, wie Heibig einst AvoUte, 
auf eine Werbung des Aktaiou zu beziehen, für welche die betref- 
fende Version des Mythos vorausgesetzt wird, das ist so selbst- 
verständlich, dass man kein Wort darüber zu verlieren braucht. 
Auch die Deutung des Jägers als Orion, wie sie früher von C. Dil- 
th(3y, dann von Maass, neuerdings von A. Rehm (-) vorgetragen 
ist, findet in alexandrinischer Litteratur allerdings insofern eine 
Stütze, als dort Orion als Genosse und Liebling der Artemis sich 
darstellt. Alle drei sehen aber in den pompejauischen Bildern ganz 
Verschiedenes. Dilthey den Orion, der durch Ruhmredigkeit die Ar- 
temis beleidigt ; Maass den, welcher der Artemis seine Liebe erklärt 
(aus Istros bei EYgmpoet. astron. II 84 frei geschlossen) ; Rehm den- 
selben, wie er, um Leto vor dem Stachel des Skorpion zu schützen, 
selber sich ihm preisgiebt. Man kann nur sagen, dass keiner von 
ihnen die wesentlichen Züge des Bildes gewürdigt hat, ganz abge- 
sehen von der Frage, ob Gedankeninhalt und Form dieser Bilder 
von jener Litteratur (nach Maass freilich Korinna), abhängig ge- 
dacht werden könne. Bevor der richtige Name ausgesprochen wird, 
der dem Leser vielleicht schon auf der Zunge liegt, ist erst noch 
ein kürzlich hinzugekommenes pompejanisches Wandbild zu be- 

(1) Vielleicht möchte sogar die Dritte mit Nimbus (in D), welche Heibig 
in A männlich erschien, mir in D zweifelhaft war, Apollo sein wie in den 
Alkestisbilderu. 

(2) C. Dilthey im Bullett. d. Inst. 1869 S. 151 ; Maass ebda 1882 S. 156; 
A. Rehm, Mythographische Untersuchungen über griechische Sternsagen, Pro- 
gramm der K. Wilhelms-Gymnasiums, München 1896 S. 27, 1. 



96 E. HETKFSEN 

trachten, das von dem Herausgeber Sogliano in den Notisie 1897 
S. 32 f. sogleich richtig auf dieselben Hauptpersonen bezogen 
wurde, hier S. 93 abgebildet ('). 

Nicht Waldgebirge sondern wilde Felslandschaft bildet hier 
die Scenerie. Im Hintergrund wölben sich die Felsen nicht zu einer 
Grotte sondern zu einem arco naturale, wie er in Wirklichkeit, 
allbekannt in Capri vorhanden ist, wie er gemalt z. B. den Ein- 
gang zur Unterwelt bildet in den esquilinischen Odysseelandschaften, 
und namentlich in den Dirkebildern häufig erscheint, und dort ein- 
mal von Rühl, wie früher schon von ß. Rochette, für einen Dol- 
men erklärt worden war (-). Tn beträchtlichem Abstände von diesem 
Felsenthor finden wir auf natürlichem Felsthron sitzend die beiden 
Hauptfiguren der vorher beschriebenen Composition wieder. Ange- 
lehnt sitzt der Jüngling, den 1. Fuss weit vorgesetzt, den rechten 
anziehend und den \. Arm auf die Felslehne stützend. Zwar hat 
er Sandalen statt der Jagdstiefel, nicht einen Chiton sondern nur 
eine Chlamys, die aussen zinnoberroth, innen blau gefüttert, ihm über 
den Schoss gebreitet ist, auch das rechte Knie bedeckt und zwi- 
schen den Beinen herabhängt; zwar hält die Linke lose das Para- 
zonion : aber als Jäger ist doch auch dieser durch den rechts an 
den Sitz gelehnten Spiess und durch den abgelegten Köcher (mit 
Bogen) gekennzeichnet. 

Und nun sitzt ja auch neben ihm unverkennbar Artemis, mit 
Jagdstiefeln, kurzem hellem Chiton und darüber dem gewöhnlichen 
shawlartigen Mäntelchen, das hier grün, die Farbe des Waldes 
hat. Mit Ohrringen und Armbändern geschmückt, hat sie das Haar 
zum Wirbel hinaufgekämmt, Bogen und Köcher auf dem Rücken. 
Auch sie hat im Sitzen den einen Fuss vorgesetzt, den andern 
angezogen, stärker, weil sie mit dem Oberkörper ganz sich gegen 



C) Sogliano verdanke ich die liier beigegebene Abbildung. Mau beschrieb 
das Bild in diesen Mitth., 1898 S. 26, unentschieden lassend, ' ob es sich hier 
um einen sonst unbekannten Artemismythos handelt, etwa denselben, auf den 
sich die Bilder Heibig 253-255, Sogliano 119 beziehen, oder ob Selene und En- 
dymion gemeint sind, etwa im Anschluss an Darstellungen von Aphrodite und 
Adonis '. Rehm (s. S. 95, 2) erkennt auch hier Orion neben Artemis. Dieser 
würde sich dann hier gradö als das Gegenthoil des d^quiiv? dvai/negoc, des 
temptator Dianae zeigen. 

(2) Vgl. Rom. Mittheill. 1888 S. 237. und Arch. Zeit. 1853 S. 98, 82. 



ARTEMIS UND HIl'HOLYTOS 07 

ihren Liebling wendet, dem sie die Linke um den Hals auf die 
Schulter legt, während sie mit den Fingern der Kechten sein Kinn 
fasst und ih)u — das kann trotz der mangelhaften Erhaltung nicht 
zweifelhaft sein — liebevoll in die Augen blickt. 

Ganz eigenartig ist dieses Liebespaar; wie können wir es an- 
ders nennen, da doch jedem von beiden ein Eros zur Seite ist. 
Bei ihm steht der Eros oben auf der Felsenlehne, und schaut dem 
Jüngling von hinten über die Schulter, was an bekannte Verbin- 
dungen des Eros mit Aphrodite und Paris erinnert ; bei ihr lehnt 
sich der kleine Liebesgott fast ebenso wie in der andern Darstel- 
lung an das Knie der Göttin, den Kopf in die Linke stützend und 
nachdenklich das Paar anblickend oder Artemis, deren Strahlen- 
krone der Schelm sich auf den Kopf gesetzt hat. Auch die Eroten 
scheinen neugierig zugleich und gehalten das ungewöhnlich Gemes- 
sene dieser Liebenden zu betrachten. Wie die scharfgebogenen Kniee 
der beiden Sitzenden nebeneinander stehen, muss man sich der schö- 
nen Bronzegruppe erinnern, die Wolters in der Arch. Zeit. 1884 
T. I herausgegeben hat, wo der knabenhafte Eros mit dem jung- 
fräulichen Flügelmädchen zusammensteht. Auch da ist durch die 
Art des Standes wie hier des Sitzens weitere Annäherung eher aus- 
geschlossen, womit doch die Wendung des Knaben zum Mädchen 
und das Fassen nach dem Kinn, dort bei dem Knaben noch nicht 
so zum Ziele gelangt, wie hier bei Artemis, im Widerspruch zu 
stehen scheint. Mehr als das Flügelmädchen im Bronzerelief dem 
Eros, kommt im Gemälde der Jüngling der Götti/i entgegen, nicht 
freilich mit Armen und Händen, indem ja die Linke das Parazo- 
nion hält, die Rechte (jetzt nicht zu sehen) vielleicht auf dem Ge- 
wand im Schosse lag, sicher nicht mit Sogliano, der doch selber 
anerkennt, dass von des Hand nichts zu sehen sei, liebend um die 
Göttin geschlungen gedacht werden darf. Denn damit wird der Sinn 
des Bildes völlig zerstört, und jeder müsste finden, dass solche Be- 
wegung der Rechten mit dem gleichgiltigen Thun der Linken un- 
verträglich wäre. Nein, unbewegt, fast apathisch gegenüber der zärt- 
lichen Göttin möchte man den Jüngling nennen, suchte nicht sein 
Auge begeistert das Auge der Geliebten, la guarda quasi estatico 
sagt Sogliano treffend, nur möchte man zufügen 'und ehrfurchtsvoll'. 

Man braucht sich nur dieses eigenthümlichen Verhaltens beider 
Liebenden bewusst zu werden, deren Zärtlichkeit nicht über ge- 



!)8 E PKTERSEN- 

schwisterliche Liebkosung hinausgeht, um sofort zu wissen, dass es 
Artemis und Hippolytos sind, die hier ausruhend von der 
Jao-d in Gebirgseinsamkeit einander huldigen, die Gröttin dem Sterb- 
lichen freundlich entgegenkommend, sein Antlitz zu sich kehrend; 
er schwärmerisch ihr hingegeben und doch in scheuer Ehrfurcht 
körperliche Berührung nicht suchend. So schildert ja Euripides die 
keusche Liebe dieser zwei Jungfräulichen schon mit den Worten 
der Aphrodite V. 17 

Tif^iä fxeyißTr^r d'ca[.iuro)v tjov/m-vog 

Y^/MQCiV ()' ilv vXr^v naQ^iv(i) ^vvmv cht .... 

fitf^o) ßgortfcic TiQocrrtcSMV o/u/i«g 

und namentlich in Hippolytos' eigenen Worten V. 1092, in denen 
man dem Maler die conkrete Idee gegeben glauben möchte, wie 
der in die Verbannung Hinausgestossene ausruft: 

o) ijiXrurri fioi dainöron' Ar^rovq ^''»or^ 

avvxtcixe, (Tvyxvvayf . . . . ('). 

Hippolytos werden wir nun auch den schönen Jäger der andern 
Bilder nennen. Mochte dem Maler des sitzenden Paares die über 
den Schoss des Hippolytos gebreitete Chlamys genügend erscheinen, 
um den züchtigen Anstand des keuschen Jünglings zu wahren, so 
konnte ihm füglich da wo er Artemis und ihren Jungfrauen gegen- 
übersteht auch der Chiton gegeben werden. Vielleicht genügt es, 
um solche Tracht des Jägers zu erweisen, an den vatikanischen 
Jäger zu erinnern, dem der Kopf des Commodus aufgesetzt ist (2). 
Auf der Bühne erschien Hippolytos natürlich anders (^) als auf den 
Sarkophagen; und selbst auf einem von diesem (Arch. Zeit. 1883 
T. 8, 1) zeigt er sich mit Chiton und Mäntelchen und Gamaschen, 
was Heibig an die Tracht des Circusfahres, Kalkmaun (a. a. 0. 
S. 77) an den bestiarius erinnerte. Noch mehr in Verlegenheit setzte 
Heibig und Kalkmann die Vereinigung des Hippolytos mit Artemis, 

(^) Vgl. V. 948 Theseus' Vorwurf av d'f] f^eotaiu, w? neQiaao? löv «V/;(>, f 

(2) Vgl. Heibig, Führer I ii. 2 im Braccio nuovo uikI, ebenda angeführt, 
ein zweites unvollständigeres Exemplar im Eingang zum Belvedere. 

(3) Euripides Hipp. 606 ox] i^irj nQoaoiaetg x^'^Q" f^'l^ "^^'' ^^^'^^^ ist 
zu unbestimmt. 



ARTEMIS UND HIHPOI.YTOS 9!^ 

in der wir nunmehr einen Nachklang unserer Gemälde anerkennen 
werden. . . 

Vielleicht hat aber der Künstler, auf dessen Schöpfung die 
Bilder A-D zurückgehen, die in späteren Zeiten immerhin unge- 
wöhnliche Tracht des Jägers zu besonderer Charakteristik des Hip- 
polytos gewählt. Dieser ist ja Orphiker bei Euripides (V. 952), und 
früher in die Eleusinien eingeAveiht (V. 24), was Ovid, Heroid. IV 67 
ausgeführt hat. Seine Tracht nun in genannten Bildern ist wesent- 
lich dieselbe, wie sie Eleusinische Cultiisfunctionäre auf berühmten 
Vasenbildern (') haben. 

Was nun Hippol3^tos der Artemis und ihren Begleiterinnen 
mitzutheilen komme, und was es sei, das die Hörerinnen so lebhaft 
ergreift, darüber kann man nicht lange im Ungewissen sein : es ist 
die unerlaubte Liebe Phaidras, das schändliche Ansinnen der Amme, 
das ihn aus dem Hause trieb V. 659 

Der Dichter sagt uns nicht, wohin er gegangen sei. Die kurze Zeit, 
welche bei ihm die dramatische Oekonomie zwischen dem Abgang 
V. 667 und dem Wiederauftreten des Hippolytos V. 895 nach dem 
Tode Phaidras und nach Theseus' Rückkehr lässt, kann für die 
künstlerische Phantasie nicht maassgebend sein und ist es nicht 
gewesen. Die Sarkophage zeigen uns ja Hippolytos in dem Augen- 
blicke, wo die Amme ihren Brief übergiebt, bereit zur Jagd aus- 
zuziehn, und wohin könnte Hippolytos, beflissen das Haus des Va- 
ters zu meiden, empört über die unreine Liebe der Phaidra, natiü-- 
licher sich wenden als zur Reinheit der Natur und der (fdrä^rj 
Saifiormv. Sein Gelöbniss zu schweigen galt natürlich nur den Men- 
schen. Dass er der Göttin, die es ja ohnehin wissen kann und beim 
Dichter 1283 alles Avissend auftritt, sein Erlebniss mittheilt muss 
demjenigen, der in die Dichtung als einen lebendigen Vorgang sich 
hineindenkt, durchaus natürlich und nothw endig erscheinen. So hat 
denn der Künstler, grade wie der Schöpfer jener Alkestisbilder (-), 
eine in der Euripidischen Tragoedie nicht vorgestellte, auch nicht 
einmal bestimmt angedeutete Situation, in eigener Ausdichtung der 
von jenem gezeichneten Linien für seine Darstellung geAvählt. Hip- 

(1) Overbeck, Kunstmytholojrie. Taf. XVIII 17-19 mit S. 551 ff. 

(2) Vgl. Ardi. Zeit. 1863 S. 111. f. 



100 E. PETERSEN. ARTEMIS UND HIPPOLYTOS 

polytos, der sich bei Eiiripides V. 1399 den dycüaclTwv (ftXcc^ der 
Artemis nennt, doch wohl nicht blos des vorm Palast des Pittheiis 
aufgestellten V. 738, sondern vor allem der im einsamen Wald 
gelegenen, er geht zum Heiligthum der Göttin, sie dort zu finden 
gewiss. Da weilt sie mit ihren Gespielen, die vielleicht mit Nimbus, 
Jagdspeeren und Schleier verschiedene Seiten der Göttin widerspie- 
geln sollen. Betroffen und theilnahmvoll besorgt um ihrem Liebling 
vernimmt Artemis seine Erzählung ; und nun verstehn wir die 
Mahnung zur Vorsicht, zum Schweigen, alles freilich vergeblich. 
Es ist schon gesagt, dass die beiden Maler, derjenige welcher 
das Alkestisbild zuerst entworfen und derjenige welcher den Hip- 
polytos der Artemis und ihren Nymphen erzählen lässt — wenn er 
nicht, wie mir sehr wohl möglich scheint, derselbe Künstler war — 
zu aller sonstigen geistigen Verwandtschaft auch aus demselben 
Tragiker ihren Stoff genommen, in derselben Weise die Dichtung 
sozu sagen ausgestaltet haben. Beidemal ist es tragisches Geschick, 
welches blühendes Leben hinrafft, eines wie das andre auch in Lie- 
dern gefeiert : 

TToXXu at liovGonoXoi 

^ukxpOVGl XCti/' €7TTC(TOv6r l' ÖOf-UiV 

yJ-Xvv f-'v T dXvQoig x/.eiovTec v^ioiq 

singt der Chor von Alkestis V. 445 ; und dem sterbenden Hippol}'- 
tos verheisst tröstend Artemis. 

.ccel 6t fiovffOTioidg eh Gt nuq-dtvwv 

Beide, Hippolytos wie Alkestis, haben dann eine Art Aufer- 
stehung, Alkestis schon bei Euripides, Hippolytos erst später als 
Virbius. Dies Moment spielt aber weder in das Alkestis- noch in 
das Hippolytosbild hinein. 

Es wäre nun wohl denkbar ; dass auch die beiden Hippolytos- 
compositionen, der erzählende und der von Artemis geliebkoste auf 
einen und denselben Maler zurückgingen ; aber die ähnliche Eros- 
figur, die ja auch bei Phaidrabildern und sonst vorkommt, ist zu 
wenig beweisend. Kaum wird man auch fragen wollen, welches von 
den beiden Bildern das frühere gewesen sein, das andre hervorge- 
rufen haben möge. 

E. Petersen. 



zu XIII S. 97 ff. 

(Orphisches in der unteritalischen Vasenmalerei.) 



Ameliing hat oben S. 97 ff. zu dem Streit über die Bedeutung 
des Orpheus auf ünterweltsvasen die Ruveser Prachtvase (Heyde- 
mann 3256, abgeb. Mon. ined. d. Lisi. II 30 f., danach Robert, 
18. Hall. Winckeimannsprogr. S. 30 f.) herangezogen. Indem er der 
evidenten Deutung auf den Raub der Köre zustimmt, giebt er 
nur (') dem mittleren der drei Figurenstreifen eine neue Erklärung. 
Athena, Artemis in den zwei nur zuoberst erhaltenen Figuren in der 
Mitte, desgleichen Apollo und Ares in den zwei Kriegern rechts zu 
erkennen weigert er sich, gewiss mit Recht, und sehr gut macht 
er das Kymbalon in der erhobenen Rechten der angeblichen Arte- 
mis geltend : ich glaubte kürzlich bei Prüfung dieser freilich da- 
mals besonders schlecht beleuchteten Seite des Gefässes auch das 
Kymbalon der andern Hand für alt halten zu müssen. Ameluug 
gründet darauf die Erklärung aller dieser Figuren als Korybanten, 
und findet damit einen neuen orphischen Zug in dieser Vasenmalerei, 
da seit Lobecks Aglaophamiis S. 546 u. 1139 die Korybanten im or- 
phischen Gedicht als Hüter der Kindheit Kores gleichwie des Zeus 
anerkannt sind. In der That, wie auch Robert verstanden, scheint 
es, als ob diese Bewaffneten alle sich zur Verfolgung des Räubers 
aufmachten, wie wir es im Fries von Trysa auch beim Raube der 
Leukippiden geschehen sehen (Das Heroon von G. Trysa T. XVI), 
wo Bewaffnete zu Fuss und zu Pferde die Räuber verfolgen. Aber 
kann man wirklich mit A. von den Korybanten-Kureten sagen : ' ihre 
Erscheinung entspricht überall der Darstellung auf unserer Vase ' '? 
Wo erscheinen sie je in Bild oder Wort als Reiter ? Was haben 
die Tänzer oder Springer mit Rossen zu schaffen ? Selbst wo sie mit 
den Dioskuren sich berühren, ist was diese und jene verbindet etwas 
andres (-). Aber vielleicht dürfen wir auf Grund der in R. M. 1890 
S. 219 f. und 221 für das unteritalische Lokri erschlossenen Be- 
ziehung der Dioskuren zu Persephone, wonach jene als von dieser 

. (') Einige Abweichungen in Beurtheilung der Figuren des oberen Strei- 
fens darf ich auf sich beruhen lassen. 

(2) S. Immisch in Roschers Lexikon III S. 1623' 



102 E. PETERSEN, ZU XIII S. 97 FF. 

aufgebotene Schützer speciell ihres Tempels erscheinen, und mit 
Berufung auf jene orphische Tradition, wo t] töiv KoovßäxTwv 
(r«^/c) TtQoßmrovOa Gvv jr^ ^^Q}] ^^^' g^QovQovffa navTaxoOtr 
avu'jv {Orphica rec. Abel fr. 210), beides verbindend, den orien- 
talischen Kvmbelsehläger der Neapler Vase und vielleicht auch die 
Bewalfneten zu Fuss für Korybanten, die Reiter aber für die Dio- 
skuren halten. Genug, das völlig treffende Wort ist noch zu finden, 
und orphische Einflüsse in dieser Vasenmalerei sind durch dieses 
Beispiel noch nicht genügend sicher begründet. 

Wenn aber auch, so scheint mir doch, was den von Kuhnert (') 
versuchten Nachweis betrifft, nachdem Amelung selbst S. 102 ft'. 
denselben noch weiter eingeschränkt hat, nichts mehr davon übrig 
zu bleiben, auch nicht dass Orpheus auf den Unterweltsvasen dazu 
im Hades ist, wie A. mit Dieterich sagt: 'dass er den Menschen 
ein Bote werde der Dinge da drunten und sie dadurch für seine 
Lehre gewinne und zu dem ialonq t,Y^v bekehre '. Von solchem Zweck 
seiner Hadeswanderimg ist ja in jenen Bildern nicht die leiseste Spur 
zu erkennen. Wie Herakles in Ausführung des sagenberühmten 
Athlon, und daneben bisweilen auch als Befreier des Theseus (-), so 
ist Orpheus in dem gleichfalls mindestens seit dem 5. Jhdt. allbe- 
kannten Werben um Loslassung seiner geliebten Eurydike dargestellt. 

E. Petersen. 

(') Im Philologus 1895, 201 hat derselbe sogar, noch viel weiter gehend, 
den orphischen Priester die Eingeweihten den Unterweltsgöttern empfehlend 
auf einer unteritalischen Vase erkennen wollen. Aber dieselbe war längst von 
Welcker (Alte Denkm. III 393, vgl. Arch. epigr. Mitth. aus Oesterr. VI (1882) 
S. 53, 1) richtig auf Teiresias vor König Oedipus bezogen, wie an letzter 
Stelle auch das dazu von Kuhnert S. 201 angeführte Büd einer sfg. Lekythos 
(Wiener V. B. C. VIII) seine richtige Erklärung erhielt. 

(2) Auch A. betont die Parallele zwischen Herakles und Orpheus, und 
meint . ' nicht ohne Absicht scheint hierbei der Hinweis anf die Erlösung des 
Theseus ganz unterdrückt, um den Gedanken an die Erlösung der Eurydike, 
garnicht aufkommen zu lassen. Allerdings ist die Rückführung der Kurydike 
durch Orpheus nur auf eben derselben Vase dargestellt, auf welcher auch 
die Erlösung des Theseus durch Herakles unzweideutig gezeigt wird. Dieser 
Vasenmaler, der sonst durchaus in derselben Tradition lebt, hat eben für beide 
Gruppen einen späteren Moment gewählt. Die Erlösung des Theseus ist in 
"Wiener V. Bl. C. I, III, VI 5 dadurch angedeutet, dass Theseus zum Wandern 
bereit steht (wie in dem bekannten Relief, Peirithoos dagegen, wo Inschriften 
beigesetzt sind, so benannt, sitzend dargestellt ist. 



SITZUNGEN 



13. Januar: Krohn übei* die Statue des Knaben von Subiaco. 
Dazu HuELSEN und Petersen. — Petersen über die sos^en. 
Gladiatorenkaserne in Pompeji. Dazu Mau. — 

Che la cosidetta caserma dei gladiatori negli ultimi tempi di Pumpei 
abbia in realtä servito allo scopo indicatu con questo nonie, c\h chiarisce dai 
fatti rilevati dal Nissen, Pompejanische Studien p. 253 sgg., ove poi a ragione 
si richiede un' altra destinazione piü antica di quella fabbrica. e rifiutando 
l'opinione che essa possa essere stato un mercato, il Nissen (e cosi pure Mau, 
Führer durch Pompeji 3. Aufl. S. 48) si contenta di credere tutto il quadri- 
driportico fatto secondo le prescrizioni di Vitruvio V 9, onde gli spettatori 
potessero ripararvisi in caso di pioggia. Se iion che sembra un po' troppo di 
lusso, poiche al medesimo scopo potevano servire giä prima il piccolo portico 
dietro la scena, secondo il grande del foro triangolare, terzo il teatro piccolo. 
Per conseguenza sarä lecito di presumere un'altra destinazione primaria del- 
l'edifizio. E vero poi che le Celle attorno al quadriportlco sono di data piü 
recente, raa chi guarda la pianta delP intiera localitä, appena poträ dubitare 
che anche ab origine vi dovessero essere celle o esedre almeno sui lati me- 
ridionale, Orientale cd occidentale. Con siffatte celle o esedre perö il locale 
riesce perfettamente analoge alla palestra di Olimpia (i). Quindi sorge Tidea 
che r edifizio dietro il teatro pompeiano sia stato il ginnasio o la palestra 
della cittä osca. E tale idea da me venne brevemente accennata giä nel libro 
di Lanckoroiski, Städte Pamphyliens und Pisidiens I p. 134, 2, ove oltre 
all'analogia della pianta che la ' caserma ' oflfre con la palestra (2), rilevai 

(^) V. Ausf/rabunc/en von Olympia II p. 113, tav. LXXIII sgg. Con la 
quäle palestra fu illustrata anche la descrizione di Vitruvio V 11, come vide 
il Curtius (Arck. Anzeiger 1889 p. 143) e poi Wernicke (Jahrbuch 1894 p. 101), 
quest'nltimo pero un po' all'arbitrio forzando l'analogia. 

(2) Una palestra di pianta conforme si ha anche nelP isola di Debis, 
Bull. d. corr. hell. 1891 p. 246. Di Adriano in Ateno vi erano due peristilii 
di cento colonne ciascuno, l'uno chiamato ginnasio presso Pausania I 18. 9: 
Taltro, con un edificio per la biblioteca, pare sia quello scavato nel 1885, di 
cui la pianta si pnbblicu nelle Praktika per quell' anno tav. I. E degno di 
osservazione quanto l'edifizio centrale di questo ultimo per la sua pianta ir- 
regolare a quattro absidi sia simigliante all'edifizio palatino nel quäle il eh. 
Deglane {Gazette archeol. 1888 p.' 152 e Melanges de Veröle fr anraise 1889 
p. 199) con assenso di Hülsen (v. questo Bullettino 1896 p. 207) ravviso la 
biblioteca palatina. La rovina di un edificio centrale ho notato anche nel gin- 
nasio di Termessos, Lanckoronski 1. 1. 



104 SITZUNGEN 

anche la stretta unione del presuntivo ginnasio di Pompei coi teatri, esse"' 
dosi la vicinanza del ginnasio al teatro verificata in varii luoghi, come p. e. 
n Pergamo, in Termesso e resa probabile anche in Side ('). 

Dice Vitruvio in palaestris peristyiia quadrata sive oblonga ita sunt 
facienda, uti duorum stadiorum nnbeant ambulationis circumitio7iem, ove il 
quadrata corrisponde con il peristilio della palestra di Olimpia, Voblonga con 
quella di Pompei ; la lunghezza pero di due stadii non si ha ne nelFuno ne 
neH'altro, ma esattaniente la metä, rarabito cioe di uno stadio, ciu che e una 
nuova, non lieve conferma della pale&tra pompeiana. Un'altra poi trovo nella 
piccola • palestra ' situata dall'altra parte del teatro, e l'ultima pare stia nel 
fatto che i gladiatori vi son divenuti i successori degli atleti. 



27. Januar : die Sitzung fiel aus. 

10. Februar : E. Steinmann über die Chiaroscuri in den Stanze 
della Segnatura und di Eliodoro. — Hüelsen über die trofei 
di' Mario. Dazu Petersen. 

24. Februar : Vopel über vergoldete Glasgefässe mit Heiligenbil- 
dern. — Petersen über die Irofei di Mario. 

10. März : Hüelsen über zwei römische Reliefs. Dazu Petersen. 
— Petersen über pompejanisclie Wandgemälde (s. S. 91). 

24. März : Mau über oskische Inschriften von Pompeji, die sich 
auf die sullanische Belagerung beziehen. — Groag : Verwer- 
thung einer in Lykien gefundenen Inschrift für die Severia- 
nischen Akten der ludi saecidares. — Wilpert über die Papst- 
bildnisse in der alten Paulsbasilika. 

7. April : Petersen legt vor G. Wilpert un capitolo di sioria 
del vestiario I und II {Estratto da t'Arte I. II) Rom 1898 f. 
und B. Sauer, das Theseion. — E. Bormann über denkmäler 
etruskischer Schriftsteller. — E. Steinmann: Andrea Bregno 
und seine Schule. — G. Ghirardini über die antiken Vor- 
lagen des Nicolö Pisano. 

21. April, Paliliensitzung : G. B. Giovenale über die römische 
Tradition in der Basilika S. Maria in Cosmedin. — G. Karo 
über eine etruskische Bronze der auf einem Widder gelagerten 
Aphrodite. — Petersen über römische Reliefs aus der Zeit 
von Augustus bis M. Aurel. 



(') Per Side v. Lanckoronski op. cit. ; per Termessos ivi II p. 41, 
e qucsta cittä offre niia analogia verainente sorprendente, essendovi il ginnasio 
in contatto tanto col grande teatro scoperto, quanto col piccolo coperto, e 
terzo anche in prossimitä del tempio principale ; per Pergamon v. die Er- 
gebnisse der Ausgrabungen in Pergamon 1880 p. 101. 



DIE OSKISCHEN WEGWEISERINSCHRIFTEN 
IN POMPEJI 



Zu den seit Nissen (Pomp. St. 492 ff.) wohl ziemlich allge- 
mein auf die suUanische Belagerung bezogenen oskischen gemalten 
Wandinschriften ist durch eine glückliche Entdeckung H. Dege- 
ring's (Mitth. XIII, 1898, S. 124) eine fünfte hinzugekommen. In 
dankenswerter Weise hat der Entdecker auch die schon bekannten 
Inschriften revidirt, ihre Lesung in wichtigen Punkten berichtigt 
und eine ganz neue Erklärungsweise derselben aufgestellt. Diese 
letztere ist nun freilich ganz unhaltbar, wie im Folgenden, damit 
nicht das Schweigen als Zustimmung gedeutet werde, in der Kürze 
gezeigt werden soll. 

Wir geben hierbei eine ganz summarische Planskizze der Nord- 
westecke Pompeji' s, in der mit F, P, S die Casa del Fauno, di 
Pansa und di Sallustio, mit 1, 2, 3, 4 die Plätze der schon früher 
bekannten vier Inschriften bezeichnet sind. Bei Besprechung der- 
selben soll von sprachlichen Erörterungen, für die ich nicht com- 
petent bin, abgesehen werden; die ünhaltbarkeit der Degering' sehen 
Hypothese kann aus topographischen und sachlichen Erwägungen 
zu voller Evidenz gebracht werden. 

Die Inschriften lauten nach Degering's Lesung : 

1. eksuk amvianud elluns anter tiurri X im XI puf faamat 
t. fisanls 0. 

2. eksuk amvianud eltuns anter tiurri XII \m ver sarmu 
puf faamat mr aadirüs v. 

3. eksuk amviannud eit. anter tiurri XII ini veru sarinu 
puf faamat mr aadirüs v. 

4. eksuk amvianud eltuns anter trllbu ma kaslrlkilels im 
mr spurneis l puf faamat v sehsimbrils v. 

5. (die neu gefundene) eksuk amviannud eltuns ampt trlbud 
tov. ampt mener{v). 



106 



A. MAU 



Erhaltenes und nicht erhaltenes ist hier, da der Text hinläng- 
lich feKststeht, nicht unterschieden. Das letzte z; in 5 ist nicht ganz 
deutlich : der Buchstabenrest könnte allenfalls auch zu b, e, h, r 
ergänzt werden. 




Nissen's Erklärung nimmt Degering ihrem Grundgedanken nach 
an : es wird den zur Zeit der Belagerung in Pompeji liegenden 
fremden Kriegsvölkern der Weg gewiesen zu gewissen Mauerstrecken, 
wo Pisanius und Adirius commandiren. Nach Nissen bezeichnet am- 
viannud in 1 die links von der Casa del Fauno, in 2 die in der 
Frontrichtung der Casa di Sallustio zur Mauer führende enge Gasse : 
wie die Inschriften sagen, führt jene zwischen den 10. und 11. Turm, 
diese zwischen den 12. Turm und das Tor, welches unter dem un- 
erklärten veru sarinu zu verstehen unvermeidlich scheint. In 3 
bezeichnet amviannud die rechts vom Hause des Pansa abgehende 



DIE OSKISCHEK WEGWEISERl NSCHRIFTEN IN POMPEJI 107 

und zur Mauer führende G-asse. Diese führt nun freilich nicht, wie 
die Inschrift sagt, zwischen den 12. Turm und das Tor, sondern 
zwischen den 11. und 12. Turm. Doch lässt sich hierfür eine Er- 
klärungf finden. Fisanius commandirte den 10. und 11. Turm und 
das Zwischenstück, Adirius den 12. Turm und das Tor, nebst dem 
Zwischenstück. Sicher aber stand kein dritter Commandant zwischen 
dem 11. und 12. Turm, sondern in der Mitte dieses Stückes war 
die Grenze zwischen dem Commando des Fisanius und des Adirius. 
So führte also die fragliche Gasse in der Tat zu der von Adirius 
befehligten Mauerstrecke, und der Sinn der Inschrift ist : hier geht 
es dahin wo Adirius commandirt, nämlich zwischen dem 12. Turm 
und dem Tor. Eine solche, etwas ungenaue Ausdrucksweise über- 
schreitet keineswegs die Grenzen des Möglichen und Wahrschein- 
lichen. Und schliesslich ist es nicht einmal notwendig, eine unge- 
naue Ausdrucksweise anzunehmen. Sowohl Nissen als Degering 
nehmen an, dass die Gasse links vom Hause des Pansa ungangbar 
war. In der Tat ist es ja sehr wohl denkbar, dass mau die Aus- 
mündungen einiger dieser Strassen, und darunter eben dieser, gegen 
die Mauer gesperrt hatte. Wer also von dem Punkte 3 aus das 
Mauerstück des Adirius erreichen sollte, verfolgte die Gasse zwi- 
schen den Insulae V. VI und VII. VIII bis an die Mauer, wandte 
sich dann links, stieg in den 12. Turm und war am Ziel. Hier also 
kann ich, abweichend von Degering, keine ernste Schwierigkeit 
finden. Und wenn Degering fragt, weshalb zu der Mauerstrecke des 
Adirius zwei Wege gewiesen werden, so mochte es aus Gründen, 
die wir so genau nicht übersehen können, erwünscht sein, sowohl 
von dem Punkte 2 als von dem Punkte 3 aus den Weg zu weisen. 
Eine andere Schwierigkeit findet Degering darin, dass nach Nis- 
sens Erklärung die Worte ekmk amvimmud, « auf diesem Wege " 
nicht überall in gleicher Weise zu verstehen sind. Bei 1 und 3 
bezeichnen sie, an der Hauptstrasse stehend, das an diesem Punkt 
abzweigende Gässchen : consequeuter Weise müsste also bei 2 das 
Gässchen zwischen den Insulae II und III, bei 4 das zwischen V 
und VI verstanden werden ; dagegen soll nun hier wie dort viel- 
mehr die Strasse selbst, an der die Inschrift angebracht ist, weiter 
verfolgt werden, dort zwischen I und II, hier zwischen VI und 
VII ; denn nur diese führt direct an den Rand des Stadthügels. Nun 
wäre es aber doch unbillig, die Mäglichkeit zu leugnen, dass man 



108 A. MAU 

in dem Schrecken der Belagerung nicht nach einem wohl durch- 
dachten Plan verfuhr, sondern der mit Anbringung der Inschriften 
Beauftragte von Fall zu Fall, vrie es grade kam, sich einen geeig- 
neten Platz suchte. Und schliesslich ist doch die Inconsequenz nicht 
so arg. Bei 2 geht doch auch ein Gässchen von der Hauptstrasse 
ab. Und bei 4 geht die von Osten bis an das Nordende der Fo- 
rums führende sehr frequente Strasse in ein stilles Gässchen über: 
es wäre doch recht wohl denkbar, dass dies seinen besonderen Na- 
men gehabt und im Gegensatz zur ma als amviannum, af.i(}0(ioc 
bezeichnet worden wäre. Also die Inschriften stehen da, wo man 
von der Hauptstrasse in das Gässchen eintreten sollte ; wo letzterer 
zwei waren, da traute man eben dem Scharfsinn der Soldaten zu, 
dass sie das zu der ganz nahen und sichtbaren Mauer oder zum 
Stadtrande führende einschlagen würden. Also auch hier sehe ich 
keine Schwierigkeit und kein Bedürfniss nach einer neuen Erklä- 
rungsweise. 

So bliebe denn als einziger nicht recht erklärter Umstand 
übrig, dass die Inschrift 8 nicht unmittelbar an der Ecke des be- 
züglichen Gässchens, sondern auf dem Pfeiler zwischen dem ersten 
und zweiten Laden steht. Hierfür eine Erklärung zu finden, wäre 
um so wünschenswerter, als es sich auch bei der neugefundenen 
Inschrift, auf die ich weiterhin zurückkomme, wiederholt. Und ein 
merkwürdiges Zusammentreffen ist es immerhin, dass auch die In- 
schrift 2 auf dem zweiten Pfeiler von der Ecke eines Gässchens 
steht. Der Grund dieser Erscheinung ist uns unbekannt. Degering 
freilich weiss sie zu erklären: nach ihm (S. 132) sind die Inschrif- 
ten 2, 3, 5 nicht auf die Ecke gesetzt, weil sie sich nach seiner 
Meinung nicht auf das hier abzweigende Gässchen beziehen, und 
um den Irrtum zu vermeiden, als ob dies der Fall sei. Nun dürfen 
wir freilich wieder fragen, warum man sie dann nicht gleich noch 
weiter von der Ecke fortgerückt und so das Missverständniss noch 
sicherer vermieden hat, da doch nach Degering's Theorie jede an- 
dere Stelle der Strasse ebenso geeignet gewesen wäre. Keinenfalls 
aber isc die hier vorliegende Schwierigkeit bedeutend genug, um 
so gewagte Hypothesen, wie die Degering vorträgt, zu berechtigen. 

Nach seiner Ansicht nämlich werden alle Schwierigkeiten besei- 
tigt durch folgende Annahmen. Erstens, amviannud ist das Trottoir, 
margo ; also : immer auf diesem Trottoir entlang, grade aus und 



DIE OSKISCHEN WEGWEISKRINSCHRIKTKN IN POMPEJI 109 

um die Ecken, gelangt man ans Ziel. Zweitens, die Richtung, in 
der man dem Trottoir folgen soll, wird durch die Schriftrichtung 
bezeichnet; also, da die oskische Schrift linksläutig ist, für den 
vor der Inschrift stehenden immer nach links. Drittens, einig.^ Stras- 
sen waren, zu militärischen Zwecken, gesperrt; wer, dem Trottoir 
folgend, an eine solche Sperrung kam, überschritt den Fahrdamm 
und folgte wieder dem Trottoir an der nächsten Insula. Also von 
1 aus links an der Insula XII entlang gehend fand man bei b den 
Vicolo di Mercurio gesperrt, ging über die Strasse und weiter an 
Insula XI entlang. Von 8 aus links gehend fand man bei c das 
Gässchen zwischen III und VI und wieder bei a den Vicolo di 
Mercurio gesperrt und kam an II entlang zum Ziel. 

Wir bemerken zunächst, dass dies Ueberschreiten der gesperrten 
Strassen im Widerspruch steht mit dem Grundgedanken des ganzen 
Systems, nach dem das Trottoir, gradeaus und um die Ecken, der 
Ariadnefaden sein soll : die Strasse überschreitend bin ich doch 
nicht mehr auf demselben Trottoir. Ferner : wie sollte man dazu 
kommen, bei 1 und 2, wo der Weg gradeaus zum Ziel führt, zu 
sagen : «. auf diesem Trottoir " statt « auf diesem Wege " ? Und 
wie sollten, da doch alle oskische Schrift linksläutig ist, die Sol- 
daten dazu kommen, diesem Umstand irgend welche Bedeutunsr 
beizulegen, und daraus zu schliessen, dass links zu gehen sei? Für 
beides ist Voraussetzung, dass diese Methode der Wegweisung, mit- 
tels Trottoir und Schriftrichtung, allgemein üblich und jedem ge- 
läufig war. Dies ist aber ganz unmöglich ; denn sie ist nur an- 
wendbar, wenn einige Strassen gesperrt sind ; sonst führt unfehlbar 
jedes Trottoir um die Insula herum an den Ausgangspunkt zurück. 
Und selbst bei gesperrten Strassen ist sie nicht allgemein anwend- 
bar, aucli abgesehen von dem schon hervorgehobenen, in dem Ue- 
berschreiten der Strassen liegenden Widerspruch. Wer z. B. vom 
Forum kommend auf der Nolanerstrasse weiter östlich gehen und 
dann nordwärts zur Mauer abbiegen soll, dem kann nie auf diese 
Weise der Weg gewiesen werden. Denn um mittels der Schrift- 
richtung ostwärts zu weisen, müsste die Inschrift auf der Südseite 
stehen, von wo es doch unmöglich ist, auf demselben Trottoir nach 
Norden zu gelangen. 

Es ist nach alle dem vielleicht überflüssig, zu bemerken, dass 
auch die von Degering angenommenen Strassensperrungen ganz un- 



110 A. MAU 

glaublich sind. A.n zwei Stellen soll der Vicolo di Merciirio gesperrt 
gewesen sein, da er doch als die nächste der Verteidigungslinie pa- 
rallele Strasse von der grössten Wichtigkeit war, um einem bedi-ohten 
Punkte schnell Verstärkung zuführen zu können. Auch die Sperrung 
bei c ist unverständlich. Welche Strassen sperrt man denn bei einer 
Belagerung, und zu welchem Zweck? Vor fallem doch die Ausmünd- 
ungen auf den Raum hinter der Mauer, um hier durch die befe- 
stigten und besetzten Häuser eine zweite Verteidigungslinie zu 
schaffen, damit, wenn einmal, etwa durch Ueberraschung, an einer 
Stelle Feinde auf und über die Mauer gelangt sind, ihnen doch 
nicht gleich der Weg in das Innere der Stadt offen steht, sondern 
die Chance bleibt, sie wieder hinaus zu werfen. Nach Philon (bei 
Nissen S. 505) soll dies durch Tore geschehen, so dass die Wege 
für die Verteidiger gangbar bleiben ; man kann sich ja aber auch 
ein primitiveres Verfahren denken, dass nämlich einige Strassen 
durch Barrikaden gesperrt, für die zum Verkehr notwendigen aber 
das Material zu gleichem Verfahren bereit gehalten wird. Etwas 
anderes als die Sperrung gegen die Mauer kann ich auch in der 
von Nissen citirten Stelle Philon's nicht finden ; es ist ein Miss- 
verständniss wenn Nissen (dem Degering folgt) aus den Worten, 
xai ToTg df.i(födoic t-xctreQUid^bv nvKaz xaraffxfvaffre'ov entnimmt, 
die Vici seien <* an beiden Enden » durch Tore gesperrt worden ; es 
ist nur gemeint, dass an beiden Seiten des Vicus je ein Torflügel 
angebracht sein soll. Eine Sperrung bei a und c könnte nur den 
Sinn haben, dass man den ganzen Complex. also etwa die Insulae II. 
III, V, VI, VII, VIII in eine Art Festung verwandelt hätte, um 
sie auch gegen einen schon in der Stadt befindlichen Feind be- 
haupten zu können. Wie unwahrscheinlich dies ist, bedarf kaum 
weiterer Ausführung. Den letzten, hoffnungslosen Verzweiflungs- 
kampf wird die Leitung der Verteidigung nicht vorbereitet, viel- 
mehr ihre Anstrengungen auf die Sicherung der wirklich haltbaren 
Verteidigungslinie, der Stadtmauer concentrirt haben. 

Ich glaube damit hinlänglich gezeigt zu haben, dass Dege- 
ring's Einwendungen gegen die topographische Seite der Nissen'schen 
Erklärung belanglos sind, seine eigene Erklärungsweise aber ver- 
felilt und unhaltbar ist. 

Puf faamat versteht Nissen ubi habilat, d. i. itbi tendit, in- 
dem er faawal mit famüia zusammenbringt. Degering bringt es 



DIE OSKISCHEN WEGWEISERINSCHRIF I EN IN POMPEJI 111 

mit fari, fama zusammen und übersetzt : qaos adloqiälur, d. i. 
quibus imjwal. Also: hier soll die Truppe des Fisanius, des Adi- 
rius an den und den Platz gehen. Ich unterlasse es auch hier, auf 
sprachliches einzugehen, glaube aber aus sachlichen Gründen diese 
Uebersetzuug abweisen zu müssen. Es handelt sich hier um die von 
Natur schwächste Seite der Stadt, auf die sich ohne Zweifel der 
Angriff der Belagerer concentrirte (vgl. Nissen S. 496) ; dass einem 
bestimmten Truppenkörper ein für allemal dieser gefährlichste Po- 
sten angewiesen sein sollte, ist nicht glaublich, sondern die ver- 
schiedenen, in der Stadt liegenden Truppenkörper mussten sich hier 
ablösen. Aus demselben Grunde scheint es mir auch untunlich, die 
Inschriften so zu verstehen, als ob hier die Bewohner des Vicus 
aufgefordert würden, jenen Posten zu beziehen. Die Aufforderung 
darf sich nicht an bestimmte Personen richten, sondern muss all- 
gemein gehalten sein. Und so muss es wohl hei puf =^ ubi sein Be- 
wenden haben. Die Frage nach der Etymologie von faamat ist davon 
unabhängig. 

Wenn ich im Vorigen Nissen's Erklärung gegen Degering's 
Einwendungen verteidigt habe, so glaube ich doch hervorheben zu 
müssen, dass dieselbe kein festes Resultat ist, sondern eine Hypo- 
these, an deren Stelle ich nichts besseres zu setzen weiss, die aber 
doch nicht alles in ganz befriedigender Weise erklärt. Und zwar 
macht Schwierigkeit namentlich die Inschrift 4 nach der von De- 
gering berichtigten Lesung. Wir meinten bisher, dass hier zu lesen 
sei : ant irltbu, zum Hause, und weiter v. sehs imbrtr v, und dass 
hier der Weg gewiesen Averde zur Wohnung eines Imperator. Nun 
rückt aber die Inschrift in die Reihe der übrigen : auch hier eine 
durch zwei Endpunkte, zwei Häuser, begrenzte Strecke und ein 
Oommandant derselben. Hier ist nun eigentlich alles seltsam : dass 
diese von Natur sehr feste Strecke — es kann sich nur um das 
kleine Stück zwischen Nolaner Strasse und Seetor handeln — einen 
eigenen Commandanten hat; dass den fremden Truppen — für die 
Einheimischen waren doch die Inschriften nicht nötig — die zu 
verteidigende Strecke bezeichnet wird durch die Namen zweier ihnen 
sicher unbekannten Hausbesitzer ; dass endlich nicht als der eine 
Endpunkt das Seetor erscheint. Aber, wie gesagt, ich weiss nichts 
besseres. 



112 A. MAU 

Auch für die neiientdeckte Inschrift (4) findet sich keine ganz 
befriedigende Erklärung. Buecheler (Rhein. Mus. LIII, 205 f.) be- 
handelt sie auf Grund einer irrigen Lesung (zweimal amat für ampl). 
Degering nimmt an, dass noch zwei Zeilen folgten : ampt wiener- 
v{as) sakaraklud puf faamat N. N. Möglich ist dies, aber nicht 
sicher : ich fand keine Farbenreste, die ich mit Bestimmtheit als 
von dieser Inschrift herrührend bezeichnen möchte. Soviel scheint 
ziemlich sicher, dass hier der Weg zu einem Minervatempel ge- 
wiesen wird. Die Inschrift steht auf der Südseite der Strada del- 
lAbbondanza, auf dem zweiten Pfeiler von der Ecke eines Gäss- 
chens, das jetzt als Sackgasse in die Insula V. VI der 8. Region 
hineinführt, vermutlich aber damals durch sie hindurch führte. 
Amviaanud kann weder das Trottoir sein, wie hinlänglich gezeigt 
worden ist, noch die Hauptstrasse selbst, die als via bezeichnet 
sein müsste, sondern nur eben das Gässchen. Und da dies zu keinem 
anderen Tempel führt als zu dem dorischen auf dem Forum trian- 
o-ulare, dessen Gottheit bisher unbekannt war, so müssen wir in 
diesem den Minerventempel erkennen. Trlbud tov{tlkad) übersetzt 
Buecheler villa publica, vielleicht richtig, nur dass hier nicht an 
eine Villa, sondern an ein Haus in der Stadt zu denken wäre : 
domus publica könnte ein Haus sein, in dem die Stadt ihre Gäste 
aufnahm und das auch sonst öffentlichen Zwecken diente. Ich möchte 
dabei nicht an die Gladiatorenkaserne denken. Diese sieht zwar 
einem Wirtshaus sehr ähnlich, ist aber viel zu gross für die Gäste 
der kleinen Stadt; auch sind ja die Kammern, auf denen jener 
Eindruck beruht, jüngeren Ursprunges als die Inschrift; die domus 
publica konnte ein beliebiges, uns jetzt nicht kenntliches Haus 
sein. Die Schwierigkeit liegt aber in den Praepositionen. Nach 
Degering wäre ampt = djKfi, amb, trlbu wäre « Platz «, und tribu 
ampt 7nenerv\_as sakaraklud'] wäre der Platz um den Minerven- 
tempel, d. h. das sogen. Forum trianguläre. Damit wäre ja das 
zweite ampl erklärt. Aber das erste ? Statt zu sagen : « hier geht 
zu dem Platze » u. s. w., oder einfacher « hier geht es zum Mi- 
nervatempel » , oder « zum Portikus der Minerva » , soll man gesagt 
haben : « hier geht es um den Platz um den Tempel der Minerva ». 
Das ist doch wenig einleuchtend. Einen passenden Sinn erhalten 
wir, wenn wir ampl für ant nehmen, mit falscher Orthographie, wie 
temptare : « hier geht es zum städtischen Hause (und) zum Tempel » . 



DIE OSKISCHEN WEGWEISERINSCHRIKTEN IN POMl'E.TI 113 

An dem Fehlen des « und « würde ich nicht, mit Degering, beson- 
deren Anstoss nehmen ; wir kennen die Gewohnheiten der oskischen 
Sprache zu wenig, um die Möglichkeit eines solchen Asyndeton zu 
leugnen. Aber freilich würden wir bei ant den Accusativ erwarten, 
wie in der Wegebauinschrift des Stabianer Thores [ant ponttram 
staßanam), nicht den Ablativ {tribud) : falsche Orthographie und 
falscher Casus, das ist doch etwas viel auf einmal. So bleibt schliess- 
lich als das erträglichste : « hier geht es in die Umgebung des Stadt- 
hauses (und) in die des Minervatempels " . Aber freilich recht be- 
friedigend ist auch das nicht: wenn man die Localität nicht prae- 
ciser bezeichnen wollte, so wäre es einfacher gewesen, zu sagen : 
hier geht es zum Stadthaus, zum Tempel. 

A. Maü. 



ATHENA HEPHAISTIA 

(Tafel VI) 



In dem ergebnisreichen Aufsätze von Emil Keisch über Atbena 
Hephaistia (Jahresh. I S. 55 ff.) ist der Typus der Athena von 
Cherchel (Gauckler, Musee de Cherchel Taf. XVI, Jahresh. I 
S. 65 Fig. 33) ausführlich behandelt worden. Neulich hat auch 
Bruno Sauer in seinem grossen Werke « Das sog. Theseion und sein 
plastischer Schmuck » S. 231 ff. in seiner Rekonstruktion der Cult- 
bilder diesen Athenatypus eingehend berücksichtigt. Der genannten 
Statue, welche die stilistischen Eigentümlichkeiten des in die letzten 
Jahrzehnte des fünften Jahrhunderts gehörenden Originales am treu- 
esten wiederzugeben scheint, fehlt, wie bekannt, der Kopf. Der Re- 
konstruktion des Kopftypus will nun Reisch den Kopf der « Athena 
mit der Ciste " aus Kreta im Louvre [Cat. sommaire N. 847. Jamot, 
Monuments grecs'^. 21/22 1893/94 S. 17 ft\ Taf. XII. Jahresh. I 
S. 55 Fig. 32 und S. 72 Fig. 35 Bruno Sauer a. a. 0. S. 242 f.) die 
nach ihm eine >» sklavische Abhängigkeit (') » von jener in Afrika ge- 
fundenen Statue aufweisen soll, zu Grunde legen. Die flüchtige, aber 
schwungvolle Art der Arbeit, welche die echt griechische Statue im 
Louvre auszeichnet, und der Umstand, dass der Künstler einen 
bekannten, althergebrachten Typus mit grossem Geschick umge- 
bildet und für ein anderes Motiv verwendet hat, legen doch die 
Vermutung nahe, dass er auch in der Bildung des Kopfes sich 
nicht allzu sklavisch aa sein Vorbild hielt, sondern dort seinen 
eigenen künstlerischen Eingebungen mit Glück folgte. Nun giebt 
es aber einen anderen Athenakopf, der in der Gesammtanlage, 



(1) Auch Jamot a. a. 0. S, 20 hebt die mutmassliche Treue gegen das 
Original hervor, indem er ihre griechische Herkunft ins Feld führt. Aber aus 
dieser ist eher das Gegenteil zu schliessen. 



LENNART KJELI-BERG. ATHENA HEPHAISTIA 115 

der Stellung, der Haaranordnimg und der Form des Helmes so 
viele Analogien mit dem Pariser Kopfe aufweist, dass an einem 
gemeinsamen Ursprünge kaum zu zweifeln ist. Dieser Kopf (^) 
befindet sich jetzt im Nationalmuseum zu Stockholm (N. 2, 
Photogr. Lagrelius N. 2, Clarac 462 B, 860A, Heyderaann, Arch. 
Anz. 18(35 S. 152 N. 12, Wieseler, Piniol. XXVII S. 219. N. 132), 
wo er auf eine nicht zugehörige Athenastatue aufgesetzt ist, eine 
Replik der schönen Statue in Ince Blundell Hall (Michaelis, 
Atic. Marbles S. 338 N. 8. Clarac 473, 899 A), die Furtwängler, 
Statuenkopieen im Altertum S. 31 (555) ff. Taf. IV publicirt 
hat. Der ungebrochene Kopf dieser Statue ist nach der rechten 
Seite gewendet, während der Stockholmer, dessen Blick mehr 
nach unten gerichtet ist, sich nach links dreht. Trotz ihrer im Ganzen 
ähnlichen Gesichtsbildung kann es kaum zwei im Ausdrucke ver- 
schiedenere Köpfe desselben Idealwesens geben als diese beiden. Das 
Offene und Freundliche, jugendlich Unbefangene und Liebenswürdige 
des Stockholmer Kopfes, das selbst in dieser unbedeutenden römi- 
schen Kopie noch eine grosse Wirkung auf den Zuschauer ausübt, 
contrastirt erheblich mit dem in seiner finster-vornehmen Abge- 
schlossenheit zwar edlen und erhabenen, aber stolz unnahbaren 
Wesen der Athena von Ince Blundell Hall. Diese erscheint wie 
die hohe, schützende, wehrhafte Stadtgöttin, die Athena Trohovxog, 
die andere wie die milde, menschenfreundliche Pflegemutter des 
Erichthonios , die Athena xovqoiqu^oc. 



(^) Modern sind: Nasenspitze und Kinn, die Schläfe mit der angrenzen- 
den Haarpartie, der ganze Hinterkopf mit dem Haarschopfe und dem grössten 
Teil des Helmes, Hals und Brust oberhalb der Aegis. Die Ergänzung des Halses 
ist fehlerhaft. Sie entspricht nämlich nicht der durch die erhaltene obere 
Halspartie gegebenen Neigung des Kopfes, die ursprünglich nicht unbedeutend 
grösser gewesen sein muss. Stark geputzt. 

Maasse des Kopfes : Naseawurzel-Kinn ra. 0,105 ; Haaransatz-Nasen- 
wurzel ra. 0,045; Entfernung der äusseren Augenwinkel m. 0,08; der inneren 
Augenwinkel m. 0,027; Mundbreite ra. 0.029 ; Nasenbreite (zwischen den 
Nasenflügeln) m. 0,026; Ohrenentfernung m. 0,114; Kinn-Ohrenspitze m. 0,098; 
innerer Augenwinkel-Ohrenspitze m. 0,088. 

Herrn Ingenieur Axel Lagrelius, Chef der lithographischen Anstalt des 
Kgl. schwedischen Generalstabes, sei für die freundliche Zuvorkommenheit, mit 
welcher er die Herstellung der Photographie des Kopfes ermöglicht hat, be- 
ster Dank gesagt. 



116 LENNART K.TELLBERG 

Diese Göttin, die sich uns in der Pariser Statue in einem 
sehr sprechenden Motiv offenbart, mit dem aber der kalte, in- 
differente Ausdruck des Kopfes viel weniger haimonirt, als der 
fröhliche, schalkhaft tändelnde des Stockholmer Kopfes, hatte, 
wie bekannt, als Athena Hephaistia im Hephaistostempel in. der 
Nähe des athenischen Marktes einen Cult. Die Worte des Pau- 
sanias (I 14, 6), welche das Cultbild betreffen, lassen auf eine 
Statuengruppe, die Athena in ihrer nahen mythischen Beziehung zu 
Hephaistos darstellte, sehliessen. Es ist ein glücklicher Gedanke von 
Reisch (Eranos Vindob. S. 21, Jahresh. I 55 ff.) die athenischen 
Inschriften C. I. A. I 318 und 319 auf diese Tempelgruppe zu 
beziehen. Wir erfahren durch diese Inschriften das ungefähre Da- 
tum der Ciiltgruppe 421/20-417/16 v. Chr., das Material, Erz, 
und lernen ein Detail kennen, das in der zweiten Inschrift nicht 
weniger als dreimal erwähnte avOsnov aus Zinn unter dem Schilde 
der Athena, welches das Auffinden von Copieen und Weiterbildun- 
gen dieser Statue ermöglicht hat. Von diesen trägt nur die Athena 
Cherchel, wie oben hervorgehoben wurde, die sicheren stilistischen 
Merkmale des ausgehenden fünften Jahrhunderts an sich und darf 
deswegen für die Rekonstruktion des Kunstwerkes herangezogen 
werden. Dass Alkamenes, dessen in Athen betindliche Hephai- 
stosstatue ja sehr berühmt war ('), der Künstler der Cultgruppe 
des Hephaistostempels gewesen und demnach als der Schöpfer 
des milden, friedlichen Athenaideals der Statue von Cherchel 
mit ihren Weiterbildungen zu betrachten sei, ist eine im höch- 
sten Grade wahrscheinliche Vermutung von Reisch, die, wie ich 
glaube, nach stilistischer Seite hin eine Bestätigung durch den 
Stockholmer Kopf findet, über dessen Alkamenischen Character 
keine Meinungsverschiedenheit herrschen sollte. Es ist derselbe 
ungemein persönliche, huldvolle und freundliche Ausdruck der an 
den Sorgen und Freuden der Menschen teilnehmenden Gottheiten, 
wie er uns an dem Berliner Asklepios (Beschr. N. 68, Kjellberg, 
Asklepios II Taf. I) und an der Aphrodite von Frejus und ihrer 
Sippschaft fesselt (2). 

('j Vijl. Cicero, De nat. deorum I 30; Valerius Maximus MII 11. 
(2) Trotz der Einwendungen von Winter (50. Berl. Winckelmanns|)rogr. 
S. 117 fr.) Heibig (Führer II N" 908) und Reisch {I'Jranos Vindob. S. 18 ff. 



ATHENA HEPHAISTIA 117 

Diese beiden Statuen bieten in der Haltung des Kopfes, in 
der leichten, lockeren Haarbehandlung, die in der schlechten, spä- 
ten Arbeit der Stockholmer und der Berliner Statue vielfach miss- 
verstanden und verballhornt erscheint, in der flachen Bogenlinie 



luid Jahresh. I 77 f.) muss ich an der Hypothese von Furtwängler und Reinach 
als einer eminent wahrscheinlichen festhalten. Von der « herben Zierlichkeit». 
die Reisch in jener Statue ausgeprägt finden will, vermag ich nichts zu sehen, 
Es scheint mir im Gegenteil das glücklich gefundene Ehenmass zwischen die- 
sen beiden entgegengesetzten Eigenschaften zu sein, welches den eigentüm- 
lichen Reiz dieser Statue ausmacht. Die Gestalt der Aphrodite von Frejus 
zeichnet sich durchaus nicht durch übermässige jugendliche Zartheit aus; 
im Gegenteil, und der Kopf hat das unbestimmbare Alter, welches den besten 
griechischen Idealköpfen eigen ist. Sie führen uns eben über die Grenzen der 
Zeit und die relativen Altersbestimmungen hinaus. Von einer « schwungvollen 
Beweglichkeit", die Reisch neben der Zierlichkeit der Genetrix ausgeprägt 
finden will, kann meiner Meinung nach hier gar nicht die Rede sein. Besser 
hat Winter a. a. 0. 119 das Bewegungsmotiv dieses Typus mit den Worten 
charakterisirt: «sie scheint anzuhalten, bescheiden, zweifelnd ". Nur setzt 
Winter diese zarte, keusche, weibliche Anmuth, welche das Pheidiasische 
Aphroditeideal vor allen . anderen auszeichnet, in den Gegensatz zu dem Ethos 
der Polykletischen Gestalten. « die mit frei zurückgenommenen Schultern, in 
den starken Hüften selbstbewusst sich wiegend dahin schreiten». Sollte aber 
Polyklet zwischen einem jungen siegesfrohen Athleten imd der holden Göttin 
der Grazien in diesem für den Charakter der dargestellten Persönlichkeit so 
wichtigen Punkte keinen Unterschied gemacht haben? Die Schrittstellung 
allein verbietet meiner Ansicht nach die Originalstatue einem vorpolykleti- 
schen Künstler zuzuschreiben. Wenn Winter von dem Kopfe der Aphrodite 
sagt, dass er von « einer seltenen Anmut und Lieblichkeit » sei, kann man ihm 
nur beistimmen. Wenn er aber hinzufügt: «und von einem archaischen Reiz 
der Züge, welchen» etc., muss ich ihm meine Zustimmung versagen. Denn 
wie in der Stellung und der Ponderation, in der Behandlung des Nackten und 
des Gewandes, so ist in diesem Kopfe der Archaismus, wenn wir diesem 
Begritfe die Bedeutung des irgendwie Unbeholfenen und Steifen noch geben 
wollen, vollständig überwunden tind zwar in einer Weise, welche den gewal- 
tigen Stilumschwung der Pheidiasischen Schule zur Voraussetzung hat. Der 
selbständige Rhythmus des Gewandes, dessen Bewegung ihren eigenen, dem 
Motiv der Gestalt selbst zwar entnommenen, aber in eigenartiger Harmonie 
ausgebildeten Gesetzen folgt, und dessen prachtvoll auf- und abwogendes Linien- 
spiel wir in den betreffenden Aphroditestatuen bewundern können, ist der 
vorpheidiasischen Epoche ebenso fremd, wie der systematisch durchgeführte 
periodische Rhythmus der Sprache der Epoche der griechischen Prosa, welche 
dem Auftreten der beiden grossen Redekünstler Gorgias und Thrasymachos 
voraufgeht. 



118 LENNART K.JELLBERG. ATHENA HEPHAISTIA 

der Augenbrauen sowie in dem stark ausgeprägten Oberlide, in der 
breiten Nasen^Yurzel mit den weit auseinander liegenden Augen, 
in dem feingezeichneten gleichsam sprechenden Munde mit der 
schön geschwungenen, etwas zurückgezogenen Oberlippe, schliess- 
lich in dem breiten, runden, festen Kinn so viele stilistischen Ana- 
logien mit der Stockholmer Athena, dass an einen gemeinsamen 
Urheber der Originale dieser drei Statuen kaum gezweifelt werden 
kann ('). 

Kom, Juni 1899. 

Lennart Kjellberg. 



f) [Der Athenakopf, den E. A. Gardner im Journal of hellenic studies, 
XIX, 1 S. 1. ff. so eben publiciert hat, ist ein neues Zeugniss für die Popu- 
larität des Originales unseres Typus. Seine Zurückführung auf eine berühmte 
Cultstatue und die Zutheilung dieser Statue an einen bedeutenden Künstler 
gewinnt dadurch weitere Sicherheit. Der geistige Ausdruck des englischen 
Kopfes scheint etwas abgeschwächt zu sein. Bei eingehender Prüfung der 
stilistischen Einzelheiten tritt doch eine überraschende Uebereinstimmung mit 
denjenigen des Stockholmer Kopfes zutage — auch die Lasche der Lederkappe 
kommt an der r. Seite dieses Kopfes, wo Haar und Helm antik sind, sehr deut. 
lieh zum A'orschein — so dass über den gemeinsamen Ursprung dieser beiden 
Köpfe kein Zweifel bestehen kann.] 



UEBER DIE EINGESETZTEN HOLZTAFELN IN POMPEJI 
UND DIE PLINIUSSTELLE XXXV, 149. 



Bekanntlich erregten bei der Aufdeckung der casa di M. Lu- 
crezlo in Pompeji zwei in dem Tablinum rechts und links von dem 
Eintretenden vorhandene, viereckig überhöhte, flache Vertietungen 
in dem dicken tectorium der Seitenwände an denselben Stellen, an 
welchen dieser Raum häufig mit Wandgemälden geschmückt ist, 
die lebhafte Aufmerksamkeit der Archäologen. Man glaubte nach 
den deutlich erkennbaren Kohlenresten schliessen zu dürfen, dass 
Gemälde auf Holztafeln die vorhandenen Vertiefungen ausgefüllt 
haben müssten. So schloss auch Fiorelli, der bei der Ausgrabung 
zugegen war und mir im Sommer 1867 mündlich das Vorhanden- 
sein jener Kohlenreste bestätigte ; ich selbst sah noch solche Reste 
in den Rauhigkeiten des Verputzes haften. Nach genauer Prüfung 
des Sachverhaltes an Ort und Stelle zu genannter Zeit konnte ich 
jedoch zu der Anschauung Fiorelli's mit Sicherheit nicht gelangen 
und machte mir desshalb im September 1867 eine genaue Zeich- 
nung des Zustandes, in welchem ich die beiden Stellen fand, um 
sie gelegentlich Interessenten vorlegen zu können (S. Abb. 1. 2) 
Diese Zeichnung war gerade noch zu rechter Zeit gemacht, denn 
im Juni 1868 fand ich bei erneutem Besuch in Pompeji die Ränder 
der Vertiefungen mit einer breiten Cementlage bedeckt und damit 
waren die zur Beurtheilung wichtigsten Anhaltspunkte für immer 
verloren. 

Im Juni 1868 gab ich in den Nachträgen zu meiner Abhand- 
lung in Helbigs « Wandgemälde der vom Vesuv verschütteten Städte 
Campaniens » S. CXXVI über den damaligen Fundbestand einen 
Sfenauen Bericht, dem ich als solchem auch heute nichts hinzuzu- 
fügen habe. Ich schloss mit den Worten : « Hoffentlich geben uns 
spätere Funde noch deutlichere Aufschlüsse über diese noch nicht 
ganz klaren Einzelerscheinungen •'. Im Interesse aller Archäologen, 
welche erst nach dem Juni 1868 die casa di M. Lucresio besucht 
haben, halte ich es nun für eine nachträgliche Pflichterfüllung, 



120 



0. DONNER VON RICHTER 



ihnen durch Veröffentlichung meiner Zeichnung die Gelegenheit zu 
creben, sich ein eigenes Urtheil über den Sachverhalt und die aus 
demselben etwa zu ziehenden Folgerungen bilden zu können. 




///////: ^ .... . . //v/,//:. A;//,////A:^:,7 M'/'A 














Fig. 2. 



(Fig. 1) 



(Fi 



Fig. 1. 

Fig. 1 auf der Wand zur Linken, mit den Profilen T)ei a und be, und mit Details oben liuks und 
' rechts unter Fig. 2, der Wand zur Bechten. 

Dass eine solche Publication wünschenswert sei, ergab sich mir 
aus dem Umstand, dass C. Robert in dem 21'^" Hallischen Win- 
ckelmanns-Programm von 1897 » die Knöchelspielerinnen des Ale- 
xandros » jene beiden leeren Vertiefungen in der casa di M. Lucre- 
zio erneuert in den Bereich seiner Untersuchungen gezogen hat ; er 
stellt sie zusammen mit der von mir in vorstehend erwähnten « Nach- 
trägen » gleichfalls genau beschriebenen leeren Wandvertiefung in 



UEBER DIE EINGESETZTEN HOLZTAFELN IN POMPEJI 



121 



cam di M. Sfjurio und mit jenen ähnlichen, im Juni 1879 in dem 
Hause N. 14 der Imula 15 in der ßegion VI gefundenen, über welche 
zuerst Sogliano in Notüie degli Scavi 1897, S. 271 berichtete und 



< - 



r 



^0 6r. 



■-> 




I — T 



•^ — 1 



H-HfW^ \ 1 V 1 

Fig. 3 (Tafel auf der Rückseite des Atriums). 

vorsichtig hinzufügte: « e probabile che fossero due tavole 
dipinte, addossate allo inlonaco fresco della imrete e formanti un 
corpo solo con l'intonaco stesso ". Er beschränkt sich also auf das 
Aussprechen einer Vermuthung. 

9 



122 



O. DONNER VON RICHTER 



Ausführlichere Mittheilimgen verdanken wir der gewissenhaften 
Berichterstattung des um die Erforschung Pompeji's so hochver- 
dienten Aug. Mau in Mittheil. d. Archaeol. Inst. 1898, XIII. S. 48. 
Er schliesst mit den Worten : « Ueber beobachtete ähnliche Spu- 
ren s. Donner - v. Richter bei Heibig Wandgem. S. CXXVI. Die 






I 

I 






ß^j_ 



T- 



0< 



. 0. 6J X 



nn 



> > I 



iiiM lull 

!/ 1 



-/ .? J 

Fig. 4 (links am Atrium). 



4 



dort erhobenen Bedenken gegen die Annahme, dass auf diese Holz- 
tafeln Bilder gemalt waren, kommen in gleicher Weise auch hier 
zur Geltung. Es ist aber doch kaum möglich für alle diese, genau 
die den Bildern zukommende Stelle einnehmenden Holztafeln eine 
andere Bestimmung zu erdenken. Aus der geringen Dicke dieser 
Tafeln werden wir schliessen dürfen, dass die Bilder nicht beson- 
ders werthvoll waren " . Zu klarerer Anschauung für mich u. Andere 
habe ich nach Mau's Angaben a. a. 0. auf Abb. 8. 4. 5 Zuschnitt 
und Construction der eingesetzten Holztafeln aufgezeichnet, wie 



UEBEK DIE EINGESETZTEN HOLZTAFELN IN POMPEJI 



123 



deren Rückseite nach den in der weichen Mörtehmterlage hinter- 
lassenen Eindrücken sich darstellt ('). 

In der That sind einige der von Man erwähnten, von mir her- 
vorgehobenen Bedenken bei den früheren ähnlichen Funden auch auf 
diese neuen Vorkommnisse anzuwenden, ja in noch höherem Grade, 
vor Allem in Betretf des unregelmässigen Zuschnittes und der ver- 
wunderlichen Construction dieser Schreinerarbeiten, Beides Dinge, die 



1- :::^^::i: 

I . 

I 

<5i 



ü.::/j\ 



t^ri — \ 1 — 5 i 

Fig. 5 (im Tablinum). 

sich mit dem subtilen Wesen einer Gemäldetafel nicht wohl ver- 
tragen, ebenso wenig wie dieses sich damit verträgt, dass man die 



(}) [Der Herr Verfasser hatte in den von ihm eingesandten Zeichnungen 
diese Eindrücke nach meinen Angaben Mitth. 1898 S. 48 construirt. Statt 
dessen geben obige Figuren dieselben nach den Originalen und auf Grund 
erneuter Untersuchung. Mit vollen Linien sind vor- und zurücktretende Teile, 
mit punktirten die P'ugen der in gleicher Fläche liegenden bezeichnet. In Fig. 3 
und 4 bestand die Tafel aus mehreren, in eine ringsum laufende Falzleiste (in 
beiden Fällen oben nicht deutlich ; in Fig. 4 nicht vortretend) eingelassenen 
schmalen Brettern, auf denen in Fig. 3 eine lieiste querüber auflag, in Fig. 4 
ihrer zwei in der Längenrichtung. In Fig 5 war die stark vortretende Falz- 
leiste unten nicht vorhanden ; alles übrige ist undeutlich, obgleich die nicht 
eben feinen Holzfasern deutlich zu erkennen sind. Es scheint dass auf die 
Eückseite der Tafel drei sehr dünne Brettchen aufgelegt waren. Eisen war zur 
Befestigung der Tafeln nirgends verwandt. A. Mau.] 



124 O. DONNER VON RICHTER 

durch starke Feuchtigkeit zum Werfen und Kreisen geneigte dünne 
Holztafel in einem weichen, lange nass bleibenden Mörtel so fest 
eindrückt, dass der genaue Abklatsch ihrer Rückseite nach Mau 
a. a. 0. S. 48 « mit vollkommener Schärfe » zurückbleibt, wie dies 
bei den drei Tafeln in dem Hause N. 13 der Fall ist. Die Feuch- 
tigkeit der nassen Mörtelunterlage muss sich mit Nothwendigkeit 
in das aufsaugungsfähige Holz ziehen ; hätte man aber, um dies zu 
vermeiden, die Tafel wieder von dem Mörtel losgerissen und diesen 
vor ihrer Wiedereinsetzung trocknen lassen, so hätte durch das Hän- 
genbleiben der zähen Masse am Holz kein so scharfer Abdruck 
zurückbleiben können und ein genaueres Wiedereinpassen, so dass, 
wie Sogliano a. a. 0. sich ausdrückt « die Tafel mit dem Bewurf 
ein und denselben Körper bildet » wäre nicht mehr zu erreichen 
gewesen. Aber diese innige Verbindung hätte man bewerkstelligen 
und dabei die vorstehend bezeichneten Missstände, wenn auch nicht 
ganz aufheben, doch jedenfalls bedeutend abschwächen können, wenn 
man die Tafeln, bevor man sie in den Stuck eindrückte, auf ihrer 
Rückseite mit heissflüssigem Wachs oder Pech bestrichen hätte, 



'o' 



wodurch die Tafel vor dem Eindringen der Feuchtigkeit bewahrt 
worden wäre, welche, ihren Weg nach unten nehmend, allmählig 
hätte verdunsten müssen. Immerhin würde bei dem geringen Bin- 
dungsvermögen der genannten Ingredienzen mit dem Mörtel noch 
eine besondere Befestigung der Tafeln mit Nägeln, Hacken oder Klam- 
mern nöthig gewesen sein; doch berichtet Mau von solchen nichts. 

Die vorstehend bezeichneten Schutzmittel wären jedoch für jede 
Holztafel, gleichviel für welchen Zweck sie dienen sollte, rathsam 
gewesen, nicht nur für G-emäldetafeln. Gegen die Annahme von 
solchen treten uns aber auch in vorliegendem Falle mancherlei 
Bedenken entgegen. 

Zieht man neben dem wenig Rationellen eines solchen Ein- 
setzens von Gemälden auf Holztafeln in Betracht, mit welchen 
umständlichen Manipulationen es verknüpft sein musste, so kann 
man sich kaum einen Grund denken, welcher den Besitzer solcher 
Gemälde dazu hätte veranlassen können, namentlich wenn dieselben 
bereits eingerahmt waren, wie Robert von diesen drei Tafeln a. a. 
0. S. 9 annimmt. Warum sollte der Besitzer sie nicht als Ersatz 
für ein Wandgemälde an jenen Stellen aufgehängt haben, was doch 
schöner, vernünftiger und billiger gewesen wäre? Weiss doch jeder 



UEBEK DIE EINGESETZTEN HOL/.TAFELN IN POMPEJI 125 

Keuner der pompejanischeii Wanddecorationen, dass das Anfhän- 
gen von Gemäldetafeln in einfachen Rahmen ans dünnen 
vierkantigen Holzleisten, welche an den Ecken sich 
etwas vorragend überkreuzen (jetzt in England Oxford-fra- 
mes genannt) theils mit, theil^ ohne Seitenflügel zum Zuklappen 
und Beschützen des Bildes so sehr üblich war, dass die maleri- 
sche Nachahmung solcher vorgeneigt oder vertical aufgehängten oder 
auch aufgestellten, eingerahmter Gemälde ein beliebtes Motiv der 
pompejanischen Maler bildet ('). 

Andere Holz rahmen formen als die beschriebe- 
nen finden wir in den zahllosen antiken Wand- 
malereien nirgends abgebildet. Dagegen besitzen wir 
ein wohlerhaltenes antikes Exemplar jener Rahmen aus einfachem 
braunem Holz, welches Flinders Petrie bei seinen Ausgrabungen 
im Fajjum auf dem Haupt einer Mumie liegend als Einrahmung 
des Portraits der Verstorbenen gefunden hat; es ist von eigen- 
thümlich kunstvoller Construction. welche zu beschreiben hier zu 
weit führen würde (-). Wenn daher Robert a. a. 0. S. 9 als 
Beispiel eines Tafelgemälderahmens « die gemalte Umrahmung der 
imitirten Tafelbilder mit den Hetären aus Casa Tiberina {Mon. d. 
Inst. XII, 18) " vergleichend heranzieht, so scheint mir dies nicht 
zutreffend zu sein, denn diese Bilder sind keine Imitationen von 
Tafelbildern, sondern müssen gerade weil ihnen der typische 
Holzrahmen fehlt, der auf den Wänden dieses Hauses mehrtach 
abgebildet ist, als Wandgemälde mit breiter, gemalter Ornamen- 
tierung umgeben betrachtet werden. Wohl aber können wir die 
innerste Einfassung des Bildes und die äusserste der gemalten, nicht 
plastisch sein sollenden Ornamente, als Imitation plastischer Stuck- 
leisten autfassen, wie solche aufgesetzte plastische Teile nicht selten 
zwischen den Malereien angebracht sind. 

Die Annahme wirklicher Gemälderahmen bei den drei Holz- 
tafeln aus Haus N** 13 seitens Roberts, welche Form sie auch 
gehabt haben mögen, erscheint schon dadurch nicht genügend 

Q) Siehe in Heibig « Wandgemälde etc. » Taf. C. Fig. 3; dgl. in Monum. 
d. Inst. XII, Tav. V* und Tav. Villi die Cubiculurascenen in casa Tiberina 
in Eom. 

(2) Jetzt im British Museum. Abgebildet bei Flinders Petrie « Hatvara, 
Biahmu and Arsinoe n Taf. 12. Ich besitze eine genaue Nachbildung desselben. 



126 O. DONNER VON RICHTER 

beoTündet. dass wir nur den Abdruck der Rückseiten kennen. Man 
spricht nur von einem bei allen drei Tafeln auf der Rückseite 
nachweisbaren « etwa 0,05 breiten Rand ", der bei der leeren 
Stelle in der Rückwand des Atriums « etwa 0,002 vor die übrige 
Rückfläche vortrat « , also ein Minimum. Die ganze nachweisbare 
Dicke dieses Randstückes, also von der Wandfläche hinab in den 
Verputz, beträgt nur 0,02. Ob es als Rahmen über die Wandfläche 
heraustrat, ist nicht festzustellen. Dieser « Rand » ist es, den Ro- 
bert als Rahmen auifasst. Die Abdrücke der Rückseite stimmen 
aber nicht überein mit der kunstvollen Rückseite des graeco-ägy- 
ptischen Originalrahmens ; doch würde dies noch kein sicheres Ar- 
gument gegen die Annahme eines wirklichen Gemälderahmens sein, 
denn in vorliegendem Falle könnte die Behandlung der Rückseite, 
resp. die Art der Einsetzung der Bildtafel in den Rahmen eine 
einfachere, rohere, unserer Methode ähnlichere gewesen sein. Was 
aber entschieden gegen die Annahme eines Gemälderahmens, wie 
die Alten ihn bildeten, spricht, das ist der Umstand, dass erstens 
keine Ueberkreuzung der Rahmenstücke an den Ecken in Stuck 
nachweisbar ist, und zweitens und namentlich, dass sich überhaupt 
um derartig unregelmässige nicht rechtwinklig zugeschnittene Ta- 
feln ein rechtwinkliger, gut aussehender Rahmen gar nicht anfer- 
tigen lässt. Die von Mau als u. Rand « bezeichneten Theile können 
ihrem Abdruck noch sehr wohl nur Falzleisten sein, in welche 
man die Tafeln zu möglichster Verhütung des Werfens eingelassen 
hatte. Mit dem Wegfallen des Gemälderahmens fällt aber 
wiederum ein Argument zu Gunsten der Annahme 
eines eingesetzten Holztafelgemäldes hinweg. 

Hier muss ich nun aber auch noch ganz besonders hervor- 
heben, dass die beiden weit grösseren leeren Stellen in casa dl 
M. Lucrezio — ihre Breite beträgt 1,22, zu 1,50 ca. Höhe — eine 
ungleich rationellere Behandlung der eingesetzten Holztafeln zeigen: 
sie waren nicht auf den feuchten Mörtel eingedrückt, der nöthige 
Raum für die sehr kräftigen Traversen oder Binder der einzelnen 
Dielen aus welchen die Tafeln zusammengesetzt waren, war aus 
dem trockenen dicken Verputz bis auf die Mauersteine herausge- 
schlagen, von der obersten Putzschichte aber nur so viel, als nöthig 
war, um Raum für die Dicke der Holztafel zu erlangen; nur an 
den abgehauenen Verputzrändern war zur Ausgleichung etwas fri- 



UEBER DIE EINGESETZTEN HOLZTAFELN IN I'OMPEJI 127 

scher Stuck aufgetragen worden, um die Tafelränder fest anschlies- 
send in denselben eindrücken zu können und eine glatte Verbin- 
dung mit der Wandfläche herzustellen (s. Fig. 1. 2). Verständiger- 
weise traten die Traversen über die Tafelränder vor und boten 
in diesen vier vorstehenden, abgerundeten Enden die Gelegenheit 
starke, lange Eisen durch sie bis in den Mauergrund einzuschlagen 
und fest zu gipsen. Trotz dieser soliden Befestiguugsweise wurden 
noch zahlreiche Nägel durch die Tafel selbst in die Mauer getrieben, 
entweder um sie schon von Anfang au noch mehr vor dem Werfen 
zu schützen, oder auch nur zur nachträglichen Correctur, nachdem 
das Werfen trotz aller Vorsicht dennoch stattgefunden hatte. Dieses 
Durchschlagen der Nägel allein schliesst jeden Gedanken an eine 
Gemäldetafel aus, damit auch den Gedanken an einen Gemälde- 
Holzrahmen, welchen Kobert a. a. 0. S. 9 annehmen zu können 
glaubt, während sich in dem Abdruck der Tafelränder auf der 
Rückseite keine Spur eines Kahmens zeigt, sondern nur der scharfe 
Abdruck der Tafel selbst (s. S. 120, Fig. 1 von hc aufwärts). 
Die aus den Traversen bedeutend über die Wandfläche hinausra- 
genden Bankeisen konnten also auch nicht, wie Robert anzunehmen 
scheint, zur Befestigung eines Gemälderahmens dienen; es waren 
deren, als ich die Zeichnung machte, von den ursprünglich vieren 
nur noch die beiden oberen vorhanden (s. Fig. 1 hc, unten). 

Auch kann ich der Erklärung Roberts in Betreff der durch 
die Tafel getriebenen Nägel nicht beipflichten, wenn er sagt : « man 
braucht sich nur vorzustellen, dass die Bildtafeln wie in dem 
Jüngst ausgegrabenen Hause auf ihrer Rückseite mit Leisten ver- 
sehen waren " . Letzteres ist nicht möglich, denn ausser den beiden 
tiefen Traversenrinnen sind keine Vertiefungen füi- solche Leisten 
in dem Mörtel vorhanden, und selbst angenommen, solche Leisten 
wären vorhanden gewesen, so musste man die Nägel, um sie bis 
in die Mauer zu treiben, von der Aussenseite durch Tafel und 
Leisten durchschlagen, wie man es allenfalls bei einem Kisten- 
deckel oder -boden thut, nicht aber bei Gemäldetafeln. Bei letz- 
teren müssen solche Leisten entweder aufgeleimt oder mit sehr 
exacter, subtiler Arbeit in die Tafel eingeschoben werden, was um 
so schwieriger wird, je dünner dieselbe ist. Dass die pompejani- 
schen Schreiner befähigt waren solche subtile Arbeiten auszuführen, 
da wo es angebracht war, das sehen wir z. B. an den schönen 



128 O- DONNER VON RICHTER 

abgebildeten Holzthüren mit complizirten Füllimgen in dem Haus 
des Salliist (0- Bei der rohen Herstellimgsweise der drei Tafeln in 
Haus n. 13 ist wohl auch kaum etwas Andres anzunehmen, als 
dass die Leisten angenagelt waren. Hier sei auch noch bemerkt, 
dass Roberts Vermuthung, dass an diesen drei Tafeln « die bald 
horizontal, bald vertical gestellten Leisten dazu gedient haben 
mochten, hinter der Bildtafel einen Luftraum herzustellen " nicht 
haltbar ist, weil die Tafeln fest in den weichen Stuck eingedrückt 

waren. 

Gegenüber der Schwierigkeit einer befriedigenden Erklärung 
der vorstehend erörterten verschiedenen Fälle habe ich mit Bezug 
auf jene in cam di M. Lucreäo schon früher a. a. 0. S. CXXVI 
auf Plinius XXXV, 6 verwiesen und an die Möglichkeit gedacht, 
dass die in dem Tablinum eingesetzten Tafeln als die Stuckwände 
flacher Schränke mit Thüren betrachtet werden könnten, welche 
zur Aufbewahrung der Wachsmasken der Ahnen dienten. Will 
mau sich aber in weiteren Vermuthuugen ergehen, so könnte mau 
allenfalls anführen, dass jene drei Tafeln im Haus n. 13 zur Auf- 
nahme von Nägeln oder Hacken bestimmt gewesen sein mochten, 
an welchen man kleinere Gegenstände u. Instrumente des Gebrau- 
ches aufhängen konnte, ohne die Wand zu beschädigen; oder auch 
als Tafeln mit dunkelm Grund zum Aufzeichnen von Notizen mit 
weisser Kreide, oder auch wiederum als Rückwände kleinerer, 
flacher Schränkchen. 

Zur Klarstellung aller controversen Einzelheiten in vorlie- 
gender Materie muss ich auch noch betonen, dass es dem That- 
bestand nicht entspricht, wenn Robert a. a. 0. S. 10, von dem 
Haus n. 13 redend, « diese Wandvertiefungea als ganz analog mit 
jener in einem Gemach des Hauses des M. Spurius Mesor » be- 
zeichnet und ^ den Rundstab, dessen Abdruck Donner und Heibig 
(Letzterer im Bull. d. last. 1864, p. 121) constatiren », als eine 
Umrahmung ähnlich, wie sie sich gemalt an den Hetärenbildern 
der Casa Tiberina befindet, betrachtet. Es handelt sich hier näm- 
lich gar nicht um den Abdruck eines rahmenartigen Rundstabes, 
der, wenn er überhaupt vorhanden wäre, und als Rahmentheil der 

(') Abgebildet bei Mau «'• Geschichte der dccorativen Wandmalerei in 
Pompeji ». Taf. IL 



UEBER DIE EINGESETZTEN HOLZTAFELN" IN POMPEJI 129 

Vorderseite hätte angehören müssen, sich nicht auf der Rückseite 
abdrücken konnte; ich bemerkte vielmehr a. a. 0. S. CXXVII : 
Dass jene kleine Tafel nach den Eindrücken, die ihre Iländer in 
dem weichen Stuck hinterlassen haben, zwischen 0,003 und 0,015 
variiren, und dass der Rand derselben (d. h. ihre Dicke) an der 
linken Seite hohlkehlen- und oben rnndstabartig geformt war ; 
an der rechten Seite dagegen rechtwinkelig und unten schräge. 
Welcher Tischler würde wohl jemals eine Tafel für ein Bild so 
zugeschnitten haben? In Anbetracht dieser Seltsamkeiten, auch 
in Anbetracht der Abrundung der oberen Ecken dieser Tafel, eine 
Form, die bei pompejanischen Gemälden gar nicht vorkommt, und 
bei der Zweifelhaftigkeit, ob die eingesetzte Tafel überhaupt Holz 
und nicht ein ganz andres Material gewesen sei, kann ich auch 
dieses Vorkommen als analog' mit jenem in casa di M. Lucrezio 
durchaus nicht betrachten. Dagegen habe ich die Analogie der 
Abdrücke in dieser Vertiefung mit jener für den schwarzen Glas- 
spiegel in casa del Citarista auf der rechten Langseite des Mit- 
tel peristyls schon hervorgehoben. 

Wenn wir uns nach vorstehenden Untersuchungen noch ver- 
gegenwärtigen, dass bei der ausserordentlich grossen Anzahl von 
Wandgemälden in Pompeji seit dem Beginn der Ausgrabungen 
und seit 1847, d. h. seit der Aufdeckung der casa di M. Lucrezio 
bis 1897 nur die besprochenen drei ähnlichen Stellen im Haus 
N. 13 der Lisula VI, 15 gefunden worden sind, und selbst ange- 
nommen, dass trotz aller entgegenstehender Bedenken diese leeren 
Vertiefungen dennoch Gemälde auf Holztafeln enthalten haben 
sollten, so können wir doch Robert nicht folgen, wenn er von dem 
vorausgesetzten Einlassen von Tafelgemälden in Pompeji sagt : 
" Aber es war üblich " (a. a. 0. S. 9). 

Hiermit gelange ich zu einem andern Theil der Ausführungen 
Roberts in dem 21^*"" Winckelmanns-Programm. 

Er wendet sich in demselben gegen Franz Winters in der 
Maisitzung der Archäologischen Gesellschaft in Berlin (') nach 
Sempers Vorgang ausgesprochenen Anschauung, dass die im Natio- 
nalmuseum von Neapel aufbewahrten sechs kleinen Marmortafeln 



Q) Abgedruckt in « Wochenschrift für klassische Philologie, 1897 n, und 
in Separatabdruck. 



130 0. DONNER VON RICHTER 

mit figürlichen Darstellungen, aus Herculanum und Pompeji stam- 
mend, auf welchen jetzt nur geringe Farbenspuren enthalten sind, 
ursprünglich enkaustisch bemalt gewesen seien, unter ihnen die 
Astragalenspielerinnen; ferner, dass das Gemälde des Nikias, welches 
Augustus in die Wandbekleidung der Curia Julia einfügen liess, 
nämlich die Nemea auf Marmor gemalt gewesen sei und zwar 
enkaustisch, da Plinius XXXV, 27 berichtet, dass Nikias auf das 
Bild geschrieben hatte: se iaussisse. Robert wirft hiergegen die 
Frage auf: « woraus folgt, dass die Nemea nicht auf Holz sondern 
auf Marmor gemalt war? " und bemüht sich, wie ich schon gezeigt 
habe, nachzuweisen, dass es bei den Alten üblich war, 
Gemälde auf Holztafeln in den Mauerbewurf einzulassen. 

Es ist nicht meine Absicht mich hier über die Differenzpunkte 
der beiden gelehrten Archäologen eingehend zu äussern. Aber da 
in den Ausführungen Beider meine früheren u. späteren Untersu- 
chungen und Darlegungen der malerisch-technischen Verfahrungs- 
weisen der Alten mehrfach angefülirt werden, theils mit freundlicher 
Anerkennung, theils auch negierend, so möchte ich durch Still- 
schweigen nicht den Schein erwecken, als erkennte ich diese Ne- 
gierungen als zutreffend an. Vielmehr halte ich es für eine ernste 
Pflicht nicht zu schweigen, wenn ich für die Wissenschaft gewonnene 
Resultate, welche ich nach gewissenhaftester Prüfung unverändert 
für richtig halte, in Zweifel gestellt sehe. Andernfalls würde ich 
freudig Belehrung annehmen. 

Das Einlassen von bemalten oder nur mit Umrisszeichnungen 
versehenen Marmortafeln in eine so dicke Mörtel- oder Stuckbeklei- 
dung, wie die antiken Wände sie aufweisen, kann an und für 
sich nur als etwas durchaus Rationelles betrachtet werden, denn 
der Marmor bindet vorzüglich mit dem nassen Bewurf und die 
Berührung mit Letzterem ändert in keiner AV^eise weder die Beschaffen- 
heit des Marmors selbst noch der auf seiner Vorderseite aufge- 
tragenen Farben, seien es Temperafarben oder enkaustische ('). 

{}) Analog dem Einlassen von Marmortafeln in die Wandbekleidungen 
älterer, aus schadhaften oder abgebrochenen Mauern herausgesägter Fresko- 
gemälde, welches ich als ein bei den Alten in der That " übliches Verfahren » 
in zahlreichen Beispielen nachgewiesen habe, Die erhalt, ant. Wandmal. bei 
Heibig " Wandgemälde. Zufällig besitzt gerade die casa di M. Lucrezio 
zwei Beispiele dieser Art in den beiden 1,92 hohen Gemälden der Omphale 



UEHER DIE EINGESETZTEN HOL/TAKELN IN POMPEJI 131 

Für diese letzteren ist der Marmor ein ganz vorzüglicher Unter- 
grund, da das Wachs der gefärbten Wachspasten, welche man bei 
der Cestrum-M^lerei mit diesem Instrument in kaltem Zustande 
aufträgt, sich bei der Schlussbehandlung dieser Malweise, dem 
Einbrennen oder Einschmelzen des Gemalten, auf das Innigste 
mit der nicht polirten, sondern fein porösen Marmoroberfläche ver- 
bindet, indem es in deren Poren etwas eindringt. 

Ich verweise hier auf meine ausführlichen Darlegungen der 
verschiedenen Arten der enkaustischen Malerei ('), über welche Eo- 
bert a. a. o. S. 10 Anm. 24 sich in folgender Weise äussert: " Die 
Schwäche der Donner" sehen Theorie liegt darin, dass das ^yxca'nv 
so wenig zu seinem Rechte kommt. Er bezeichnet es selbst als 
eine Nebensache, nur bestimmt eine gleichmässige Oberfläche her- 
zustellen. Aber sollte eine Nebensache der ganzen Technik den 
Namen gegeben haben? » Hierauf habe ich zu bemerken: bei 
allen Gemälden ist wohl die Darstellung des Gewollten, das in 
die Erscheinungtreten desselben, die Hauptsache, Nebensache die 
technischen dazu verwendeten Mittel. Da aber in der sogenannten 
enkaustischen Malerei in grellem Contrast zu allen anderen Mal- 
weisen des Alterthums, der Leim- Tempera- und Freskomalerei, das 
Mittel starker Wärme, das Einbrennen, zur Anwendung kommt, 
so scheint mir schon darin hinreichende Berechtigung zu liegen 
dieser Technik danach den Namen zu geben, einerlei ob die Wärme 
nur am Ende der Arbeit zu Hülfe genommen wird oder schon 
während derselben. Dass letzteres aber bei der für Gemälde übli- 



(Helbig 1140) und dem Silen mit dem Dionysosknaben im Triclinium (Hei- 
big 379). Dies könnte die Vorrauthung bestärken, dass auch die eingesetzten 
Holztafeln im Tablinum Gemäldetafeln gewesen sein, wenn nicht so viele Be- 
denken dagegen sprächen. 

(}) 1868: "über die antiken Wandmalereien in technischer Beziehung » 
in Helbigs Wandgemälde der vom Vesuv verschütteten Städte Campaniens ; 
1885 : « lieber Technisches in der Malerei der Alten, insbesondere in deren 
Enkaustik n in den « Praktisch- und chemisch-technischen Mittheilungen " 
von A. Klein in München ; auch in Separatabdruck, im Verlag von Karl Scholze 
in Leipzig 1885: 1888 «die enkaustische Malerei der Alten» in der Beilage 
zu Münchener Allgemeinen Zeitung N. 180 vom 30. Juni 1888; auch abgedruckt 
in " eine Gallerie antiker Portraits " von Georg Ebers. München, Cotta'sche 
Buchhandlung 1888. 



132 O. DONNER TON RICHTER 

eben Art, der Malerei mit dem Cestrum, nicht geschah, ist so 
schlagend wie nur möglich von Pliniiis XXXV, 122 in den Worten 
ausgesprochen : ceris pingere ac picturam innrere, qais primus 
excogitaverit non constat; d. h. «mit Wachs zu malen u. das 
Gemälde einzubrennen, wer das zuerst ausgedacht haben mag, ist 
nicht ermittelt » . Man sollte meinen, das Aufeinanderfolgen zweier 
verschiedener Handlungen könnte kaum klarer ausgedrückt sein. 
Robert aber sagt in der Note weiter : « Dass das Auftragen der 
Farben dem Einbrennen vorausgegangen sein müsse, wird von Donner 
und Winter aus Plinius XXXV, 122 mit Unrecht gefolgert. 
Diese Worte können, wie mir Leo bestätigt, auch als eine blosse 
Umschreibung von eacausto pingere verstanden werden; Plinius 
beschreibt die Technik als die, deren Material Wachs und deren 
Verfahren das Einbrennen ist. Ein anderer hätte ceri!^ pingere et 
quidem picturam innrere gesagt. Dass hier, wo vom ttQSTrjq die 
Rede ist, ein Verfahren in seinen Stadien beschrieben sein soll, 
kommt mir sogar stilwidrig vor». Speziell zu letzter Bemerkung 
möchte ich gegenüber dem gelehrten Philologen doch in aller 
Bescheidenheit hervorbeben, dass zwar am Schluss des Satzes von 
dem bVQi:Ti]c. dem unbekannten Erfinder, die Rede ist, aber doch 
in erster Linie von den Prozeduren, die er erfunden 
und ausgeübt hat. Ich muss daher auch den Versuch der 
Verwischung der markigen Pliniusstelle in eine blosse Umschrei- 
bung von encausto pingere als keinen glücklichen bezeichnen. Wenn 
man analog unsrer Stelle z. B. sagen würde: Brodteig zu kneten 
und die Brode zu backen, wer das zuerst ausgedacht hat usw., so 
sind hier doch offenbar zwei aufeinanderfolgende Handlungen 
geschildert und der tvot-vi^c, der unbekannte Erfinder, der Bäcker, 
könnte sich dabei doch nicht über Mangel an genügender Be- 
rücksichtigung beklagen. 

In der citirten Note sagt Robert ferner: « Könnte nicht das 
pastenartige Wachs mit einem metallnen Spatel, den man vorher 
erhitzt hatte, aufgetragen und so eine festere Verbindung mit dem 
Grund erzielt worden sein? " Ich hege das Vertrauen, dass wenn 
Robert mir bei der Arbeit des Copirens einiger graeco-äegyptischer 
enkaustischer Portraits, ceris pingendo ac picturam inurendo, 
zugesehen hätte, so würde er obigen Passus nicht geschrieben 
haben; denn er würde gesehen haben, dass es doch eine ganz 



UEBKR DIE EINGESETZTEN HOI.ZTAFELN IN POMPEJI 133 

unerträgliche Zumuthung an einen Maler wäre, sich abzuquälen 
mit dem Erhitzen eines metallenen Spatels und sich an demselben 
die Finger zu verbrennen, oder darauf zu blasen bis er den rich- 
tigen Wärmegrad erreicht hat, wenn der Maler in aller Kühe 
und Bequemlichkeit mit seinem Cestrum aus Holz oder Bein, 
allenfalls auch aus Metall, und mit seinen kalten ductilen Wachs- 
farben aus punischem Wachs mit einem geringen Zusatz balsa- 
mischen Harzes und einem Minimum von Olivenöl seine Gemälde 
ausführen kann? (') Wozu sollte er diese schon weiche Masse mit 
einem erhitzten Spatel berühren? Sie würde ihm zerfliessen und 
seine Arbeit zerstört werden, gerade wie dies geschehen kann, 
wenn man bei dem Einbrennen den Metallstab zu stark erhitzt. 
Das Einbrennen zum Schluss ist aber eine Noth wen- 
digkeit: das Cestrum muss nämlich mit seinen gezahnten 
Rändern bald in dieser, bald in jener Richtung geführt werden, 
theils um zu starke Farbenanhäufungen wegzunehmen, theils um 
die Farbentöne ineinander zu ziehen, und hierdurch entsteht ein 
störender in verschiedenen Richtungen laufender Glanz, der erst 
durch das Einbrennen, das wie ein Firniss wirkt, beseitigt wird, 
das aber als noch wichtigere Wirkung die Eindrücke der gebrauchten 
Gestern an ihren Rändern schmilzt, dadurch die Furchungen aus- 
füllt und der ganzen Bildobei-fläche ein weiches, angenehmes und 
einheitliches Aussehen gibt. 

Meine Auffassung und Uebersetzung der Pliniusstelle XXXV 
149: encausto pingendi duo fuere antiquitus genera, cera — et 
in ebore — ceüro, id est verriculo ; doiiec classis pingi coepere 
hoc tertium accessü resolutis igni ceris penicülo utendo etc. 
theilt Robert a. a. 0. S. 10 mit und führt S. 11 seine abweichenden 
Ansichten aus, durch welche er mich zwingt ihm Satz für Satz zu 
folgen. Er beginnt: « In der Sache wird Donner Recht haben, in 
der Interpretation jener Pliniusstelle hat er es sicher nicht. Wie die 
Worte überliefert sind, muss jeder Philologe die ersten der beiden 
angekündigten Classen in cera suchen, wie dies von den älteren In- 
terpreten Caylus, Letronne, Hirt und Welcker, von den Neueren 



(') Ich bewahre diese Copien und die Instrumente, mit welchen sie 
gearbeitet sind, nebst einigen Originalstücken noch bei mir, und jeder Inte- 
ressent ist freundlichst eingeladen, sie bei mir anzusehen. 



134 O. DONNER VON RICHTER 

Henry und Berger mit vollem Recht thim und Donner hätte in diesem 
Punkt nicht wiedersprechen dürfen ». Aber warum hätte ich das 
nicht thun dürfen, wenn ich durch das Studium des Plinius, Vitruv 
und andrer antiker Autoren, und dm-ch meine damit verbundenen 
praktischen Versuche und sodann später nach Auffindung der graeco- 
aegyptischen Portraits und meiner Untersuchi:ngeu derselben zu der 
festen Ueberzeugung gekommen war, dass die Genannten auf durch- 
aus falschem Wege waren ? Ausserdem war ich nicht so unvorsichtig, 
meine Interpretation der Stelle vor ihrer Veröffentlichung nicht auch 
von namhaften Philologen prüfen zu lassen, welche sie nach meiner 
Auseinandersetzung der ihnen zuvor ganz unverständlichen enkau- 
stischen Technik nicht nur als durchaus zulässig bezeichneten, 
sondern auch hervorhoben, dass nur ein Techniker diese Erklärung 
finden konnte, nicht aber der Philologe. Nach Auffindung der grae- 
co-ägyptischen Portraits sagte mir Georg Ebers : « Ich hatte die Pli- 
niusstelle, bevor ich Ihre Schriften las, auch nicht so aufgefasst, 
aber die Thatsachen geben jetzt Ihrer Erklärung Recht ». 

Weiter sagt Robert : « Auch die ausserordentlich harte Verbin- 
dung der instrumentalen Dative cera cestro pingere spricht gegen 
Donner, vor allem aber der auch von Henry bereits richtig beob- 
achtete Sprachgebrauch, der für den Begriff « Wachsfarben « durch- 
aus den Plural cerae verlangt, vgl. d. 0. resolutis igiii ceris ; 
XXXV 49 cerae tiiiguiitiir iisdem las coloribus; 122 ceris pin- 
gere «. Hier gebe ich unbedingt zu, dass « cera cestro pingere 
in der That sehr hart klingt; desshalb aber gebraucht auch Pli- 
nius diesen Ausdruck gar nicht in dieser Weise, sondern die Stelle 
lautet bei ihm : cera — et in ebore — cestro^ id est verriculo, 
wobei die Härte durch das parenthetisch gebrauchte et in ebore 
wesentlich gemildert ist. Aber wie sollte selbst eine Härte im Aus- 
druck einen wohl bedachten Sinn aufheben, zweitens wie könnte sie 
gegen meine Erklärung dieses Sinnes sprechen ? Als ganz hinfällig 
aber muss ich die Autfassung Roberts von dem sprachlichen Ge- 
brauche der Formen cera und cerae bezeichnen, finde ich auch 
nicht einmal seine Berufung auf Henry zutreffend. Letzterer sagt 
vorsichtiger als er (^): « qiiaad te singiUier " cera " est em- 
ploye, iL semble ne designer qu'ime simple couche de 

(1) Gros und Henry: Vencaustique S. 8 



UEBER DIE EINGESETZTEN HOLZTAFELN IN POMPEJI 135 

cire incolore ou d'iüie seide couleur, amMquee sur uii subjec- 
tüe quelconque ". Henry spricht also nur eine Vermuthung aus 
keine Behauptung. Aber auch diese Vermuthung stimmt nicht 
mit den Texten. Sie ist ungerechtfertigt und willkührlich, nament- 
lich in Bezug auf die « simple couche de cire incolore »; denn 
wie wäre es denkbar, in der fraglichen Stelle, die von den drei 
Arten der enkaustischen Malerei, also selbstverständlich auch von 
den znr Malerei unumgänglich nöthigen Farben und den dazu ge- 
bräuchlichen Instrumenten, d. h. Gestern und Pinsel, handelt, 
unter « cera » eine einfache Lage weissen Wachses oder gar nur 
eine Austreicherei mit einer einzigen Farbe verstehen zu wollen? 
Der Gebrauch des Singulars « cera " oder des Plurals co^ae bei 
Plinius, bei welcher letzteren Form allerdings nur eine Anzahl 
verschieden gefärbter oder nicht gefärbter Wachspräparate gemeint 
sein können, während durch den Singular einfach das Wachs 
als Ingredienz, als Träger der Farben, bezeichnet wird, 
entspricht genau der in unsrer Sprache gebräuchlichen Ausdrucks, 
weise: ein Bild mit (in) Oel oder mit (in) Oelfarben ma- 
len. In gleichem Sinne kann man bei dem Gebrauch von cera 
oder cerae übersetzen: mit Wachs oder mit Wachs färben 
malen, und in gleichen Sinne bedienen sich auch Plinius und 
Vitruv mit aller Freiheit bald dieser, bald jener Ausdrucksweise. 
Dies zeigt sich klar gerade bei jenem von üobert zu seinem Zwecke 
nicht zweckentsprechend angeführten Satz : cerae tinguntur üsdem 
his coloribus etc. ; denn hier kann man doch unmöglich übersetzen : 
die Wachsfarben werden gefärbt mit jenen Farben etc. und 
bei Plinius eine solche Geschmacklosigkeit des Ausdruckes voraus- 
setzen ; er will vielmehr sagen: die Wachspräparate (kurz ge- 
sagt: das Wachs) werden mit jenen Farben gefärbt etc. hier ist 
also gerade der Plural in dem Sinne gebraucht, den Robert ihm 
abspricht. Anderseits wird wiederum entgegen Roberts Auffassung 
der Singular direct als « Wachsfarbe " von Vitruv gebraucht 
Lib. VI, c. II, 29; triglyphi. . . . cera caerulea depinxerunt; hier 
kann man doch sicherlich nicht übersetzen : man bemalte die Tri- 
glyphen mit blauem Wachs, denn es gibt wohl gelbes, unge- 
bleichtes und weisses gebleichtes, aber es gibt kein blaues Wachs, 
und man muss also übersetzen : man bemalte die Triglyphen mit 
blauer Wachsfarbe! Wenn mir aber Robert S. 11 weiter unten 



136 O. DONNER VON RICHTER 

vorwirft, ich hätte i^ dem Singular » cera « die unmögliche Be- 
deutung " Wachsfarben « unterschieben wollen ", so weiss ich 
wahrlich nicht, wo ich mir das hätte zu Schulden kommen lassen. 
Doch wie dem auch sei, glaube ich meine Anschauungen über die- 
sen Punkt in Vorstehendem genügend deutlich ausgesprochen zu 
haben. 

Ich kehre wieder zu dem Punkte zurück, an welchen ich Ro- 
berts Ausführungen verliess. Er fährt fort: « Allerdings ist die 
von Donner hier supponirte Brachylogie, zufolge deren von zwei 
Gliedern das eine als selbstverständlich übergangen und nur das 
zweite als das seltnere angeführt wird, dem Stile des Plinius kei- 
neswegs fremd, ünsrer Stelle am ähnlichsten würde XXIX, 60 sein: 
mustelarum dm genera alterum silvestre. Aber um diese Figur 
herzustellen, rausste nothwendig cera, das bei solcher Auffassung 
völlig entbehrlich ist und sehr wohl Glossem zu encausto jnn- 
gendi sein kann, getilgt werden : also encausto pingeadi duo fuere 
antiquitus genera, et in ebore cestro, id est verriculo, donec 
classes pingi coepere. So erhält der Satz zwar ein durchaus Pli- 
nianischen Gepräge, aber zu Donners Theorie stimmt er nur noch 
theilweise: denn nun muss man durchaus cestro eng mit ehore 
verbinden und für die erste, nicht ausdrücklich genannte Malweise. 
die auf Holz, ein andres Instrument als das Cestrum postuliren. 
Donners Auffassung lässt sich nur dann in ihrem ganzen Umfang 
halten, wenn man mit Henry unter cera den Wachsgrund versteht. 
Im Grunde haben das schon Caylus und Hirt gethan, mit deren 
Ansicht sich Donner (die erhaltenen antiken Wandmalereien A. 38) 
unter Berufung auf Letronne {lettres d'uii antiquaire 381) und 
Welcker (kl. Sehr. III 414) gar zu leicht abfindet. Allerdings scheint 
sich für die Stellung der Präposition vor dem zweiten Gliede bei 
Plinius kein Beispiel zu finden, aber bei dem Zustand unseres Pli- 
niustextes ist es wahrlich keine Hexerei, vielmehr durchaus erlaubt, 
vor cera ein in einzuschieben ". 

Hierauf kann ich in Kiü"ze entgegnen : Für die von Robert 
versuchte Nachahmung einer vermeintlichen Musterfigur aus einer 
ganz andern Materie scheint mir weder Nothwendigkeit noch Be- 
rechtigung vorzuliegen, denn warum sollte Plinius bei den verschie- 
denartigsten Dingen seine Ausdruckweise immer über denselben 
Leisten schlagen? Auf welche bedenkliche AVege man mit einem 



UFBER DIE EINGESETZTEN HOLZTAFELN IN POMPEJI 137 

solchen Verfahren geräth, zeigen Roberts hier oben wiedergegebe- 
neu Ausführungen, die ihn schliesslich dahin briogen, nach eige- 
nem Ermessen in den Originaltext vor cera ein in hinein zu cor- 
rigiren und sich zu dem Vertreter der unhaltbarsten der unhaltbaren 
Anschauungen zu machen, die über die Technik der Enkaustik ins 
Leben gesetzt worden sind, nämlich die Anschauung von der An- 
Aveudung eines vorausgesetzten Wachsgrundes oder einer vorausge- 
setzten Wachstafel, denn er fährt fort: 

" Jedenfalls ist es methodischer ( — nämlich die Textumän- 
derung — ) als dem Singular die unmögliche Bedeutung « Wachs- 
farben » unterschieben zu wollen ('). Nur möchte ich unter cera 
nicht mit den beiden französischen Forschern jede beliebige Unter- 
lage mit Wachsüberzug, sondern nach einem Vorschlag von Wis- 
sowa lediglich die Wachstafel verstehen. Ich habe diese Auffassunsr 
der Stelle bereits oben durch die Interpunktion angedeutet: « auf 
die Wachstafel und auf Elfenbein, in beiden Fällen mit dem Ce- 
strum. Die einzige Moditlcation, die sich Donners Resultate ge- 
fallen lassen müssen, besteht also darin, dass im ersten Falle 
nicht auf die blosse, sondern auf die mit Wachs grundirte Tafel 
gemalt wurde. Uebrigens spricht Donner in seiner ersten Abhand- 
lung von " grundirten oder nicht grundirten ^ Holztafeln ohne 
sich allerdings über die Art der Grundirung näher zu äussern. 
Dieser Wachsüberzug hatte bei der enkaustischen Malerei den- 
selben Zweck wie bei der Temperamalerei das Leukoma, bei den 
Lekythen der Pfeifenthon, nämlich den in der älteren Periode der 
griechischen Malerei durchaus obligatorischen hellen Grund her- 
zustellen. Bei der Malerei auf Elfenbein bot das Material selbst 
diesen hellen Grund ; es war also überflüssig, erst noch mit Wachs 
zu grundiren; vielmehr wurde die Farbe mit dem Spatel direct 
auf das Elfenbein aufcfetragen ". 

Bei diesen Ausführungen muss ich vor Allem dankend den 
freundlichen Willen Roberts anerkennen, die Resultate meiner 
Untersuchungen gelten zu lassen, jedoch unter der Annahme eini- 
ger Modiflcationen derselben. Aber ich bedaure, die Bedingungen, 
unter welchen dies geschieht, ehrlicher Weise nicht annehmen zu 
können. Denn, wie ich weiter oben schon bemerkt habe, ist die 

(1) Hierüber vgl. meine vorstehenden Ausführungen. S. 133 ff. 

10 



138 O. DONNER VON RICHTER 

Annahme einer mit Wachs grundirten Holztafel als Unterlage für 
die erste Art der enkaustischen Malerei durchaus unhaltbar, denn 
liiefür liegen die unumstösslichsten Beweise in der Thatsache vor, 
dass ich unter der grossen Anzahl der graeco-ägyptischen enkaus- 
tischen Portraits, die ich 1888 in der Grafscheu Sammlung zu 
untersuchen die Gelegenheit hatte, und unter diesen namentlich an 
Bruchstücken mit starken Abblätterungen der Farbenlage, von 
welchen einige noch in meinem Besitz sind, mit untrüglicher Si- 
cherheit feststellen konnte, dass kein einziges auf eine 
solche mit Wachs grundirte Holztafel gemalt war. 
Alle waren auf das nackte, meist sehr dunkle Holz ohne jegliche 
Wachsgrundirung gemalt, nur bei einem einzigen der Bruchstücke 
fand sich ein ganz dünner Harzüberzug vor, der sehr nachtheilig 
gewirkt zu haben scheint, denn hier waren die Abblätterungen 
am stärksten, die Verbindung der Farben mit dem Holz also am 
mangelhaftesten. 

Das nicht nur überflüssige sondern direct hinderliche einer 
Wachsgrundirung hatte ich schon 1868 bei meinem ersten prakti- 
schen Versuchen erkannt. Und zwar dadurch, dass wenn ich mit 
harter Wachsfarbe und heissem Metalicestrum, — anknüpfend an 
die alten Anschauungen von Caylus, Hirt und Raoul-Rochette, — 
arbeitete, diese weisse Wachs-Grundirung sich mit der Farbe zu- 
gleich erweichte und nachgab, sich mit der Farbe vermischte und 
den Ton verdarb, wobei ausserdem widerwärtige Höhen und Tiefen 
entstanden. Bei dem Arbeiten mit kalten, ductilen Wachspasten 
aber (^litten dieselben unter dem Druck des nicht erwärmten Ce- 
strums aus und bei nur etwas zu heissem Einbrennen, wie schon 
erwähnt, vermischte sich die Grundirung wieder in nachtheiliger 
Weise mit der Farbe. Im Gegentheil aber zeigte es sich bei letz- 
teren Versuchen in vorteilhafter Weise, dass sich die auf das 
natürliche nackte Holz aufgetragene Wachsfarbe in die Poren 
desselben einsaugt, auf das Festeste an ihm heftet ; auch ist die 
Malerei durch die geringere Dicke des auf das Holz gebrachten 
Gesammtwachskörpers nach dem Erhärten weit weniger dem Ab- 
blättern ausgesetzt als wenn dieser Wachskorper durch eine weisse 
Wachslage verdickt wird. Wenn ich 1868 in « die erhaltenen an- 
tiken Wandmalereien S. 13 « für die erste Art der enkaustischen 
Malerei von « grundirten oder nicht grundirten Holztafeln " sprach, 



UEBER DIE EINGESETZTEN HOLZTAKELN IN POMPEJI 139 

SO war damit die für alle Gemälde-Holztafeln bei der Temperama- 
lerei schon im Alf^ertlium übliche, dünne Grundirung mit Kreide 
und Leim, die « cretula " gemeint, die auch vortheilhaft für die 
enkaustische Malerei bei Holztafeln sein kann, um die etwaigen 
Unebenheiten auszugleichen oder um faserige Theilchen zu fixiren. 
Bei einer gut bearbeiteten Holztafel ist sie aber überflüssig, um 
so melir, als die Wachsfarben weit pastoser und somit deckender 
sind als die Temperafarben, desshalb auch eines weissen Unter- 
grundes nicht bedürfen ('). 

Fällt aber die von Robert angenommene weisse Wachsgrun- 
dirung, — und sie kann gegenüber ihrem Nichtvorhandensein bei 
den graeco-ägyptischen Originalen nicht aufrecht erhalten werden 
— so fällt auch die von Robert weit ihr verbundene Annahme, 
dass durch sie der Zweck hätte erreicht werden sollen, einen hellen 
Grund auf der Tafel herzustellen «■ wie bei der Temperamalerei 
das Leukoma, bei den Lekythen der Pfeifenthon », und wie bei 
dem Elfenbein seine Naturfarbe ihn bietet. Ferner fällt damit 
absolut die Zulässigkeit des Einschiebens des « in » von « cera « 
und hierdurch der Gegensatz, den sich Robert zwischen der ersten 
Art auf Holz und der zweiten Art auf Elfenbein dadurch construirt 
hat, dass er annimmt, das Unterlagsmaterial bei der ersten Art 
bedürfe einer Wachsgrundirung, bei der zweiten aber nicht. 

Im Zusammenhang hiermit muss ich auch den von Robert 
S. 13 als Schlussfolgerung seiner von mir citirten Ausführungen 
so positiv ausgesprochenen Satz über "jenes von Plinius 
bezeugte Aufsetzen der Wachsfarben auf den Wachsüberzug der 
Holztafel " nur als eigene Combination Roberts betrachten ; in dem 

{}) Wegen dieser pastosen Beschaffenheit der Wachsfarben bedurften 
auch Terracotten oder Marmorbautheile, wenn sie mit Ornamenten in platten 
Tönen vermittelst heissflüssiger Wachsfarbe und dem Pinsel verziert wurden 
einer solchen Wachsgrundirung nicht; und ebenso wenig bedurfte man der- 
selben, wenn man Marmor- oder Terracottatafeln mit Werken höherer Kunst 
vermittelst kalter Wachspasten und dem Cestrum bemalen wollte. Materialien 
die durch ihre Schwere unbequemer zu behandeln sind, als Holz und Elfenbein, 
desshalb auch gewiss nur für besondere Zwecke benutzt wurden, aus welchem 
Grunde für Plinius auch keine Veranlassung vorlag, sie in seiner knappen 
Angabe über enkaustische Malerei besonders mit anzuführen, so wenig wie 
Kupferplatten oder aus altem Mauerbewurf ausgeschnittene Platten, die zu 
gleichem Zwecke dienen konnten. 



140 O. DONNER VON RICHTER 

Originaltext ist dies keineswegs bezeugt, noch lässt es sich, wie 
ich versucht habe nachzuweisen, in denselben hineindeuten. 

In vorstehenden Ausführungen habe ich. wie ich glaube, alles 
für die Klarstellung meiner Auslegung der Pliniusstelle XXXV, 
149 Nötige in Bezug auf Roberts Einwendungen berührt und kann 
darauf verzichten, auf die von ihm a. a. 0. S. 12, Anm, 32 vor- 
geschlagenen EinSchiebungen in die berühmte Stelle näher ein- 
zugehen ('). Aber den Wunsch möchte ich aussprechen, dass man 
sie in ihrem Originaltext belasse und sich allseitig bemühen möge, 
sie unverändert nur aus sich selbst heraus verstehen zu lernen. 

Otto Donner von Richter. 



(1) Die bei diesen Veranlassungen von Robert herangezoffenen Anschau- 
ungen der Herrn Gros und Henry habe ich schon ausfülirlich besprochen in : 
" Ueber Technisches in der Malerei der Alten, insbesondere in deren En- 
kaustik " ; jene von Berger in den « prakt. und chem.-technischen Mitth. " 
Jahrgang 1893, N. 171. 



DAS ANGEBLICHE TEMPLUM MATIDIAE 
BEI PIAZZA CAPRANICA 



Die folgenden Bemerkungen beruhen auf örtlichen Nachfor- 
schungen, die ich vor nunmehr vierzehn Jahren zusammen mit dem 
verstorbenen F. 0. Schulze angestellt habe, und sind, in allem We- 
sentlichen, schon damals zu Papier gebracht. Sie zu veröffentlichen 
hat mich bisher das negative Resultat unserer Untersuchung ab- 
gehalten; ich hätte gewünscht, nicht nur das von Lanciani auf 
Grund unsicherer Materialien errichtete Phantasiegebäude des ' Tem- 
plum Matidiae ' von der archäologischen Karte Roms zu tilgen, 
sondern auch an seine Stelle etwas positives setzen zu können ; wo- 
für jedoch weder unsere damaligen Lokaluntersuchungen, noch spä- 
tere Durcharbeitung alter Handzeichnungen und Fundberichte ge- 
nügenden Anhalt geboten haben. Wenn ich mich nunmehr doch 
zur Veröffentlichung entschliesse, so geschieht es hauptsächlich 
desshalb, damit nicht jene Avillkürliche Construction zum Funda- 
ment weiterer unerspriesslicher Hypothesen genommen werde. 

In seinem Aufsatze: La basüica Matidies et Ma?xianes clei 
cataloghi {bull, comun. 1883 p. 5-16) hat Lanciani zu beweisen 
versucht, dass die früheren Topographen geirrt hätten, indem sie 
zwischen Pantheon und templiim divi Antonini zwei Basiliken 
annahmen, deren eine der Namen der Matidia, die andere den der 
Marciana trug. Vielmehr sei beiden Kaiserinnen nur ein einziger 
Bau, in Form eines Peripteraltempels und desshalb auch ein- 
fach Templum Matidiae genannt, geweiht gewesen. Bei einer 
Ausgrabung auf, resp. neben Piazza Capranica um 1520 sei dieser 
Tempel so vollständig zu Tage gekommen, dass A. da Sangallo 
einen Plan von ihm habe entwerfen können, demzufolge er von W. 
nach 0. orientirt gewesen sei, und sechs Säulen in der Front, 
zehn an den Seiten gehabt habe. Die grossen noch heute existie- 



142 CH. HUK.LSEN 

renden Säulen aus Cipollino im Vicolo della Spada dOiiando (zwi- 
schen Via dei Pastiui und Piazza Capranica) schreibt Lanciani 
der Südseite des Tempels zu, während sich die Nordseite desselben 
imgefähr bis Piazza Capranica erstreckt habe. 

Das geschickt geführte Plaidoyer, welches antike Texte und In- 
schriften, Ausgrabungsberichte und Handzeichnungen der Renais- 
sance mit gleicher Sicherheit ins Feld führt, hat zunächst etwas be- 
stechendes: und der stattliche, auf Tf. I. II des bull, comimale 1883 
wie auf Blatt 15 der Foivna Urbis Romae gezeichnete Tempel sieht 
so vertrauenerweckend aus, dass man sich ungern entschliesst, an 
seine Stelle wieder ein grosses Fragezeichen zu setzen. Aber zu 
diesem Resultate führt uns leider eine gründliche Nachprüfung der 
Lancianisehen Argumente. 

Beginnen wir mit dem einfachsten, der Untersuchung der exi- 
stierenden Reste. Trattandosi di mia questione assoliUamente pra- 
tica e materlale, sagt Lanciani p. 7, si dovrebbe credere ad wi 
pleno e compleio accordo dei topografi sul itumero e sulla qua- 
litä delle colonne. Invece « tot capita, tot sententiae » ; ü che signi- 
ßca che tutti hamio scritto dei monumento in casa loro, senza 
darsi l' iacomodo di scendere nei sotterranei dell' ospizio degli 
orfani e delle case vicine. lo ho eseguito tiitte le indagini p)os- 
sibili, ma conpoeo frutto, perche molti avanzi dei colonnato visi- 
bili nel secolo passato o nella prima metä dei presente, ora piü 

non lo sono Nach dieser Abkanzelung der Vorgänger — unter 

ihnen sind Pirauesi, Venuti, Nibby, Faustino Corsi, Urlichs — wird 
der Leser die auf Tf. I. II. gezeichneten Säulenspuren als Ergebniss 
gewissenhaftester Nachforschungen gläubig hinnehmen, und der An- 
sicht sein, dass Lanciani drei CipoUinsäulen in den Kellern der 
casa degli orfani, eine in der Aussenwaiid desselben Hauses nach 
dem Vicolo della Spada d' Orlando, und zwei weitere in dem Hause 
Piazza Capranica 76 verbaut gefunden habe ('). — Einen Stoss 
wird sein Vertrauen schon erleiden, wenn er einmal bei einem Gange 
durch jenen Vicolo die einzige über Tage sichtbare Säule ins Auge 
fasst: schon das Augenmass zeigt (was Nachmessungen bestätigen), 

C) So nach dem Plan im Bullettino; auf Bl. 15 der Forma Urbis Romae 
ist die Zeichnung auch insofern weniger correct, als die vierte Säule aus 
der Front der casa degli orfani gar in die Mitte des Vicolo gerückt erscheint. 



DAS ANGEBLICHE TE.MI'I.IIM MATIDIAE 143 

dass dieselbe nahezu iu der Mitte der Gasse, nicht, wie auf L.'s 
Tafeln angegeben ist, nahe dem südlichen Ende derselben steht ('). 
Und noch mehr wird frappirt sein, wer sich die Mühe, giebt in die 
Keller der casa degli orfani hinabzusteigen. Von den drei Cipollin- 
säulen, welche L. dort angiebt findet sich nämlich nicht die ge- 
ringste Spur; die dort eingemauerten Schäfte sind sämtlich von 
Granit, und gehören nach Stellung und Höhenlage vielmehr einem 
mittelalterlichen Bau an. Von erheblich kleinerem Durchmesser als 
die CipoUinsäulen, sind sie doch viel weiter hinauf erhalten (drei 
sind noch im Refectorium des Waisenhauses im ersten Stock sicht- 
bar) : sie stehen nicht auf dem Boden des antiken Roms. Die am 
besten erhaltene, westlichste, lehnt sich ferner (vgl. die Planskizze 
am Schlüsse dieses Aufsatzes) unmittelbar an die CipoUinsäule im 
Vicolo an. Diese Granitsäulen also sind bei Erörterung des antiken 
Gebäudes auszuscheiden. 

CipoUinsäulen östlich vom Vicolo della Spada, in den Kellern 
der casa degli orfani, existiren weder jetzt, noch sind sie in den 
drei letzten Jahrhunderten beobachtet worden. Dagegen dehnt sich, 
wie existierende Reste und namentlich ältere Zeugnisse beweisen, 
die Säulenreihe westlich vom Vicolo erheblich weiter aus als Lan- 
ciani annimmt. Uns selbst gelang es zwar nur Spuren zweier Säulen 
— in dem Eckhause des Vicolo, Piazza Capranica 76 — zu consta- 
tiren : dieselben hat, wenn auch nicht in ganz richtiger Stellung, 
Lanciani ; ferner sind sie erwähnt von Reber, Urlichs, Faustino Corsi, 
Nibby, Gerhard. Sicher zu lokalisiren sind ferner zwei im vorigen 
Jahrhundert im Hofe des anstossenden Palazzo della Confraternilä 
del Bosario existirende Säulen, die von Piranesi genannt, von G. B. 

(1) Die Entfernung vom südliche Ende des Vicolo beträgt nach Lanciani 
nur 8 resp. 10 m., in Wahrheit 16; die Länge der Gasse 36. Die ganze Säu- 
lenreihe steht also auf L.'s Plänen er. 6 ni. zu weit südlich. — Die Säule war 
bis zu dem er. 1824 erfolgten Neubau der casa degli orfani von aussen ganz 
sichtbar. Piranesi {Antichitä Romane tom. I p. 10 n. 77; der " cod. Vat. 8091, 
scritto da un scolaro o da im ammiratore del Piranesi « den Lanciani S. 8 
citirt, ist nichts als eine wertlose Abschrift des gedruckten Textes zum Band I 
der Antichitä!) sagt: Questa colonna opparteneva alVantica fontana delVAc- 
qua Vergine e perciö si vede V incavo per un tubo perpendicolare che eiacu- 
lava Vacqua. Dagegen meint F. A. Visconti zu Venuti [Roma antica, 2* ed. 
p. II c. III p. 112) u sembra il lavoro di questa colonna un ornamento piut- 
tosto che im canale cVacqua, giacchc va a poco a poco diminuendo r>. 



144 CH. HUEISEN 

Nolli auf seinem Plane Roms (den Lanciani nicht benutzt hat) 
einofezeichnet sind. Nicht oranz so sicher sind die andern Säulen, 
welche Piranesi und andere ältere Topographen in weniger klarer 
Weise erwähnen: es scheint, dass eine derselben noch im Hause 
Piazza Capranica 76. zwei im Palazzo della Confraternitä del Ro- 
sario gesehen worden sind ('). 

Wahrscheinlich standen die zwei von Piranesi ausser der Reihe 
gesehenen Säulen südwärts, nach Via dei Pastini zu (-). Leider 

(1) F. Reber, Euinen Roms^ 262 (nach Erwähnung der OipoUinsäule im 
Yicolo) : zwei andere gleicher Art, doch noch höher erhalten, findet man in 
dem Hause No. 76 (Piazza Capranica^ welche zeigen, dass die Säulenreihe von 
Ost nach West lief. Ihr Durchmesser beträgt 1,70 m., ihr Abstand 4,50 m. 
— Faustino Corsi, delle pietre antiche (Rom 1848) p. 320: Piazza Capranica 
n. 76. Nella bottega, tre colonne di cipollino . . . (p. 321). Vicolo della 
Spada d' Orlando, suUa strada due colonne di cipollino in gran parte inter- 
rate. — L. Urlichs Beschreibung Roms III, 3 S. 145: im Hause n.° 76 auf 
Piazza Capranica .... sind noch zwei andere Säulen, und zwar in bedeutender 
Höhe, erhalten. Die eine mag etwa 18 Fuss hoch sein, so weit sie noch vorhan- 
den ist. Die beiden sind etwa 6 Schritte von einander entfernt, während die 
« Spada d' Orlando " [so nennt Urlichs irriger Weise die CipoUinsäule an der 
Ostseite des Vicolo] weiter davon absteht, so dass offenbar dazwischen eine 
Säule verschwunden sein muss. — Nibby R. A. 2, 843: ahbassandosi il livello 
del vicolo detto della Spada d' Orlando Vanno 1824... venne alla luce un 
rocchio gründe di colonna di cipollino, o marrno caristio, di circa sei piedi 

di diametro questo e parte di un portico sontuoso che si mostra tanto 

sotto la casa degli orfanelli, verso Oriente, quanto neue case verso occide7ite, 
dove nella casa del saponaro [dies ist Piazza Capranica 76] se ne trovano 
tre .... — Gerhard, Kunstblatt 1825 S. 502 = Hyperboreisch-römische Stu- 
dien S. 140 : von dem (Porticus Argonautarum) wurde im Vicolo degli Orfa- 
nelli vor zwei Jahren ein Säulenstück von Cipollino gefunden, den beiden am 
Hause eines Seifensieders bei Spada di Orlando noch vorhandenen ähnlich. — 
Piranesi Ant. rom. I p. 77 : Otto colonne di vasta mole, le qiiali si dimostrano 
nella tav. XIV di questo tomo alla fig. I. S^tte di esse sono di cipollino e 
della stessa grossezza di quelle del pronao del Pantheon. Queste s' internano 
per melä parte ne' muri del cortüetto del palazzo spettante alla confraternitä 
del Rosario, incontro il teatro Capranica, e parte neue case circonvicine e 
specialmente ndla bottega del saponajo. Esse appartenevano al tempio di 
Giuturna. Vottava poi e di granito u. s. w., s. o. S. 143 Anm. 

(2) So scheint es sowohl nach dem Plan in den Antichitä a. a. 0., wie 
nach der Perspective ebd. Tf. 14 fig. I. Dazu stimmt dass er in der grossen 
Construction des Campus Martins [il C. M. Tf. V) das ' Templum Juturnae ' 
so legt, dass die nördliche Langseite südlich der Axe des Tempels von Piazza 
di Pietra fällt. Die Perspective Campo Marzo Tf. 34 ist weniger deutlich, 
aber auch nicht widersprechend. 



DAS ANGEBMCHE TEMPLUM MATIDIAE 145 

sind aber seine Angaben nicht genau genug, um die Säulen in 
den modernen Stadtplan einzutragen. Nur soviel ist klar, dass 
die Reste der Cipollin-Porticus ganz anders liegen und lagen, als 
Lancianis Plan vermuten lässt. 

Wir gehen über zur Nachprüfung der alten Handzeichnungen. 
Lanciani zieht zwei Blätter aus den üffizien in Florenz heran, 633 
(so, nicht 632) von B. Peruzzi, welches einen eleganten Basisablauf 
mit der Beischrift ' fu reperta in Piazza Capranica in Roma 
e disfatta, era di marmo ' darstellt, und n. 1154 von Antonio 
da Sangallo. Die Zugehörigkeit des Peruzzischen Blattes, auf wel- 
ches L. auch nicht weiter eingeht, zum übrigen muss gänzlich 
dahingestellt bleiben : den Hauptwert legt L. auf das Sangallo-Blatt 
1154. Dasselbe enthält auf der Vorderseite die grenaue Aufmessuno- 
von — so scheint es auf den ersten Blick — zwei oder soo^ar vier 
Säulen des Tempels (') und den zugehörigen Intercolumnien, ferner 
die Umrisszeichnung eines korinthischen Kapitells ; auf der Rückseite 
einen vollständigen Grundriss des Tempels. Unter Voraussetzung 
dass das auf der Vorderseite gezeichnete Intercolumnium am nörd- 
lichen Ende des Vicolo della Spada, wo derselbe in die Piazza Ca- 
pranica mündet, ausgegraben sei, reconstruirt Lanciani danach den 
Plan des gesamten Gebäudes. 

Hier ist zunächst eine Ungenauigkeit Lancianis zu berichtigen : 
der Tempel hat auf Sangallos Zeichnung nicht zehn, sondern 
elf Säulen in der Seitenfront. Die letzte Reihe ist allerdings beim 
Beschneiden des Blattes stark beschädigt, aber doch noch erkennbar ; 
ferner hat Sangallo durch das sechste Säulenpaar die Queraxe des 
Tempels gezogen ; und endlich findet sich derselbe Grundriss mit 
elf Säulen sauber ins Reine gezeichnet aber ohne Ortsangabe, 
auf dem Blatte üffizien n. 1305. Auf diesem sind auch einige 
Masse mehr beigeschrieben, als auf Blatt 1154, und zwar sämt- 
lich zwischen den Säulen der Vorhalle ; nämlich : 

1154: O O 2| O 3 Op. 15.4|0 O 



p. 6.257 



1.S05: O p. 14.27 O O p. 19.16 O p. 14.27 O O 



Eustilo Diastilo 



2- 2- •=! 



(^) Beigeschrieben sind dem Kapitell die Höhe : p. 7-21 si e minuti 441 ; 
die Höhe der Deckplatte {minuti) 51, sowie der untere Durchmesser: 390 si 
e p. 6 mi)iuti 30. 



146 CH. HUELSEN 

Man wird es zunächst widersprechend finden, dass Lanciani 
einmal den Grundriss für ernst nimmt, und dann die zwei von 
Sangallo genau gemessenen Säulen nicht der Vorhalle, sondern der 
nördlichen Seite zuschreibt. Aber wir brauchen uns mit der Erör- 
terung dieser willkürlichen Aenderung nicht aufzuhalten, es lässt 




:f -^ -^'7i 




"jn pitf-z* i^^o^'^^J-^ 



Ew/^•.li 2-1,0 3 Ql\ O 
Fig. 1. 

sich zeigen, dass die Masse jener Säulen und Intercolumnien gar 
nicht direct genommen, sondern nur durch Rechnung erschlos- 
sen sind. 

Der grösste Teil der Vorderseite des Blattes 1154, namentlich 
die Umrisse des korinthischen Kapitells, Durchmesser einer Säule und 
Schema eines Intercolumniums (s. Fig. 1), stammen gar nicht von 
A. von Sangallo d. J., sondern von der Hand Antonio des Aelteren. 
Sehr befremdend ist nun die Art, wie dies Intercolumnium gemessen 



DAS ANGEBLICHE TEMI'LUM MATIDIAE 



147 



ist: ausser dem Abstand der Säulen im Lichten und der Distanz 
von Centrum zu Centrum sind an beide Säulen Tangenten (Länge 
4 p{almi) 11 minuti = m. 0,94) gelegt mit Lothen an den Enden 
(Länge mm?(?// 46 Vs = lu- 0,17.4); auch die Entfernung zwischen 
den inneren Lothen, p. 16. 32 Ys ist eingeschrieben. Diese Masse 





p '7- & 



Fisr. 2. 



zu nehmen wäre zwecklos, wenn man Axweite und Dm'chmesser der 
Säulen direkt messen kann ; ein solches Messverfahren wird nur 
zur Anwendung bringen, wer zwei zum grössten Teil ummauerte 
Säulen vorfindet, und aus den Massen des hervorstehenden Segments 
die für das ganze Säulenrund ableiten muss. 

Antonio da Sangallo scheint sich aber in seiner Rechnung 
nicht ganz sicher gefühlt zu haben, und hat sich desshalb noch- 
mals an seinen Netfen Antonio d. J. gewandt, der dann auf der 



148 CH. HHELSEN 

Rückseite des Blattes zu der beistehenden Zeichnung (Fig. 2 S. 147) 
die folgenden Bemerkungen gemacht hat : 

Tu, di che la colomia si e palmi 6.30 sono mimiti 390 

Lo intercolumiüo essere palmi 14-13 73 che sono 853 ^'3 

somma tutto 1252 7:* 

di quesli se ne a fare 13 pm^ti e una di ditte parti 

sara una quarta parte della colonna e nove parti allo 
intercolumnio, sendo Eustilo, deuessere lo intercolumnio 
due grossere di colonae e una quarta parte. 

La ditta tredicesima parte si e 96 73 ^ 13 vie 96 73 A 
1252 73; di modo che la colonna aria a essere 385 V3 
che sono p. 6 minuti 25 73- 
Lo intercolumnio si e 867 che sono palmi 14.27 ('). 

Hieraus folgt, dass die Masse p. 6. 25 73 für den Säulen- 
durchmesser, so wie p. 14.27 für das Intercolumnium nicht wirk- 
lich gemessen, sondern durch Rechnung abgeleitet sind: mithin 
die beiden von diesen Massen ausgehenden Grundrisse nur als 
ideelle Reconstructionen, keineswegs als wirkliche Aufnahmen zu 
betrachten sind. — Welche von den sieben Piranesischen Säulen 
die Sangallos gesehen haben (-), ist nicht auszumachen, auch an 
sich gleichgültig. Jedenfalls fanden sie dieselben in Wände ver- 
mauert und die, auch an sich schwer glaubliche. Annahme dass 
um 1520 mitten im Marsfelde ein Areal von er. 1500 qm. aus- 
gegraben und in demselben ein vollständig erhaltener antiker Tem- 
pel gefunden sei, ohne dass sich darüber irgend etwas in der zeitge- 



(') Unter der Voraussetzung, dass die Sangallo mit dem üblichen palmo 
von 0,223 m. gemessen haben, reduziren sich diese Masse auf metrisches wie 
folgt : 

Höhe des Kapitells ;/. 7 w?. 21 1,64 

Oberer Säulendurchmesser p. 6 m. 30 ... . 1,45 

Intercolumnium jo. 14 m. 13 Vs 3,17 

[Berechneter Säulendurchmesser p. 6 m. 25 Vs 1,42] 
[Berechnetes Intercolumnium /;. 14 m. 27 . . 3,20] 

(*) Dass es sich nur um diese handeln kann, zeigt das Mass des oberen 
Durchmessers von 1,45 m., welchem bei Annahme der üblichen Verjüngungs- 
verhältnisse an römisch-korinthischen Bauten ein unterer von 1,68 entsprechen 
würde. Die Granitsäulen in Casa degli Orfani sind viel dünner. 



DAS ANGEBLICHE TEMpHM MATIDIAE 149 

nössischen und späteren topographischen Litteratur fände, wird 
durch die Florentiner Blätter selbst widerlegt. 

Was wir sonst über ältere Ausgrabungen auf Piazza Capra- 
nica wissen, ist wenig. Die Notizen Caninas {ladicazioae p. 899) 
über Funde auf dem Platze 1824 und im Hofe des Collegio Capra- 
nica 1848 (s. u. S. 153) sind, Avie Lanciani mit Recht sagt, dürftig 
und unklar. Der Berichtigung aber bedarf, was L. zu Gunsten der 
von ihm vorgeschlagenen Stellung des Tempels über Ausgrabungen 
von 1745 vorbringt. Negli scavi del 1745 (sagt er S. 13) ese- 
guiti in meszo della Piazza, fü ritrovata uaa vasta jüatea di 
grandi tavole di traoertino, appartenente senza dtibbio al sa- 
cro recinto del tempio {Nibbij al Nardini III p. 122). Schlägt 
man Nibby nach, so findet man, dass bei ihm die Worte eseguiti 
iiel centro della piazza nicht stehen; und geht man auf seine 
Quelle, Venuti {descrizione di Roma II, p. 125 ed. Piale) zurück, 
so findet man: nel 1745 rifacendosi la casa del Sig. Carlo Gian- 
nini incoatro la chiesa_, ae fondamenii vi fu trovata ima 
vasta platea di smisurati travertini, che noii so a quäl fabbrica 
■potessero servire, essendo messi uno sopra l'a Uro, e prendendo 
considerabile spazio. Die scavi del 1745 sind also er. 40 m. 
weiter westlich anzugeben, als sie bull. Tf. I. II und V. U. R. 
Bl. 15 eingezeichnet sind, und der grosse travertingetäfelte Platz 
unter Piazza Capranica, der nach Lanciani gegen das Vorhanden- 
sein von Bauten an dieser Stelle spricht, existirt nicht. 

Ich komme nun zu einem der Hauptargumente Lanciani's, 
der Bleiröhreninschrift mit TEMPLO MATIDIAE. Dieselbe steht, 
wie bekannt, einzig auf der Abschrift Alessandro Donati's ('). Dieser 
ist an sich ein durchaus glaubwürdiger Autor, und die beiden mit 
dieser zusammen überlieferten Bleiröhreninschriften erwecken auch 
keinen Verdacht (-). Aber gegen die Matidia-Inschrift erheben 

(}) Roma antiqua p. 292 ed. 1648: cum inventas cloacas (in Via del Se- 
minario, zwischen S. Ignazio und dem Collegio Gerraanico) fossores repurga- 
runttpartem ingentis fistulae plumbeae non longe a Pantheo Agrippae repere- 
runt, eratque fusilibus litteris in ea mscriptu7n teiaplo • matidiae. Danach 
C. I. L. XV, 7248. 

(2) Es sind CLL. XV, 7500, c: Narcissi Äug. üb. ab epistul{is) und 
C.L.L. XV', 7316: Lmp. Caes. Hadriani Antonini. Pii suh cur{a) Porci Po- 
titi proc. ann. Sympo. f{ecit). Letztere wiederholt Donati auf der Kupferta- 



150 CH. HU ELSEN 

sich doch gewichtige innere Bedenken. Erstens ist die Fassung 
mit der Ortsangabe ungewöhnlich. Dass man Köhren mit eige- 
nen Stempeln für einen grossen Complex, wie die castra prae- 
toria, die horti Scdlustiani herstellte, ist begreiflich ; autfallend 
ist das gleiche für einen Tempel, dessen Zweigleitung kaum 75 m. 
lang angenommen werden darf. Ferner : die seltenen Bleiröhren 
mit Gebäudenamen nennen diese fast durchweg im Genitiv ('). 
nicht wie hier im Dativ. Noch viel bedenklicher aber ist der Name 
Templiim MaticUae ohne dlvae. Wenn auch Schriftsteller, selbst 
Sueton und die Kaiserbiographen, manchmal von einem Augusti tem- 
plum oder temjjlum Hadriani sprechen, so verlangt doch der strenge 
Sprachgebrauch neben dem Namen das Consecrationsprädicat ; kei- 
nesfalls dürfte auf einer Inschrift der Name anders als in der offi- 
ziellen Form erscheinen. Endlich aber und vor allem ist die Existenz 
eines Tempels der Matidia an und für sich sehr unAvahrscheinlich, 
Bis zum Jahre 120 waren von Frauen aus der kaiserlichen Familie 
consecrirt die Kaiserinnen Livia und Poppaea, ferner die Schwester 
des Gaius, Drusilla; die Tochter des Nero, Claudia, die Gattin 
Vespasians Domitilla, die Tochter des Titus Julia; wir hören wohl 
von Statuen und Priestertümern, die ihnen gestiftet worden, aber 
nicht von Tempeln, besonders nicht in der Hauptstandt (-). Der Bio- 
graph des Hadrian kommt zweimal auf die ausserordentlichen Ehren 
zu sprechen, die der Kaiser seiner Schwiegermutter erwies (c. 9, 9 : 
socrui suae Jioiiores praecipuos impendit ludis gladiatorüs cete- 
risque oßciis; c. 19, 5 : Homae post ceteras mmensissimas volupta- 
ies in honorem socrus sitae a?''omatica popido donavit. Vgl. auch 



fei p. 294 in der verkürzten Form Imp. Hadriani ^M^., woraus der nachlässig' 
arbeitende Alb. Cassio (corso deWacque 2, 388) eine von der ersten verschie- 
dene Inschrift macht, die auch Lanciani sill. aq. n. 141 getrennt aufführt, 
(iefunden ist sie aber nicht, wie Lanciani F. U.R. Bl. 15 zeichnet, auf dem Platze 
vor S. Ignazio, sondern in ipsis fabricae Collegii fundamentis, vielleicht östlich 
von der Kirche, nach dem Corso zu. 

(') Castrae pretorie XV, 7239 ; domus Augustanae XV, 7246; hortorum 
SallustAanorum XV, 7246, 7250. Daneben castris praetoris 7237. 7238.7239, 
castrum praetorium 7239 und das ganz unsichere lavacro Aprippinae 7247. 

(2) Der erste Fall eines pc<6<: für eine diva wäre der für Plotina (nach 122): 
Cass. Die. 69, 10, 3; aber dass er in Pom erbaut sei, ist nicht überliefert 
und wenig glaublich. Hier betrifft der erste Fall die diva Faustina. 



DAS ANGEBLICHE TEMF^LUM MATIDIAE 151 

das Tiburtiner Fragment der laudatio Matidiae C. I. L. XV, 3579 
Z. 5 : Sabinae meae [matri honores impendi, quales vix'] matri meae 
facerem, und dazu Cantarelli Stiidj e documenti 1894 j). 127) ; sollte 
er verschwiegen haben, dass ihr, zuerst unter allen divae, ein Tempel 
in der Hauptstadt errichtet wurde, wo doch für die Kaiser mit grosser 
Regelmässigkeit angemerkt wird meruit templum u. dgl.? Schon 
Eckhel {DN. 6, 471) hat dies für unglaublich erklärt und ange- 
nommen dass die Consecration der Matidia erst unter Antoninus 
Pius erfolgt sei, in dessen Biographie das Factum eher übergan- 
gen sein könne. Aber wir wissen jetzt aus den Arvalakten, dass 
Matidias Consecration bereits am 23. Dezember 119 statt fand 
(Henzen Acta Arv. p. CLVIII u. 88 ; C. I. L. VI 2080). Nach allem 
diesem die Existenz eines Tempels der Matidia nur auf die einmal in 
17. Jhdt. abgeschriebene Bleiröhreninschrift zu behaupten, scheint 
mir mehr als bedenklich. Es mag wohl sein, dass bei den Ausgra- 
bungen eine Bleiröhre mit dem Namen der Matidia (') gefunden 
ist, und dass Donati oder sein Gewährsmann (denn er giebt gar 
nicht an, dass er das Stück selbst gesehen und abgeschrieben habe ; 
ü P. Doiiati teslimonio oculare sagt Lanc. p. 7 willkürlich) aus 
unsicheren Spuren am Anfang das Wort TEMPLO zu lesen glaubten. 
Aber diese Lesung als sicher anzunehmen und auf ihr weiter zu 
bauen, werden wir uns hüten müssen. 

Es bleibt die Stelle aus der Constautinischen Stadtbeschrei- 
bung, wo in der neunten Bfegion überliefert ist (Jordan II p. 556) : 
Curiosum Notitia 

pantheum paniheum 

basilicam Neptuni 

Matidies basilicam Matidies et 

Marciani Mai'cianes 

templum Anto?iini et templum Antonim et 

columnam coclidem columnam coclidem 

Hadriaaeum 

thermal AUxandrinas thej^mas Alexaiidriiias 

et Agrippinas et Agrippinas 

porticum argonautarum porticum Argonautarum 

et Meleagri et Meleagri 

C) Vgl. C I. L. XV, 7306 (von Esquilin): matidiae • avg • fil / ; 7737 
(Ostia) matidiae • avg • f K q_- pvbli • secvndvs • fec / ; 7822 (zw. 
Frascati u. Monte Porzio) matidiae avg fil lxxxii salon . epictetvs. f " 



152 CH. HUELSEN 

Lanciani behauptet, der Text der Notitia sei correcter als der 
des Curiosum, denn letzteres nenne die basilica Neptimi neben der 
porticus Argonautarum — separando ü contemito del conthiente; 
daher sei auch der Notitia zufolge nur eine basilica Matidiae et 
Marciame, nicht zwei, wie das Curiosum angiebt, anzunehmen. 
Er hat dabei, wie es leider häufig zu geschehen pflegt, nur den 
von Jordan constituirten Text, nicht aber die varia lectio und die 
Anmerkungen ins Auge gefasst ; es wäre ihm sonst nicht entgan- 
gen, dass von den drei Handschriften der Notitia eine die basi- 
lica Nepluai nennt, wie auch dass eine andere, und zwar die äl- 
teste, die Copula el zwischen Matidiae und Marcianae auslässt. 
Endlich berücksichtigt er gar nicht, dass die breviaria, sowohl im 
Curiosum wie in der Notitia angeben: basilicae X und die b. Neinuni, 
Matidiae und Marcianae als drei verschiedene Gebäude zählen. 
Dass aber die breviaria nicht nur Auszüge aus den vorhergehen- 
den Einzelbeschreibungen der Regionen sind, sondern selbständigen 
urkundlichen Wert besitzen, dafür darf ich auf Jordans Ausführun- 
gen (Top. 2 S. 40 ff.) verweisen. Ich teile also vollkommen Jor- 
dans Ansicht, dass die basilica NeiHuni nur durch einen Fehler des 
Archetypus der Notitia in dieser ausgefallen ist, beide also, wohl 
im Original des Regionenbuches standen. Auch der Text der Regio- 
narier spricht also nicht für, sondern gegen L.'s Hypothese. 

Das Resultat unserer Untersuchung ist also folgendes: Zwi- 
schen dem Pantheon, dem Nordende der Saepta und der Columna 
Di vi Marci, und zwar höchst wahrscheinlich nördlich der modernen 
Via dei Pastini (') lag eine Gruppe von drei Gebäuden, deren 
Namen an Mitglieder des Kaiserhauses aus dem Anfange des zwei- 
ten Jahrhunderts anküpfen: zwei Hallen, benannt nach der Schwie- 
germutter Hadrians Matidia und der Schwester Trajans Marciana, 
beide vermutlich Parallelbauten aus trajanischer Zeit: sowie ein 
dem Hadrian nach seinem Tode erbautes Heroon. Die grossen Ci- 
pollinsäulen zwischen Vicolo della Spada d'Orlando und Pantheon 
werden einem dieser drei Gebäude angehören, doch ist ungewiss, 

(') Denn bis zu dieser südwärts erstreckte sich die von Auofustus der 
Bebauung entzo.^ene Zone des freien Campus Martins; wie der 1592 unter 
Palazzo Serlupi-Crescenzi gefundene grosse Travertincippus C I. L. VI 874 
beweist: id quod intra ci.ppos ad Campum soli est, Caesar Augustus redemptum 
a privato puhlicavit. Vgl. Lanciani S. 1 1 f . 



DAS ANGEBLICHE TEMPLL'M MATtDIAE 153 

welchem. Ebenso wenig lassen sich die wenigen sonst in dieser 
Gegend constatierten Keste römischer Monumentalbauten (Pracht- 
saal imter Palazzo Serlupi ('), travertingepHasterte Area westlich 
von Piazza Capranica), mit Sicherheit deuten. Nur ist gewiss, dass 
die Orientirung dieser Reste identisch ist mit der des Pantheon 
und der seinen Vorplatz umgebenden Hallen einerseits, dem Tempel 
und der Porticus auf Piazza di Pietra andererseits. 

Ch. Huelsen. 



(') Ich will nicht unterlassen, hier eine merkwürdige Notiz Fr. Piranesis 
zu wiederholen, da sie in einem der seltener benutzten Werke desselben ((7 Pan- 
theon Tf. 1) steht, und man sie nach Lancianis Citat 'scavi PiranesV schwerlich 
finden wird: J. Ruine di una fabbrica antica scoperta nelV edificare il Pa- 
lazzo Serlupi nel 1779. Dalla costruzione delle parti. ritrövate si puö sup- 
porre che fosse un tempio, dove farono Irovati molti pezzi di cornici, ar- 
rhitravi di marmo e colonne di granito della grossezza di quattro palmi e 
tre once, con le sue basi ancora in opera, come veggonsi segnate. II tutto 
era di semplice ed elegante architettura. II pavimenlo era a riquadri di 
giallo antico contornato di fascie di marmo hianco, le quali erano tagliate 
nlV angolo dei riquadri medesimi da altri piccioli quadrati di verde antico, 
della grandezza delle sudette fasce. — Die von Lanciani Ruins and Excava- 
tions 505 nach Alu Giovannoli ( Vestigj di Roma, 1616, f. 39) reproduzierte 
merkwürdige Vedute eines Halbkuppelbaus mit Säulen im ' Palazzo dei 
Sigg. Capranica ' weiss ich nicht sicher zu deuten ; möglicherweise ist sie 
identisch mit den 1848 nel primo cortile dei Collegio Capranica entdeckten 
reliquie di mura che, quantunque di evidente costruzione dei medio evo, 
puresi videro appartenere ad una qualche fabbrica privata, nella quäle eravi 
una cella semicircolare decorata con rnarrai e statue (Canina Indicazione s, 
p. 399). 



11 



DIE GEBURT DER APHRODITE. 

(Taf. VII). 



Die auf Taf. VII abgebildete Vase bedarf zu ihrer Begleitung 
nicht vieler Worte. In der städtischen Gallerie im Municipio von 
Genua ist sie jedenfalls das Hauptstück einer kleiner Vasen- 
sammlung, welche vom Principe Oddone, wie es scheint, in Italien 
zusammengebracht, nach dessen Tode der Stadt Genua geschenkt 
worden ist. 

Die Vase ist eine zierliche attische Hydria 0,28 hoch, gebro- 
chen aber ohne Ergänzungen wieder zusammengesetzt. Nach dem 
Stil der Zeichnung ist sie nicht lange nach der Mitte des V. Jhdts 
gearbeitet. 

Ungefähr mit halbem Leibe ragt über der graden Fussboden- 
linie eine weibliche Gestalt empor, die nur mit knapp anliegen- 
dem Chiton mit kurzem Kolpos bekleidet ist; und deren lang über 
den Rücken herabhangendes Haar von einer rings mit Mäander 
verzierten und vorn mit Blättern bekrönten Stephane umfasst ist. 
Die Gestalt wendet sich nach links und hebt die Hände mit aus- 
gebreiteten Fingern um die Tänie zu empfangen, welche ihr Eros 
mit beiden Händen in die ihrigen zu legen im Begriffe steht. Nur 
mit shawlartigem Mäntelchen bekleidet, das um den Rücken gehend 
über beide Arme einwärts hängt, kommt er eilends geschritten. 
Obgleich der etwas hagere grossgewachsene Jüngling mit verhält- 
nismässig kleinen Flügeln, trotz seines Vorüberneigens die Empor- 
kommende beträchtlich überragt, biegt er doch den Kopf zurück, 
um jene besser zu schauen. 

Auch von der anderen Seite Avird der Auftauchenden etwas 
dargeboten, nämlich ein zusammengelegtes Gewandstück, das ein 
vollbekleidetes Weib mit beiden Händen ihr darreicht, nachdem 
sie es selber aus dem Heiligthum hinter ihr genommen zu haben 
scheint. Denn ein solcher ist durch den Altar unter einem Palm- 
baum «renücrend kenntlich cremacht. An der Palme fällt nicht sowohl 



E. PETERSEN, DIE GEBl-'RT DER APHRODITE 155 

das auf, dass sie nicht blos oben eine Blätterkrone hat, sondern 
weiter untea ein zweiter Büschel sich ausbreitet, der nur des Altars 
wegen nicht noch tiefer, wo sein naturgemässer Platz wäre, näm- 
lich über der Wurzel angebracht scheint; sondern vielmehr das an- 
dre ist zu bemerken, dass die Blätter sowohl oben wie unten dem 
Stamme wie angebunden erscheinen. Dass jenes AVeib ihr Gewand- 
stück aus diesem Heiligthum genommen, scheint durch die Stellung 
ihrer Füsse, derjenigen des Kopfes entgegengesetzt, unzweideutig 
ausgesprochen zu sein (')• 

Die also dargestellte Geburt Aphrodites ist verwandt dem be- 
rühmten Ludovisischen — wenn noch Ludovisischen — Relief, so nah 
verwandt, dass mehre pjinwendungen, die man gegen die Erklärung 
jenes Reliefs erhoben hat, durch diese neue, über jedem Zweifel erha- 
bene Darstellung des Mythos einfach widerlegt werden. Die grade 
Linie unten, die man trotz der Strandkiesel unter den Füssen der 
Nebenfiguren auf dem Relief nicht als Wasser erkennen wollte, sie 
findet sich auf der Vase sogar ohne die Kiesel ; und wenn man im 
Reliefbilde, wegen der jederseits so dicht daneben stehenden Fi- 
guren, leugnete dass zwischen diesen das Meer zu denken sei, wo 
höchstens von einem Brunnen die Rede sein könne, so verkannte 
man eben den Idealismus des hohen Stiles griechischer Kunst. Sind 
doch auf der Vase, gar ohne jede Unterscheidung des festen und 
des flüssigen Elements, die auf festem Boden stehenden Eros und 
Peitho ebenso unmittelbar neben die aus der Meerestiefe auftau- 
chende Aphrogeneia gestellt. 

Im Relief hat man ferner das von den Hören gehaltene Zeug 
nicht als einen zur Bekleidung der Neugeborenen bestimmten Mantel 
anerkennen wollen, hat es vielmehr für das untere Ende des be- 

(•) Weniger Hesiodä (Theog. 192) Kv&tjooiaa' Ci<i>eoiaiy wird die Idee 
des Heiligthums gegeben haben als dass im Hom. Hymnus IV, 58 Baden und 
Schmücken der Göttin im Paphischen Heiligthum vor sich geht, wie denn 
die Götter auf Erden überhaupt in ihr Heiligthum einkehren. Es ist nicht unmög- 
lich dass der Vasennialer, den wir ja auch in der Hauptsache als Nachahmer 
des Phidias finden, bei dieser Figur des Peplosempfängers am Parthenonsfries 
sich erinnert habe. Bei letzterem freilich ist die Drehung nach aussen ohne 
alles Ungeschick gezeichnet. Nur wolle man nicht mit dem Vasenbilde beweisen, 
dass auch der Mann am Friese das ja in der That ganz ähnlich zusammenge- 
legte und gefasste Zeug vielmehr hingebe als empfange ; denn der Knabe ihm 
gegenüber ist eben deutlich das Gewand loslassend, nicht empfangend dargestellt 



156 F" PETERSEN 

reits angezogenen Chitons der Aphrodite ausgeben wollen, das, weil 
vom Wasser beschwert, von den Freundinnen emporgehoben werde, um 
der Auftauchenden das Emporkommen zu erleichtern. Glückliclier- 
weise brauchen wir nicht zu fragen, ob denn dies eine anmuthige, 
ob eine dem Idealismus dieser Kunst angemessene und damit, dass 
die Auftauchende ja keinen Boden unter den Füssen hat, dass sie 
nicht schreitet sondern gehoben wird, verträgliche Idee sei. Auch das 
brauchen wir nicht zu fragen, ob jener Künstler, wenn er wirklicli 
diese Idee zum Ausdruck bringen wollte, so von jeglicher Vermitte- 
luncf zwischen dem einen und dem andern Theile des Chitons ab- 
gesehen haben würde ; auch das endlich nicht, ob denn überhaupt 
ein ionischer Chiton so an beiden Seiten mit einer Kante enden 
konnte : Das alles braucht man nicht zu fragen ; denn es ist ja au- 
genscheinlich, dass das Zeug, welches die Hören des Ludovisischen 
Marmors halten, eben dasselbe ist, welches die Peitho der Vase 
darbietet, indem sie es, soweit die veränderte Composition gestattet, 
ebenso mit beiden Händen hält, wie jene je mit einer. 

Bei aller dieser Uebereinstimmung des Vasenbildes mit dem 
Relief in der ganzen Composition, in der Bewegung Aphrodites, 
ihrer Wendung nach links, in ihrem aufgelösten Haar und dem 
anliegenden Chiton, in dem Ueberneigen wenigstens der linken 
Seitenfigur ist gleichwohl gewiss, das zwischen dem Marmorrelief 
und unserem Vasenbilde noch e i n Mittelglied Avenigstens sich 
])efunden hat, und zwar kein geringeres als die Thronbasis des 
Olympischen Zeus von Phidias. Denn hier fand sich das worin 
sich die Darstellung der Vase hauptsächlich von dem Marmor un- 
terscheidet : '^E(>wc ecrdv ix ^aXdüörjq \4(f)Qoöixi]v dviovCav vtco- 
dsxöi-uvog ' zrjv 6i litfQoöixrjv ate(favoi Hsidü) beschreibt Pausa- 
nias VII, 8 dort die Mittelgruppe, statt der zweiten Höre also Eros 
(und die einzelne Dienerin Aphrodites nun natürlich Peitho ge- 
heissen). Da aber Pausanias, mit Helios beginnend ('), aller Wahr- 
scheinlichkeit nach von links her beschreibt, so hatten die genannten 
drei Figuren auch denselben Platz wie im Vasenbilde : Eros links, 
Peitho rechts von Aphrodite. Auch das Motiv der Kränzung — nur 
mit der Tänie statt mit einem Kranze, wenn Pausanias so wörtlich zu 

(1) Petersen, Kunst des Pheidias S. 323 und 372. Gerhard, Akad. Ab- 
handll. I S. 199, 26; 351, Taf. XVII 2 stellt zwar Helios links aber Eros rechts. 



DIE GEBURT DER APHRODITE 157 

nehmen ist — hat die Vase mit Phidias' Goldrelief gemein ; aber von 
Peitho ist diese Handlung auf Eros übergegangen, der bei Phidias, 
wie im Marmorrelief beide Hören, und wie im Silbermedaillon von 
Galaxidi (s. Rom. Mitth. 92 S. 49) der alleinstehende Eros, Aphro- 
dite emporhob, ein Motiv das dem Vasenmaler vielleicht zu com- 
pliciert war. Wenn aber Eros links stand, wie auf der Vase, dann 
wandte sich die Neugeborne auch bei Phidias ebenso wie in Mar- 
morrelief und Vase, gewiss nach links, nach der Seite wo Helios, 
Zeus, auch Hephaistos sich befanden, und Peitho setzte ihr von rück- 
wärts den Kranz auf, wie auf dem eleusinischen Relief Köre, ' na- 
türlich ' nicht Demeter, dem Triptoleraos. 

Das beschriebene Vasenbild tritt also zwischen das Ludovi- 
sische Relief, welches älter, und das Silbermedaillon, welches jünger 
ist als des Phidias Bathronrelief, das Vasenbild unstreitig der 
Composition des grossen Meisters am nächsten stehend. Wenn Puch- 
stein (Jahrbuch V 1890 S. 112) die Bewegung der Göttin im Sil- 
bermedaillon zu schwungvoll für Phidias fand, so hatte er recht ('), 
nur dass er, was Furtwängler M. W. S. 68 ff. ihm vorwerfen durfti.', 
die Compositionsweise des grossen Atheners doch zu beschränkt ar- 
chaisch und zu einförmig darzustellen bemüht war. 

Wir sehen jetzt, wie die Bewegung der Auftauchenden vom 
Ludovisischen Relief zur Vasendarstellung und von dieser zum Sil- 
bermedaillon sich entwickelt, sich steigert und belebt. Es liegt am 
bessern Können dessen der das Marmorrelief gearbeitet, eines wirk- 
lichen und grossen Künstlers, der an sich ganz wohl der junge 
Phidias gewesen sein könnte, dass Sehnen und Begeisterung in der 
Neugeborenen hier dennoch so viel inniger und wahrer zum Aus- 
druck gekommen ist, aber doch eigentlich nur in der Bewegung 
des Kopfes. Dazu kommt freilich das Umschlingen der beiden 
Freundinnen mit den Armen ; aber die Gesammtbewegung der Auf- 
tauchenden ist dabei doch durch die für jenen Stil so charakteri- 
stische Symmetrie der Composition gebunden (^). Erst durch deren 

(') Indessen vergleiche man sowohl zur Bewegung was Furtwängler 
a. a. 0. bemerkt hat, und namentlich zum Gewandmotiv die Nike des Paio- 
nios und die von Studniczka, die Siegesgöttin Taf. VI 34. 35 mit ihr ver- 
glichenen Nereiden. 

(2j In diesem Mitth. 95 S. 74 habe ich die schöne Spiegelgravierung 
CEtrusk. Spieg. V Taf. 113) verglichen, als der Composition des Ueliefs nocli 
näher kommend als die früher herangezogene Dolonie. 



158 K. PETERSEN 

Auflösung und die völlige Seitenwendiing Aphrodites, wie sie auf 
Grund der Vase und namentlich der Beschreibung des Pausanias 
dem Phidias zugeschrieben werden darf, wird für die auftauchende 
Aphrodite etwas Aehnliches möglich, wie es — viel folgenreicher — 
für Nike (') und die andern flügeltragenden Götter durch den Ueber- 
gang von der laufenden zu wirklichem Schweben, dem Schwimmen 
ähnlich erreicht worden ist ; und dass grade die Schwimmbewegung 
auch auf die Gestaltung der Anadjomene Einfluss gewann, ist ja 
durchaus begreiflich. Denken wir nur die so zur Seite (nach links) 
gewandte ein wenig mehr vorgeneigt mit erhobenen Armen, wie 
in allen drei Nachbildungen aufwärts strebend, an Arm und Hand 
von Eros gefasst, von rückwärts durch Peitho gekränzt, das Ganze 
aber gross und lebendig erfasst, eines Phidias würdig, so sind wir 
freilich bei einer ganz anderen Vorstellung angelangt, als die im 
Bade kauernde war, die Gerhard a. a. 0. gedacht, und als die steif 
in der Muschel stehende — eine dviovüa ebensowenig wie die 
Gerhardische — wie sie noch Stephani in seinem Compte-rendu 
für 70/71 S. 50 ff. mit grossem Anspruch vortrug. Viel einfacher, 
viel mehr innerhalb der herkömmlichen Ideen sich bewegend, und an 
XJeberliefertes anknüpfend (-) — wenn doch das Ludovisische Re- 
lief nicht sein Werk war — stellt sich Phidias' Schöpfung uns 
auch hier dar, grundverschieden von dem ihm zugeschriebenen Ideal- 
schaffen (•^). 

Bei Herstellung der Gruppe des Commodus mit den Tritonen 
(Rom. Mitth. 88 S. 309, 1) habe ich mit ein par Beispielen das Künst- 
lermotiv, einem Kopfe oder einer Figur durch ein Gewandstück 
einen Hintergund zu schaffen, bis etwa ins vierte Jahrhundert zurück 
nachgewiesen. Da ein ganz ähnliches Kunstmittel schon der Polv- 
gnotischen Malerei geläufig gewesen zu sein scheint, indem sie zu 
ähnlichem Zwecke der Terrainwellen sich bediente ("*), kann es uns 
nicht wundernehmen, auch jene Verwendung von Gewandstücken 
bereits im fünften Jahrhundert anzutreffen. Auf eine vielleicht chrys- 

(') Vgl. Studniczka, die Siegesgöttin S. 12 ("388). 

(2) Dasselbe ergiebt sich auch für die so ähnliche Mittelgruppe der Par- 
thenosbasis, wenn Furtwängler M. W. S. 9, 5 mit IJecht das feine Schalenbild, 
das Puchstein für Phidias heranzog, als erheblich vorausliegend nachweist, 
wofür namentlich die Tracht Athenas maassgebend ist. 

(3) S. Brunn, griechische Götterideale S. 1 unten. 
{*) Vgl. Petersen, Trajans Dakischc Kriege S. 91, 1. 



DIK GEBURT DER APHRODITE 159 

elepliaiitine Gruppe des vierten, wenn nicht gar des fünften Jahr- 
hunderts, habe ich die schöne Darstellung von Aphrodite Peitho und 
Eros in dem einen rothen Schlafgeraach der ca^a tiberina {Mon. 
ined. d. Inst. XII 19 n. 21) zurückgeführt ('). Um nicht das weisse 
Antlitz der thronenden Göttin auf dem weissen Grunde des Bildes 
stehen zu lassen, hat der Künstler dort der hinter dem Thron ste- 
henden Peitho ein röthliches Tuch in die Hände gegeben, olfenbar 
den Stehleier welchen sie der bräutlich geschmückten Herrin über den 
bereits mit der Stephane gekrönten Kopf legen will. Augenblicklich 
aber hält Peitho jenen Schleier grade so dass er dem Antlitz der 
Göttin zum Hintergrund dient. 

Kann es dafür eine zutreffendere Analogie geben als das Ge- 
wand, welches die hinter der auftauchenden Aphrodite auf unse- 
rem Vasenbilde stehende Peitho so hinter den Kopf der Göttin 
hält, dass es ihr schwarzes Haar von dem schwarzen Grunde des 
Vasenbildes absondert ? 

Zusatz: über die Schranken' am Zeusthron. 

Die von Pausauias VII, 4 beschriebenen eQvjLiara hat, entge- 
gen früherer, namentlich von Brunn begründeter Vorstellung, zu- 
nächst Murray Athen. Mittheil. VII 1882 S. 274, dann, oder viel- 
mehr eigentlich schon vorher nur unausgesprochen. Dörpfeld, Olym- 
pia Text II S. 13 mit gewissen Schranken, deren Spuren zwischen 
den vier mittleren Säulen jederseits in der Cella des grossen Tem- 
pels nachgewiesen sind, identificieren wollen. Dass dieses durch 
nichts geforderte Vorgehn, das zuletzt bei der absonderlichen 
Vorstellung der zwei Hesperiden auf zwei doch wohl hölzernen Thür- 
flügeln als Fortsetzung von Wandmalereien anlangt, mit den hin- 
länglich deutlichen Anofaben des Pausanias Punkt für Punkt in 
Widerspruch steht, hat E. A. Garduer im Journal of hell. stud. 
1894 XIV S. 233 schlagend dargethan, obgleich er noch nicht mal 
Alles gesagt hat, was gegen die völlig willkürliche Anordnung der 
drei mal drei Panaenosbilder zu sagen wäre. Trendelenburg (-) 
durfte also nicht auf eine hinfällige Grundlage bauen: er scheint 
freilich Gardners Aufsatz nicht gekannt zu haben. Die positiven 

(«) Rom. Mitth. 92 VIII S. 60. 

(2j Arch. Aiiz. 1897 S. 25. Wochenschr. für klass. Philologie 1897. 



160 E. PETERSEN 

Aufstellungen dieses Aufsatzes sind indessen auch nicht haltbar; sie 
vernichten die ganze Harmonie des Kosmos am Throne und die so 
augenfällige Symmetrie der je drei Figurenpaare. 

Jedesmal stellt das erste dieser Paare (nach Pausanias' Auf- 
zählung) die That des Helden dar, das letzte den Siegespreis, jenes 
den Mann, dieses das Weib, das mittlere den Mann in Beziehung 
zum Weibe, der Liebe Gewalt, die bei Aias und Peirithoos ent- 
schieden zum Frevel an der Gottheit führt, Achilleus nur dem 
Tadel des Thersites aussetzt. Kann man das verkennen? Kann man 
gegen die Triaden geltend machen, dass die zwei Frauen zu an- 
dersartig componiert seien (')? Waren denn nicht auch die zwei 
Männer zweier erster Bilder nach Pausanias im Wesentlichen einan- 
der ruhig gegenübergestellt? Und kann man überhaupt erwarten, 
dass ein Panainos in drei Triaden nicht trotz des gleichen Grund- 
themas, nach einer gewissen Abwechselung gestrebt habe ? 

Es giebt, so viel ich sehe, keine besser zu vergleichende Ana- 
logie als die mm schon wiederholt zusammengestellten Reliefs mit 
Medea und Peliaden, Hermes Orpheus und Em-ydike, Herakles, 
Peirithoos und Theseus. Die Einheit der Idee ist anderswo darge- 
legt (-), ebenso wie das alle drei Bilder einende Princip der Com- 
position, das bei diesen dreifigurigen Gruppen dasselbe oder ein 
ganz ähnliches wie bei jenen zweifigurigen : Männer allein auf der 
einen, Weiber allem auf der andern Seite, Mann und Weib in der 
Mitte. Dies ist bei der einen Triade der dreifigurigen Reliefs stricte 
beobachtet; von den drei Triaden des Panainos nur in der ersten, 
während in den beiden anderen je in einem Bilde eine Abweichung 
beliebt ist. Aehnliches scheint von der Composition zu gelten : 
wie von den drei Reliefs nur das mittlere drei aufrechte Figuren 
neben einander enthielt, so scheint dies Panainos für die je zwei 
äusseren jeder Triade vorgezogen zu haben, für das Mittelbild einer 
jeden dagegen mehr Bewegung und Ungleichheit der Schemata; 
aber auch in dieser Beziehung hat er durch Abwechselung Mono- 

{') Gardner S, 239 but ivhat seems to he tke third group in each cass 
is of a different nature from the olher two . . . not a group at all. Man 
sehe seine erste 'Gruppe' auf S. 240! 

(«) Petersen, Vom alten Hom S. 116. Puchsteins, Jalirbuch 90 S. 112 f., 
Bemühen das Medea- und das Peirithoosrelief von Orpheus und Eurydike zu 
scheiden, müsste consequent dahin führen auch drei der Schrankenbilder dem 
Panainos abzusprechen. 



DIE GEBURT DER APHRODITE 161 

tonie vermieden, Aviedenim nur die erste Triade rein gestimmt, die 
folgenden mit Dissonanz je im ersten Bilde. 

Km'z, der ans den Themen imd der Composition hergenommene 
Grund gegen die frühere Anordnung ist absolut nichtig ; und dass 
mit Gardners Absonderung der je zwei Frauen in jedem dritten 
Bilde und ihrer Anordnung, je einer Einzeltigur unter jedem Zwei- 
figurenbilde der Aufbau des Thrones vernichtet wird, muss einem 
jeden einleuchten, der seine Restauration der linken Thronseite aut 
S. 240 oder das Schema auf S. 239 ansieht. Der Thronsitz wird 
ja, statt imgefähr ein Würfel, viel mehr ein Pfeiler, wenn schon 
die Schranken allein ein Rechteck mehr hoch als breit bilden. 

Aber auch der crrammatische Anstoss den Gardner daran nahm, 
dass Pausanias schon das zweite, nicht erst das letzte Bild der 
letzten Triade mit TsXevvala 6h ev rj] yQcccpf^ anknüpft, auch er 
streitet durchaus nicht gegen die frühere Ansicht. Ist es denn nicht 
sonnenklar, dass diese Wendung zu Gardners Anordnung, Avie sie 
auf S. 240 sich darstellt (') viel schlechter passt. als wenn die 
letzten beiden Bilder auf einer Linie liegen ? Bietet nicht Pausa- 
nias gleich daneben grade zu Letzterem eine schlagende Analogie, 
wo er, das Bathron mit der Aphroditegeburt beschreibend, den 
Schluss macht mit den Worten xal rj6rj xov ßäd^Qov rrgog x'o nt- 
Qccn (-), danach aber nicht blos Selene mit ihrem Pferde, sondern 
auch noch das letzte Götterpaar davor erwähnt? 

Gardner scheint im üebrigen Pausanias auch (^) an der linken 
Thronseite (d.h. unter der 1. Hand des Zeus) am 1. Ende beginnen zu 
lassen. Es ist dieselbe Richtung von links nach rechts die Pausanias 
auch bei Beschreibung des Bathron nimmt, entsprechend dem Vor- 
herrschen rechtsläufiger Richtung antiker Darstellung (^). Dass in 
der That in jeder Triade ein Fortschritt vom ersten zum dritten 
Bilde zu beobachten ist, historisch minder streng als ethisch, wurde 
bereits gesagt. 

Es darf bei Pausanias Art zu beschreiben als ausgemacht 

(^} Pausanias hätte nach Gardner mit seinem • schliesslich ' die halbe 
obere und die ganze untere Seite angereiht. 

(2) Worte aus denen Stephani Compte-rendu für 70/71 S. 49 einen ganz 
verfehlten Schluss zog. 

(3) Wie Petersen, Kunst des Pheidias S. 359 f. 

{*) Loeschcke, Arch. Zeit. 1876 S. 113 zunächst von der sfg. Vasen- 
malerei; Marcus-Säule S. 39. 



162 E. PETERSEN, DIE GEBURT DER APHRODITE 

gelten ('), dass er auch in der Nennung der einzelnen Figuren seine 
Kichtung einhält, also dass, wenn er wirklich an dem 1. Ende der 
1. Thronseite anfing, je die erstgenannte Figur links im Bilde stand ; 
wenn aber am rechten Ende der rechten Thronseite, dass dann 
umgekehrt je die erstgenannte Figur rechts stand. Nun ist zwar 
bei der Mehrheit der neun Bilder, so viel ich sehe, keine feste 
Tradition für diese oder jene Stellung der Figuren geltend zu machen ; 
bei zweien aber ist das doch wohl der Fall. Herakles pflegt den 
Löwen von links her anzugreifen, dem Prometheus von rechts her 
zu nahen. Man sieht dass hiermit, bei der obigen Annahme, auch 
die Bilder des Panainos in üebereinstiramung sind. Theseus da- 
gegen würde bei Panainos links stehn, während er bei Polygnot (-) 
und in dem bekannten lielief rechts steht. Auch Aias und Achil- 
leus, in den beiden andern Mittelbildein, würde man nach Maassgabe 
der älteren Vasenbilder links stehend denken, während sie nach 
obiger Annahme den Platz rechts bekommen. Aber dass die hohe 
Kunst des 5. Jhdts in beiden Scenen eine Vertauschung der Plätze 
vornahm zeigt für Kassandra das schöne Vaseubild das Klein 
Ann. 77 S. 246 ff. Taf. N würdigte, zeigen für Penthesileia 
nicht bloss Darstellungen der Tödtung wie die grossartige Berliner 
Schale, Gerhard, Trksch. u. Gef. I Taf. C, die Klein a. a. 0. S. 267 
des Stiles wegen heranzog, sondern auch eine vereinzelte (vgl. Klüg- 
mann, Ann. 74 S. 214) Vasendarstellung des "Ay/AleiiQ cir^yMv aixriv. 
Tischbein-Hamilton II 5 = Overbeck H. G. XXI 15, bietet eine 
Coinposition die augenscheinlich der am Sarkophag S.-Reliefs II 69« 
von Roberts griechischer Klasse nah verwandt ist. Und dass dieses 
Reliefbild der bekannten Gruppe des Phigaliafrieses mit Deida- 
meia am Götterbild compositionell verwandt ist, wird man Avohl 
ebenso zugeben, wie dass wir damit auch wieder jenes Kassandra- 
bild vergleichen dürfen. 

Atlas und die Hesperiden bleiben so wie so, mag Pausanias 
an der linken, mag er an der rechten Seite begonnen haben, ge- 
trennt, aber nur getrennt durch das bildlose vordere fQVjna; so dass 
man darin vielmehr sogar einen gewissen Zusammeuschluss der 
ersten mit der dritten Triade erkennen kann. 

E. Petersen. 

(1) Vgl. Heydemann, Hermes IV 381 ; Gurlitt, Pausanias S. 261. 

(2) Wenn Pausanias, wie ich Trajans Dakische Kriege S. 84, 1 zu zeigen 
versucht habe, die Nekyia von rechts her beschreibt. 



FUNDE UND FORSCHUNG 



Seit meiDein letzten Bericht (R. M. 98 S. 150-191) ist zur älte- 
sten Archaeolögie von Sicilien und Unteritalien nicht wenig Neues 
beigebracht, wovon nur erst Einzelnes R. M. 98 S. 414 berührt 

wurde. 

Im Bull cU paletn. XXIV 98 S. 165 legt Orsi Grundrisse 
und Durchschnitte der Grotten und Gräber vor, welche er in und 
auf den Bergen Monte Tabuto und Monteracello bei Comiso 

(Syracus) erforscht hat ('). Es sind Gänge und Kammern zm- Ge- 
winnung von Flintstein (selce). Mit ihren dem Gestein nachgehen- 
den Windungen, mit Pfeilern, die man als Stützen hat stehen 
lassen und mit trotzdem erfolgten Einstürzen sind diese oft sehr 
engen und niedrigen Gänge von unregelmässigem und oft complicier- 
tem Grundriss, wie z. B. Fig. 4 S. 174 zeigt. Abgenutzte Basaltäxte 
imd nicht allein Splitter von Flint sondern auch fein ausgearbei- 
tete Messer aus diesem Material zeigen die Zeit au, welcher nun 
auch die sehr zahlreiche Thonware angehört, nicht blos Scherben 
sondern auch heile Gefässe. Zum Gebrauch der Arbeiten seien die 
Gefässe hierher gebracht worden, vornehmlich um Wasser in Vorrath 
zu haben, zu vertheilen, und zu trinken. Man mag sich wundern, 
dass den Minenarbeitern hier so viel verziertes Geschirr gedient 
habe, aber die Spuren von Bewohnung fehlen eben. Die Menge der 
Gefässe in einer einzigen Grotte erklärt 0. durch eine Katastrophe; 
die dabei umgekommenen Arbeiter seien in einer ihres Flintge- 
haltes entleerten Kammer beigesetzt, also nachträglich ausgegraben. 

(1) Vorläufige Kunde wird von einer • presikelischen ' Hohlenwohnung bei 
Grotta ToiTuggi (Pachino jY. S. 99, 35) gegeben. In Grotta di Caia Farina 
S. 36 soll Bcwohnung und Bestattung constatiert sein. Wichtig wird dieser 
Fund sein, wenn liier, wie Orsi B. p. i. 98, 191 meint, sich die Incunabeln 
der I. (d. h. erster Periode) Malerei gefunden hätten. 



164 E. PETERSEN 

Die Thonware ist gemalte und iingemalte, nach Technik, Form und 
Verzierung zur I. Periode gehörig; die ungemalte mit Reifen oder 
Bändern in Relief verziert. Die Hauptformen sind hochfüssige 
Kelche mit oder ohne Stützen (s. R. M. 98 S. 166, 8. 12 und 9). 
Becher mit einem oder zwei Henkeln (S. 166. Fig. 1-5), auch ganz 
gedrückte und zweihenklige Kannen, nach Orsi Hydrien, wie man 
einhenklige von Girgenti kannte (S. 178). Neu in der Malweise 
sind die weiss, der Farbe des Grundes entsprechend, auf schwarze 
oder rothe Malerei aufgemalten (statt ausgesparten) Ornamente (so 
Taf. XXI 8). Der Fortschritt von dünnstrichigem zu breitgemal- 
tem, Flächen deckendem Ornament, wie ich ihn grade an Bechern 
eben dieses Fundorts nachwies, die Pennavaria B. p. L XXI 91 
Taf. V veröffentlicht hatte, macht sich auch an den neuen von Orsi 
gelieferten Proben bemerklich. 

Wie hier Orsis I. Periode, so ist die II. in einer Nekropole 
von Plemmyrion vertreten, wo Orsi im J. 1891 vierzig Gräber 
untersucht hatte, über weitere 41-53 jetzt N. S. 99, 26 berichtet. 
Bemerkenswerth, weil frühere Aufstellungen O.'s etwas modificierend, 
ist dass auch hier noch grosse Zahlen von Todten in den einzelnen 
Grotten gefunden wurden, so in der grossen schönen XLVIII ohne 
Nischen mindestens fünfzig, in XLVII, mit einer Nische, zweiund- 
zwanzig; ferner dass hier deutlicher als sonst irgendwo die Be- 
stimmung der Nischen für einzubettende Todte (R. M. 98 S. 162), 
XLVII, XLIX f., LH ersichtlich geblieben ist. 

Von Einzeldingen scheint bemerkenswerth der im Gewölbschei- 
tel von Grotte XLIII nach unten vorragende Knauf, dem ein- 
geklemmten Schlusssteine eines Scheingewölbes vergleichbar; ferner 
das in XLVIII gefundene spe^samento di lama di coUello^ von 
Bronze, S. 31. Die Abbildung Fig. 6 zeigt es allerdings einem 
Schwert oder gar einer Axt viel weniger ähnlich als den Rasier- 
messern von Pantalica (R. M. 98 S. 169,1), sowohl hinsichtlich der 
Grösse, der conkaven Schneide, der Nietlöcher für Befestigung eines 
Griffs, als auch hinsichtlich der Länge und Schmalheit der Schneide, 
so besonders einem mit N. 15768 im Museum von Syrakus bezeich- 
neten. Bemerkenswerth ist auch der elfenbeinerne Kamm Fig. 7, 
den 0. für mykenischen Import hält. 

An die Musterung des Vasenmaterials von Monte Tabuto knüpft 
Orsi S. 190 die Bemerkung, dass, obwohl im Grossen und Ganzen 



o 



FÜNOE UND KOHSCHUNG 165 

der Charakter dieses Materials durchaus couform den anderswo 
gefundenen aus dieser Periode sei, doch liier in einigen Gefässfor- 
men, den ovalen hottiai, den hochfüssigen Kelchen und Henkel- 
formen ein Bindeglied zwischen der I. und II. Periode sich zeige, 
eine Bemerkung: die wohl nicht ausser Zusammenhang mit dem da- 
mals, scheint es, schon gemachten Funde von Catania steht, der 
N. S. 98, 223 kurz angekündigt und K. M. 98, 414 bereits er- 
wähnt worden ist. An beiden Stellen B. p. i. 98. und N. S. 98, 228 
sagt Orsi dass zwischen beiden civiltä vi e semjMcemente un pas- 
saggio ' hiatus ', dovuto anche a progresso dl (empo e di iiijiuenza, 
iion iina barriera di divisione nelta e precisa. Erst aus der aus- 
führlichen Darlegung wird man ersehen können, wie sich dieses 
passaggio, ' hiatiis ', in Uebereinstimmuug bringen lässt damit dass 
N. S. 98, 222 gesagt war, dass die Funde von Catania und andre 
dimostra)io in modo evidente la fusione delle dtie prime fasi 
della civiltä preellenica delV isola. Weil früheren Anschauungen 
sehr entgegen, ist jedenfalls auch das zu beachten, dass jetzt auch 
in der II. Periode noch natürliche Grotten in solchem Umfang auch 
als Wohnstätten anerkannt werden. 

Es drängt sich die Frage auf, ob und was für Analogien zu 
diesen sikelischen Funden sich auf dem italischen Festland finden. 
Antwort auf diese Frage giebt die fleissige Zusammenstellung von 
Colini in einer noch nicht abgeschlossenen Keihe von Aufsätzen, im 
B.p.i. 1898 f., zusammengedruckt unter dem Titel, G. A. Colini, 
iL se-polcreto di Remedello Scott o nel Bresciaiio e iL periodo eneo- 
litico in llalia, parte prima, Parma (L. Battei 99) mit zAvanzig 
Tafeln. Denn Colini' s Ausgangspunkt ist nicht Sicilien sondern die 
sorgfältig beschriebenen Funde in der aeneolithischen Ansiedelung 
und Nekropole von Remedello, aus den Jahren 1885 und 1886. 

Im Gegensatz zu der Cultur der Bronze- und ersten Eisenzeit 
(Terremare und Villanova) mit ihrer Leichenverbrennung, w-erden 
hier die Reste der voraufliegenden jüngeren Stein- und der Kupfer- 
zeit mit dem Ritus der Leichenbestattung gesammelt von den Al- 
pen bis Cap Leuca. Die an dieser Stelle zu gebende Uebersicht 
muss sich beschränken das Gemeinsame und ganz besonders das 
Unterscheidende hervorzuheben. 

Als Wohnungen der Lebenden sind natürliche Höhlen beson- 
ders in Ligurien ermittelt, sonst vornehmlich die halbunterirdischen 



16G E. PETERSEN 

Hütten über den allein erhaltenen runden oder ovalen fondi dl 
capanncij öfters, wie grade in Remedello, in der Nähe der Nekro- 
polen nachgewiesen, aber grade diese sind in Sicilien bis jetzt 
mehr gesucht als gefunden. 

Als Gräber sind wiederum natürliche Höhlen, z. T. dieselben 
die zu andrer Zeit als Wohnung gedient haben, wie in Ligurien 
(Colini S. 225, sonst 228 ff. 253), häufiger ausschliesslich sepul- 
cral benutzt worden in den verschiedensten Theilen Italiens, wo 
die Natur solche darbot. Künstliche Grotten, namentlich von ähn- 
licher backofenartiger Form wie die altsikelischen sind auf dem 
Festland weiter nördlich bisher kaum nachgewiesen; erst in Süd- 
italien wie bei Matera zwischen Tarent und Potenza ('), und auf 
den Inseln Pianosa, Sardinien sind wirkliche Analogien nachgewie- 
sen, indessen auch hier nicht so, dass man nicht eingehendere Beob- 
achtung bei künftigen Funden und namentlich die Auffindung in- 
takter Gräber wünschen müsste, die in Sicilien ja doch auch nur 
die Ausnahmen bilden, und die, wie Orsi gezeigt hat, systematisch 
gesucht sein wollen. 

Auch der Eitus der Bestattung weist im Besonderen nicht 
so viel Uebereinstimmung auf (-). Eine negative Uebereinstim- 
mung ohne allen Belang ist dass das scarnimento in Italien 
sowenig Avie auf Sicilien sicher erwiesen ist. Das wirre Durchein- 
ander, in dem man öfters (Remedello S. 107) die Todtengebeine 
gefunden hat, ebenso das Fehlen mancher Theile oder Vorletzungen 
vorgefundener durch Kannibalismus oder durch vorläufige Beisetzung 
anderswo zu erklären mag ja möglich erscheinen (3) ; aber Colini 
bemerkt wiederholt, dass jene Thatsachen sich anders erklären las- 
sen; und vorläufige Beisetzung zugegeben, so würde solche, wenn 
zum Zweck der scarniiura angenommen, jene Thatsachen in den 
vermeintlichen iombe secondarie offenbar grade am wenigsten er- 

(•) Die von Sgurgola S.. 207 und Cantalupo-Mandela S. 208, Camerata 
S. 211 sind nicht nur vereinzelt, sondern auch nicht genügend beobachtet 
worden vor ihrer Zerstörung. Ueber Matera s. unten. 

(2) Auch untereinander weichen die verschiedenen Nekropolen des Con- 
tinents ab, z. B. .'n der Orientation, die nach allen Himmelsgegenden vor- 
kommt. 

(3) Vgl. Colini S. 227, 229, 233 f., 238, 253 (Sardinien\ wo immer es als 
Ausnahme zu betrachten ist nach Colini S. 221, 242. 



FUNDE UND FORSCHUNG 167 

klären. Färbung des Schädels (Sgurgola S. 207, Taf. XVI) ist nicht 
bloss zu vereinzelt constatiert, sondern erklärt sich eben in diesem 
Falle, dadurch dass auch ein par mitbestattete Pfeilspitzen in 
gleicher Weise gefärbt sind, am wahrscheinlichsten als Zufall. 
Die öfter beobachtete Beigabe von Schminkstoffen zur Bemalung des 
Leibes, also zum Gebrauch des Todten selbst (vgl. Colini S. 227, 
243), könnte die Ursache sein ; sie ist aber doch noch etwas ganz 
andres als die Färbung des Skeletts. 

Das Bemerkenswertheste am altsikelischen Ritus ist aber jene 
Versammlung der Gestorbenen eines Geschlechtes im Grabe wie 
zum Mahle s. R. M. 98 S. 159 ff., mochten auch des Raumes 
wegen meist die früher Bestatteten bei seite geschoben werden, um 
Neuankömmlingen Platz zu machen. Weil jener mit etruskischem 
Grabbrauch verglichene Ritus in der II Sikelerperiode mit ihren 
geräumigeren Kammern sich deutlicher herausstellt, deshalb ist 
er noch nicht als neuer Ritus anzusehen ; und wenn man ihn 
dennoch, wie Patroni (vgl. R. M. 98 S. 171) als neuen Brauch 
eben durch die Einwanderung der Sikeler vom Festland erklären 
möchte, so müsste er auf dem Festland, da wo Sikeler vorher ge- 
sessen hatten, und gar wo auch nachher noch welche geblieben 
waren, sich nachweisen lassen. Dass Patroni das zu thun vergebens 
sich bemüht hat werden wir bald sehn. In dem was Colini ge- 
sammelt hat tritt jener Ritus nicht hervor ('). Denn wo in Höhlen 
Reste von vielen Todten gefunden sind, war es meist zusammen- 
geworfenes Gebein ; wo aber sorgfältige Beisetzung der Todten mit 
Kleidung Schmuck und Geräth beobachtet worden, wie namentlich 
in Remedello (Colini S. 105 f. von andern Orten und Gegenden 
S. 215 ff.), da waren sie einzeln bestattet, nicht sitzend oder 
hockend sondern liegend (2), meist auf der 1. Seite und nicht zum 
Mahl — denn Gefässe fanden sich vorwiegend in den Gräbern der 

(>) Vgl. Colini S. 211 (bei Livorno), 212 flF. bei Vecchiano in den Monti 
Pisani, 245 Tana della Mussina (Prov. Keggio d'Emilia). Ordentlichere Bei- 
setzung scheint in den der Höhlen Inseln Pianosa und Sardinien in der Umge- 
bung von Cagliari 252 iF. beobachtet zu sein. 

(2) Selbst in naturlichen Höhlen vgl. S. 242. So auch in den wenigen 
grotle artißciali, mit einer, zwei und drei Leichen. Das ganze sepolcreto 
mit seinen vielen Einzelgräbern einer natürlichen oder künstlichen Grotte zu 
vergleichen, wie Colini z. B. S. 226 thut, scheint mir nicht zulässig. 



168 E. PETERSEN 

Frauen (Colini S. 108, 223), nicht der Männer — sondern eher 
schlafend, da so oft (Taf. II, lY) die eine Hand an den Kopf ge- 
legt ist, während die andre eine Waffe fasste oder ihr nahe lag. 
Wo endlich Speisereste mit Kohlen untermischt gefunden wurden, 
da scheint der Gedanke an wirklichen Leichenschmaus der üeber- 
lebeuden näher zu liegen als au Todtenspenden ('). 

Grösser als die Aehnlichkeit der Gräberform und des Bestat- 
tungsritas scheint diejenige der Beigaben, des Steingräths, nur dass 
auf dem Festland die Lanzenspitzen oder pvgnali und Pfeilspitzen 
häufiger, in Sicilien die collelli. Aehnlich sind kupferne Lanzen- 
spitzen und kurze dreieckige Dolche, und von der Thonwaare z. 
T. Formen und Ornamentik. Hervorzuheben ist der eigenthümJiche 
' neolithische ' (-) Becher (R. M. 98 S. 178 YII 6) mit geschweiftem 
Umriss, den ich, weitergehend noch als a. a. 0. S. 181 von dem in 
Sicilien (a. a. 0. S. 166 V 1 f.) so oft und in so vielen Varianten 
gefundenen ' troischen' Becher (^j ableiten möchte, seit auf Monte 
Tabuto solche wie B. p. i. 98 T. XX' 18 und auf Monte Racello 
solche wie XXII 16 zutage gekommen sind, und seit ich Hörnes 
Urgeschichte S. 272 Fig. 98 einen Becher dieser Form mit einem 
Henkel, und mit einem Ornament gefunden das, obwohl in andrer 
Technik, nicht gemalt, doch mit Ornamenten wiederum von M. Ta- 
buto T. XX 6, XXI 2 (vgl XXII 2), grosse Aehnlichkeit zeigt. 
Beispiele aus dem Bresciano bildet Colini Taf. XI ab. Gemalte 
Keramik, in der sikelischen I. Periode so hervorragend, ist auf dem 
Festland rar (Ligurien D. 93 Taf. IX) ; aber zu der eingepressten 
von Stentinello und andern Orten (s. Andrian, Praehist. Studien Taf. Y 
11 und ß. M. 98 S. 178) bieten Colinis Tafeln Yil und XI, aus 
dem Bresciano, und XYIII, von Sardinien, Analogien, letztere frei- 
lich, wie die ganze Stentinello Keramik. ' Schnur '- und ' Band- 
verzierung' (s. Hörnes, Urgeschichte S. 260) vereinend, und schon 
stark der II. Sikelerperiode sich nähernd, auch durch die Taf. ^^Yl. 
abgebildeten Formen mit den scharfkantigen Profilen. 

(>) Vgl. Colini S. 212, 214, 227, 230, 254. 

(2) Vgl. Pigorini R. f. i. VIII Taf- II und Hörnes, Urgeschichte S. 271. 

(3) Ich verdanke Colini S. 286, 124 die Berichtigung eines Irrthunis. 
den ich R. M. 98 S. 166 begangen, indem ich den daselbst V 5 vviedergegebenen 
und S. 180 besprochenen als aus Villafrati im NW der Insel statt aus Grotta 
Lazaro im SO herstammend ausgegebui habe. 



FUNDE t'NI) FORSCHTNO 169 

bestimmtere Züge, besser zu vercfleichen mit dem Altsikeli- 
sehen finden sich, wie gesagt, im Gebiet von 3Iatera. Auf einer 
gegen Norden abfallenden Terrasse, der Murgia Timone sind es 
eine Anzahl (Patroni verzeichnet siebzehn) Hüttenböden, nicht ein- 
getieft, sondern im Gegentheil erhöhte, etwas gewölbte Sockel von 
Steinen, wie sie die Hütten der alten Germanen und Sarmaten auf 
der Marcussäule (z. B. Sc. XVIIl, XX, LXXI, ClI) haben, und wie der 
Theil eines solchen, den Orsi noch auf Monteracello fand und a. 0. 
S. 204 darstellte. In einem, dem von Matera, welchen er auf S. 426 
abgebildet hat, erkannte P. zu beiden Seiten des Mittelpunkts zwei 
rohbearbeitete Herdsteine [alari), und daneben ein rundes Loch, einst 
die Ceutralsttttze der Hütte aufzunehmen bestimmt, wie P. anspre- 
chend vermuthet. Nahe den ' Hüttenböden ' liegen drei Gräber, nur 1 
unter sorgfältiger Beobachtung von Patroni ausgegraben, 2 und 3 
früher ohne solche. Zwei davon liegen an einem Graben, der, fast 
schon abseits von den Hütten, 1,80 breit, 0,80 tief in den weichen 
Kalkstein hineingetrieben, 164 Meter weit von P. verfolgt ist, ohne 
dass seine Bestimmung klar geworden wäre. Er scheint ausser Be- 
ziehung zu den Gräbern, obgleich das eine derselben unmittelbar, 
das andere dicht an demselben gelegen ist, und beide zwar nicht 
mit ihrer ersten Anlage, w^ohl aber mit ihrem Abschluss wenigstens 
die partielle Ausfüllung des Grabens zur Voraussetzung haben. 

Denn die Mündung des senkrecht in den Boden getriebenen 
Schachtes, des 'poz^etto, ist von einem einfachen Steinkreise bei 
Grab 1 und 3, von einem zweifachen bei dem Doppelgrab 2 um- 
geben, und diese Kreise, die an die Circoli vornehmer Gräber von 
Vetulonia, oder an die Steinkreise von Golasecca, und in Mittel- 
italien bei Tolentino (s. Gentiloni-Silveri N. S. 83 S. 3 f.), oder um 
noch Grösseres und Ferneres heranzuziehn, an den vielbesprochenen 
Plattenkreis von Mykenae erinnern mögen ('), greifen über den aus- 
gefüllten und gegen den Schacht von 3 abgemauerten (2) Graben 

(*) Vgl. Falchi, Vetulonia S. 75 circoli interrotti und S. 91 c. continui; für 
Golasecca Montelius, civilisation I, Taf. 43, Text S. 234 ; für Mykene Bel- 
*,'ers Referat über Tsuntas - Dörpfeld's Controverse im Arcli. Jahrbuch 95, 
123 fg. Vgl. auch die Steinkreise der Samischen Norduekropole bei Boehlau, 
aus ionischen und ital. Nekrop. S. 32 f. 

(2) Diese Abmauerung wäre ebenfalls sehr wohl, ja nothwendig erst bei 
Anlegung des Grabes ausgeführt zu denken. 

12 



170 E. PETERSEN. 

hinüber. Vom Boden des Schachtes aus führt die fensterähnlich kleine 
Thür mit hoher Schwelle in die Kammer nicht ganz regelmässiger 
Form, mit vier abgerundeten Ecken, darin eine sehr erhebliche Zahl 
von Skeletten lag, und mit diesen beigesetzt allerlei persönliche Aus- 
stattung von Stein, Bronze oder Kupfer, Glas, Harz. Bergkristall, 
Knochen, endlich Thongeschirr. Das sind unleugbare Uebereinstim- 
mungen mit den altsikelischen Gräbern, die schon Quagliati B. 96, 
282 tf. hervorgehoben, Patroni dann noch greifbarer herauszuarbeiten 
sich scharfsinnig aber nicht vorurtheilsfrei bemüht hat. Bei den, nach 
Füllung der Kammer von 1, in dem engen Schacht noch Beigesetz- 
ten, deren Leichen in dem 1,05 X 0,90 messenden Raum überhaupt 
kaum anders als gekrümmt, und mit den Köpfen an die Wände 
lehnend liegen konnten, darf von dem in den sikelischen Kammern 
— nicht den Vorräumen — beobachteten Ritus (s. R. M. 98 S. 161) 
den P. erkennt, nicht die Rede sein : und in der Kammer ist nur 
ein völliges, nach Patroni durch Thiere verursachtes Durcheinander 
gefunden worden. Also der ritus, den Patroni S. 504 und 508 als 
fatto hinstellt und ausmalt, ist in Wirklichkeit hier gar nicht beob- 
achtet worden. Das von Orsi für Sicilien mehr angenommene als 
bewiesene scarnimento will P. hier durch zwei Beobachtungen fest- 
gestellt (vgl. S. 504 und 508) haben, die andre schwerlich für 
beweiskräftig halten werden ('). 

Die Form der Gräber, weniger noch der schon annähernd re- 
gelmässigen 1-3, als vielmehr der gewöhnliche materanische runde 
backofenartige Typus, von welchem P. f. 511 if. ein Beispiel abbil- 
det, sodann die Massenbeisetzung lassen diese in Matera nachge- 
wiesene Culturschicht besonders mit den Gräbern von Orsi's I. Sike- 
lischer Periode übereinstimmend erscheinen, deren Ausstattung nur 

(1) S. 449 f. dient als Beweis wieder die Unmöglichkeit, in so engem 
Raum zweiundzwanzig Leichen beizusetzen, als ob alle zugleich beerdigt wären ; 
S. 450 der Fund eines Flintmessers nahe einem Schädel (vgl. E. M. 98, 161). 
Der Hauptboweis ist, dass in die Augenhöle eines Schädels, der in einer Ecke 
des pozzetto 1 gefunden wurde (S. 444 f.) eine Glasjjerle eingedrungen war. 
Das soll nach S. 494 nur so möglich gewesen sein, dass der Kopf sich vor- 
gebeugt und die am Halse desselben Todten noch hangende Perle aufgefangen 
habe ; und auf gleiche "Weise wird das Eindringen einer Muschel fig. 70 auf 
S. 480 erklärt und als novella prova questa della fronta scarnißcazionc che 
si eser/uiva sul morto ausgegeben. Ein wenig überzeugend aufgebotenes Spiel 
der Phantasie oder des Scharfsinns. 



FUNDE UND FORSCHUNG 171 

an Steingeräth ('), vielleicht aus localen Ursachen, reicher, sonst, wie 
sie K. M. 98 S. 164 kurz angegeben ist, wesentlich dieselbe ist 
wie im Grabe 1 von Matera. 

Anders urtheilt Patroni, der in Matera die Bestätigung seiner 
R. M. 98 S. 170 beleuchteten Ansicht findet, wonach Orsi's I. Periode 
noch den Sikanern, und erst die II. den aus Italien eingewanderten 
Sikelern gehören soll. Es ist diese Beweisführung ein weiterer 
Schritt auf der R. M. 98. S. 174 charakterisierten Bahn. 

Was P. von Uebereinstimmung der Grabform und des Ritus 
sagt, das steht mit seinen eigenen früheren allerdings schillernden 
Aufstellungen, in Widerspruch (2); so bleibt als Beweis nur der 
behauptete gleiche Charakter der Keramik ' ad imi^aüo brimo, priva 
di colori, con piani che talora s'incontrano ad angolo vivo ' (S. 513, 
genauer S. 481, etwas anders die nach P. altertümlicheren Scherben 
aus dem zugeschütteten Graben S. 439). In Wahrheit steht die Sache 
vielmehr so, dass die Bereitung und Glättung des Thones (nicht 
Färbung wie in II), die Formen der Gefässe und besonders auch 
der Henkel, endlich die Musterung vielmehr, wie Quagliati richtig 
bemerkte, in Stentinello B21IL 1890 T. VI ff. (vgl. besonders VI 22 
und VIII 4, 14 mit N. S. 97 S. 207, 32, und ebda 33 mit VI 10) 
und Castelluccio B. 1892 T. III ff. 1893 T. V f. also in der ' presike- 
lischen ' und I eher als in der schon so viel vollkommeneren, und 
speciell auf der Grundlage von I vervollkommneten Keramik von II 
ihres Gleichen finden. Patroni betont dass in Matera wie in der 
II. Periode die Malerei fehle {^) ; aber Quagliati S. 283 bezeugt 
ausdrücklich: ma fra i coeci della cauerna ' de inpiürelli' pa- 
recehi assiimono speciale importanm perche, essendo frammenii 

(1) Indessen bezeugt Quagliati S. 284 la suppellettile litica della Ca- 
oerna de' pipistrelli e mimerosissima .... molte laminetce a mo' di coUellini; 
weiter le ascie, come nel siracusajio, sono poche u. s. w. 

(2) Früher (vgl. R. M. 98, 171) schien P. mit den Sikelern in Sioilien un 
rite funeraire nouveau eingezogen, der sich in Nischen an den /b/'^jo-Grotten 
und in dem Aufhören des scarnimento kundgäbe. In Matera findet P., wie er 
meint, sichere Beweise der scarnitura, und Nischen sind daselbst (vgl, auch 
.V. S. 97 S. 211) nicht häufiger als in I. Nekropolen Siciliens. 

(3) In N. 97, 204 erwähnt er rothgebrannte Scherben mit alcune deco- 
razioni a piccole bände trasversali hrune e rosso-carminio. Non saprei indi- 
care rhcontri per tali vasi che non somigliano in nulla quelli del Castel- 
luccio. 



172 E. PETERSEN 

dl vaso a fondo rossiccio coii oraalo e fascie dipinte in nero, 
corae sono i noti frammenU colorati .... del Finalese^ . . . od ancor 
sviluppati, ricordaiio la ceramica . . . del villaggio di Castelluccio. 
Und damit nicht genug, aucli das Ornament, welches aus eingeritzten 
Linien und eingestocheneu Punkten besteht, geht über das an den 
eben genannte Plätzen gefundene nicht hinaus, kaum auch mit dem 
unförmlichen ' Mäander ' {') tig. lOl (vgl. Stentinello VII 20, Mon- 
teracello ß. 98 XXII, 2). 

Der Versuch in Matera die Sikeler auf ihrer Wanderung nach 
Sicilien zu beobachten ist also ebenso fehlgeschlagen wie früher der 
Versuch, die Funde Orsi's zwischen Sikelern und Sikanern in Si- 
cilien aufzutheilen. 

Bei der Besprechung der Gräber von Pachynon aus der II. Pe- 
riode wirft 0. den schon N. 92 S. 324, 2 angedeuteten, bald aus- 
zuführenden Gedanken hin, dass alle zunächst um Syrakus herum 
gelegene Nekropolen Plemmyrion, Pachynon, Cozzo del Pantano nicht 
über die II. Periode hinabgingen. Diese Thatsache erkläre sich nur 
durch das Zurückweichen der Sikeler vor einem übermächtisfen 
Eindringling, und dieses könnten, da von Phoenikern, trotz Thu- 
kydides, keine Spur sei, nur die Griechen sein. Da nun die II. Pe- 
riode nur bis zum 10. Jhdt. v. C. reiche, müsste das Auftreten der 
Griechen in Sicilien um zjvei bis drei Jahrhunderte früher angesetzt 
Averden als nach den traditionellen Colonisationsdaten. So käme 
denn das von Heibig und andern zurückgewiesene frühe Datum von 
Kvmes Gründung wieder in Frage. Indessen darf man zweifeln, 
ob die gut bezeugten Gründungsdaten dem hauptsächlich aus den 
mykenischen Vasen in den Gräbern der II. Periode abgeleiteten 
Calcül zu opfern sei ; zAveifeln auch, ob die III. Periode mit conkreter 
Eigenart jene drittehalb Jahrhundert genügend fülle, um eben die 



(') Zu ihm macht Patroni eine befremdliche Bemerkung S. 493 questo 
fntto, in ambiente preistorico e neW assoluta impossibilitä di contatti con 
la gente ellenica e la civiltä che fxoii poi nel bacino Orientale mediterraneo 
mostra quanta tara bisogna fare alV opinione che la decorazione a meandro 
sia nel suolo italico un' importazione greca. Orientalische Einflüsse erkennt 
I'. schon in Grab 1, wie in den anderen, von denen 2 b (worin die Scherbe mit 
Mäander sich fand) jünger ist als 2 a; und 3 enthielt Fibeln, wie sie weiter 
entwickelt in sicilischen Gräbern der III. Periode vorkommen, in denen auch 
entwickeltere Mäander erscheinen. 



FUNDE UND FORSCHUNG 173 

IL von der IV. soweit abzuhalten. Es will mir vielmehr scheinen, 
dass die IV., welche durch den Parallolismus der letzten sikelischen 
mit der besser bekannten und zeitlich fixierten griechischen Keramik 
in der That etwa vom 8 bis 5. Jhdt reicht, mit der III. zu einem 
guten Theil zusammenfällt. Das Hauptmerkmal der III. sind die 
Anfänge des in der IV. herrschenden geometrischen Stiles im en- 
geren Sinne, vertreten durch importierte Gefässe und deren locale 
Nachahmungen. 

Auf den ersten Blick könnte häufigeres Vorkommen von gra- 
vierten Clefässen in III (vgl.z.B.Finocchito^9./9.z.79T. VI) noch grös- 
sere Nähe der II. Periode anzuzeigen scheinen ; aber dieselben sind 
entweder mit den jüngeren zusammengefunden, wie T. VI 23 und 24 
S. 171, oder selbst von jüngerer Form, Avie der Askos VI 6, oder 
durch das Ornament selbst als jünger erwiesen, Avie die Mäander- 
vasen B.91 S. 167 und T. VI, 11. Die protogriechischen Gefässe, 
die nicht etwa in einzelnen Gräbern blos vorkommen, sind also das 
Bestimmende. Sie würden die III. Periode, die sich somit als den 
Uebergang und Anfang der IV. darstellt, nach den gewöhnlichen 
Daten um die zweite Hälfte des 8. Jhdts. ansetzen lassen, und 
thatsächlich nennt Orsi oft die III. und IV. zusammen, und zählt, 
in seinem Verzeichniss der Nekropolen IV. Periode auch die zur III. 
gerechneten wieder auf ('). 

Beachtenswerth ist allerdings, dass nicht etwa blos die imitier- 
ten sikelischen Gefässe in Syrakus und Megara nicht gefunden wur- 
den, sondern auch nicht die originalen (-). Diese Thatsache recht- 
fertigt aber noch nicht den Schluss auf einen den Gründungsjahren 
734 von Sj'rakus und von Megara weit voraufliegenden Verkehr 
mit den Griechen. Denn wie sollte der nach Finocchito hin reichende 
Verkehr nicht auch schon Svrakus berührt haben, einerlei ob man 
ihn mit Orsi überhaupt zwei bis drei .Jahrhunderte früher beginnen 
lässt oder nicht? Da ist es doch einfacher jene Gefässe aus oder 

(}) Finocchito, Tremenzano, Noto Vecchio, Lentini. 

(2) Dies constatierte Orsi schon B. 94, S. 61; nur eines gäbe es aus Me- 
gara. Aber eine Amphora von Sj'rakus ist wenigstens N. 93, 463, aus späterer 
Zeit, die ja auch an einem Theil der grossen Krater del Fusco (die Orsi we- 
nigstens erwähnt S. 351) sich zu erkennen giebt, wie N. 95, 185, verglichen 
mit den rein geometrischen N. 93, 477 und 95, 135, 137, 161, 172, 176 und 
93, 459 f. und 95, 159, die einen Uebergang machen. 



174 E PETERSEN 

über eine andere, etwa ionische Colonie der sicilischen Küste ein- 
geführt zu denken. Genug, es ist kein neues Element, dessen Auf- 
treten die IV. Periode, gegenüber der III. so charakterisierte und 
absonderte, wie die I. durch die gemalte Keramik, die II. durch 
die mykenische, die III. durch die frühgriechischen Gefässe gekenn- 
zeichnet wird. Denn die lokalen Nachahmungen dieser frühgriechi- 
schen Erzeugnisse beginnen alsbald neben dem Import, und auch 
grössere geometrische Gefässe, die anforoni sind z. B. in Finocchito 
nicht etwa blos in den spätesten Gräbern gefunden (*). Endlich 
ist auch die Form der Gräber in IV, so richtig sie von Orsi für 
den sikelischen Charakter der Nekropole geltend gemacht wird 
(S. 326), doch nicht aus der Grabform der III. Periode abzuleiten 
sondern aus einer älteren. Denn die loculi, welche in Licodia-Eubea 
links und rechts neben dem grabenartigen Gang zu liegen pflegen, 
der vom possetto, dem Schacht her führt, sie sind nicht entstanden 
aus den viereckigen Kammern mit Kopfbank an einer Wand entlang 
wie sie in Finocchito {B. 94 T. II) und Tremenzano {B. 92 T. I.) 
üblich sind; sondern sie leiten sich ebenso wie, diese direkt aus 
der alten Nischen-Kammer der IL und I. Periode her, und schon 
die Grotten von Matera mit den erhöhten Betten neben dem schmalen 
tieferen gangförmigen Mittelraum haben mit den Kammern von 
Licodia grössere Aehnlichkeit als die von Finocchito. 

Von dem Thongeschirr gilt dasselbe. Orsi selbst hat wiederholt, 
z. B. R. M. 98, 349 f. hervorgehoben dass die Formen der besseren 
sikelischen Gefässe in der letzten Periode ein Gemisch aus Sikeli- 
schem und Griechischem darstellen, indem sowohl Amphoren — we- 
niger die Hydrien — als Schüsseln scodellom, die Schalen Ky- 
likes und Kannen oder Oenochoen ihre Vorläufer in den frühe- 
ren Perioden haben, was nur vom Askos nicht gesagt werden kann. 



(1) Im Ganzen waren deren zwölf (B. 97 S. 191), in elf Gräbern. Keines 
aber dieser Gräber, soweit wir Genaueres von ihnen hören, enthielt neben jenen 
Amphoren etwas aus dem Eahmen der III. Periode herausfallendes. Im Gegen- 
theil waren im Grabe n. 54 auch noch zwei ollette con anse acuminate, eine 
ältere Form nach Orsi ; und in n. 44 rechnet Orsi selbst den anforone offenbar zu 
einer der ältesten der sieben deposizioni dieses Grabes. Not. 02 S. 324, 2 erfahren 
wir sogar dass eines der grössten sikelisch-gcometrischen Gefässe in Donna- 
scala bei Giarratana in den Bergen südlich von Motite Lauro mit zahlreichen 
Flintmessern gefunden wurde. 



FUNDE UND FORSCHUNG 175 

Besonders reich entwickelt ist das Geschlecht der Kannen, deren 
Spielarten bis in die II, und I. Periode hinauf sich zurückver- 
folgen lassen, bei deren Formeneutwickeluug wir aber zu berück- 
sichtigen haben, dass das sikelische Geschirr diese Entwicklung 
doch nur in Reflexen zeigt, dass die eigentliche lebendige Entwicke- 
lung dagegen auswärts zu suchen ist, sei es an einem sei es an 
verschiedenen Orten. 

Der Zusammenhang der III. u. IV. Keramik mit der älteren, 
den Orsi für die Formen zugiebt, besteht nun ohne Zweifel auch 
für das Ornament wo Orsi ihn leugnet. Was dieser nämlich S. 351 
von den Amphoren und 355 von den Askoi sagt, versteht er offenbar 
von dem ganzen Decorationssystem, das für ausschliesslich grie- 
chisch und sfrundverschieden von der Decorationsweise der II. und 
I. Periode ausgegeben wird, von denen jene unorganisch sei, diese 
nun einmal durchaus Geflechtformen nachahmen soll, die ja doch 
auch auf jenes System sich rechtwinklig kreuzender Linien führen 
müssten. In diesen Mittheill. 98 S. 177 ff. ist schon in der Sten- 
tinello-Keramik, also der ' vorsikelischen ' Periode die beginnende 
Organisierung des Ornaments nachgewiesen; auch in der reichen I. 
Ornamentik fehlen weder die horizontalen Zonen noch die vertika- 
len Theilungen, es fallen nur die Schrägen der Zickzacke, der Rhom- 
ben u. s. w. stärker ins Auge; und andrerseits fehlen diese auch 
den Amphoren u. s. w. der III. IV. Periode nicht. Ebenso ist die 
Vertikaltheilung bei etwa der Hälfte der abgebildeten Gefässe der 
IV. Periode nicht vorhanden. Kurz, ein Princip organischer Raum- 
theilung und bewusster Unterordnung der ornamentalen Elemente 
unter jene Raumtheilung, ja auch bestimmte Wahl gewisser Ele- 
mente für gewisse Theile des Gefässkörpers wird man der Keramik 
von Monte Tabuto B. 95 T. VI und 98 T. XX-XXII oder von 
Girgenti B. 95 T. IV und 97 T. I unmöglich absprechen können. 
Die geometrischen Vasen, die Conze in seiner berühmten Abhand- 
lung sammelte, sind ja im Allgemeinen in Form und Verzierung sehr 
verschieden von jenen sikelischen, die zweifellos älter sind, und denen 
eine Reihe von Elementen, die auf jenen gebräuchlich sind, fehlen. 
Dennoch darf man getrost behaupten, dass Gefässe wie die Leydener 
Amphora (Conze, Zur Gesch. d. Anf. T. I oder die Kopenhagener 
T. IX 2) hinsichtlich der Gesammtwirkung des Ornaments viel mehr 
Aehnlichkeit mit der Amphora (mit zwei Henkelpaaren) aus der Um- 



176 E- PETERSEN 

gegend von Girgenti B. 95 T. IV, 2 haben als mit irgend einem der von 
Orsi abgebildeten Gefässe der IV. Periode. Dass geometrisch verzierte 
Gefässe solcher Art, wie sie in Cypern oder in Athen oder in Boeotien 
gefunden sind, den sikelisch-geometrischeu der III. IV. Periode ver- 
wandt sind ist gewiss richtig ; dass solche Verwandtschaft griechischer 
geometrischer Stile sich aber auch nach oben zu der Keramik der I. 
sikelischen Periode erstreckt wird begreiflich durch das was schon 
R. M. 98 S. 190 bemerkt wurde, dass ein Hauptmotiv der sikeli- 
schen L Ornamentik, nämlich die sich kreuzenden Doppel-Diago- 
nalen mit anderen Motiven, gewiss mehreren, als wir zufällig noch 
erkennen, den Sikelern auf jenen knöchernen ' Dolchscheiden ' zu- 
getragen wurden. Einzelnes dafür anzuführen wird später Gele- 
genheit sein; hier sollen nur einige Motive von Orsi's sikelisch- 
geometrischem Stil genannt sein, die auch schon der I. und 11- 
Keramik eignen, so die schon R. M. 98 S. 189 durch II und I bis auf 
troische Vasen zurückgeführten svolazsi, d. h. die von den unteren 
Henkelansätzen ausgehenden geschweiften, schwingenden Band-Enden 
gleichenden Linien (Orsi fig. 17, mit R. M. 89 S. 188 X 4 f., unten 
Fig. 2, zu vergleichen auch Orsi 18 und 26, wenn diese nicht wie 71 
und 72 das bekannte S Ornament sind); die festoni 17 und 18 (vgl. 
R. M. 98 S. 189); die iremoli, namentlich wo als Doppellinie vertikal 
zwischen Horizontalen oder umgekehrt, wie Orsi 46, zu vergleichen 
mit den I. Bechern R. M. 98 S. 185 VIII 3; die Diagonalen 0. 46, 65 
mit eben jenen Bechern ; ferner die Romben 54, die innen von Punkten 
begleiteten Doppellinien 0. 74, wie schon in Stentinello und dann 
besonders in der II. Periode: R. M. 98 S. 163 III. und S. 178 VII 5; 
ganz besonders aber die X mit zwei gefüllten Scheitelwinkeln 
{clepsidre) wie 74, 76, 77, die ebenso wie das aus dem Hakenkreuz 
enstandene Schema 0. 78 schon in der I. Malerei auftaucht: R. M. 98 
S. 185 VIII 6 und 10 und ebenda 13 und 1 (ein wenig anders). 
Nachdem in der durch Ors'is Verdienst soviel besser bekann- 
ten Keramik seiner dritten und vierten Periode das Fortleben 
von in vorhistorischen Zeiten überkommenen Formen auch noch 
in historischer Zeit constatiert ist, trotz der Uebermacht notorisch 
griechischer Einflüsse, die freilich auch selber von jenen in vorhisto- 
rischer Zeit nach Sikelien reichenden Anregungen nicht unberührt 
sein können, sehen wir nun wie weit auch in Süditalien ähnliche 
Beobachtungen zu machen durch Forschungen der letzten Jahre 



FUNDE UND KORSCHU'NG 177 

Gelegenheit gegeben ist. G. Patron i hat in den Momimeiiti antichi 
der Lincei VI (allerdings schon 189G) über vasi arcaici delle 
Piiglie nel Museo Nationale dl Napoli, eine Studie mit guten 
Abbildungen veröffentlicht, deren Inhalt in Kürze als Eingang zu 
weiteren Untersuchungen wiederholt ist in desselben La Ceramica 
antica neW Italia meridionale, Neapel 1897 S. 19f. (^). 

Mit Recht scheidet P. sein Material zunächst einmal in zwei 
Theile; aber es war ein grosser, von M. Mayer N. 98 S. 207 be- 
leuchteter Irrthum, durch ein par Aeusserlichkeiten, wie etAva die 
Form des Doppelaskos oder durch die Zeichnung der menschlichen 
Köpfe, sich verleiten zu lassen, die erste dieser Klassen, wenn auch 
durch Jahrhunderte getrennt, dennoch für direkt von ' aegaeischer ' 
d. h. mykenischer Tradition abhangen zu lassen, wo trotz aller, 
nicht so sehr aus Ungeschick wie aus flüchtigem Handwerk ent- 
sprungener Kritzelei sogleich deutlich sein musste, dass nicht eine 
Degeneration mykenischer sondern griechischer z. T. spätitalisch- 
griechischer Ornamente vorliegt. Grade weil die Langlebigkeit, man 
möchte sagen Unsterblichkeit gewisser Motive oft zweifeln lässt, 
welchen Alters die einzelne Erscheinung derselben sein möge, deshalb 
ist es lehrreich, hier einmal recht deutlich zu erkennen, dass diese 
Kritzeleien nicht mykenische sondern griechische Ausgestaltung der 
Motive zur Grundlage haben, wie bei dem Gefäss auf P.'s Tafel XIII 
1 in Ornament 1 ^= 5 (von oben gezählt) 3 = 7, mit den auf den 
Ranken laufenden Thieren, 6 der dreistrichigen Ranke (vgl. R. M. 97 
T. X), ohne Weiteres klar ist; die letztere erst apulischen Vasen 
nachgebildet. In dem Landschaftsbild genügt ein Blick auf das 
Ganze, auf die Bewegung der Figuren — deutlicher bei denen 
S. 361 und wiederholt La Ceramica S. 19, gar bei den lustigen 
N. 98 S. 210 — endlich auf die Zeichnung der Blätter, um das 
Richtige zu erkennen, das ja auch durch die Inschrift Fig. 3 nicht 
eben verdunkelt wird. Ganz bekannte griechische Schemata sind 
auch T. XIII Fig. 2 Orn. 1 und 3. Unter diese, als Zeugen alter 

{}) Vgl. B. p. i. 98 S. 67,2. Die apulischen geometrischen Vasen waren 
längst beachtet, auch von solchen die nichts darüber veröiFentlichten. Sie ha- 
ben aber auch in neueren Vasenkatalogen lange ihren Platz, so bei Furtwäng- 
1er, Beschreibung d. Vas. i. Ant. Berlin, 1887 S. 29 ff.; Winnefeld Beschr. 
d. Vasensamml. Karlsruhe 1887 S. 6; Masner, Sammlung ant. Vas. u. Terrae. 
Oesterr. Mus. Wien 1892. 



178 E. PETERSEN 

Tradition so gut wie gar nicht in Betracht kommenden Gefässe ist 
nun aber achtlos eines von ganz verschiedener Art gerathen ; näm- 
lich der kleine unförmliche Askos o Fig. 12, welcher vielmehr in 
die zweite Klasse, die geometrischen Vasen gehört, auch hier etwas 
isoliert. Werden aus dieser die wiederum ungehörig eingemischten 
Stücke (^) ausgeschieden, so ist an dem Kest der eigenartige und alter- 
thümliche Charakter des Ornaments wirklich auffällig. Aber nicht ge- 
nug dass die bis jetzt älteste Keramik jener Gegenden, nämlich die 
Tarentiner in der ersten Arbeit P. noch unbekannt geblieben (-) 
scheint, und erst in der zweiten S. 7 ff. herangezogen wird, so 
werden auch noch unterschiedslos Gefässe zusammengebracht, welche 
von andrer Seite, nämlich von M. Mayer, dem Direktor des Mu- 
seums in Bari, auf Grund grosser Vertrautheit mit dem apulischen 
Material, strikt zu scheiden versucht wird, in diesen Mittheilun- 
gen 1897 S. 201, 1898 S. 13. Freilich sind bei diesen Zutheilun- 
geu manche Provenienzangaben in aufgeklebten Zetteln alter Mu- 
seumsstücke verworfen, aber nie ohne Angabe bestimmter Gründe. 
Als südapu lisch stehen hier voran die Rotellenamphoren 
{torzelle mit landesüblichem Namen schon bei Lenormant, Ga- 
zette archeolog. 1881/2 S. 106 genannt; s. Furtwängler Berl. Vas. 
Taf. IV 14) mit, der Regel nach, zwei Scheibenpaaren, die senk- 
recht aussen an die Henkel sich heften, eines am Mundansatz, 
eines in der scharfen Biegung des Henkels ; hoch über dem Munde ; 
danach Kannen {brocke), k^Yoi.urne besser Krater genannt. Letztere, 
z. T. sehr ähnlicher Form, sind das Hauptgefäss der mittelapu- 
lischen Zone, daneber wieder Askoi, ein- und zweihenklige Tassen 
oder Kannen, Schalen, Schüsseln u. s. w. Die systematische Behand- 
lung der nordapulischen Gattung von Mayer liegt noch nicht 
vor; als Ersatz mag aber einstweilen ein ausführlicher Bericht 
(TV. 98 S. 195) von Mayer über Funde in Canosa, einem Hauptorte 
dieser Zone dienen. Hierher gehört auch das Meiste von dem was 
Patroni seiner zweiten Klasse zutheilte : Tassen flach und tief, mit 
hohem bandartigem Henkel, Kannen oder Tassen, deren flache Mün- 

0) Z. Th. von P. selbst bemerkt, (vgl. auch M. Mayer R. M. 1899 S. 14 
Anm.) so alles von ßß an. Den Askros s. unter Fig. 4. 

(*) S. 9 sagt der Verf. allerdings: In conclusione, per i veri conoscitori 
del materiale archeologico della bassa Italia, questi vasi di Taranto non 
sono una novitä. 



KUNDE UND FORSCHUNG 179 

duDg ohne Hals auf dem birnförmigen Körper sitzt, von wunder- 
licherer Form die gedrückt birnförmigen Krüge mit trichterförmi- 
ger Mündung, zwei Stümpfen neben zwei wirklichen Henkeln, Askoi 
mit vogelähnlichem Leibe, ferner jenes seltsame aus dem Askos 
gewordene Gefäss, das Patroni für eine Lampe hält, das aber viel- 
mehr zugleich zum Trinken durch ein Sieb oder zum Saugen, so- 
fern der Kopf des Thieres gegenüber dem Sieb durchbohrt ist (bez. 
wenn die zAveite Mündung weit, gleich der Eingussmündung ist, 
zum Giessen) geignet ist: Mon. Line. YI S. 378, Fig. 21 f., die 
Form Furtwängler Berl. Vas. Taf. V 86. Aus dem Askos, der selber 
rundbauchig wird, entwickeln sich dann auch die grossen Doppel- 
askoi, sei es durch ein gewisses Gefühl für Symmetrie, sei es durch 
denselben Sinn, der auch schon jene barocken Giess-Trinkgefässe 
und nun auch die Doppelsitulae erzeugte. Damit und mit den auch 
in der Form hellenischen Thyraiaterien, Kalathoi u. s. w. ist diese 
Entwickelung bei jenen letzten Phasen angelangt, die Patroni als 
Italisch-Mykenisches an den Anfang stellte. Das zeigt sich auch 
im Ornament, das in der süd- und nordapulischen Keramik von rein 
geometrischem Linienspiel sich mehr und mehr zur Nachahmung 
von PÜanzen und lebenden Geschöpfen wendet ; während die mittel- 
apulische bei ihren rein abstracten Schemata verharrt. Was dies 
verursachte, das brauche ich hier nicht zu erörtern ; wohl aber 
muss betont werden, dass die nord- mittel- und südapulische Kera- 
mik trotz aller späteren Ditferenzierung gemeinsame Grundzüge hat, 
sowohl in den Formen als im Ornament. 

Was die Formen anlangt, so ist nicht blos der Askos allen 
drei Zonen gemeinsam; auch der Krater mit den Köhrenhenkeln 
und der Annäherung an den Colonnettkrater Mittel- und Südapu- 
lien gemeinsam, sondern Amphora, Kanne, Tasse haben in Nord-, 
Mittel- und Südapulien dieselbe kugelige oder besser birnförmige 
Grundform. Dazu kommen recht auffällige Uebereinstimmungen in 
der Henkelbildung, nicht blos die Neigung den Henkel oben in schar- 
fem Knick zu biegen, sondern, vorzüglich charakteristisch die Ver- 
zierung mit den Scheibchen roteile, die entweder quer dem Henkel 
aussen angeheftet sind, oder der Fläche aufliegend. Das bekannteste 
Beispiel solcher Henkelverzierung bieten eben die südapulischen 
torzelle, bei denen Patroni und Mayer jeder eine andre Erklärung 
dieser Heukelzuthat geben. Jener glaubt die Form von Lucanien 



180 



E. PETEliSEN 



herübergekommen wo er zwei (') bauchige Gefässe abgebildet N. 
97 S. 168, 18 lind 169, 20 B. 98 S. 70 imd 72) gefmiden hat, 
auf deren geometrisches Ornament noch zurückzukommen ist(-). Das 
eine einhenklige, wohl als Kanne anzusehen, hat die Scheibchen 
am oberen Ansatz des nur bis zur Mündung, nicht darüber, sich 
erhebenden Henkels, also ähnlich wie die zwei südapulischen Kan- 
nen, Mayer 98 S. 213, welche indessen die Scheibchen auch am 
unteren Ansatz haben. Das andre war zweihenklig, der Form nach 
der tor^ella Mayer 98 S. 204 ziemlich ähnlich, nur die Henkel 




Fig. 1. 



y p-a.p. 



mehr wie bei Fig. 2 auf der folgenden Seite gebogen. Jenes luka- 
nische Gefäss nun hat die Scheibchen nicht an einem der Ansätze 
sondern an der oberen Biegung des Henkels, und diese Gefässe 
schreibt P. nach den mitgefundenen Bronzen dem 6. Jhdt. v. Ch. 
zu. Sie wären also älter als irgend eine apulische tor;;ella nach 



Q) Im B. 98 S. 7t Anm. erwähnt P. allerdings noch ein par ' archaische ' 
winzig kleine torzeUe im Museum von Capua. 

(2) In meiner Figur 1, gleich den folgenden einem Notlibeliolf. sind nur 
Henkelformen skizziert, oben in der Mitte der eigentlichen Torzelle, links 2 
und 3 von Patroni's Vasen aus Vallo di Diane, rechts von Mayers Lecceser 
Amphora, weiter rechts und unten die von mir weiterhin verglichenen Henkel- 
foriiien von Tarentiner und apulischen Gefässen in Neapel und Bologna mit 
an- und aufliegenden Rotellen und Augen. 



KUNDE UND FORSCHUNG 



181 



Mayers eigener Zeitscliätzuug. Aber das Beispiel ist vereinzelt ; und 
ausserdem ist es, wenn griechisches Vorbild zugegeben wird, nicht 
so erheblich, ob dieses über Lucanien nach Apulien oder um- 
gekehrt seine Wirkung ausgeübt (0. Darf man doch auch nicht glau- 
ben, den Strom solcher Einwirkung grade handwerklicher Erzeugnisse 
in ein einziges Bett zwängen zu können. Wichtiger ist für den 




i/allo dl J^'ona 



Fig. 2. 



fi) Man vergleiche in Fig. 2 das Gefäss von Vallo di Diano mit dem 
von Metapont, genauer von einer 14 kilom. von Metapont entferten Stelle, und 
man wird nicht in Abrede stellen können, dass die sonderbaren Haken an der 
unteren Zone beider gleichen Ursprungs sind. Bei Metapont sind wir aber 
ebenso weit von Südapulien entfernt wie von jenem Theile Lucaniens. Der- 
selben Herkunft bei Metapont notierte ich im dortigen Museum vor etwa zehn 
Jahreil sowohl bessere Vasen gleicher Form, auch ohne den horizontalen 
Henkel mit derselben Ornamentik: wechselnd Gruppen schwarz und hellbraun- 
röthlich auf gelblichem (von Ueberzug ?) Grund geraalter Zonen, als auch 
gemeine mit schmutziggrauem Grund und von plumperer Form, beide mit 
denselben Haken oder bald mehr hängenden, bald mehr schwingenden Schwänz- 
chen an der unteren Zone. Es ist evident dass diese Schwänzchen einer 
Abstammung sind mit den schon erwähnten svolaszi, welche von den Hen- 
keln sikelisch-geometrischer Hydrien ausgehn, so auf dem nach R. M. 98 S. 315 
hier in Fig. 2 wiederholten Stück von Licodia, mit solchen gemalten Fortset- 
zuno-en sowohl des vertikalen wie des horizontalen Henkels. Zu beiden finden 
sich mehr Beispiele R. M. 98 S. 188 17 f.; besonders 18 b. Ebenda sind auch 
schon die z. T. völlig gleichen Henkelfortsetzungen in sikelischer Keramik 
verglichen, gravierte der zweiten, gemalte der ersten Periode. Täuscht mich 
eine Skizze nicht, so bietet ein doppelkonischer Kelch mit drei Stützen im 
Syrakusaner Museum, bei jüngeren Sachen von Pantalika gesehen, aber au- 
gensclieinlich erster Periode, ganz ähnlich geschwungene Fortsetzungen der 
vertikalen Stützen. Auch auf Troisches ist a. a. 0. schon hingewiesen; auf 
Aehnliches im Villanovakreise ist später zu kianmen. Dass aus denselben 
«■eschwuugenen Endigungen I. sikelischen und mykenischen Formenschatzes 
auch die eckigen Hakenmotive in Italien wie in Sicilien sich entwickeln ist 
unten zu sagen. 



182 E. PETERSEN 

Allgenblick die quer und die anliegenden Scheibchen als zwei 
Varianten desselben Motivs zu verstehen. Torzellen ähnliche Am- 
phoren nämlich, statt mit den regelmässigen zwei Paar Rotellen, 
giebt es mit sonst wesentlich gleichgebildeten Henkeln auch ohne 
alle Rotellen, oder mit nur einem Paar (an der Biegung), oder mit 
zwei aufliegenden Scheibchenpaaren, das eine nahe der oberen Bie- 
gung des Henkels, das andre beim oberen Ansatz, an dem Lecceser 
Gefäss R. M. 98 S. 247. Hier ist namentlich der Platz, den die 
Scheibchen am Ansatz haben, beweisend, da dies bei den griechi- 
schen Vorbildern ja der reguläre Platz des einen Rotellenpaares ist, 
der bei den Torzellen zu Gunsten der Henkelbiegung aufsfegeben 
ist, vielleicht unter Einwirkung der bekannten Neigung, hier oben 
auf dem Henkel dem Daumen der fassenden Hand gleichsam einen 
Sattel zu bereiten (vgl. unten S. 187). Dieselben nagelartigen Scheib- 
chen, wie in Nachahmung von Metalltechnik, fand ich auf dem 
Ansatz des breiten bandartigen Henkels einer oder mehreren tiefen 
nordapulischen Tassen im Museum von Neapel und an gleicher Stelle 
bei einer birnförmigen Kanne, abgebildet Mon. Line. VI S. 382, 27, 
auch hier noch, wie Patroni bezeugt, plastisch und zugleich mit con- 
centrischen Kreisen bemalt. Weitergehend muss man aber auch die 
nicht mehr plastischen, gelegentlich sogar eingebohrten aber immer 
mit Ringen oder Spiralen gezeichneten 'Augen' an den wunderlichen 
Griffen (neben Henkeln) oder selbst Henkeln jener ' Lampen ' - Trink- 
gefässe und der gedrückten Krüge mit trichterförmiger Mündung, 
Patronis orcio cqopulo {Mon. Line. VI S. 374 f. Fig. 16. 17, die 
Form Furtwängler, Berl. Vas. Taf. IV 8) heranziehen, wo von zwei 
Augenpaaren eines, sonst das einzige denselben Platz unten gegen 
den Gefässrand einnimmt, und namentlich wo die Augen seitlich vor- 
treten, wenn auch nicht querstehend wie die eigentlichen Rotellen, 
vgl. Mon. Line. VI S. 380 ff. Fig. 25 ff. Ursprünglich scheint dieser 
Griff' ein Thierkopf zu sein, wie bei einem Pariser Exemplar des 
orcio appulo: Pottier, Vases cuit. du Louvrejü. 29 D 20 noch deutlich 
ist. Verdunkelt ist diese Vorstellung bei dem andern Gefäss, das ja 
einen Thierkopf, Vogel wie es scheint (s. Fig. 1), an andrer Stelle 
hat, vom Askos hergenommen. Eine ähnliche birnförmige Kanne wie 
Mon. Line. VI S. 382 Fig. 27 ist in Suessula gefunden (.V. 78 
T. IV 4), kein ausreichender Grund, um auch jene und Fig. 26 mit 
Patroni S. 382 Anm. 2 und Rcndiconti 95 S. 303 für campanisch zu 



FUNDE UND FORSCHUNG 183 

halten, da Vasen gleicher Form und Ornamentik auch in Lecce und 
Ruvo begegnen, und eine, genügend bezeugt N. 97 S. 433, in Bi- 
tonto gefunden ist, speciell auch mit dem Henkel mit zwei spitzen 
Ohren, auch dieser ähnlich in Suessula gefunden, ^V. 78 IV 22. 
Auf diese Form ist unten zurückzukommen. Ist doch auch noch eine 
andre Form in diesen Zusammenhang gehörig, eine Art primitiver 
Colonnettkrater anders freilich als die altsyrakusanischen (vgl. R. M. 
96 S. 264), mit vier oder zwei einfachen Henkeln, wie die S. 179 er- 
wähnten Süd- und mittelapulischen. Denn diese röhrenförmigen Hen- 
kel sind oben nicht immer trichterförmig abgeschlosseo, sondern 
öfters auch mit Scheiben, die nun freilich wieder anders zu Henkel 
und Gefässrund stehen als die schon besprochenen (s. Fig. 1). 

Deutlicher noch als die Henkel zeugt nun aber das geometri- 
sche Ornament für gemeinsame Abstammung der nord- mittel- und 
südapulischen Keramik, der wir nach dem oben Bemerkten nun z. T. 
auch Altlucanisches und Altcampanisches anschliessen dürfen. (Vgl. 
die mit denselben Nummern wie im Folgenden bezeichneten Sche- 
mata in Fig. 3 und 4). 

Gemeinsam Süd- Mittel-und Nordapulien sind 1* einfaches und 
1'' geknotetes Zickzack, auch mit kleinen in die Winkel eingelegten 
Dreiecken, Romben, ohne 2"" und mit Knoten au den Ecken 2^, erstere 
einzeln oder gereiht, auch gefüllt mit Gitterwerk ; 3 Schachbrett, 
grad oder schräg liegend, dann auch rombisch 3^; 4 clepsidre 
d. h. durch Diagonalen getheilte Quadrate, von deren vier Dreiecken 
zwei gegenüberliegende, sei es die über-, sei es die nebeneinander 
liegenden gleichgefärbt sind, gewöhnlich die einen mit der Mal- 
farbe, die andern in der Grundfarbe, oder sonst mit hellerem 
Ton ; bei letzteren fehlen auch oft die Quadratseitenlinien. Wie das 
vorige Schema aus einfachen sich kreuzenden Diagonalen, so geht 
aus gekreuzten Doppeldiagonalen 5 ein andres schöneres Schema 
hervor. Da hier das von den Doppellinien gebildete Kreuz die vier 
Dreiecke auseinanderhält, werden alle vier gleich gefärbt und ihre 
Spitzen werden verbunden durch das in der Linienkreuzung lie- 
gende den Dreiecken gleich gefärbte Rechteck (^). Jenachdem die 

(') Diese Linienschemata haben ihre Etymologie ; die hier gegebene von 
der Figur R. M. 98 S. 245 und 99 S. 34 6'^'^ ist augenscheinlich richtiger 
als die von Mayer als clepsidre incrociate S. 246. Denn die geschweiften 
Grundlinien der vier Dreiecke entsprangen aus dem Streben, vor allem das helle 
Diagonalkreuz hervoiireten zu lassen. Vgl. auch 99 Taf. IV 24, hier Fig. 3. 



184 



E. PETERSEN 



<(ekreuzteii Doppellinien enger oder weiter gestellt werden, sind die 
Dreiecke kleiner oder grösser, in umgekehrtem Verhältniss zum 
Mittelquadrat oder ßombus; denn zwischen den Extremen in der 
Mitte liegt das schachbrettförmige System von neun Quadraten oder 
Komben ; ein Extrem dagegen sind die oben 2"^ genannten Romben 
mit Knötchen an den Ecken (Vgl. Fig. 3, Schema 2 ^ und 5). 

In der exclusiv geometrischen Zone Mittelapuliens sind nament- 
lich diese letzteren Muster reicher entwickelt, ebenso fast aus- 
schliesslich eignen ihr G die semicerchi pendenti (aus Südapulien 
um R. M. 98 S. 211, 18; die oyo// der canosinischen hellenisier- 
ten Doppelasken u. s. w. darf man kaum hierher rechnen), die Doppel- 








"^^^=6^^^^ 







'x/"T?^ 



^) 



Fig. 3. 



Spirale R. M. 99 Taf. IV 35 besonders endlich 7. 8 das Hakenkreuz, 
und die ihm nah verwandten Mäanderformen, jene in verschiede- 
nen Varianten auch in Nordapulien und Suessula, dieser in Süd- 
apulien vereinzelt in einfachen und mehr classischen Formen, so 
auch in den späten Canosiner Vasen; in absonderlichen Formen 
dagegen in Mittel- und Nordapulien und desgleichen in Suessula : es 
ist die eckig gebrochene Spiralwindung oder wie Maj^er 99 S. 30 sagt 
spirali geometriche, die sowohl dem Dreieck wie dem Viereck ein- 
gefügt Avird und sowohl andern Dreiecks- und Vierecksmotiven als 
Füllung sich anpasst als auch ganz isoliert sich anhängt (s. Fig. 3). In- 
teressante Beispiele aus Mittelapulien giebt Mayer 99 S. 29 Fig. 4 
(vgl. Taf. II H) 5, S. 31, 14 Taf. III, wo die Etymologie der 
kunstreichen Mäanderfigur nicht ganz richtig scheint, da die Grund- 
form eben nur die oben unter 5 genannte ist, das ja oft berei- 



FUNDE CND FORSCHUNG 185 

chert ist dadurch dass in das grosse Quadrat mit Diagonalen- 
kreuz ein kleineres übereck hineingestellt ist, das bald mehr vor 
(so Taf. II 2), bald mehr hinter dem Diagonalenkreuz zu stehen 
scheint (so II 1). Ein solches Schema ist in der angeführten Figur II 
14 gänzlich mit einzelnen Mäanderwindungen gefüllt. Es mag nun 
hier schon angedeutet werden, dass diese Dreiecks- und Vierecks- 
raäander eben deswegen von besonderem Interesse sind, weil sie ja 
einen der deutlischsten Verbindungfäden dieser süditalischen und 
der Villanovaornamentik mit ihren Dreiecks- und Vierecksmäandern 
bilden. 

An die von Mayer 99 S. 41 if. besprochene mittelapulische 
Gruppe von Gefässen mit den 9 bizarren Hakenmotiven an isoliertem 
Mäander (Fig. 14) und 10 den hängenden Kreisen Fig. 17 schliesst 
sich wiederum das ebenfalls mit winzig feinen wie hängend 
schwingenden Kreisen gezierte Suessulaner Gefäss N. 78 IV 4 an. 
Und nur hier kann auch der von Patroni seiner ' messapischen ' 
Klasse angereihte Askos Mon. VI S. 370, 12 seinen Platz finden 
wegen der, freilich gekreuzt, hängenden Haken- und der ' Mäan- 
derwucherungen '. Insofern er freilich durch letztere direkt mit Vil- 
lanovagefässen, durch jene ebenso nahe mit altsikelischen sich be- 
rührt, mag er zunächst räthselhaft und wegen seiner Vereinzelung 
ungeeignet erscheinen, als Bindeglied zwischen räumlich und, wie man 
meint, auch zeitlich soweit auseinanderliegenden Techniken ange- 
sehen zu werden. Es wird gelten, ihn nach beiden Seiten fester zu 
verknüpfen; zunächst aber ihm in Apulien selbst (vermuthlich Nord- 
apulien, schwerlich Campanien entstammt er) noch an die Seite zu 
stellen was, durch Patroni selbst meine ich, im Museum von Neapel 
daneben steht ein andrer Askos ähnlicher Technik, nur von etwas 
röthlicherem Thon, der statt der gekreuzten Haken eine ganze Reihe 
derselben Haken oder gebrochenen Linien hat, wie Mayer 98 Fig. 14 
und 16, aber schräg hängend, zwischen links und rechts hängenden 
Kreislein oder Augen (vgl. Fig. 4 und oben S. 181 Anm. 1) ('). 

(') Bei Seite lasse ich zwei mittelapulische Ornamentmotive, auf die 
Mayer 99 S. 76 ff. ethnographische Schlüsse baut, die durch scharfsinnige Na- 
mensvergleichungen vorbereitet, mir doch zu wenig sicheren Boden zu haben 
scheinen. Nicht aus Mitgebrachtem sondern aus Zugeführtem scheint diese 
Keramik und ihre Formen entstanden zu sein. Ausserdem kann ich aber in 
dem 99 S. 78 abgebildeten Schema 11, namentlich nicht wie es auf T. II 5 hinter 

13 



186 



E. PETERSEN 



Wie Mayer beabsichtigt, an die apulische Keramik die älteste 
tarentinische anschliessend zu besprechen, die er jetzt nur beiläufig 
berührt, darf sie auch hier wegen einiger Verwandtschaft mit der 
apulischen stehn (s. Fig. 5) Gesammelt und geordnet von Viola, war 
sie schon vor zehn Jahren leicht zu übersehen. Dankenswerth ist dass 
Patroni La ceramica S. 12 noch Einiges über den Fundort fest- 
gestellt hat. Zusammen gefunden in einem posso, aber wie es 
scheint nicht einem Grabe, wie Mayer 99 S. 15 dort gehört haben 
will, sind es theils rohe handgemachte schwärzliche und schwarz- 
braune, theils mit viel besserer Technik gearbeitete, und mit roth. u. 



z. Ne ajä. 





Ä^ '^^T^ 



^art 



Fig. 4. 



CL Me<ip, b 



schwarzem Ornament auf gelb - grau - röthlichem Grunde mit fei- 
nem Pinsel bemalt, entsprechend den nicht bedeutenden Dimensio- 
nen der Gefässe. Die Technik hat mit der älteren nordapulischen, 
irre ich nicht, am meisten Aehnlichkeit ; z. T. auch die Formen, 
die übrigens auch bei den schwarzbraunen ziemlich übereinstimmend 
sind. Einhenklige wie zweihenklige Gefässe (vgl. Patroni Ceramica 
S. 6) kommen namentlich auch so birnförmig vor wie in Apulien('); 



dem Henkel sichtbar ist, einen Dreizack erkennen ; noch weniger aber in der 
andern auf Taf. II 1, 2, 3, 5 und sonst sichtbaren Figur 12 einen Kamm. 
Wenn ein solcher als heiliges Symbol den Vasenmalern vorgeschwebt hätte» 
würde der Entwicklungsgang m. E. grade der entgegengesetzte gewesen sein 
von dem welchen M. selbst S. 77 constatiert, che qtiesto ornamento quasi sotto 
gli occhi nostri si sviluppi da altra figura. Wie das Schema auf Taf. V 2 
oder ni 14, auch S. 24, 27, 25, 5, vgl. S. 36 und 57 sich zeigt, liegt der 
Gedanke absolut fern. Karamähnlich hat die spätere Form auch Furtwängler 
genannt, aber offenbar nicht an ein Symbol gedacht. 

(') Vgl. auch die S. 181 Anm, 1 besprochenen Gefässe von Metapont. 



FUNDE UND FORSCHUNG 187 

zweihenklige durfte Mayer mit Recht den lor^elle vergleichen, und 
nicht blos unter den besseren, gemalten sind solche, die Taramelli 
und Mayer au die Form der Villanovaurne erinnert haben. 

Auch die Henkel bieten einige Vergleichungspunkte. Ein dem 
bei Patroni Ceramica S. 7, 9 abgebildeten ähnliches Gefäss hat 
wie Patronis oixio appulo (ebda S. 21) zwei Vorsprünge und zwei 
Henkel, letztere ähnlich denen seiner Urne 99 S. 21 if., nur minder 
entwickelt; andre Henkel zeigen denselben scharfen Knick oben 
wie die Torzellen, und auch zu ßotellenbildung am oberen Ansatz 
findet sich ein schwacher Anlauf. Eine Art Sattelbildung auf an- 





^^ ^ T^^ ^ TürenT. 



Fig. 5. 

dem Henkeln ist allerdings ganz eigenartig, auch dadurch dass der 
Sattel quer zum Henkel liegt, also für ein ganz verschiedenes Fassen 
des Gefässes berechnet. Endlich giebt es einen Henkel der ähnlich 
wie die uordapulischen gehörnten breit aber ungespalten über den 
hinteren Henkelansatz aufsteigt, und auf der Vorderseite zwar nicht 
mit Nagelköpfen aber mit runden Eindrücken in mehreren Keihen 
übereinander versehen ist, die untere in Höhe des Gefässrundes, also 
wie jene Scheibchen von Mayers Urtorzella. 

Die Ornamentik ist durchaus geometrisch. Doppellinien, jede 
nach aussen mit feinen Strichen besetzt, sind kaum noch als Zweige 
gedacht. Thiere kommen nicht vor, ausser Vögel, minder hochbeinig 
als auf den Torzellen bei Mayer 98 S. 204 f., entschieden Wasser- 
vögel (s. Fig. 5) gänzlich geometrisiert d. h. mit fünf bis sechs kleinen 
graden Strichen gezeichnet, und doch stehende und schwimmende 
unterschieden; Zickzackborten, grundfarben zwischen gegitterten 



188 E. PETERSEN 

Dreiecken hervortretend, auch eine einfachere Form des oben 1^ be- 
zeichneten Zickzacks, Romben einzeln und gereiht clepsidre, das 
complicierteste ein Schulterornament, ein grosses Zickzack, dessen 
stehende Dreiecke nicht mit Gitterung noch Parallelen zur einen, 
sondern zu beiden Seiten also durch immer kleinere Winkel gefüllt 
sind('), ein Schema wie es auf den Canosinischen Doppelaskoi öfters 
unten an den ßöhrenhälsen sich zeigt., und in die leeren hängenden 
Dreiecke dazwischen von oben schief hereinfahrende Zickzackli- 
nien, dreistrichig, wie sie anderswo zweistrichig vorkommen, auch 
sie an jene mittelapulischen Hakenmotive erinnernd. Hierher gehö- 
ren auch die zweistrichige einfache Mäanderform (n. 208), und kaum 
verschieden davon das dreistdchige Schema rechts und links vom 
Henkel des von Patroni Ceramiea S. 10 abgebildeten Gefässes, 
und bemerkenswerth ist schon allein die Anwendung solchen mehr- 
strichigen Ornaments, wieder wegen des Vergleichs mit Villanova- 
ornamentik. Ebenso wie die mittelapulische Amphora Mayer 99 
T. 11 11 ist auch die kleine Tarentiner n. 130 innen auf der Lippe 
mit einem Viereck aus eingebogenen Linien bezeichnet. Endlich 
eine Vorliebe für stark markierte Horizontalen, wie sie im Nordapu- 
lischen noch bemerklich ist. Im Ganzen also ein geometrischer Stil 
der erheblich einfacher als der apulische, von dessen oben aufgezählten 
Hauptschematen nur 1 und 2, selten 4, gar nicht 3 und 5 benützt; 
aber, vergessen wir es nicht, auch nur in Gefässen einer und 
derselben Werkstatt, vielleicht eines und desselben Jahres vorliegt. 
Es ist natürlich weder griechische noch rein epichorische Keramik, 
sondern eine durch griechisches Vorbild beeinflusste, und das grie- 
chische Vorbild scheint keineswegs von dem der apulischen Ke- 
ramik ganz verschieden und fremd gewesen zu sein. 

Wenn, wie von Taramelli B. XX 94 S. 20 und Mayer 98 
S. 202 und im Vorstehenden wiederholt, zum Vergleich auf Form 
und Ornamentik von Villanovagefässen hingewiesen ist, und von 
A. Evans und Taramelli eben dieselbe Tarentiner Keramik auch 
mit der altsikelischen der I. Periode verglichen wird, so wird 
dies durch Patronis in hochfahrendem Ton ertheilten Verweis {D. 
98, 65 ff. und Ceramiea S. 10) noch nicht widerlegt, da P. hier 
einen ganz andern Maasstab an solche Vergleichungen legt als bei 

(') In Fig. 5 von Vase 91. Vgl. die sikelisch-geometrische, II. M. 98 
S. 359 and die karische, Athen. Mitth. 87 S. 229. 



FUNDE UND FORSCHUNG 189 

seiner eigenen Zusammenstellung cauosiner Ware des 3. oder selbst 
der 5. Jhdts., wie er meinte, mit mykenischer. Villanova möge einst- 
weilen auf sich beruhen; aber auf die sikelische Keramik muss doch 
nach dem Ueberblick über die süditalische (nichtgriechische) ein 
Seitenblick geworfen werden, wobei nicht die schwerer übertragene 
Technik sondern nur die Ornamentik kurz ins Auge gefasst werden 
soll. Auch apulische und tarentinische Formen können als sikeli- 
schen verwandt angesehen werden, so die birnförmigen Tassen oder 
Kannen dem troischen Becher mit seiner allmählich sich vermin- 
dernden Lippe; auch der Yillanovaurne ähnliche Urnen mit verti- 
kalen wie die torzella und mit horizontalen Henkeln finden sich dort. 
Noch mehr sind Henkelformen verwandt, so den R. M. 98 S. 187 
IX 6-8 abgebildeten, mit denen sich auch solche von Matera verglei- 
chen, die mittelapulischen R. M. 99 Taf. II, und den nordapulischen 
gehörnten mit den Augen solche der IL Sikelerperiode ebda IX 9 
und 20 ; und wenn das merkwürdige Stück von Stentinello B. 90 
Taf. VII 16, ein Hundekopf mit glotzenden Augen und gespitzten 
Ohren, zu langhalsig und platt ist, um für den Theil einer Thierfigur 
genommen zu werden, was könnte es da eher gewesen sein als ein 
Gefässgriff wie an den apulischen 'Lampen', s. Patroni Ceramica 
378, 21 (1)? Der Castelluccio - Henkel a. 0. S. 187 IX 5 findet 
sich gleicher Gestalt, der andre B. p. i. 92 V 64 auch gleich or- 
namentirt in Tarent n. 32. 

Die aufgezählten apulischen Ornamentschemata kommen in der 
gemalten und gravierten Keramik der vorsikelischen und derl. und II. 
Periode fast alle vor, so 1, auch das so zusagen negative (R. M. 98 
S. 175 mit S. 163, III 10) Zickzack, und V\ (auch in der Taren- 
tiner Form Fig. 5) a. 0. S. 185, VIII 19; für 2 bedarf es keines 
Verweises, 2''. S. 185, VIII 4; 3 (rombisch) ebda 27, normal erst 
in der IV. Periode; 4 häufig in III aber schon in I a. 0. VIII 6 
und 10 ; 5 ist ein Hauptornament der I Periode vgl. a. 0. VIII 5, 2, 
noch nicht so sauber reguliert und durch Einlegung eines zweiten 
Quadrats compliciert wie an den so viel späteren mittelapulischen 
und den (-) damit verglichenen phoenikischen Vasen, aber doch 

(}) Vgl. den ebenfalls langhalsigen ' Rinds ' köpf unter der geometri- 
schen Keramik von Aphidna, Athen. Mitth. 96 Taf. XV 1 mit S. 389. 
(8) Von Winter, Athen. Mitth. 1887 XII S. 240. 



190 E. PETERSEN 

schon nahekommend B. j). i. 92 VI 2 und 41 ; und solche Sche- 
mata wie K. M. 98 S. 185 VIII 4 finden sich auf mittelitalischen 
Fibeln (Moutelius civilisation I Taf. II ; vgl. I 9 ohne nähere 
Angabe und II 13 süditalisch); apulisch 6 ist beliebt in der si- 
kelischen II Periode s. K. M. 98 S. 178 VII 5 und ähnlich an 
der Mündung des Tarentiner Gefässes 32 innen ; 7 findet sich 
ureinfach und selten, augenscheinlich wie ein Versuch der Nach- 
ahmung a. 0. S. 185 VIII 14, wenig verschieden ebda 6 und 11, 
und häufiger als die X, mit hakenartigen Enden oben und unten, 
sind 9 zwei parallel nebeneinanderstehende oder zwei sich kreuzende 
Haken, jene wie diese aus Castelluccio, jene a. 0. S. 185 VIII 23, 
diese S. 166, 7, letztere genau wie an dem merkwürdigen oben 
erwähnten Neapler Askos mit Villanovamäander, nur dass die Haken 
an diesem nicht stehend sondern hängend erscheinen. Aber auch 
das habe ich an einem Bruchstück von Castelluccio in Sjrakus 
n. 9673 notiert, wo sie von dem erhaltenen Kande des Kelches nach 
innen herabhängen, nun freilich nicht gekreuzt, sondern parallel (*). 
Auch zu den hängenden Kreislein 10, stellt sich ähnlich vereinzelt 
die hängende Doppelspirale der Tasse von Pietrarossa Annali 80 
AB 5, womit R. M. 98 S. 191 schon ein ähnliches Motiv, stehend 
gekreuzt S. 185 VIII 3, verglichen wurde und hängend, mehr über- 
einstimmend die nach mykenischen Mustern sculpierten Thürver- 
sclilussplatten S. 185. Auch auf mykenischen Vasen kommt die 
unvermittelt von einer Querlinie herabhängende Spirale einzeln 



(1) Die Entstehung dieses Hakenmotivs scheint sich vor unseren Augen 
abzuspielen. Wie in dem apulisclien (und sikelischen) Zickzack 1*^ die Enden 
der Zickzacklinien sich ein wenig vorstehend, kreuzen, ein auch der myke- 
nischen Vasenmalerei geläufiges Motiv ; so sind die äusseren Umrisslinien 
des Zickzackbandes R. M. 98 S. 185 VlII 9 nicht blos vorstehend sondern 
auch hakenartig umgebogen (vgl. ebda 19 mit 28). Die vorspringenden 
Haken an Mustern wie ebda 16 und 27 aus Castelluccio und neuerdings 
B. p. i. 98 T. XXI) auch von Monte-Tabuto wird man gewiss ursprünglich 
als die durchgezogenen Enden der Gitterstriche zu verstehen haben, wie das 
bei 27 noch fast ersichlich, bei 15 ungewiss, bei dem Beispiel von M. Tabuto 
aber und einem andern von Castelluccio in Syrakus durch leeren Zwischen- 
raum hinter der Linie ausgeschlossen ist. Eine andre Entstehung der ge- 
kreuzten Haken zeigt das Henkelstück von Pietrarossa Annali 80 DC 7. 
Uebrigens können diese eckigen Haken von den S. 181 Anm. 1 besprochenen 
runden natürlich nicht getrennt werden. 



FUNDE UND FORSCHUNG 



101 



(M. V. VII 37, XXXV 350 vor und gedoppelt XXXI 298, wo 
daran wieder das andre bekannte Hängemotiv eines oder zweier 
Bandenden gehängt ist {^). Als mykenisclie wurde ja aucli das K- 
M. 98 S. 158 abgebildete Plattenornament mit der liäugenden 
Doppelspirale bezeichnet. 

In Fig. VIII a. a. 0. sind links einige seltene und ungewöhn- 
liche Schemata der sikelischen I. Periode, besonders aus der Um- 
gegend von Girgenti zusammengestellt. Einzelnes ist davon schon 
angeführt; sie geben aber noch zu anderen Vergleichen mit Süd- 
italischem Anlass und zeigen zugleich, wie zeitlich weitaus einan- 
derliegendes doch nahverwandt ist. An jene Stelle gehörte 13 nicht 




Fig. 6. 
hin, denn es war einer Kanne in S^i'akus entnommen, die nicht 1. 
oder II. sondern III-IV. Stiles ist, abgebildet jetzt R. M. 98 S. 362, 
78. Was dazu verleitet hatte war die in die Augen springende Ver- 
wandtschaft mit ebda 1, einem Viertel des Ornaments im Inneren 
eines hochfüssigen Bechers der I. Periode von Pietrarossa aus SW 
Sicilien, Ann. 80 AB 7. Dass aber auch dieses letztere Schema 
nicht sikelischen Ursprungs ist wird eine ostgriechische Scherbe 
im Tarentiner Museum, in Fig. 6 nach meiner Skizze, womit zu 
vergleichen ein selbst merkwürdigerweise im Bruch ähnliches Ge- 
genstück, aus Cypern, ohne Weiteres klar machen. Von jenem Vier- 



(1) Die K. M. 98 S. 191 angeführten Beispiele mykenischen Einflusses 
auf die sikelische I. Malerei lassen sich vermehren. 



192 E PETERSEN, FUNDE UND FORSCHUNG 

flüffelornameiit, nicht direkt von einem Hakenkreuz stammt endlich 
die zierliche Windmühle, möchte man sagen auf dem Neapler Be- 
cher mit Hörnerhenkel Mon. Line. VI S. 381 Fig. 26, oben Fig. 1. 

Genug, an Uebereinstimmungen der süditalischen Keramik 
namentlich im Ornament mit altsikelischem fehlt es nicht. Aus Si- 
kelerwanderungen sind sie offenbar nicht zu erklären. Die Verzie- 
rungsweise die in Sicilien früh zurückgedrängt wurde durch Ue- 
berhandnehmen der uralten eingeritzten Zeichnung, kann ja auch 
nicht so viel später auf Süd Italien eingewirkt haben. In Matera ist 
denn auch wenigstens die Hoffnung erweckt, dass bessere Proben 
einer die mittelapulischen Keramik vorbereitenden älteren Gattung 
noch gefunden werden. Warum sollten aber auch die für Ostsici- 
lien durch die knöchernen Dolchscheiden (s. R. M. 98 S. 164) und 
die mykenischen Vasen erhärteten früheren Verbindungen mit dem 
Osten nicht auch Süditalien erreicht haben, wo aus Oria z. B. 
eine mykenische Vase (Pottier V. a. d. L. pl. 29 D 1) bezeugt ist? 
Dass die geschichtliche Abfolge hier so viel weniger klar vorliegt 
erklärt sich daraus, dass hier niemals so umfassend und gewissenhaft 
gegraben und die Funde controliert sind wie durch Orsi in Sicilien. 

Vom Süden gilt es nun nach Mittel- und Norditalien den 

Blick zu richten. 

E. Petersen. 



POMPEIANA. 



Durch sein Pompeianarum quaestionum specimen, das 1868 
als Berliner Habilitationsschrift erschien, hat Richard Schoene vor 
einem Menschenalter der baulichen und geschichtlichen Erforschung 
Pompeiis neue Wege gewiesen. Die Arbeiten Fiorellis (1873), Nis- 
sens und Schoenes selbst (1877), Maus (seit 1879) haben durch 
Verfolgung dieses Weges ein ganz neues Bild der verschütteten 
Stadt gewonnen und das geschichtliche Nacheinander an die Stelle 
des buntscheckigen, nur scheinbar einheitlichen Nebeneinander ge- 
stellt. Hoffentlich ist die Zeit nicht mehr fern, wo auch populäre 
Bücher, anstatt einer blossen Periegese oder einer Anordnung nach 
Gattungen von Gebäuden und Kunstwerken, sich die dankbare xVuf- 
gabe stellen werden, den Spuren namentlich Nissens folgend, mit 
der politischen Umbildung der Stadt zugleich ihre künstlerische 
Entwicklung historisch zu schildern und so den Verlauf diesem 
städtischen Gemeinwesens nach allen Seiten zu verfolgen. Durch 
Lösung dieser schönen Aufgabe wird sich doppelten Dank verdie- 
nen, wer dabei Pompeii von dem Isolierschemel einseitig italisch- 
pompeianischer Betrachtung herabheben und es namentlich in seiner 
künstlerisch bedeutendsten Zeit in den Zusammenhang der ganzen 
hellenistischen Kunstentwicklung hineinstellen wird. Zu dieser Auf- 
gabe sollen die folgenden Bemerkungen einen bescheidenen Beitrag 
liefern ('). 



Unter den Tempeln Pompeiis wird gemeiniglich der sog. 
dorische Tempel oder Hekatompedos als Beispiel einer giechischen 



[}) Die Ergebnisse der Abschnitte I und III habe ich bereits in meiner 
Bearbeitung von A. Springers Handbuch der Kunstgeschichte, P, Leipzig 1898» 
S. 1)4 und 126 f. kurz angedeutet. 

14 



104 



AD. MICHAELIS 



Anlage in Gegensatz gestellt gegen alle übrigen Tempel als eine 
geschlossene Gruppe italischen Charakters, insofern letztere nicht 
au allen vier Seiten aufgetreppt, sondern auf einem Podium gele- 
gen, nur an der Vorderseite durch Stufen zugänglich sind, Dass 
beim Vespasiansterapel die Stufen seitlich angebracht sind und von 
hinten auf das Podium führen, mag als eine durch den beengten 
Kaum entschuldigte Abweichung ausser Betracht bleiben ; quae so- 
Iciit esse in fronte ad laiera sunt translata, wie es bei Vitruv 4, 8, 4 
von verwandten Dingen heisst. Eine nähere Betrachtung ergibt in- 
dessen deutliche Unterschiede innerhalb der zweiten Gruppe; auch 
ist es falsch den Podiumtempel als eine ausschliesslich italische 
Tempelform zu betrachten. 




s § 


1 


c 


E 


W 




1^15 SK ^ ti^^lN^^i^U 




^«r 









. . . ^ . , , . '.» 




Tempel der ca2)itolinischen 
Götter. 



Fig. 1. 



Tempel der Fortuna Augusta. 
Tempel Vespasians. 



Da bei dem italischen Tempel nach Vitruvs Angabc (/, 7, 1) 
der Platz für die CoUa oder die Gellen die gleiche Tiefe hatte wie 
die mit Säuion umgebene Vorhalle, so lag die Thüi- der Cella 



l'OMI'KIANA 1Ü5 

(bzw. der mittleren Cella) genau in der Mitte der ganzen Anlage (^). 
Dies trifft vollkommen zu bei dem grossen Tempel der drei 
capitolinischen Götter auf dem Forum (Fig. 1 links) (3), 
falls man zu der Säulenhalle den ganzen Treppenbau hinzunimmt, 
wenn man also den vollständigen, über den Boden hervorragenden 
Bau als ein Ganzes fasst. Nicht ganz so einfach liegt die Sache 
bei dem schönen Tempel der Fortuna Augusta (Fig. 1 
rechts oben). Hier stimmt die Entfernung von der Tiefe der Aedi- 
cula innerhalb der Apsis (ohne die Mauerdicke) bis 7A\r Mitte der 
Thürschwelle genau überein mit dem Abstand des letzteren Punktes 
von dem unteren Beginn der breiten Haupttreppe ; dabei bleibt aber 
einerseits die Altarterrasse mit den beiden Seitentreppen aus- 
geschlossen, andrerseits bleibt ausser Acht, dass die Apsis nach 
Schoenes und Maus Beobachtungen ('*) ein späterer Anbau ist. Im- 
merhin ist jene Halbierung der Hauptaxe durch die Thür so auffällig, 
dass man sie uugfern dem Zufall zuschreiben möchte. Bei dem drit- 
ten Tempel dieser Gruppe, dem des Vespasian (Fig. 1 rechts 
unten), ist schon durch die schiefe Lage des Tempels zu der Rück- 
mauer der Area eiae genaue Bestimmung der Cellalänge schwierig; 
ausserdem ist hier, wie oben erwähnt, der Aufgang von der Front 
an die Nebenseiten verlegt. Somit passt das Schema des italischen 
Tempels nicht ganz auf diesen Grundriss ; es mag der Hinweis ge- 
nügen, das die grösste Länge der Cella (Südwand) einschliesslich 
der Mauerdicke, bis zur Mitte der Schwelle gerechnet, genau der 
Tiefe der Vorhalle sammt der Länge der Treppe entspricht. 

Diese drei Tempel, die von der letzten samnitischen, aber schon 
von römischen Einflüssen durchsetzten Zeit bis nahe an den Un- 
tergang der Stadt reichen, zeigen somit alle den italischen Typus, 
wenn auch je nach den Umständen leicht abgewandelt. Vom Isis- 



(2) Vgl. Degering, Göttinger Nachrichten 1897 S. 145 f. 

(3) Die diesem Aufsatz beigegebenen Pläne pompeianischer Tempel sind, 
da die kleinen Pläne bei Overbeck und in anderen Handbüchern für meinen 
Zweck nicht ausreichten, sämmtlich dem Werke C. Weichardts, Pompeji vor 
der Zerstörung, Leipzig [1897], entnommen. Den neuentdeckten Tempel, der 
vermuthlich der ersten Gruppe angehört {Not. degli scavi 1899, S. 17 ff.) habe 
ich als zu arg zerstört bei Seite gelassen. 

(4) Schoene bei Nissen, Pompeian. Studien S. 179 f. Mau in diesen 
Mittheilungen 1896 S. 270. 



196 



AD MICHAELIS 



tcmpel sehe ich ab, da hier fremde Rücksichten mitgespielt hahen 
köuneu(''^); die Cellatiefe einschliesslich der hinteren Mauer ent- 
sp licht übrigens ungefähr, nicht genau, der Tiefe der Vorhalle. 




:iil|' 



1 



_o 



B m m 



Fig. 2. 




m 





Ternp«! des Zeus Milicliios. 



Ionischer Tempel iii Pergaiiion. 



(5) Die bekannten beiden herculanensischen Abbildungen alexandrini- 
scher Tempel (Heibig n. 1111 f.Ant. cli Ercolano II, 59 f.) zeigen Treppen in 
der ganzen Breite des Hufraums und keine Säulenstellung vor der Cella. Am 
(jetzt wieder verschütteten) Dronios des Sarapeion von Memphis stehen neben 
einander eine unaufgetreppte Cella ägyptischen Stiles, die den Apisstier be- 
herbergte, und eine hellenistische Kapelle des Sarapis von geringer Tiefe, vorn 
mit zwei uncannelierten korinthischen Säulen zwischen zwei Anten sich öffnend 
gegen eine sechsstufige, in ganzer Breite vorgelagerte Treppe (Marictte, Choix 



POMPEIANA 1!^'" 

Eine besondere Stellung nimmt der Tempel des Zeus Mi- 
lichios (Fig. 2 links) ein, der ja nach der bekannten Inschrift (6) 
wenigstens seiner Anlage nach sicher der samnitischen Zeit ange- 
hört. Es ist kein eigentlicher Podiumtempel, sondern der hinterste 
Theil der Area ist erhöht und mittelst einer Freitreppe in der ganzen 
Breite des Hofes zugänglich, auf dem erhöhten Boden aber liegt die 
Cella mit ihrer Vorhalle, an beiden Seiten und hinten durch einen 
schmalen Gang von etwa 1 Meter Breite von der Umfassungsmauer 
getrennt: ein deutliches Beispiel des ambilus, d. h. circiäius aedi- 
ficioriim, patens in laliludiiiem pedes duos et semissemij). Auch 
hier zerfällt die ganze erhöhte Anlage einschliesslich der Treppe 
und des ambilus der Länge nach in zwei gleiche Theile, deren Scheide 
wiederum die Schwelle der Cellathür bildet. So weit entspricht also 
die Anlage italischem Brauch, daneben aber drängt sich die Ana- 
logie mit dem sog. ionischen Tempel (vermuthlich des Dionysos) in 
Pergamon (*) auf (Fig. 2 rechts). Am Ende der langen schmalen 
Theaterterrasse belegen, ist der Tempel ebenfalls durch eine viel- 
stufige, die ganze Breite der Terrasse einnehmende Treppe zugäng- 
lich. Diese führt zu einer Plattform, auf der die Cella mit ihrer 
vierfcäuligen Vorhalle genau ebenso von einem verhältnismässig 
schmalen Gange (2,37 M.) umgeben liegt, der rechts von einer 
Stützmauer, hinten von der künstlich abgeschrofften Felswand, links 
über dem Abhänge von einem Geländer umgeben war. Um die Ana- 
logie vollständig zu machen, ist hier wie dort der Altar nicht quer 
vor die Treppe, sondern der Länge nach in die Axe des Tempels 
gestellt; der Grund hierfür scheint beidemal, wenigstens zum Theil, 
in der Schmalheit des vorgelagerten Kaumes zu liegen. Der am- 
bilus ist bei beiden Tempeln wohl zunächst um des stilicidium 
willen angeordnet. In Pergamon kommt hinzu die Nachbarschaft 



de monuments et de dessins dScouveris ou ex6cut6s pendant le deblaiement 
du Serapeum de Memphis, Paris 1856, Taf. 4). 

(ß) Zvetaieif, Syll inscr. Ose. n. 62. — Hinsichtlich der Vorhalle habe 
ich die mit dem pergamenisclien Tempel übereinstimmende Lösung von Mazois 
der künstlichen Anordnung Schweichardts vorgezogen. 

C) Festus epit. p. 5. Vgl. Nissen, Pomp. Stud, S. 567 f. 2 » » oskische 
Fuss = l,02 Meter. 

(8) Altcvtbümer von Pergamon IV Taf. 25 ff. Fig. 2 ist von Tafel 45 
entnommen. 



198 



A.D. MICHAKLIS 



des hohen und schroffen Felsabsturzes, an den sich der Tempel 
kaum mit der Eückseite, garnicht mit der Seitenwand unmittelbar 
anlehnen konnte, ohne die ganze prächtige Wirkung zu gefährden. 
In Pompeii besteht nicht der gleiche Zwang, da die Umfassungs- 
mauer niedriger war als der Tempel, doch ist auch bei den übri- 
gen Tempeln immer für eine seitlich freie Lage Sorge getragen 
worden. Die Lösung der ganzen Aufgabe bietet aber solche Aehn- 
lichkeit mit dem wahrscheinlich älteren, in seiner ursprünglichen 
Gestalt der Königszeit angehörigen Tempel in Pergamon, dass man 
auf eine in hellenistischer Zeit verbreitete Art der Anlage zurück- 
schliessen möchte {^). 



□ 




Fig. 3. 
Tempel des Apollo. 

Vollends erweist sich der A p o 1 1 o t e m p e 1 (Fig. 3) als eine ita- 
lischem Brauche fremde Anlage hellenistisclien Stils. Innerhalb des 
von Säulenhallen umgebenen Hofes erhebt sich das Podium aller- 
seits frei, ist also nicht, wie es bei den italischen Tempeln fester 
Brauch ist, mit seiner Rückseite an eine abschliessende Mauer ge- 
lehnt. Dem entsprechend ist der Tempel selbst auf dem Podium 
ein Peripteros, von allerdings sehr kurzer Form (6 zu 10 Säulen) ('")• 

(9) Darauf wird kein Gewicht zu legen sein, dass beim pergamenischen 
Tempel die Länge der Cella einscliliesslicli der Eückmauer genau mit der 
Tiefe der Vorhalle nebst dem oberen siebenstufigen, durch besondere Seiten- 
wangen ausgezeichneten Abschnitt der Treppe übereinstimmt (vgl. a. a. 0. 
Taf. 41). 

('0) Hierin entspricht er dem Tempel der Athena Polias in Tergamon 
(Alterth. von Pergamon II, 12). G zu 11 Säulen in Termessos und Sagalassos, 
s. Niemann bei Lanckoronski, Städte Pampliyliens und Pisidicns II, Taf. 3. 24. 



l'üMI'KIANA. 1!^0 

Vom Gewühnliclien abweichend ist die Lage der Cella innerhalb 
des Pteroma, insofern der hintere Umgang, obsclion breiter als die 
Seitengänge, doch nicht einmal ein Drittel der Tiefe des Vorplatzes 
vor der Cella einnimmt. Wollte man etwa als Grund dieses starken 
Zurücktretens der Cella den Wunsch annehmen, auch hier nach ita- 
lischer Weise die Cellathür mit ihrer Schwelle in den Mittelpunkt 
des ganzen Peripteros zu verlegen, so widerspricht dem der That- 
bestand. Zwar ist die Tiefe der Cella (einschliesslich der ßückwand) 
gleich der Tiefe der Vorhalle bis an den vorderen Rand des Po- 
diums; misst man aber das Podium in seiner vollen Länge, so 
liegt die Hälfte anderthalb Meter hinter dem Mittelpunkt, zAvei 
Meter hinter der Vorderkante der Thürschwelle. Wollte man end- 
lich die schmale Treppe hinzurechnen, so würde man ebenso wenig 
dahin orelansren der Cellathür einen centralen Platz anzuweisen. 
Kurz die bei den anderen Tempeln der Thürschwelle zukommende 
Rolle, die in italischen Kultanschauungen begründet ist, trifft bei 
diesem Tempel so wenig zu wie bei dem dorischen Hekatompedos : 
er ist in seiner Anlage rein griechisch. Die ungewöhnlich grosse 
Vorhalle und deren Tiefenverhältnis zum hinteren Umgang findet 
ihre nächstliegende Analogie in dem alten mittleren Burgtempel C 
in Selinus("), in beschränkterem Masse in dem Apollonion G der 
dortigen sog. Neapolis ('2); wenn in beiden Tempeln innere Säulen- 
stellungen innerhalb der Vorhalle hinzukommen, so liegt der Grund 
in den viel bedeutenderen Grössenverhältnissen und in dem schwe- 
reren dorischen Gebälk. 

Dem griechischen Charakter des pompeianischen Apollotempels 
widerspricht auch nicht das Podium das ihn trägt. Dass dieses 
eine Eigenthümlichkeit des italischen Tempels sei, ist eine oft wie- 
derkehrende, aber irrige Meinung. Vitruv erwähnt in seiner Bespre- 
chung des tuscanischen Tempels {4, 7) nichts davon, und auch sonst 
finde ich keine solche Angabe; vielmehr erweisen die neuerdings 
in ofrösserer Zahl bekannt werdenden etruskischen und mittelita- 
lischen Tempelpläne C^) den Brauch als nichts weniger als regel- 
et) Beiindorf, Metopen von Seliinmt Taf. 12. Aus dem classisclien 
Süden Taf. E. Koldewey und Puchstein, Die griech. Tempel in Unteritalien und 
Sicilien, Berlin 1899, Taf. 12. 

(12) Beiindorf Taf. 13. Aus dem class. Süden Taf. (1. K-ddewey u. Puch- 
stein Taf. 17. 

(»^) Degering (Anm. 2) S. 137 ff. 



200 



AD. MICHAELIS 



massig. Dagegen unterscheidet Vitruv beim griechischen Tempel 
die beiden Fälle, si circa aedem gradus futuri sunt und si circa 
aedem ex tribus lateribus podium facieiidum erit (5, 3, 4 f.). 
Koldewey hat in seinem Programm über Neandria (•'*) eine Anzahl 
von Beispielen peripterer Podiumtempel zusammengestellt. Sehen 
wir von dem hochalten Tempel in Neandria ab, den Dörpfeld dem 
Vernehmen nach ebenfalls für einen Peripteros hält, so bietet der von 
Koldewey durch Deutung der Reste erst wiedergewonnene Kolossal- 
tempel in Tarsos (Fig. 4), der sog. Dönik-Tasch ('^), ein zutreifen- 




Fig. 4. 
Tempel in Tarsos. 

des Beispiel : ein etwa 6 Meter hohes Podium, auf dem die Cella 
eine ähnlich zurückgeschobene Lage hat wie die Cella des pom- 
peianischen Tempels; vor der Cella eine weite Halle, durch mehr- 
fache Säulenstellungen, die bei den mächtigen Grössen Verhältnissen 
zum Tragen der Decke nothwendig waren, gegliedert; an der nörd- 
lichen Vorderseite die gradas in fronte in Gestalt einer in voller 
Breite vorgelagerten vielstufigen Treppe. Die Entstehnngszeit des 
Tempels ist leider nicht genau bestimmbar; wenn Koldewey ihn 
für griechisch-römisch erklärt, so ist damit nur der Gegensatz gegen 
die Annahme althetitischen oder assyrischen Ursprungs bezeichnet. 
Koldewey nimmt die gleiche Anlage auch für das Smintheion 



f'<) Noandria, Berlin 1891, S. 31 f. 

C"') Aus der Anoniia S. 178 ff. Daher ist Fig. 4 entlehnt. Zu dem selt- 
samen Erlialtungs/ustand vgl, den neuen Tempel in Pümpeii (Anm. 3). 



POMPEIANA. 201 

und das ephesische Artemision anC^')- Leider ist Pullans Publi- 
cation des Smintheion ('^) so lückenhaft — es fehlt jede Wieder- 
gabe des heutigen Zustandes — dass ein Urtheil schwierig ist, doch 
haben sich nach den Angaben des Textes nur an der südwestlichen 
Schmalseite Stufen gefunden, und für den Grundplan wird eine 
innere Säulenstellung {nqoaxvXicc) anstatt des tiefen Pronaos iii 
anlls als nicht unwahrscheinlich bezeichnet. Hierdurch erscheint Kol- 
deweys Annahme eines bloss vorn aufgetreppten Podiumtempels 
wenigstens als mögflich, und wenn Pullan die Vorderwand der Cella 
richtig angesetzt hat (was man nach den erhaltenen Grundmauern 
wohl annehmen darf), so erhalten wir wiederum das gleiche Ver- 
hältnis einer Vorhalle von etwa dreifacher Tiefe gegenüber dem 
Säulengang hinter der Cella. Pullans Aufrisse aber, mit dem rings- 
umlaufenden zehnstufigen Krepidoma, sind wohl geeignet die un- 
günstige Wirkung eines so grossen Stufenapparates vor Augen zu 
stellen und auch für das Artemision zu Ephesos, für das bekannt- 
lich Philon ('S) eine xQijnlda Jsxäßa^ fnov bezeugt, Koldewej's An- 
nahme einer blossen Fronttreppe wahrscheinlich zu machen. Ist 
dem aber so, so geht die Anlage eines bloss vorn aufgetreppten 
peripteren Podiumtempels bis ins vierte Jahrhundert zurück, in das 
nicht bloss das Artemision, sondern, nach der Angabe über Skopas 
Thätigkeit für das Smintheion ('9), auch die Anlage dieses Tempels 
gehört (20). 

Der Anlass zu dieser Abweichung vom althergebrachten grie- 
chischen Schema des Peripteros liegt auf der Hand : sie ist aus 
dem Bedürfnis hervorgegangen den Tempel höher über den umgeben- 

('6) Auch für den prächtig erhaltenen Tempel in Aizanoi {Texlcr, A sie 
Min. I Taf. 23 ff. Le Bas, Voyage archeol, Archit. Taf. 18 ff.), vuii dem ich 
aber wegen seiner späten Entstehungszeit (A. Körte in der Festschrift für 
0. Benndorf, Wien 1898, S. 209 ff.) hier absehe. 

(>■') Antiquities of lonia IV Taf. 26 ff. 

('8) De Septem orbis spectaculis c.6 (nach Erwähnung der Fundamente) 
■nqöjTop nhf s^wd^ey ißäXiTo XQTjnTöu dsxdßa&uoy SieyiiQUiv 7T()6g ßäaif ueisio- 
Qoq>«ysg (? fitrsiOQocpctyTJ ?) y.cd nsQi... Leider bricht das erhaltene Fragment 
mit diesen Worten ab, die nach Koldeweys scharfsinniger Vermuthung zu den 
anderen, den vermuthlichen Podiumseiten des Tempels (neQi) überleiteten. 

(19) Strabon 13 p. 604. 

(20) Die Anlage, denn die Ausführung ist nach Pullan nicht gkiehmässig 
und zeugt für verschiedene Bauziiten. 



202 AD. MICHAKUS 

den Grund hinauszuheben. Hätte man z. B. in Pergamon den ioni- 
schen Tempel (Fig. 2) am Ende der schmalen, 250 M. langen Ter- 
rasse nur auf die üblichen drei Stufen gestellt, so wäre er ohne 
Wirkung geblieben, während jetzt die Erhebung über die Terrasse 
um 4V2 Meter ihn als den beherschenden Zielpunkt des langen 
Prospects erscheinen lässt. Die hohe breite Flucht der Stufen, in 
richtigem Verhältnis zu den Massen des Tempels darüber, vol- 
lends wenn mau sie sich mit Menschen augefüllt denkt, wirkt 
ebenso wie die breite Treppe am grossen Altar zu Pergamon (2'). 
Aehnlich steht es mit den nach allen Seiten frei liegenden Ko- 
lossaltempeln, wie sie von Alters her in Kleinasien beliebt waren. 
Eine allseitige vielstufige Anlage des Krepidoma nahm zu viel Raum 
in Anspruch und war schwerfällig in der A\^irkung. Auch war der 
Weg längst gewiesen. Eine bescheidene Hervorhebung der Front- 
stufen bietet schon der archaische Tempel C in Selinunt (^'), an 
dem vorne neun, an den anderen drei Seiten nur vier Stufen an- 
geordnet sind. Der etwa ein Jahrhundert jüngere sog. Cerestempel 
in Paestum (--), der ebenfalls eine weite Halle vor der Cella hat, 
zeigt die üblichen drei Stufen nur in seiner vorderen Hälfte, wäh- 
rend die hintere des Krepidoma ganz entbehrt. Am etwa gleich- 
zeitigen Hekatompedos in Pompeii {-^) treten, wohl nur infolge 
von Terrainverschiedenheiten des umgebenden Platzes, geringere 
Unregelmässigkeiten des Krepidoma auf, hier mit einer besonderen 
schmaleren Treppe in der Mitte der Front, nach Art der Eampenzu- 
gänge peloponnesischer Tempel, verbunden. Jedoch sind die bei- 
den letzten Beispiele unsicher, da die neueste Aufnahme Kol- 
deweys die Stufeureihen bei dem Paestaner Tempel als allseitig 
herumgeheud gibt, so dass die scheinbare Unregelmässigkeit nur 
Folge von Zerstörung wäre, bei dem Hekatompedos in Pompeii 
aber die ursprünglichen Verhältnisse sich nicht mehr feststellen 

(21) Vgl. die Ansichten Alt. von Pergamon IV Taf. 2G. 43. 46. 

(22) Durm, Baukunst der (iricchen 2 S. 305. Koldewey und l'uchstein 
(Anni. 11) Taf. 3, Text S. 1 9. 

(23) Ambesten Mon. ined. dci Lineeil, zu S. 199, jetzt bei Koldewey 
und Puchstein Taf. 5, Text S. 45 f. Zur schmalen Fronttreppe in Verbindung 
mit dem gcwöbiilichen Krepidoma vgl. den alten Apollonterapel in Syrakus, 
den Tempel zu Egcsta, den llcratempel E in Selinunt (Aus dem class. Süden 
Taf. D und G. Koldewey und ruclistein Taf. 7. 19. 18). 



POMPEIANA 203 

lassen. Auf alle Fälle lassen sich auf Grund des alten selinun- 
tischen Tempels gewisse Ansätze jener Bildung bis in die Anfänge 
griechischen Tempelbaues zurückverfolgen. In hellenistischer Zeit 
ward aber die Anlage des Podiumtempels mit vorderer Freitreppe 
von den grossen Peripteroi auch auf kleinere prostyle Tempel über- 
tragen. Dafür legen die Wandgemälde Pompeiis deutliches Zeugnis 
ab. Das Bild, das lasons Erscheinen vor Pelias darstellt ('-''), 
dasjenige der cam del cilarista mit Iphigenia die zu Thoas und 
den Gefangenen herabsteigt (-"'), das ähnliche aus dem Hause des 
L. Caecilius lucundus (-^') mögen als Belege dienen ; es sind lauter 
Bilder die mit voller Sicherheit auf hellenistische Vorbilder zu- 
rückgehen und uns die besprochene Tempelform als Lioblingsform 
dieser Zeit vorführen. Von hier fand sie auch Eingang in die helle- 
nisierende Architektur Roms (-"). 

Ich kehre zum Apollotempel in Pompeii zurück. Der Altar 
vor der Treppe hat dieselbe Aienstellung zum Tempel wie der des 
Zeus Milichios (Fig. 2). Da aber, abweichend von letzterem, beim 
Apollotempel kein Zwang wegen Enge des Hofraums in Betracht 
kommen kann, so muss ein anderer Grund zu jener Stellung des 
Altars geführt haben. Nun ist der Apollotempel gegen Süden orien- 
tiert, ebenso wie der ionische Tempel in Pergamon, bei dem sich 
die gleiche Richtung des Altars wiederholt (Fig. 2). Es liegt nahe 
für beide Fälle den gleichen Grnnd vorauszusetzen. Beim perga- 
menischen Altar ist die breitere westliche Stufe deutlich als Stand- 
platz des Opferers bezeichnet, der also beim Opfer gegen Osten 
schaute, dem herschenden, wenn auch nicht allein giltigen griechi- 
schen Brauch entsprechend (-S). Vermuthlich gilt dies auch für den 

(■2-') Am besten bei Winter, Eine attische Lekjtlios des Berlinor jNFu- 
seums, Berlin 1895, S. 12. Winter scheint mir allerdings das Originalbild viel 
zu hoch hinaufzurücken; es ist gewiss erst hellenistisch. 

(25) Mon. ined. delV Inst. VIII, 22. 

(20) Arch. Zeitung 1875 Taf. 13. 

(2''') Das älteste bekannte Beispiel bietet der 191 vollendete palatinische 
Tempel der Magna Mater (Hülsen in diesen Mittheil. 1895 S. 3 \'^.). Ebenso 
war .allem Anschein nach Metellus' Juppitertenipel, bekanntlich ein Werk 
des Hermodoros von Kypros, ein peripterer Podiumtempel, vgl. Vitr. 3, 2, 5 
und den Grundriss des späteren Umbaus bei Jordan, Forma urbis Romae 
Taf. 5. 

(2S) Vitr. 4, 8 (9) arae spectent ad orientem, vgl. Keisch bei Pauly-Wis- 
sowa I, 1655 f. 



204 A.D. MICHAELIS 

Altar des Apollotempels. Allerdings verlangt Vitruv {-^) auch für 
den italischen Altar die gleiche Orientierung, im Zusammenhang 
mit der von ihm als normal geforderten Orientierung des Tempels 
gegen Westen; so gilt es denn auch für die Tempel der Fortuna 
Augusta und des Vespasian (Fig. 1). Aber diese Richtung des Tem- 
pels ist ja keineswegs die Regel; bei dem gegen Süden sich öff- 
nenden Tempel der drei Götter auf dem Forum (ebenda) ist nach 
der Gestalt der Plattform doch wohl anzunehmen, dass der Altar 
dem Tempel quer vorgelagert war. Dann würde er also als eine 
samuitisch-römische Anlage in einem Gegensatz stehen zu dem Altar 
des gleich orientierten griechischen Apollotempels (3*^). 

Hellenistischem Brauch entspricht auch die Umfassung der Area 
des Apollotempels mit einer ursprünglich zweistöckigen Säu- 
lenhalle. Die Erfindung einer solchen porticus pensilis, der die 
zweistöckigen Säulenstellungen im Innern der Tempelcellen vorge- 
arbeitet hatte, wird Sostratos von Knidos zugeschrieben, dem Er- 
bauer des Pharos von Alexandrien zur Zeit des Ptoleraaios Soter(3'). 
So begegnen uns denn nsqCitaToi ömXoT auf drei Seiten des für 
Ptolemaios IV erbauten Nilschiffes (^2). Ein treffliches Beispiel eines 
so eingefassten Tempelhofes bietet das unter Eumenes II neu her- 
gerichtete Temenos der Athena Polias in Pergamon (3^) ; ohne Be- 
ziehung auf einen Tempel ist die doppelstöckige Stoa Attalos' II 
in Athen {^*). In Rom lässt sich ein von Hallen umrahmter Tem- 
pelhof wohl zuerst in den von Herraodoros von Kypros ausgeführ- 
ten Anlagen des Metellus (nach 146) nachweisen {^^) ; bald darauf 
(138) umgab P. Scipio Nasica auch den capitolinischen Tempel 

(29) Vitr. 4, 5, 1. Vgl. Nissen, Templum, S. 169 f. 

(30) Eine gewisse Analogie bietet der Apollotempel zu Bassai. Während 
der ganze Tempel nach Norden orientiert ist und der Altar sicherlich vor der 
Nordfronte stand, öffnet sich der Theil des Inneren der das Bild enthielt mit 
einer besonderen Thür gegen Osten, und ohne Zweifel schaute der Gott eben- 
dahin. Vgl. Arch. Zeitung 1876 S. 161 f. 

(31) Plin. 36, 83. 

(3-2) Athonaeus 5 p. 204 F mit Unterscheidung des xuräysLog und des 
vneQtäos negiTicccoc. Zum Gebrauch von (yin).ovg vgl. Lysias 1, 9. 
'(33) Alterth. von Pergamon II Taf. 21 ff. 

(3*) Adler, die Stoa des Königs Attalos II in Athen, Berlin 1875, mit 
den epikritischen Bemerkungen von Bohn in der Zeitschrift für Bauwesen 1882. 

(35) Velleius /, 11. Vitr. 3, 2, 5. 



POMPEIANA 



205 



mit diesem hellenistisclien Schmuck {^^). Ob diese beiden römischen 
Säulenhallen zweistöckig waren, wissen wir freilich nicht; waren 
sie einstöckig, wie die Hallen um den Hof des Isistempels in Pom- 
peii, so bietet unser Apollotempel das älteste Beispiel auf itali- 
schem Boden für eine porticus pensäis. Uebrigens findet auch die 
von Vitruv 1, 2, 6 getadelte Verbindung ionischer Säulen und 
Epistylien mit dorischem Triglyphon, wie sie in der unteren Halle 
des pompeianischen Tempelhofs bestand — bekanntlich sind erst in 
der letzten Zeit Pompeiis die Kapitelle in korinthische, des Tri- 
glyphon in einen ionischen Fries verwandelt und die obere Halle 
anscheinend getilgt worden — , in dem oberen Stockwerk jener per- 
gameuischen Ringhalle ein etwas älteres Vorbild. 




Fig. 5. 
Von der Vorhalle des Forum triamjulare 

Endlich noch ein Wort über die Gestaltung des ionischen 
Kapitells. In der Tuftperiode herscht in Pompeii fast ausschliess- 
lich die Form des ionischen Kapitells mit vier gleichen Seiten, 
ohne Polster, die Voluten diagonal gestellt (3^) ; so im Apollotempel, 
in der Vorhalle des Forum trianguläre (Fig. 5), in den Häusern des 



(36) Velleius 2, l. 

(S"?) Overbeck-Mau Pompeji^ S. 517. Dünn, Baukunst der Griechen' 
S. 252 Fig. 174. Mazois III, 13. 19 f. 



206 AD. MICHAELIS 

Fauns, des Pansa, des M. Epidius Rufiis, der capUelli figuratl 
u. s. w. Die Unbequeraliclikeiten, die das nach je zwei Seiten ver- 
schieden gestaltete normal-ionische Kapitell der Verwendung bot 
und die ja schon zur besonderen Gestaltung des Eckkapitells ge- 
führt hatten, haben, offenbar unter EinAvirkung des korinthischen Ka- 
pitells mit seinen hochgeschwungenen Diagonalvoluten, die entspre- 
chende Umbildung des ionischen Kapitells herbeigeführt (^S). Sie 
ist freilich so wenig organisch empfunden wie das ganze ionische, 
aus fi-emden Elementen gebildete Kapitell, empfahl sich aber durch 
ihre Brauchbarkeit für alle Fälle, Ihr Grundgedanke tritt bereits 
in der alterthümlichen Säule vom Heiligthum der Artemis Limna- 
tis (^^) zu Tage, ähnlich in den Kapitellen der Dreiviertelsäulen 
in der Cella des ApoUontempels zu Bassai C"^), sowie an den Halb- 
säulen des Propylon der grossartigen Villa in Palatitza in Make- 
donien, die anscheinend sehr guter, jedenfalls vorhellenistischer Zeit 
angehört (^'). Aber hier handelt es sich überall nur um lauter recht- 
winklig zu einander gestellte flache oder nur ganz schwach ein- 
ffeboo-ene Volutenseiten, die keinen EinfluGS auf einander ausüben, 
nicht um das Herausdrängen je zweier, sich vereinigender Volu- 
ten in diagonaler Richtung, wie beim Eckkapitell. Letztere Form ist 
besonders aus Sicilien und Süditalien belegt (^-). Kekule gibt ein 
thönernes Halbsäulenkapiteli aus Kentoripa (''3), andere Beispiele 
werden aus Akragas and Solunt angeführt C^); dazu die pompeia- 

(38) Semper, Stil II, 441. In dieser Form die Grundform des ionischen 
Kapitells zu erblicken ist unmöglich , da sich dann die Polsterforra nicht 
erklären Hesse; auch widerspricht die nachweisliche Entwickeiung des ioni- 
schen Kapitells (Puchstein, das ionische Capitell, Berlin 1887). 

(39) Semper, Stil II, 440. 

('">) Puchstein S. 30. Durm S. 271. Die Einzelbildung des nur in Bruch- 
stücken erhaltenen Kapitells steht freilich nicht fest (vgl. Stackeiberg, Apollo- 
tempel Taf. 3. Anc. Marbles in the Brit. Museum IV Taf. 25, 3. Cockerell, 
Tempels of Aeq'ma and Bassae, Bassae Taf. 13 f.). Die Strassburger Biblio- 
thek bewahrt in den Skizzenbüchern Hallers von Hallerstein noch unbenutztes 
Material für diese Frage. 

(^') Heuzcy und Daumet, Mission archeol. de Macedoine Taf. 10 ff. S. 197- 

(42) Durm S. 252. 

(■»:*) Terracotten von Sicilien S. 46 Fig. 98 f. 

{**) Vom sog. Grabe Therons bei Akragas: Serradifalco, Antich. d. Si- 
cilia IK Taf. 31. Newton, Halicarnassus Taf. 31,4. Die Form des Kapitells- 
das aufrecht stehende Eichenblatt neben der Volute (vgl. Kapitelle aus Solunt 



POMPEIANA 



207 



nischen Kapitelle. Aber es wäre eiu IiTtliiini, deshalb die Kapitell- 
form auf dcu Westen beschräukt oder auch nur hier entstanden zu 
denken. Mindestens ganz nahe verwandt sind die Kapitelle zweier 
Halbsäulen einer Grabfayade im lykischen Antiphellos, von denen 
leider nur die Vorderansicht abgebildet ist (^'0 ; sie mögen etwa 
dem vierten Jahrhundert angehören. Genauer übereinstimmend mit 
den pompeianischen Kapitellen, und zugleich sicher datierbar, ist 
ein Anteukapitell (Fig. 6) vom Obergeschoss des Propylon das zum 




Fig. 6. 

Kapitell aus Pergamon. 

Temeuos der Athena Polias in Pergamon führte C"^). Da füi- eine 
Ante das normale Kapitell keine Schwierigkeit bietet, ja bei dem 
verschiedenen Werthe der Front und der Seiten fast natürlicher 
zu sein scheint, so weist dies Anteukapitell ohne Frage auf den 
Gebrauch der gleichen Bildung für Säulenkapitelle hin, wenn sich 
auch kein Beispiel erhalten hat. Dass aber das Diagonalkapitell 



in Palermo bei Durra S. 252), und die Verbindung mit einem vollständigen 
dorischen Gebälk lassen das Grab als ziemlich spät erscheinen; daher ich den 
Einfall Schubrings (histor. Topographie von Akragas, Leipzig 1870 S. 71), das 
seltsame Gebäude möge ein Kenotaphion des 337 verstorbenen Timoleon sein, 
für verfehlt halte. 

(45) Texier, Asie Mineure III Taf. 198. Dnrm 2 S. 285. Puchstein S. 35 
Fig. 26. 

(*ö) Alterth. von Pergamon II Taf 23. 30. 



208 AD. MICHAELIS 

grade im Osten lieimis:h war, beweist sein zähes Nachloben in 
späten Denkmälern Syriens (^^). 

Indessen ist auch der Osten nicht die Heimat des Diagonal- 
kapitells, vielmehr tritt es schon früher, und zwar wiederum als 
Halbsäulenkapitell. am Proskenion des Theaters im epidaurischen 
Asklepiosheiligthum auf(-^''). Der Erbauer dieses Mustertheaters, der 
jüngere Polyklet, stellt sich uns — falls nicht einige seiner 
Neuerungen auf Rechnung des Skopas kommen sollten, dessen tegea- 
tischen Athenatempel wir leider in seinen architektonischen Ein- 
zelheiten noch so wenig kennen — als einen der bedeutendsten 
Neuerer in der Architektm- des vierten Jahrhunderts dar. Aus seiner, 
mit unglaublich vollendeter Technik ausgeführten Thymele (Tholos) 
stammt das älteste uns erhaltene korinthische Kapitell des kano- 
nischen, von der ganzen späteren Architektm- nur leise umgebilde- 
ten Typus (■'^). An der Sima desselben Rundbaues erscheint, ebenso 
wie in etwas einfacherer Form am Tempel zu Tegea (■'"), ein hori- 
zontal sich hinschlängelndes plastisches Rankenwerk zwischen den 
Löwenköpfen (■^'), wo im fünften Jahrhundert eine Reihe nur ge- 
malter, senkrecht emporstrebender Anthemieii üblich war (^-). Frei- 
lich zeigte die Thymele — wiederum im Einklang mit Skopas' 
Tempel, der auch die gleiche Verbindung einer äusseren dorischen 

{*') Durm, Baukunst der Etrusker und Römer S. 246 (Nebi S. ffa). 248 
(Siegestempel in Suleim). Undeutlich ist das Beispiel bei De Vogüe und Wad- 
dington, Syrie centrale, Archit. Taf. 93 (Grab ia Dana\ 

{*») Cavvadias, Fouilles d'Epidaure I, Athen 1891, Taf. 3. 7. 

(4^) Cavvadias Taf. 10. Durm I«, 287, Fig. 204. Das Kapitell, unvollen- 
det, vielleicht nur ein Modell, i.st von sehr lebensvoller Ausführung. Davon 
abhängig ist schon das korinthische Kapitell vom Philippeion in Olympia 
(Olympia If Taf. 81. Laloux und Monceaux, Restauration d'OIi/mpie S. 111, 
Bütticher, Olympia 2 S. 361, Fig. 76). Poetischer empfunden freilich, aber 
viel individueller ist das Kapitell des Lysikratesdenkmals in Athen. 

(5'>) Athen. Mittheil. 1883 Taf. 13. 

(!^>) Cavvadias Taf. 5, 1. 10. Fenger, Dorische Polychromie Taf. 6, 11. 
Diese lebendigere Verzierung der Sima ist seitdem vielfach angenommen 
(z. B. Messene, Le Bas, Voy. archeol. Archit. Taf. 5). Die alte Weise tritt 
noch in Hermogenea' Tempel zu Teos auf {Antiq. of lonia IV, 25), etwas 
modificiert an Pytheos' Athenatempel in Priene (ebenda Taf. 9. 18. Rayet und 
Thomas, Milet Tef. 13, eine Verbindung beider Ornamentweisen am Srain- 
thcion (Antiq. of lonia IV, 29). 

(^*) S. die Zusammenstellung bei Fenger Taf. 6. 



rOMTEIANA 209 

Peristasis mit einer inneren korinthischen Säulenstellnng auf- 
wies {■''^) — einen Kückgang in dem leblosen gradlinigen Umriss des 
Echinos am dorischen Kapitell, der so deutlich das beginnende Ein- 
trocknen dieses vornehmen Baustils verkündet (''''). Andrerseits eröff- 
net der leicht geschwungene Umriss des ionisch^^n Frieses an den 
Seiteneingängen des polykletischen Theaters {■''') für dieses Bauglied 
eine neue Eutwickelung. Also überall ein neuer, für den ionischen 
und korinthischen Stil nach reicherer Durchbildung strebender Sinn. 
Bei dieser Bedeutung der polykletischen Bauten für die Entwicke- 
lung der Einzelformen scheint mir die Annahme nicht allzu gewagt, 
dass wir den Erfinder des Diagonalkapitells — Skopas' etwanigc 
Ansprüche immer vorbehalten (■'''') — in dem jüngeren Polyklet 
erkennen dürfen, dessen Namen somit denen eines Mnesikles (Pro- 
P3'läen in Athen) und Phiiokles (Erechthoion) an die Seite träte. 
Auffallend bleibt es dabei nur, dass im eigentlichen Hellas, auch 
in Olympia, meines Wissens bisher keine Nachwirkungen dieser 
Neuerung an den Tag getreten sind. 

Für Pompeii ist dies Kapitell auf die ganz von hellenistischen 
Einflüssen beherschte Tuffperiode beschränkt; im römischen Pompeii 
tritt das normale ionische Kapitell in seiner späten schwunglosen 
Bildung an dessen Stelle. So begegnet es uns schon in der Cella 
des capitolinischen Tempels auf dem Forum, hier dadurch besonders 
gerechtfertigt, dass die Säulen wegen ihrer Stellung nahe vor der 
Wand keine gleichmässige Entwicklung nach allen vier Seiten ver- 



(•^^) Athen. Mittheil. a. a. 0. 

(5^j Cavvadias Taf. 5, 1. Andere Beispiele in Messenc am Stadion {Exped. 
de Moree I Taf. 27 f.), am Hcräon von Olympia (Olympia I Taf. 21 f. Laloux 
und Monceaux S. 103. Bölticher Olympia 2 S. 198, Fig. 42; und oft. 

(55) Cavvadias Taf. 3, 1. 

(56) Der jüngere Polyklet nimmt innerhalb der einförmigen polykleti- 
schan Schule durch seine zahlreichen Götterbilder und durch Verwendung 
des Marmors neben dem Erz ein Ausnahmsstellung ein, für die wir am einfach- 
sten eine Erklärung finden, wenn wir ihn uns von dem aus gleicher Schule 
hervorgegangenen, früh im Peloponnes thätigen Skopas beeinflusst denken. 
Denn Skopas' Thätigkeit in Tegea für älter zu halten, daran macht mich 
Kleins Herabdatierung (Praxiteles S. 321) nicht irre; es ist mir schier unver- 
ständlich, wie die tegeatischen Skulpturreste gleichzeitig mit dem Mausoleion 
oder gar später sein sollen ! 

15 



210 AD. MICHAELIS 

langen (•'■"). In der Hauptstadt scheint das Diagonalkapitell kei- 
nen Fiiss gefasst zu haben, wenigstens ist mir nur ein spätes und 
schlechtes Beispiel aus Rom, der Saturntempel über dem Forum, be- 
kannt (SS). Dagegen erlebt es eine Art trauriger Fortdauer im oberen 
Theil des für uns erst seit dem Untergang Pompeiis nachweisba- 
ren Compositakapitells {^^). Wo mag aber wohl der romanische 
Architekt des Münsters zu Essen (um 1000 n. Chr.) das Vorbild 
zum Kapitell einer Ziersäule gefunden haben, das aus vier platten 
Vorderseiten mit Eierstab je zwischen den Voluten gebildet ist (^o)p 
Die Renaissance, die ja überhaupt den ionischen Stil nicht eben liebt, 
scheint das Diagonalkapitell, obschon Palladio es kennt, doch nur 
wenig anzuwenden {^^). Dagegen verwendet es die französische Archi- 
tektur des Rococo ; ein hübsches Beispiel bieten die Eingangshallen 
des früher bischöflichen Schlosses der Rohan in Strassburg (jetzt 
städtischen Museums), das in den dreissiger Jahren des achtzehnten 
Jahrhunderts nach den Plänen von Robert de Cotte gebaut ward {^'^). 
Ebenso tritt es an der 1785 begonnenen Deutschhauskirche in Nürn- 
berg auf C^^). So findet sich das Diagonalkapitell gelegentlich auch 
heute noch verwendet C'^). — 

Anhangsweise eine Frage betreffend die Alae des pompeiani- 
schen Hauses. Nissen {^^) hat den Plan des italischen Hauses mit 
dem des altsächsischen Hauses, wie es noch heutzutage in einem 

(57) Mazois TU, 35. Weicharclt, Poinpeii S. 70. 

(58) Desgodetz, Les Mifices ant. de Borne S. 123. 125. Die Formen sind 
liier äussert plump und willkürlich. 

(59) Sehr deutlich an einem Capitell des lateranischen Museums, Sprin- 
ger, Handbuch d. Kunstgeschichte P S. 278 Fig. 490. 

{^^) Dehio und v. Bezold, Kirchl. Baukunst des Abendlandes Taf. 303, 13. 

(öl) Z. B. in Michelangelos capitolinischein Conservatorenpalast, sodann 
im siebzehnten Jahrhundert in der oberen Halle der Universität zu Genua und 
unten im Treppenhause des Klosters von S. Giorgio Maggiore in Venedig (Pa- 
last-Architektur Italiens: Reichardt, Genua Taf. 18. 19. Raschdorf, Venedig 
Taf. 85. 88). 

('■■3) Strassburg und seine Bauten, Sirassb. 1894, S. 328. 

(63) Tide, Nürnberg, Leipzig und Berlin 1900, S. 205, Fig. 162. 

i^*) Z. B. in zwei ehemaligen Friedensgerichten in Strassburg, in der 
Knhnengasse (gebaut 1868) und in der Schiffleutgasse (gebaut 1869). 

(«5) roiM]iciaii. Studien S. G12 f. 



POMPEIANA. 



211 



bedeutenden Theile Norddeutschlands üblich ist, zusammengestellt 
und darauf hingewiesen, dass die Alae sich in den Erweiterungen 
der « Fleet « gegenüber der « Diele " Aviederfinden. Ohne mich auf 
die Frage einzulassen, wie sich das altsächsische Haus zu anderen 
Formen des alten deutschen Hauses verhält und ob ein directer 
Zusammenhang zwischen ihm und dem altitalischen Bauernhause 
bestanden haben kann, glaube ich doch, dass die Aehnlichkeit beider 
Anlagen augenfällig genug ist um eine Dunkelheit der einen aus der 



E |d I £ 



n 



D 






F 

r 





a A 6 a io ia 
M— < — < ' ' — I ' 



Gasa cid chirurgo 







Fig. 7. 

Sächsisches Bauernhaus. 



anderen zu erklären. Figur 7 stellt die sog. casa del chirurgo, den 
reinsten Typus des alten samnitischen Kalksteinhauses, in ihrem 
ursprünglichen Zustand, ohne die späteren Anbauten, mit derjenigen 
Form des altsächsischen Bauernhauses zusammen, welche in meiner 
holsteinischen Heimat am gewöhnlichsten ist (ß'''). Durch die fauces 
A oder das Thor a betritt man den Hauptraum, das atrium B oder 
die Diele b, neben der sich die cubicula FF und der Laden G 
oder die Kammern // und die Ställe gg hinziehen. Im Hinter- 
gründe erweitert sich das Atrium durch die alae CC, die Diele zur 
Fleet c-c, in der noch oft der Heerd c' seinen alten Platz ein- 

(66) Die casa del chirurgo nach Overbeck-Mau, ronipeji ■* S. 207, das 
altsächsische Haus nach K. Henning, das altdeutsche Haus (Quellen u. Forschun- 
gen zur Sprach- und Culturgeschichte der germanischen Völker, Band XLVII), 

Strassburg 1882, S. 31. 



212 AD. MICHAELIS, POMPEIANA 

nimmt; dahinter liegen das lablhimn D, umgeben von zwei tricli- 
nia oder ähnlichen Zimmern EE, andrerseits die Wohnstube oder 
der Pesel d, umgeben von zwei Kammern ee. Hinter dem Hause 
liegt hier wie dort ein Garten. Bei dieser fast vollständigen Ueber- 
einstimmung der Eintheilung ist es beachtenswerth, dass die Sei- 
ienräume der Fleet cc mit Thür und Fenstern sich nach beiden 
Seiten öffnen und ihre Bedeutung eben in der dadurch erzielten 
Beleuchtung und Zugänglichkeit der Fleet haben. Sollte nicht dieses 
auch der ursprüngliche Zweck der italischen alae gewesen sein, so 
lange das Bauernhaus allein stand und als atrium tesLudiiiatum, 
ebenso wie das von einem mächtigen Strohdach bedeckte altsächsische 
Bauernhaus, auf seitliche Beleuchtung durch Thüren angewiesen 
war ? Die Verwandlung in ein atrium dui^luviatmn oder Tusca- 
nicum mit Oberlicht ward nöthig, sobald das bisher einzelstehende 
Haus in der Stadt sich rechts und links unmittelbar an Nachbar- 
häuser anschloss. Die cUae verloren nunmehr ihre Bedeutung sowohl 
als lichtspendende Käume wie als postica, für welch letztere man 
andere Auswege in Nebenstrassen suchen musste ; sie wurden aber 
bei dem conservativen Zuge der älteren Zeiten als überkommene 
Käume beibehalten und, da sie keinen baulichen Zweck mehr er- 
füllten, zur Aufstellung von Schränken C»^), in vornehmen Häusern 
zur Unterbringung der imagines cum suis ornamentis (^-) benutzt. 
Ausnahmsweise wurden auch wohl die alae von ihrem hergebrachten 
Platz am Ende des atrium in die Mitte der Seiten wände verlegt; 
so im atrium tetrastylum des Hauses des Fauns (^^). Weiterhin 
wurden sie gelegentlich stattlich erweitert, durch Säulen der Ar- 
chitektur des atrium Corinthium angeglichen, und demnächst als 
häusliches Heiligthum eingerichtet; so in dem ebenfalls der Tuff- 
periode agehörigen Hause des M. Epidius Sabinus {^^). Sehr be- 
greiflich ist es, wenn schliesslich auf die zwecklos gewordenen alae 
gänzlich verzichtet ward, wie das ja in vielen Häusern Pompeiis 
der Fall ist(7i). 

(Fortsetzung folgt.) Ad. Michaelis. 

(«") Beispiele: Mau bei Tauly-Wissowa I, 1224. 
(68) Vitr. (J, 3 (4), G. 
(6!') Ovcrbeck-Mau 4 S. 347. 
po) Overbeck-Mau 4 S. 297 ff. 

("") Als Beispiel kann das Haus des Epidius Sabinus dienen, Overbeck- 
Mau*, Plan. no. 117. 



EIN FRIESRELIEF DES TABULARIUMS. 



In den Rämnen des Tabularinms über dem romiseben Forum 
sah ich Ende 1897 das Fragment eines Friesreliefs, das sowohl 
durch seine Darstellung wie seine architektonische Form Interesse 
zu erwecken geeignet ist. Die Mitteilung des wichtigen Stückes, 
das bisher meines Wissens eine Pnblication oder Beschreibung nicht 
erfahren hat ('), wird daher manchem nicht unwillkommen sein. 




0,85- 



Das Bruchstück, dessen Hauptmasse in die beistehende Abbil- 
dung eingesetzt sind, besteht aus Fries sowie oberster Architrav- 



(') Auch über Fundort und- zeit habe ich nichts ermitieln können: das 
BulleUino comunale di Roma von 1876-1898 wie auch die letzten Bände der 
Notizie de(jü scavi gaben darüber keinen Aufschluss. Weit zurück kann die 
Auffindung nicht liegen, da weder Brizio (1876) noch Robert (1878) bei ilirer 
Besprechung der esquilinischen Wandgemälde von unsorm in denselben My- 
thenkreis fallenden Friese Kenntnis halten. 



214 H. LUCAS 

fascie und ist unten glatt abgeschnitten : die folgenden Streifen des 
Architravs bildeten also ein besonderes Stück für sich. Die Dicke 
des Reliefgrundes am Fries ist ca. 0,12 ra, die Gesamtdicke des 
Blockes 0,26. Das Material ist weisser Marmor. 

Die Darstellung zeigt zwei lebhaft bewegte, einander zuge- 
wandte Knaben, den einen in, den andern auf dem Rande einer 
ziemlich stark bestossenen muldenartigen Wanne, welche — bis 
auf die eigentümlich ausgeschnittene Gestalt des einen Endes — 
sehr der ovalen Larnax gleicht, in welcher auf dem pergamenischen 
Telephosfries Auge dem Meere preisgegeben werden soll ('), weni- 
ger dem geflochtenen Kohrkästchen, in welchem auf dem esquilini- 
schen Wandgemälde Eomulus und Remus ausgesetzt werden (-). 
Der links sitzende Knabe erhebt, weit vorgebeugt, die Arme — nur 
der 1. ist erhalten — anscheinend nach einer rechts betindlichen Per- 
son. Der Kopf ist stark abgesplittert, r. Oberschenkel und Hüfte 
bestossen. Sein kleiner Gefährte liegt soweit vornüber, dass er mit 
dem verlorenen 1. Arm eine Stütze gesucht haben muss : vielleicht 
fasste er die R. des andern. Die r. Hand greift hinter dessen Rücken. 
Kopf und der obere Teil des Rückens fehlen, auch der 1. Schenkel hat 
gelitten. Im Hintergrund erhebt sich ein Baum mit gespaltener 
Rinde, daneben eine Felspartie. Am Ende des Baumes nahe dem 1. 
Fuss des liegenden Knaben wird der 1. Fuss eines stehenden Mannes 
sichtbar, zum Teil verdeckt durch eine halbzerstörte, undeutliche 
Masse, die sich nicht wohl anders erklären lässt denn als Rest des 
r. Fusses, den der Stehende über den andern setzte. An der 1. 
Seite mag der Mann ein Fell getragen haben, dessen zottiges, bis auf 
den Boden herabhängendes Ende, wenn wir uns nicht täuschen, 
erhalten ist. Haltung und Kostüm dieser so stark zerstörten Figur 
sind wohl ähnlich zu denken wie bei dem Faustulus der Mosaik 
Colonna, Rom. Mitth. I Taf. 1. Die Partie am untern Ende des 
Baumes hat eine rauhe Oberfläche, begreiflich, da sie einst von dem 
jetzt weggebrochenen Körper verdeckt war. 



(') Jahrbuch des Instituts II p. 244 (B). 

(2) Heibig Führer 11^ p. 257 fF.; Guida del Museo nazionale Romano 
p. 91 flf.; Brizio, Pitture e sepolcri scoperti sulV Esquiliho (Roma 187Ö) 
p. 9-24, tav. 2; Annali delV bist. 1878 p. 234 ff. (Robert); Mon. delV Inst. X 
tav. 60. 60\ Phc.tographieen : Moscinni (Rom) n. 6172 und o. N. 



EIN FRIESRELIEF DES TABULARIUMS 215 

Die einstige Höhe des speziellen Keliefteiles war, wie ersicht- 
lich, bedeutend grösser als das Vorhandene; sie kann etwa das 
Doppelte betragen haben, M. 0,GO-70. Die Arbeit ist fein und 
erlaubt den Fries der ersten Kaiserzeit, vielleicht noch der augu- 
steischen Periode zuzuweisen. 

Die Deutung der Scene begegnet keinen erheblichen Schwie- 
rigkeiten. Soviel wird sofort klar geworden sein, dass wir das in 
der Wanne ausgesetzte Zwillingspaar der römischen Stainmessage, 
Komulus und Remus, vor uns haben. Wie aber ist die Situation 
des srenaueren aufzufassen? Ist der fellbekleidete Mann rechts ein 
Diener, der, vielleicht im Verein mit verlorengegangenen Genossen, 
die Kinder auf Befehl des Amulius ausgesetzt hat und sie nun 
nachdenklich, mitleidig betrachtet ? Eine derartige sentimentale 
Auffassung würde für eine solche Handlung wenig passen. Dazu 
vermisst man unter der Wanne jede Andeutung von Wasser, das 
nicht fehlen durfte, da das Gefäss entweder im Tiber selbst oder 
in dem ausgetretenen, seichten Uferwasser niedergesetzt wurde. 
Wir hätten demnach vielmehr das Auffinden der Zwillinge durch 
einen Hirten zu erkennen, der in erstaunte Betrachtung der httlf- 
losen Kleinen versunken steht. Hierfür spricht auch die Haltung 
der Knaben, die, worauf mich Petersen aufmerksam macht, in wohl- 
berechneter Weise verschieden charakterisiert sind, ähnlich wie der 
schlangenwürgende Herakles und sein furchtsamer Halbbruder Iphi- 
kles auf Vasenbildern, z. B. der r. f. Hydria Mon. dell'Inst. XI 
Taf. 42, 2 (1): der Knabe rechts, unzweifelhaft Remus, wendet sich 
schreiend von dem Fremden ab und sucht Schutz bei seinem Bru- 
der, welcher unbefangen und mutig die Arme ausstreckt nach der 
neuen Erscheinung. Dies kann unmöglich der Diener sein, der die 
Knaben zum Flusse getragen hat, sondern eine fremde Persönlich- 
keit, welche erst eben hinzugetreten ist zu der nach dem Zurück- 
treten der Gewässer auf dem Trockenen sitzengebliebenen Wanne. 

Für die Wölfin ist auf unserer Scene kein Platz. Vielleicht 
möchte mancher vermuten, dass sie in dem r. oder 1. sich an- 
schliessenden Bilde enthalten gewesen sei ; doch dürfte dagegen das 
Vorhandensein der Wanne sprechen: diese kommt niemals vor auf 

(1) Die bildlichen Darstellungen dieses Mythus gesammelt: Arch. Zeit. 
18G8 S. 33, Koscher Lexikon d. Myth. 1,2. Sp. 2222 f. u. 2242. 



216 H. LUCAS 

den Darstellungen der die Zwillinge nährenden Wölfin. Auch würde 
dann unser Bild keinen Sinn haben. Denn ein erstauntes Betrach- 
ten der säugenden AVölfin ist ein passender Darstellungsgegenstand, 
desgleichen die Betrachtung des gelandeten Kahnes mit seinen In- 
sassen, wie wir das Relief auffassen. Was aber sollte, wenn der 
Hirt die Wölfin verjagt hätte, dann noch ein tiefsinniges Anstarren 
der zurückbleibenden Zwillinge? Wir glauben demnach, dass auf 
dem Relief eine Sagenversion wiedergegeben ist, welche, ganz ohne 
das wunderthätige PJingreifen des Gottes durch sein geheiligtes Tier, 
die Zwillinge nach dem Verlaufen der Flut von Menschen aufge- 
funden werden lässt. Dies würde weiter nichts Verwunderliches 
haben, da für die ungefähr derselben Zeit augeliörigen Wandge- 
mälde des esquilinischeu Columbariums Robert ein Gleiches nach- 
gewiesen hat. Für das überraschende Fehlen nämlich der hochwich- 
tigen, in Dichtung und Kunst gleich gefeierten Auffindungsscene 
mit der Wölfin auf dem Wandgemälde, neben verhältnismässig so 
unbedeutenden Scenen wie der Aussetzung der Kinder u. a., hat Ro- 
bert mit mehr Recht als Brizio (') den Grund darin gefunden, 
dass die Quelle der in den Fresken wiedergegebenen Sagenfassung 
eine Erzählung pragmatisierender Tendenz aus augusteischer Zeit 
war, welche die Gründungssage mehr als einen Roman auffasste, 
daher das Wunderbare, Märchenhafte wie die Wölfin und die alba- 
nische Sau (-) möglichst beseitigte (a. a. 0. p. 270 f.). Acca La- 

(') Brizio (p. 22, vgl. p. 11) erklärt das Auslassen der Wölfin durch 
Verkürzung eines ursprünglich vollständigeren und für ein anderes Gebäude, 
einen Tempel, bestimmten Cyklus, der für das Columbarium nur copiert wor- 
den sei. Doch ist die Annahme einer solchen Verkürzung bedenklich, bei wel- 
cher gerade die wichtigsten Scenen fallen gelassen, unbedeutende beibehalten 
werden. — Robert's Ansicht stimmt jetzt auch Heibig zu (Führer IP S. 2.58). 

(2) Es sei mir bei dieser Gelegenheit gestattet zu bemerken, dass aus 
der Eeihe der Darstellungen der albanischen Sau (vgl. Klausen Aeueas u. die 
Penaten II p. 675 Anm.; Heydemann arch. Zeit. 1872 p. 122 Anm. 53) einige 
mit Unrecht dahin bezogene Denkmäler auszuscheiden haben. So die Gruppe 
des Vatikan (Heibig Führer P n. 182; Reinach räpertoire II 748, 6), deren 
Kunstwert von Heibig vortrefflich gewürdigt ist. Für die Zugehörigkeit zu einer 
historischen Composition spricht nichts: es ist schlechthin eine hellenistische 
Genregruppe, die sich vollkommen selbst genügt und keine Ergänzung durch 
hinzuzudenkende Personen verlangt. Weiter das Relief im A1rio des capitoli- 
nischun Museums unter n. 23, eine gewöhnliche Jagdscene darslellend (Armel- 
lini II tav. MO; Nuüva descrizione, 1883, p. 26), und das Basisrelief der 



EIN FRIESRELIEF DES TABULARIUMS 217 

rentia, die neubenannte Gemahlin des Oberhirten Faustulus, über- 
nimmt in dieser jungen rationalistischen Sagenversion, z. B. der des 
Macer, die Rolle der Wölfin, die Mutterstelle bei den Findlingen {'). 
Einen Diener des Faustulus also, der jenem von dem Funde Mittei- 
lung machen, oder den Oberhirten selbst, der seiner Frau die Kna- 
ben zum Ersatz für ihr totgeborenes Kind bringen wird, dürfen wir 
in der männlichen Figur unsres Frieses erkennen. 

Die Wichtigkeit des mitofeteilten Friesfiagmentes braucht kaum 
besonders hervorgehoben zu werden. Sie beruht einmal darauf, dass 
wir hiermit überhaupt eine neue Darstellung eines Vorganges aus 
der Romulussage, und zwar in einer nicht ganz gewöhnlichen, in- 
teressanten Fassung, gewinnen, sodann darin, dass das Stück die 
Existenz eines ganzen Gebäudes bezeugt, dessen Fries mit einer 
fortlaufenden Reihe von Scenen aus der römischen Stammessage ge- 
schmückt war. Hierdurch tritt das kleine, unbeachtete Reliefstück 
den esquilinischen Wandbildern an die Seite. 

Viel näher aber liegt es, unser Relief mit einem schon ein- 
mal publicierten, dann aber wieder unverdienter Vergessenheit an- 
heimgefallenen, in der Form ähnlichen Friesrelief des Neapler Mu- 
seums zusammenzustellen (n. 6607, im Saale der Salpionvase). Nach 
einer ungenauen, durch die ungünstigen Umstände entschuldigten 
Beschreibung Jordan's (Arch. Zeit. 26, 1868, S. 97 Anm. 4) hat 
es Heydemann ebd. 29 (1872) Taf. 54 n. 2 abgebildet und S. 118 ff. 
eingehend besprochen und richtig gewürdigt. Heydemann's Deutung 
auf die Laudung des Aeneas ist evident und so selbstverständlich, 
dass, als ich zum ersten Mal vor dem Relief stand, ohne Kenntnis 



Pariser Tiberstatue (Visconti mus. Pio-Clem. I tav. 39 ; Eeinach repertoire 1 68, 
v£fl. 171, 5), welches, wie man sclion aus dem Gegenstück, dem Nil des Va- 
tikan, hätte entnehmen können, wie dieses die Bewohner des Nil, so seiner- 
seits das tägliche Leben und Treiben im und am Tiber in echt alexandrini- 
schen Genretypen zur Anschauung bringt. Von Aeneas, dessen Landung in 
Italien Visconti hier dargestellt fand, ist in Wahrheit keine Spur zu entdecken. 
(Den Aeneas lässt auch Froehner notice n. 449 fallen, während er an Alba 
und der historischen Sau festhält). Umgekehrt wird man sagen dürfen, dass 
die Gruppe der Sau mit den Ferkeln, wo sie in unzweifelhafter mythischer 
Bedeutung auftritt, z. B. auf der vatikanischen Augustus-Ara (Raoul-llochetle 
mon. inM. pl. 69, 3; C. I. L. VI, 1 n. 876; Arch. Zeit. 29, 1872, p. 122; Massi 
de&crizione p. 77 f.J, dem hellenistischen Tiergenre entlehnt ist. 
(') Mommsen röm. Forschungen II S 14 fl". 



218 H. LUCAS 

von H.'s Aufsatz, ich sofort auf dieselbe Deutung kam ('). Die Dar- 
stellung zeigt fünf Männer im Aussteigen aus einem Schiff begriffen: 
Aeneas, den schwachen Vater aufrichtend und dem voraneilenden 
Ascanius beim Hinabsteigen behülflich, den Steuermann und etwa 
Achates. Am Lande stehen vier Bewaffnete, z. T. nach r., der 
Landimgsscene zugewandt, z. T. nach 1. zu dem folgenden Vorgang. 
Noch ist hier der Eest eines lagernden Tieres erkennbar. Ob gerade 
die Landung bei Drepana in Sizilien zu verstehen ist, wie Heyde- 
raann will, möchte ich dahingestellt sein lassen, jedenfalls nicht 
die letzte Landung des Aeneas in Italien, da dann Anchises als 
bereits verstorben fehlen muss, wie es die bekannte Münze des An- 
toninus Pius vorführt (-). 

Die auf die Landung links folgende Scene — die Scenenfolge 
dieses Frieses scheint von r. nach 1. fortzuschreiten, ebenso wie 
es für den Gemäldecyklus des esquilinischen Columbariums Robert 
erwiesen hat — zu erklären bin ich ebensowenig imstande wie 
Heydemann. Doch weiche ich darin von ihm ab, dass ich nicht 
bewillkommnende Einwohner des Landes, sondern bereits gelandete 
Trojaner eines andern Schiffes erkennen möchte, da es mir wenig 
Wahrscheinlichkeit hat, dass Aeneas seinen jugendlichen Sohn zuerst 
an das feindliche Land, dessen Gefahren ihm noch unbekannt sind, 
vorausgeschickt habe. Würde doch auch genau genommen zu ei- 
ner Begrüssungsscene nur der erste der vier Männer gehören können, 
indem der zweite schon durch die erstaunte Handbewegung voraus- 
weist auf den Vorgang am Ufer, zu welchem der dritte Genosse, 
halb umgewandt, und der vierte, völlig nach 1., hineilen, nämlich 
anscheinend ein Omen, die Auffindung eines gelagerten Tieres, von 
dem jetzt nur das Hinterteil erhalten. Hätte H. Recht, dass man 

(') In den Aeneas-Artikeln von Baumeister's Denkmälern des klass. Al- 
tertums (I 30 ff.) und Pioscher's Lexikon der Mytliol. (I, 1 Sp. 183-187, Wör- 
ner) sucht man vergebens eine Erwähnung dieses Monuments. Auch Heibig 
kann sich nicht entschliessen, in seiner Ueberschau der Darstellungen zur Ae- 
neassage (Untersuch, üb. camp. Wandmalerei S. 4 ff.) das Relief einzureihen 
(erwähnt Anm. 8). Doch kann über die Zugehörigkeit zum Aeneasmythus kein 
Zweifel bestehen, da die drei Hauptpersonen unzweideutig sind, Anchises kennt- 
lich an der von Heydemann in zahlreichen Beispielen nachgewiesenen Pe- 
natencista. 

(2) Klausen, Aeneas u. die Penaten I Taf. 2 n. 12; Stevenson, dictio- 
nary of Roman coins p. 17; Cohen « II p. 393 n. 1171. 



EIN FRIESREI-IEF DES TABUI.ARIUMS 219 

dieses Tier zur Not für ein Pferd halten könnte, so würde ich kei- 
nen Allgenblick zaudern an die erste flüchtige Landung des Aeneas 
in Hesperien und die unheilbedeutende Erscheinung der vier weissen 
Rosse zu denken (Aen. III 537 sqq.). Leider schliesst die Gestalt 
des dünnen, glatten, in einer Haarquaste endigenden Schwanzes den 
Gedanken an ein Pferd aus. Es könnte etwa ein Rind sein ; doch 
macht dann die Deutung Schwierigkeiten. Wäre es möglich, dass 
hier eine uns nicht bekannte Sagenerzählung zu Grunde lag und 
die Erscheinung von Rindern, mit Bezug auf die alte, vielleicht 
richtige Etymologie ('), den Trojanern die Gewissheit geben sollte, 
in dem 'Rinderlande' Italien angekommen zu sein? 

Für die genauere Beschreibung des Einzelnen kann auf H. ver- 
wiesen werden. Nur möchten wir noch die dort gegebenen Masse 
vervollständigen. Die Länge des Ganzen beträgt 1,15 m, die Höhe 
des Reliefs allein 0,42. Der Fries und Architrav trennende Streifen 
ist 0,05, das obere Blattornament des Architravs 0,08 hoch (dies 
beides also übereinstimmend mit dem Friese des Tabulariums). 
Der Architrav ist hier ganz erhalten (Höhe 0,22), aus zwei Fascien 
gebildet, deren oberste von dem Blattstreifen zur Hälfte eingenommen 
wird, derart dass für das Auge der Eindruck eines dreiteiligen 
Epistyls entsteht. Die Gesamthöhe der Reliefplatte ist demnach 
0,69 nach meiner Messung, bei H. dagegen 0,73, die Differenz 
erklärlich, da H. das Stück noch frei im Hofraum sah, während 
ich es bereits in der Wand eingemauert fand, die äussersten Ränder 
also vielleicht in der Mauer verborgen. Daher entzog sich auch die 
Dicke, 0,44 nach H., meiner Controlle. 

Es muss nun noch die Frage aufgeworfen werden, ob die bei- 
den besprochenen Friesreliefs Reste eines und desselben Gebäudes 
sind. Dass es zulässig war, die Aeneassage durch den Romulus- 
mythus fortzusetzen, erweist schon allein die wiederholt angezogene 
Gemäldeserie des römischen Columbariums. Aber auch für die Gie- 
belreliefs des Tempels der Yenus und Roma hat Petersen mit hoher 
Wahrscheinlichkeit angenommen, dass hier Scenen aus beiden Sa- 
genkreisen vereinigt waren (-). Endlich bin ich geneigt die schöne 



(') Varro rer. rust. 11. II 5, 3. 

(2) Rüm. Mitth. X (1895) S. 248 f., Vom alten Rom S. 56 ff. Vgl. Mafz- 
Duhn n. 3519; Hclbig Führer^ n. G47, II n. 1037. 



220 H. LUCAS 

Ara aus Ostia im Thermenmuseum, mit von der üblichen abwei- 
chender Deutung ihrer Darstellungen, in den Kreis derartiger Mo- 
numente einzureihen ('). Erhebt sich also von inhaltlicher Seite 
kein Bedenken, so verbietet doch andrerseits die grosse Verschie- 
denheit beider Monumente in Massen und stilistischer Behandlungr 
dem verlockenden Gedanken an eine Zusammengehörigkeit weiter 
Raum zu geben Höhe und Dicke des Friesteiles weichen bei beiden 
Stücken stark von einander ab. Sehr misslich ist weiter, dass an 
dem römischen Relief nur die oberste Fascie des Epistyls mit dem 
Fries in einem Stück gearbeitet ist, bei dem Neapler das ganze. 
Auch die stilistischen Unterschiede sind erheblich : die gute Arbeit 
des römischen Reliefs fanden wir uns veranlasst dem Anfang der 
Kaiserzeit zuzuschreiben, das Neapler Stück versetzt Heydemaiin 
in das dritte Jh., ungefähr richtig, obwohl man gewiss noch bis 
in das Ende des zweiten hinaufgehen könnte. Endlich zeigt das Ro- 

(1) Heibig Führer IP n. 1086; Guicla del Museo nationale Romano 
p. 13 f.; Lanciani, ancient Rome p. 35. Photo^r. : Tuniinello (R(>m) n. 1611-1614, 
Moscioni n. 5016. Die eine Seite des Altars giebt die Auffindung der Zwillinge 
unter der Wölfin. Die Darstellung der Hauptseite hat Lanciani gedeutet auf 
Mars und Venus, die Stammgötter des julischen Hauses, die der beiden Nach- 
barseiten als Eroten, mit den Waffen und dem Gespann des Kriegsgottes be- 
schäftigt. Dieser Auslegung erweist sich aber hinderlich die Unmöglichkeit, 
den halbwüchsigen Knaben r. von Venus, deutlich unterschieden von den 
kleinen geflügelten Eroten, zu benennen. Dies kann m. E. nur Ascanius oder 
Julus sein (vgl. auch Guida p. 14); in dem zerbrochenen Gegenstand in sei- 
ner R. darf man vielleicht ein Messinstrument erkennen als Hinweis auf die 
Gründung Albalongas (nicht unähnlich das Gerät in der Hand Alexanders als 
Stifters von Alexandria auf der Tazza Farnese, Mus. Borb. XII 47; vgl. neuer- 
dings Jahrb. d. Inst. 1899. Anz. S. 130 ff.). Für die männliche Gestalt in Helm 
und Chlamys, der sich Venus zuwendet, bleibt füglich nur die Benennung Ae- 
neas. Der zwisclien Venus und Aeneas schwebende Eros braucht als ständiger 
Begleiter der Liebesgüttin kein verliebtes Verhältnis anzudeuten. Die Eroten auf 
den beiden anstosscnden Seiten meistern dann in lustigem Spiele Kriegswagen 
und Waffen des Aeneas. Lieber als an eine allgemeine, situationslose Zusammen- 
stellung dieser Figuren möchte ich an den bestimmten Moment denken, wo die 
Göttin ihrem Sohne die von Vulcan geschmiedeten Waffen überbringt (Aen. VIII 
008 sqq.). Erinnern will ich noch zum Beweise, wie nahe eine solche Auf- 
fassungsweisc dieses vergilischen Motives liegt, an das den gleichen Vorgang 
darstellende Gemälde des Batoni in der Liechtenstein'schen Galerie zu Wien 
(n. 163): auch hier halten Butten, der eine den Helm des Helden, der andere 
den Schild, dessen Dar.stellungen Venus dem staunenden Sohne erläutert. 



EIN KRIESRELIEF DES TABULARUJMS 221 

mulusrelief eine reiche Verwendung landschaftlicher Motive und 
nähert sich hierin dem malerischen Stile hellenistischer Ileliefcom- 
positionen wie des Telephosfrieses, während das Aeneasrelief, soweit 
über das Fragment ein Urteil gestattet ist, nichts von landschaft- 
lichen Elementen aufzuweisen hat. Denn die Angabe des Wassers 
unter dem Schifte ist selbstverständlich und nicht dagegen geltend 
zu machen. 

Das Ergebnis ist also, dass die beiden Friesbruchstücke zwei 
verschiedenen Gebäuden von ungleichen Grössenverhältnissen an- 
gehörten, beide Ueberreste einer vollständigeren, grösseren Scenen- 
reihe. Der Vermutung steht nichts im Wege, dass der Bilderschmuck 
beider Baulichkeiten die Aeneas- und die Romulussage vereint 
enthalten habe. Ueber die Art der Baulichkeiten bleibt man auf 
blosse Vermutung angewiesen. Man wird am ehesten auf Tempel 
raten wollen, doch darf man auch an eine offene Area mit hohen 
Seitenwänden denken wie das Nervaforum, dessen Reliefschmuck 
in mehr als einer Hinsicht uns als Analogie dienen kann, beson- 
ders wenn Petersen's Annahme das Richtige treffen würde, dass auf 
der linken Längswand die Teilnahme der Minerva an kriegerischen 
Ereignissen zur Anschauung gebracht war (V). 

Der Gewinn, der sich aus der Betrachtung der beiden bisher 
gering geschätzten Denkmäler für Monumentenkenntnis und Sagen- 
geschichte ziehen lässt, ist nicht gering anzuschlagen. Dem Reize 
freilich, nachzuforschen, was für Baulichkeiten es waren, von deren 
Schmuck jene Reste auf uns gekommen sind, müssen wir für jetzt 
widerstehen, bis es gelingt, über die Fundumstände Licht zu ver- 
breiten. Ueber die Herkunft des Neapler Reliefs konnte bereits 
Heydemann nichts mehr erfahren. Nicht für ausgeschlossen halte 
ich, dass es aus Rom, vielleicht mit den farnesischen Funden, in 
die campanische Hauptstadt überführt worden ist. 



Charlottenburg 



O' 



H. Lucas. 



(') TJöm. Mitth. 1880 p. 88, Vom alten Rom p. 46. 



HADRIANS STEÜERERLASS. 

(Taf. VIII). 



Dass auf der einst südlichen der beiden Foriimsschranken die 
von T r a j a n verfügte Erlassung rückständiger Steuern (der vige- 
sima hereditatum) dargestellt sei('), ist jetzt wohl die allgemeine 
Annahme. Zwar ist sowohl dieser als auch der auf der andern 
Schranke zu erkennende Vorgang, die Stiftung für die imeri et puel- 
lae alimentariae, wie von Trajan, so auch von Hadrian bezeugt, in 
dessen Leben von Spartian (-), wo beide sogar nebeneinander genannt 
werden ; aber Hadrian hatte die Schuldtafeln auf dem Trajansforum 
verbrennen lassen, Trajan muss es, nach Ausweis eben des Schranken- 
bildes auf dem alten Forum gethan haben. Nicht unerwünschte, wenn 
auch indirekte Bestätigung der Beziehung der Schrankenbilder auf 
Trajan gibt ein schönes Relief, leider nur ein kleiner Teil des ein- 
stigen Ganzen, indem es denselben Staatsakt mit dem unverkenn- 
baren Gepräge Hadrianischer Kunst darstellt. 

Es ist ein Relief des Duke of Devonshire in Chatsworth, 
welches auf unserer Tafel abgebildet wird. Die Photographie, mit 
der Erlaubniss sie zu veröffentlichen danke ich der freundlichen Ver- 
mittelung von S. Arthur Strong, dem Bibliothekar Sr. Durchlaucht. 
Zuerst aufmerksam geworden auf das Relief ist, wie ich höre, Furt- 
wängler ; in Michaelis Ancient marbles, in Great Brilain S. 276 f. 

(') Vgl. Die Reliefschranken auf dorn Komischen Forum (in Abhand- 
lungen Alex. V. Oettingen zum 70. Geburtstag gewidmet von Freunden, Schülern) 
S. 7 (134). 

(2) De vita Iladriani c 7: infinitam pecuniam, quae fisco debebatur, 
privatis debitoribus in urbe atque Italia, vi provinciis vcro etiam ex reli- 
quis ingentes summas remisit, syngrafis in foro divi Traiani, quo magis secu- 

ritas Omnibus roboraretur, incensis pueris ac puellis, quibus etiam 

Tralanux alimenla detulerat, incrementum liberalitatis adiecit. 



E. PETERSEN, HADRIANS STEUERERLASS 223 

ist es nicht erwähnt (')• Einige Fragen bezüglich des Keliefs hatte Dr. 
J. P. Richter die Güte mir nach Besichtigung des Marmors zu 
beantworten. 

Die Reliefplatte ist 1, 66 lang, 0,84 hoch; die Dicke lässtsich 
wegen Einmaiierung nicht messen (^); das Relief erhebt sich 0,12. 
Dass rechts und unten Schnittfuge sei hatte ich nach dem Augen- 
schein der Photographie angenommen ; mein Gewährsman verneint 
es, und wenigstens das eine erscheint dann minder unerklärlich : dass 
nämlich den Figuren, je weiter nach rechts desto höher, unten die 
Beine durchschnitten sind. Denn, wäre der grade Abschnitt unten eine 
ursprüngliche, natüiiich horizontale Lagerfuge, so müsste man die 
Figuren ja auf einer abwärts geneigten Fläche schreitend denken, 
was schwer möglich ist. Die Figuren haben ungefähr dieselbe Grösse 
wie die entsprechenden der Ostschranke auf dem Forum : die mitt- 
lere der fünf misst 0,66 ; an einer möglichst in derselben Weise 
stehenden der Forumsschranke, nämlich der fünften vor dem Mar- 
syas, fand ich 0,72 für den gleichen Theil des Ganzen. 

Vier Soldaten in Civil sind es, zwei links zwei rechts, die 
von einem in der Mitte stehenden Officier angewiesen werden. Dieser 
steht nach rechts gekehrt, doch hatte er den Kopf allem Anschein 
nach liukshin gewandt, zu den von links noch Kommenden. Für die 
schon Vorangeschrittenen hätte ja auch seine Weisung keine Be- 
deutung mehr. Eine solche ist aber mit Sicherheit an der Haltung 
der Arme zu erkennen, wenn es auch ungOAviss ist, ob die schräg 
abwärts weisende Bewegung der Arme noch durch einer stabarti- 
gen Gegenstand verdeutlicht wurde. Am Gewandsaum des voran- 
schreitenden Soldaten könnte vielleicht ein Stützenbruch erkannt 
werden, aber dass die Linke des Officiers innen sich so ausgearbei- 



(1) In dem Katalog der Sammlung, den Michaelis nicht einsehen konnte, 
steht nichts Näheres, z. B. über die Herkunft des Eeliefs, wie Mrs. Streng 
mir zu versichern die Güte hatte. Auch Furtwängler hatte die Gefälligkeit mir 
mitzutheilen, dass er nichts darüber erfahren hätte. (Einen Bericht über die 
dortigen Antiken verhiess er Münch. Akad, Abhandll. I Gl. XX, III Abth. 
über Statuenkopien I S. 26.) Die Herkunft aus Rom ist indessen selbstver- 
ständlich. 

(2) ' Dicke des Marmorgrundes 2 cm., rechts und links ist das Ende nicht 
zu sehn '. Letzter Umstand und das zu geringe Maass der Dicke scheinen mir 
das oben Ausgesprochene zu rechtfertigen. 



224 E. PETERSEN 

tet zeigt, desgleichen Nacktes, Grund und Gewand zwischen beiden 
Händen das lässt doch viel eher annehmen, dass nur die blossen 
Hände den Herankommenden die Weisung geben, auf dem Boden 
abzulegen was sie herbeibringen, wie die Voraageschrittenen zu 
thun vielleicht noch von weiter rechts befindlichen Personen ange- 
wiesen Avurden. 

Alle vier Soldaten sind, wie gesagt, in Civil, wenn es erlaubt 
ist, so die Tracht zu nennen, welche sie zwar im Dienst aber nicht 
feldmässig in kriegerischem haben (^): sie tragen die iunica und 
caligae, wie scheint. Ausser letzteren kennzeichnet sie das cin- 
gulum mit dem Behang vorn und ein kurzes Schwert oder Dolch 
an ihrer rechten Seite, dazu ein über die linke Schulter und un- 
ter der rechten Achsel durchgehender balteus, der keinen ersicht- 
lichen Zweck hat, da jener Dolch auf diesem Relief immer deutlich 
an dem cingulum hängt. Der vorderste Soldat schreitet noch aus, 
so dass das Ziel noch weiter rechts zu denken ist. Er macht auch 
noch nicht Miene, die Kiste son seinem Nacken zu nehmen; die 
Vorneigung ist durch das Gewicht welches er trägt verursacht, ein 
gerundeter Kasten, in welchem zwei Partien Tafeln stehen. Diese 
Kiste ruht nicht eben geschickt auf seinem Rücken, zu tief und 
zu ausschliesslich mit der Kante am Rücken anliegend (-). Wie die 
Linke des Soldaten nur mit zwei Fingern den Kasten fasst, muss 
man dessen Gewicht allerdings nicht gross denken. Der zweite zeigt 
sich nicht wie jener von der Vorderseite sondern in Rückenansicht. 
El* hält vierzehn Tafeln mit beiden Händen so dass sie, zunächst 
die erste diesseits, an dem rechten Unterarm Widerhalt finden, 
und wie die vorderste unten, die hinterste oben von der Hand 
gehalten wird. Aber wie das Tragen der Kiste bei dem ersten, so 
ist auch das Halten der blossen Tafeln beim Zweiten in wenig 
correkter und der Wirklichkeit gemässer Weise dargestellt. Es wäre 
überhaupt schier unmöglich vierzehn solche Tafeln so zu tragen, 
wenn die Tafeln nicht durch Umschnürung zusammengehalten 

(>) Vgl. Alb. Müller, das Cingulum militiae (Gymn. Progr. Ploen 1873) 
S. 14. Der doppelte Saum am Aermel des dritten hat wohl nichts zu bedeuten. 
Diese Civiltraclit ist freilich noch verschieden vom ' Bürgerkleid '. Vgl. von 
Domaszewski, Wiener Jahreshefte II S. 190. 

(*) Die krause Masse in seinem Nacken weiss ich nicht zu erklären, 
wenn sie antik ist. Als Tlieil eines Unterlagcrs wäre sie kaum am rechten Platz. 



HADRIA^S STEUERERLASS 225 

werden, wie in dem Relief der Foriimsschranke alle noch getrage- 
nen Tafeln packetartig zusammengeschnürt sind, während die nie- 
dergelegten gelöst sind, imi ohne die Riemen oder Binden verbrannt 
zu werden. Die Umschnürung, im Kasten unnöthig, würde bei den 
zwischen den Händen getragenen Tafeln sichtbar zu machen ein 
Leichtes gewesen sein, Avenn der Künstler in diesen Dingen mit 
üeberleofuncr verfahren wäre. Aber auch wenn wir die Tafeln um- 
schnürt denken wollten, bliebe immer noch ein anderer Fehler, dass 
nämlich jede weiter rückwärts folgende Tafel über die vordere 
aufragt. Es wird sich zeigen, weshalb auf solche Fehler aufmerksam 
gemacht wird. 

Der Dritte hatte sein Packet in einem Sack getragen ; den ge- 
leerten bringt er über die linke Schulter geworfen und mit der 
Linken gefasst zurück : es scheint, dass er die Rechte gehoben hatte : 
vielleicht fasste sie denselben Sack über der r. Schulter. So begegnet 
er dem Vierten, der in gleicher Bewegung wie die beiden Vordersten 
nach rechts schreitet, beide Arme wohl gehoben, zum Fassen der 
auf dem Rücken getragenen Tafeln. Arme, Schultern Kopf fehlen, 
wie die Köpfe auch dem Dritten und dem Officier. 

Es ist klar dass die Darstellung rechts und links unvollstän- 
dig ist, dass links wohl noch mehr Träger von Tafeln, und rechts 
das Niederlegen und Häufen, wohl auch das Anzünden derselben 
vor den Augen des Kaisers dazugehörte ; und dass das Ganze nach ei- 
ner, seit Augustus immer mehr überhandnehmenden Vorliebe vor 
einem Hintergrund von Architekturen sich abspielte lässt sich noch 
eben erkennen. 

Neben dem vordersten Soldaten rechts sieht man nämlich auf drei 
Stufen eine uncannelierte Säule auf attischer Basis (mit stark mar- 
kiertem unterem Ablauf des Säulenschaftes). Die Stufen enden rechts 
nahe dem seitlichen Ende der Platte in einem gradem Abschnitt, 
als ob die Stufen nicht seitwärts umliefen, und doch ohne die übliche 
Treppenwange. Auch an der andern Seite des Mannes ist über sei- 
nem rechten Arm eine Säule in der Photographie sichtbar und am 
Original ' deutlich zu erkennen '. Dass die Säule dicker ist als die 
andre, und dass unten weder ihre Basis noch die Stufen sichtbar 
sind, das scheint wieder der Unachtsamkeit des ausführenden Mar- 
morarbeiters zugeschrieben werden zu müssen. Sonst ist nur noch 
ein Stück der Umgebung zwischen den Figuren zu sehen : ein senk- 

16 



226 E. PETERSEN 

rechter Leisten hinter dem rechten Bein des Zurückschreitenden. 
Und wenn wir die entsprechende Darstellung der Forumsschranke 
vert^leichen, werden wir allerdings gewahr, dass auch dort die Archi- 
tektur, wie gewöhnlich, nur den oberen Theil des Bildes füllt, in 
dem unteren dagegen, soweit etwa in dem Chatsworth-Relief erhal- 
ten, nichts anderes zwischen oder neben den Figuren sichtbar ist 
als was in diesem freien Mittelraum sich befand, wie der Marsyas, 
das Trajansbild oder die JRostra. Mit den Basen jener Bilder hat 
der Leisten in unserem Relief auch noch am ersten Aehnlichkeit, 
unterscheidet sich freilich dadurch dass nicht neben dem Leisten 
noch, wie auf den Reliefs der Forumsschranken bei jeder solchen 
Basis, ein Ablauf oder Kyma ausgemeisselt ist, so dass wir gar- 
nicht sehen, ob der von diesem Leisten eingefasste Körper links 
oder rechts stand, und nur darum weil er rechts nicht wohl an- 
genommen werden kann, ihn links fortgesetzt und natürlich oben 
mit etwas gekrönt denken müssen. 

In diesen so geringen Resten der umgebenden Oertlichkeit 
schon ein bestimmtes Local des alten Roms erkennen zu wollen, 
um danach zu entscheiden, ob Trajans oder Hadrians Liberalität 
dargestellt sei, würde ein nicht zu billigendes Unterfangen sein. 
Und daraus dass die Trajanische auf der Forumsschranke darge- 
stellt ist, folgt noch nicht, dass eine analoge Darstellung auf Ha- 
drian zu beziehen sei : Trajans Handlung könnte ja mehrmals dar- 
gestellt gewesen sein. Es gilt also beide Darstellungen zu verglei- 
chen, um zu sehen, ob sich solche Unterschiede finden, die auf 
einen etwas weiteren Abstand des einen Werkes von dem andern 
schliessen lassen. 

In dem Aufsatze über die Reliefschranken des Forums S. 7 
hatte ich gesagt : ' dass die ganze Art der Darstellung in ihrer fri- 
schen freien Natürlichkeit mehr im Geiste trajanischer als hadria- 
nischer Kunst ist, das wird ein geübtes Auge vielleicht rasch sehen, 
aber mit wenig Worten auseinander zusetzen ist es nicht '. Hält 
man jetzt die zwei Darstellungen derselben Handlung — der Kürze 
halber sei F die vom Forum, C die von Chatsworth — nebenein- 
ander, so springt es in die Augen, wie in F die Soldaten in ihrem 
dichteren Gedränge, den simpleren Stellungen, der mannigfachen aber 
immer natürlichen Art des Tragens weit mehr den Eindruck eines 
wirklichen Vorgangs auf öffentlichem Platze macheu, während die 



HADRIANS STEUERERLASS 227 

Figuren in C gesondert, jede genau in den Raum zwischen den 
zwei nächsten sich fügt und ihn füllt; ihre Bewegungen rascher, 
man kann sagen, eleganter geworden, und zwar insofern eine gewisse 
Abwechselung hereingebracht ist, als jeder die Tafeln in anderer 
Weise zur Stelle schafft, der erste im Kasten, der zweite ohne 
Behälter, der dritte sich dazu eines Sackes bedient hatte, aber 
damit das der AVirklichkeit abgesehene Hantieren der Soldaten 
mit ihren Tafelpacketen in F nur sehr mangelhaft ersetzt ist. Denn 
waren dort auch die Packete selbst im Wesentlichen eines wie das 
andre, so trägt oder hält sie jeder auf seine Weise, jeder aber auf 
durchaus angemessene und so dass an den verschiedenen Trägern 
die verschiedenen Uebergangsmomente, von da wo das Packet noch 
auf der Schulter ruht bis da wo es auf den Haufen gelegt wird, 
anschaulich gemacht werden. In C dagegen musste sowohl bei dem 
ersten wie bei dem zweiten Träger eine wenig richtige Dastellung 
eben der Tragens selbst anerkannt werden. Was scharfe Beobachtung 
der lebendigen Wirklichkeit und Gewissenhaftigkeit der künstle- 
rischen Nachbildung anlangt, steht also C um ein Beträchtliches F 
nach, und so sehr letzteres in beiden Hinsichten den Reliefs der 
Trajanssäule verglichen werden darf, so wenig können wir das so 
augenfällige Nachlassen in C derselben Zeit zuschreiben : F zeigt 
durchaus die Vollwichtigkeit in jedem einzelnen Theile der Dar- 
stellung, die einer ersten und originalen Behandlung eines Gegen- 
standes zu eignen pflegt; C giebt sich als Nachahmung zu er- 
kennen, die durch äusseren Aufputz die Abnahme innerer Lebens- 
energie zu verdecken sucht. Ist also F Trajanisch, so können wir 
C kaum anders als seinem Nachfolger zutheilen. 

Hadrianisch — Avenn mit dem Wort alles dieser Zeit Ange- 
hörige bezeichnet werden darf — ist nun mit allem Nachdruck 
der Stil der beider einzigen Köpfe an C zu nennen. Nicht genug, 
dass diese einzigen Köpfe beide zwar nicht lang- aber vollbärtig 
sind, wie Hadrian selbst es war, während an den Forumsschranken 
zwar von den Liktoren der Westschranke zwei ganz knappen Bart 
tragen ('), von den Soldaten bei der Tafelverbreunung die einzi- 
gen noch einigermaassen erhaltenen keinen bemerkensAverthen Bart 

(') Selbst von den Liktoren die den triumphierenden Titas an seinem Bo- 
gen umgeben hat der am meisten links diesen kurzen Bart. 



228 E. PETERSEN 

haben. Doch nicht dieser Wechsel der Sitte blos, sondern auch eine 
Aenderung in der Stilisierung der Haares im Stein verräth uns die 
Hadrianische Zeit. Es sind namentlich Antinousköpfe, an denen 
man eine Haarbildung ähnlich derjenigen der beiden vordersten 
Tafelträger von C wahrnehmen kann : nicht mehr so schlichtes, in 
knappem Relief gehaltenes Haar, wie es besonders Trajan selbst 
trägt, sondern die einzelnen Strähnen mehr gesondert, stärker ge- 
krümmt und zwar nicht blos um einen Mittelpunkt sich krüm- 
mend sondern auch um sich selber sich drehend, infolge dessen 
auch freier und loser, ein erster Anfang zu der Aufbauschung und 
Lockerung des Haares, die dann von Antoninus zu Marc Aurel und 
Commodus so grossen Fortschritt macht. 

Nicht ohne Bedeutung ist auch noch ein kleines Stück der sol- 
datischen Civiltracht. Der Behang vorn am Cingulum besteht näm- 
lich auf F constant aus vier Streifen, auf C ebenso constant, d. h. 
bei den drei von vorn gesehenen Soldaten, aus dreien. Man möchte 
also kaum diese durchgehende Aenderung bei einer sonst wou F ab- 
häusfisfen Darstelluncf anders als aus einer wirklich inzwischen 
durchgeführten Aenderung dieses Uniformstückes erklären, was zu 
Trajans Zeit noch nicht gesehen zu sein scheint. Denn an der 
Trajanssäule findet sich wohl auch der dreistreifige Behang, aber, 
meistens neben dem, öfters allein vorkommenden, vierstreifigen. 

Ein günstiger Zufall hat uns also sowohl die Trajanische wie 
die Hadrianische Liberalität in einer gleichzeitigen Reliefdarstellung 
erhalten, die Hadrianische allerdings weit unvollständiger als die 
Trajanische, namentlich auch hinsichtlich des Locals. Hier tritt ja 
nun aber die schriftliche Ueberlieferung ergänzend ein. Würden 
wir, auf die Darstellung allein angewiesen, schwerlich eine be- 
stimmte Oertlichkeit des alten Roms erkennen können, ja vielleicht 
nicht mal bestimmt in Abrede stellen können, dass auch hier das 
alte Forum dargestellt sei, so fragt es sich jetzt vielmehr, ob denn 
die wenigem Andeutungen die erhalten sind mit jener Angabe der 
Spartianischen Vita in Einklang sind. In der That scheint es mir 
nach dem oben Bemerkten möglich, bei dem Leisten, welcher als 
Kante einer Basis verstanden werden musste, an den equus Traiani 
zu denkem, welcher, als Hauptwahrzeichen des freien Forumsplat- 
zes südlich vor der grossen Basilica Ulpia, kaum zu entbehren, 
in den Vordergrund gerückt werden und also, wie Marsyas, ficu8. 



HADUIANS STEUERERLASS 229 

rnstra der Forumsschranken, im Gegensatz zu den zurückliegenden 
höher gestellten Bauten, auf gleicher Bodenhöhe mit den Men- 
schen stehen musste. Zugleich wird es sinnreich erscheinen, wenn 
Hadrian seine das Andenken Trajans ehrende Freigebigkeit vor dem 
Bilde di3s Vorgängers ausführte ; und wenn er sie auf dem Forum- 
ausführte, war es ja kaum anders möglich. Denken wir Hadrian vor 
dem Haupteingang der Basilika postiert, die Träger mit den Tafeln 
vom Eiugangsbogen gegenüber herankommend, so konnte man, als 
schaute man von der qnirinalischen Seite des Prachtbaus her, im 
Hintergrunde links den Arcus Tralani, in der Mitte die Südwest- 
hallen des Forums, davor das Eeiterbild, rechts die Basilika sehen, 
wenn die seitlich anschliessenden Gebäude, so wie es auf den Fo- 
rumsschranken geschehen ist, den gradevor liegenden anschlössen. 
Da die vordersten Träger noch nicht am aufgeschichteten Haufen, 
geschweige denn beim Kaiser und seinen Begleitern angelangt sind, 
so können die zwei Säulen hinter dem ersten Träger rechts nichts 
andres als ein Theil der an der Capitolsseite liegenden Hallen sein ; 
dass sie sich noch weiter nach links fortgesetzt hätten wird man 
kaum deswegen in Abrede stellen können, weil zwischen dem 
zweiten Träger und dem Officier eine Säule sichtbar sein müsste. 
Denn das Fehlen der drei Stufen unten zwischen den beiden er- 
sten Trägern, wo doch oben die Säule vorhanden ist, beweist ja zur 
genüge, dass eine genaue Durchführung des Architekturhintergrundes 
in den unteren Theilen nicht angestrebt worden ist. 

Von Avas für einem Denkmal die Reliefplatte Chatsworth her- 
rührt, ob auch hier die andre Liberalität als Gegenstück darge- 
stellt war, darüber Vermuthungen zu äussern wäre müssiges Be- 
ginnen. 

E. Petersen. 



UEBER ALT-ITALISCHE WEIHGESCHENKE. 



Unter den mannigfachen Weihgaben oder Weihgeschenken, 
die in den alt-italischen Heiligthümern gefunden worden, zieht 
eine Gruppe insbesondere die Aufmerkesamkeit der Mediziner auf 
sich. Es sind diejenigen Weihegaben, die den Köi-per des 
Menschen oder einzelne Teile desselben zur Darstellung bringen. 
Derartige Weihegaben sind vom Standpunkt des Künstlers und 
des Alterthumsforschers vielfach untersucht und beschrieben wor- 
den, und man hat die Ergebnisse nicht allein für die Geschichte 
der Religion, sondern auch für die Geschichte der Kunst und der 
Kultur verwerthet. 

Vom Standpunkt des Mediziners und des Anatomen sind jene 
Weihegaben bisher nicht betrachtet worden; und doch giebt es 
unter den den menschlichen Körper darstellenden Bildern solche, 
die sehr merkwürdig sind und in hohem Masse die Berücksichti- 
gung vonseiten der Mediziner und Anatomen verdienen. Es t-ind 
diejenigen Bilder, welche Darstellungen von inneren Kujpertheilen, 
von den Eingeweiden geben. Mit diesen alten bildlichen 
Darstellungen des menschlichen Körpers sollen sich diese Zeilen 
beschäftigen. 

Ich richte diese Zeilen zunächst an die Archäologen und Phi- 
Mögen; eine ausführliche Abhandlung, die durch Abbildungen 
erläutert werden und insbesondere das Medizinische hervorheben 
soll, wird spätei' in einer anderen Zeitschrift veröffentlicht werden. 

Die Veranlassung zu meiner Untersuchung war folgende : Auf 
der letzten deutschen Naturforscher- Versammlung (1898) in Düs- 
seldorf zeigte Herr Prf. Dr. A. Körte- Greifswald zwei dem Kunst- 
museum in Bonn zugehörige aus Veji stammende Terracotten voi*: 
Bruchstücke von mensclilichen Rümpfen, au denen die Eingeweide 
der Brust- und Bauchhöhle sichtbar waren. Prof. Körte wies darauf 



L. STIEDA, LEBER AI.T-ITALISCHE WEIHGESCHENKE 231 

hin, dass die Rümpfe olfenbar Weihgescheoke seien ; er meinte, 
dass derartige Stücke noch gar nicht untersucht worden seien. 

Die Stücke erregten mein Interesse; ich bescbloss diese Ange- 
legenheit weiter zu verfolgen. Während der Osterferien 1899 war 
ich in Rom, besuchte die dortigen Museen und insbesondere die 
bei den Museen befindlichen « Magazzini " wozu ich von Herrn Com- 
mendatorc Barnabei, dem Generaldirector der Künste und Museen 
in liberalster Weise die Erlaubniss erhielt. Vor allem sei dafür 
diesem mein verbindlichster Dank gesagt ; ferner danke ich hier 
dem Herrn Professor G. Sergi und seinem Assistenten Dr. Vram, 
dem Herrn Doctor Vaglieri, sowie allen anderen Herren für die mir 
gewährte freundliche Unterstützung bei meinen Arbeiten. 

Eine allgemeine Beschreibung und Erörterung der alt- ita- 
lischen Weihegaben ist mir nicht bekannt; es scheint keine 
solche zu geben. Für die griechischen Weihgeschenke 
liegt eine derartige Arbeit von E. Reisch (Wien 1890) vor. Auch 
eine Abhandlung von A. Körte (Bezirk eines Heilgottes. Athen. 
Mitteilungen Bd. XIII, 1893, p. 231 u. ff.) berücksichtigt in 
erster Linie die griechischen Weihgeschenke. Trotzdem aber 
dürfte es doch, bei der ausserordentlich nahen Verwandtschaft der 
griechischen und alt-italischen Religion, gestattet sein, hier an die 
Aeusserungen Reisch's und Körte's anzuknüpfen. 

Die Weihgeschenke, die den Göttern dargebracht wurden, sind 
eben so mannigfaltig, wie die Beweggründe, um derentwillen die 
Weihgaben in Anwendung kamen. Sehen wir von den Beweggrün- 
den ab, die, falls nicht schriftliche Aeusserungen die Geschenke 
begleiten, uns doch unbekannt bleiben, so können wir uns nur an 
die Weihgaben selbst halten. 

Kann man um eine Uebersicht über die grosse Masse zu 
erleichtern, die Weihgaben nicht in Gruppen und Ordnungen 
theilen ? 

Den Versuch einer Eintheiluug macht E. Reisch (1. c. S. 16). Er 
nimmt drei gegenständlich verschiedene Gruppen von Weihga- 
ben an ; er geht dabei von der gewiss vollkommen berechtigten 
Anschauung aus, dass man die Anatheme nach « Gegenstän- 
den " gruppiren müsse. 

1) Anatheme, in denen die Gottheit allein oder im Ver- 
kehr mit den Menschen dargestellt ist. 



232 L- STIEDA 

2) Anatheme, die ihren Inhalt den Kreisen des mensch- 
lichen Lebens entlehnen. 

3) Anatheme, welche Gegenstände des göttlichen und mensch- 
lichen Besitzes oder Gebrauchs (Thiere, Gebäude, Geräthe, 
Schmuck) im Original und Abbild zum Object haben. 

Es ist mir diese Eintheilung nicht scharf genug; ich vermisse 
darin einen Platz für die zahlreichen Theile des menschlichen 
Körpers, Arme, Brust, Kopf, von denen im übrigen Reisch gar 
nicht redet. Mir erschiene es einfacher, wenn Reisch gesagt hätte: 

1) Götterbilder, 

2) Menschenbilder, 

3) Sachen. 

Dann hätte man die Möglichkeit die einzelnen Körpertheile 
in die zweite Kategorie der AYeihgaben einzureihen. — Aber die 
Götter erscheinen auch in der Gestalt des Menschen — oft ist es 
nicht möglich zu entscheiden, ob die betreffende Figur einen 
Gott oder einen Menschen darstellt. 

A. Körte giebt mit Rücksicht auf die Beziehungen der 
Weihgabeu zu den Heilgöttern eine andere Eintheilung, nämlich 
er unterscheidet: 

1) Einfache Nachbildung der geheilten Glieder, 

2) Nachbildung der Personen, die für ihre Heilung dem 
Gott ihren Dank bringen, 

3) Darstellung der Heilung durch den Gott selbst. 
Gegen diese Eintheilung Hesse sich einwenden, dass hier das 

Motiv der Darbringung, das uns oft unbekannt, zu sehr in den 
Vordergrund gestellt ist. 

Um den mich interessirenden Weihgeschenken einen sichern 
Platz im System zu schaffen, unterscheide ich, im Anschluss an 
Reisch und dessen Auffassung, zwei grosse Hauptgruppen, je nach- 
dem die "Weihgeschenke Sachen oder Personen (oder Theile 
der selben) darstellen. 

I. Die sachlichen Weihgeschenke können sehr verschieden 
sein, ob Gaben aus Gold, ob Thiere oder Schmuck, ob Waffen oder 
Hausgeräth. das kommt hier nicht in Betracht. Alle diese Gegen- 
stände liegen ausserhalb meines Arbeitsbezirkes. 

II. Ich habe der zweiten Gruppe die Bezeichnung « Perso- 
nen » gegeben, weil ich damit die Möglichkeit habe, Götter und 



UEBER ALT-ITALISCHE WEIHGESCHENKE 233 

Menschen zusammenzufassen ; weil damit der Gegensatz zu den Sa- 
chen (res) schon ausgeprägt ist. Ob es sich hierbei um Bilder 
(Statuen) handelt, ob um scenische Darstellungen (Reliefbilder), 
das ist einerlei. 

Wenn ich von den s c e n i s c h e n Darstellungen absehe und zu- 
nächst die andern « Bilder « in Betracht ziehe, so unterscheide ich. 

Gruppe 1: Darstellungen ganzer (unversehrter) mensch- 
licher Körper, Bilder (Statuen), (als Untergruppe scenische Darstel- 
lungen- Reliefbilder). 

Gruppe 2 : Darstellungen von einzelnen Theilen des 
menschlichen Körpers, äussere wie innere (Eingeweide). 

Bei dieser Eintheilung kann ich die Motive der Darbringung 
(Körte) ganz bei Seite lassen. Auf das Material, aus dem die Weih- 
gaben geformt sind, ist kein Unterschied zu begründen, sondern nur 
auf die Form des Dargestellten- auf den Gegenstand (Reisch). 

Die erste Gruppe der Personendarstellungen, die Bilder 
ganzer Menschen (Götter), die für den Künstler, den Archäologen 
und Philologen ein hervorragendes Interesse besitzt, kann ich zu- 
nächst ganz bei Seite lassen. Die ganzen unversehrten, bekleideten 
wie unbekleideten. Gestalten der Götter und Menschen haben zu- 
nächst kein medizinisches oder anatomisches Interesse. Damit will 
ich aber keineswegs sagen, dass sie ohne alles Interesse für Me- 
dizin sind: ich erinnere an die Wickelkinder, ich erinnere an die 
sceuischen Darstellungen von kranken Menschen und von hülfe- 
leistenden Aerzten (Göttern). Aus solchen « Bildern " kann der 
Arzt mancherlei Schlüsse in Betreff der damaligen ärztlichen Kunst 
ziehen. Solche Bilder, wie sie Körte z. B. anführt, haben, ebenso 
Avie die <; Wickelkinder », unzweifelhaft auch eine medizinische 
Bedeutung. Aber jetzt lasse ich diese Bilder bei Seite. 

Ich lenke die Aufmerksamkeit auf die zweite Gruppe: bild- 
liche Darstellungen einzelner äusserer und innerer Körpertheile des 
Menschen. 

Ich unterscheide vom anatomischen Standpunkte. 

1. Köpfe, und zwar 
a) ganze, b) halbe. 

2. Gesichter und einzelne Theile des Gesichts: 

a) ganze Gesichter (Ganzmasken), b) Halbmasken, c) Au- 
gen, d) Lippen, e) Ohren. 



234 L- STIEDA 

3. Arme und Hände. 

4. Beine und Füsse. 

5. Eingeweide: 

a) Rümpfe mit sichtbarem Eingeweide, b) Einge- 
weide ohne Rumpf, c) einzelne Eingeweide (im Anhang: Mammae). 

6. Aeussere und innere Geschlechtsorgane. Als Material für 
meine Untersuchungen dienten mir: 

1) Die Sammlungen des Museo nationale (Museo delle 
Terme) in Rom; hier befinden sich Weihgeschenke die auf der 
Tiber-Insel bei Rom gefunden worden sind; 

2) Die Sammlungen des Magazzino archeologico im Orto 
botanico in Rom (Ergebnisse der Ausgrabungen vom Minerva- 
Tempel bei Rom); 

3) Das etruskische Museum in der Villa Papa Giulio in 
Rom; es enthält Weihgaben, die in Civita-Lavinia und Civita 
Castellana gefunden worden; 

4) Eine Anzahl Alterthümer, die aus Veji stammen. 
Dass auch ausserhalb Rom — in den Äluseen anderer italieni- 
scher Städte — viele alt- italische Alterthümer, insonderheit Weih- 
gaben, sich befinden, ist bekannt. Ebenso ist sicher, dass viele 
alt-italische Alterthümer, z. B. die aus Nemi und Veji stammenden, 
nach Deutschland, Frankreich, England und Amerika fortgeführt 
sind, und hier in den Museen aufbewahrt werden. Ich habe bis 
jetzt keine Gelegenheit gehabt, die alt-italischen Alterthümer 
anderer Museen als der römischen zu untersuchen. 

üeber die verschiedenen Ausgrabungen selbst, bei denen die 
Weihgeschenke zu Tage gefördert worden sind, vermag ich hier keine 
näheren Angaben zu machen, weil mir keine bekannt sind, oder 
weil, wie z. B. in Veji, gar keine Berichte publicirt sind. 

Für meine Untersuchuncren dürfte eine grenaue Beschreibung 



o 



der Ausgrabungen auch nur von nebensächlichem Interesse sein. 
Es unterliegt keinem Zweifel, dass die betreffenden Stücke aus 
Heiligthümern, aus Tempeln herstammen; welcher Art die Hei- 
ligthümer waren, welchen Göttern sie geweiht waren, ob es die 
sogenannten Heilgötter oder andere Götter waren, erscheint mir für 
die Beurtheilung und Deutung der Weihgaben gleichgültig. 

Was die Zeit betrilft, aus welcher die betreffenden Weih- 
gaben stammen, so begnüge ich mich damit, zu sagen, dass die 



UEBER ALT-ITALISCHE WEIHGESCHENKE 235 

Weihgaben aus den letzten Jahrhunderten der vorchristlichen Zeit- 
rechnung stammen. Als Anhaltpunkt dient für Veji die Zerstörung 
der Stadt durch Camillus 396 v. Chr. und für die Tiber-Insel die 
Thatsache, dass der Aesculap-Dienst im Jahr 291 v. Chr. von 
Griechenland nach Kom verpflanzt ist. 

Was das Material betrifft, aus dem die betreffenden V/eihge- 
schenke angefertigt sind, so sind nur solche aus gebrannter Erde 
oder Thon (Terracotta) an den eben namhaft gemachten Stellen: 
Yeji — Rom — Tiber-Insel — Nemi gefunden worden. Doch un- 
terliegt es keinem Zweifel, dass auch anderes Material, Marmor oder 
Metall, für die Herstellung der Weihgaben verwendet wurde. Aus 
Marmor angefertigt ist der Rumpf in der Vatican- Sammlung 
(N. 2444). Dass Gold- und Silber-Geschenke sich nicht bis auf 
unsere Tage erhalten haben, ist eine sehr begreifliche Thatsache. 
Ueber die künstlerische Ausführung so wie über die Technik steht 
mir kein Urtheil zu, das ist Sache der Archäologen und Kunst- 
historiker. 

1. Die Köpfe. 

Ueber die Köpfe sowohl die ganzen wie die halben, kann ich 
kurz hinweggehen. Es ist bekannt, dass an all' den Weihe-Köpfen 
nur der vo rderc Theil künstlerisch ausgeführt ist, der hintere Theil 
ist gar nicht modellirt, sondern unausgeführt geblieben ; es erklärt 
sich dies daraus, dass die Köpfe zum Aufhängen bestimmt waren. 
Sie sind hohl und haben hinten ein Loch, mittelst dessen sie an 
einen Nagel aufgehängt werden konnten. 

Die halben Köpfe sind Hälften eines ganzen, der durch einen 
medialen Sagittal schnitt (Medianschnitt) in zwei Theile zerlegt ist; 
es sind entweder rechte oder linke Kopfhälften. Bei diesen 
Halbköpfen ist ebenfalls, wie bei der ganzen, die hintere Fläche 
nicht ausgeführt, die Schnittfläche ist vollkommen glatt. 

Die Köpfe sind sehr verschieden gestaltet : sowohl die Ge- 
sichtsbildung wie die Haartracht sind ganz verschieden. Auffallend 
ist es mir, dass ich gar keinen bärtigen Kopf gesehen habe, 
obwohl ich einzelne als männliche zu erkennen glaubte. 

Köpfe, an denen krankhafte Veränderungen dargestellt sind, 
habe ich nicht gesehen; doch ist nicht daran zu zweifeln, dass 



236 I" STIEDA 

solche Bilder vorkommen. In einem römischen Museum — in wel- 
chem, ist mii- unbekannt — soll ein kranker Kopf zu sehen sein: 
ich habe nichts näheres ermitteln können. 

2. Gesichter und Gesichts- Theile. 

Noch weniger habe ich über die Ganzmasken (Stirn, Augen, 
Nase, Mund), über die Halbmasken (Stirn, Augen und Nase) 
und über einzelne Theile des Gesichts zu sagen. Es finden sich 
ausser den Ganzmasken auch einzelne Augen, Ohren, Lippen 
(Mund). Ob einzelne Nasen vorkommen, weiss ich nicht, ich habe 
keine Einzel-Nase gesehen. Krankhaft verbildete Gesichtstheile habe 
ich nicht gesehen. Warum wir so zahlreiche scheinbar vollkom- 
men gesunde Köpfe, Gesichter und Gesichtstheile als Weihge- 
scheuke finden, weiss ich nicht. Körte meint, die Leute hätten die 
Nachbildungen der « geheilten " Glieder dargebracht, — das 
bezweifle ich: die damaligen Tempel waren vielfach Heilstätten 
(Krankenhäuser). Die Kranken kamen dahin, wie sie heut zum Arzt 
gehen; sie brachten die Nachbildungen kranker Glieder dar; — 
wenn sie gesund wurden, so gingen sie nach Hause. Gesund ge- 
wordene gingen damals gewiss eben so wenig zum Arzt, wie heute. 
Es müssen doch wohl andere Motive vorhanden gewesen sein, die 
die Leute veranlassten, Abbildungen einzelner Körpertheile dar- 
zubringen. Vielleicht brachte Jemand, der au Kopfschmerz (Mi- 
graena, hemicrania) litt, der Heilstätte den halben Kopf dar, der 
ihn schmerzte. Vielleicht brachten Ohrenkranke den Heilstätten 
Ohren, Augenkranke die Augen aus Terracotta dar, und beteten 
dazu Wenn es nichts half, schaden konnte es nicht. Und diese 
kloinen Sächelchen aus Terracotta waren gewiss sehr wohlfeil. 
— Da Krankheiten der Nase doch so häutig sind, so ist es mir 
aufallend, dass ich gar keine einzelne Nase gesehen habe ; es wäre 
doch wünschenswerth, wenn man in den Museen sich nach « Nasen " 
umschauen wollte. 

3. Arme uad Hände. 

Einzelne Arme habe ich nicht gesehen, aber es ist vielfach 
darüber berichtet, dass Arme als Weihgaben vorkommen. Die Hände, 



UEBEK ALT-ITALISCHE WEIHGESCHENKK 237 

die ich zu Gesicht bekomme, sind sehr verschieden ausgeführt. 
Gewöhnlich ist nur eine Fläche, entweder der Handrücken oder 
der Handteller genauer dargestellt. Am Handteller sind die Linien 
deutlich sichtbar, am Handrücken die Nägel, doch giebt es auch 
Hände, an denen sowohl die Nägel wie die Linien des Handtellers 
kenntlich sind. — Einzelne Pinger habe ich niclit gesehen, doch 
sollen dieselben auch vorkommen. 

Hände und Finger, die mit Symbolen bedeckt waren, habe 
ich selbst bisher nicht zu Gesicht bekommen. Es scheint mir, dass 
derartige Hände nicht aus gebranntem Thon, sondern aus Metall 
angefertigt wurden. Vortreffliche Abbildungen solcher s^mibolischen 
Hände finden sich in Michaeli Angeli Chausei de la Chausse Pari- 
sieiisis dissertatio I de Vasis — et de Manibus aeneis, Tab. XI-XIV 
(G. Graevii thesaurus. Tom. XII, pag. 963). 

Unter den vielen Händen, die ich zu sehen Gelegenheit hatte, 
ist nur eine einzige gewesen, die das Interesse der Aerzte beson- 
ders fesseln könnte: eine in Veji gefundene linke Hand mit einer 
deutlichen Geschwulst des Handtellers. Auf solche Befunde — Dar- 
stellungen krankhaft veränderter Körpertheile — gründe ich meine 
Behauptung, dass die Leute nicht das Abbild des geheilten Organs 
dem Heilgott darbrachten, sondern das Abbild des krankhaften 
Organs. 

4. Beine und Fasse. 

Unter den Weihgeschenken, die ich gesehen habe, waren keine 
Beine, sondern nur Füsse. Die Füsse waren von verschiedener 
Grösse, zeigten sehr deutlich Nägel; meist war den Füssen eine 
Art Sohle untergelagert. Die von mir untersuchten Füsse waren 
alle unbekleidet. Krankhaft veränderte Füsse habe ich nicht 
gesehen. 

Es scheint, man hat Füsse nicht allein mit Rücksicht auf 
ihre Erkrankung geweiht, sondern auch aus andern Gründen. Auf 
einigen Weihgeschenken, an denen Inschriften sich befinden, ist 
gesagt, dass die betreffenden Gaben nach einer glücklich zurückge- 
legten Reise der Gottheit zum Dank einen Fuss oder ein Paar 
widmeten. 

Sowohl die Köpfe, wie auch die Hände und Füsse 

könnten immerhin zu anthropologischen Untersuchungen Anlass ge- 



238 I- ST I EDA 

ben. Die Köpfe könnte man auf gewisse Rassen-Eigenthüralichkeiten 
untersuchen, die Hände auf die verschiedene Länge der Finger 
(Vergleich zwischen Zeigefinger und Ringfinger), die Füsse in Be- 
zug auf den Einschnitt zwischen der grossen und zweiten Zehe, in 
Bezug auf die Verkrüppelnng (Rückbildung) der kleinen Zehe 
u. s. w. Ich habe jetzt keine Veranlassung gehabt, auf solche 
Aufgaben einzugehen. 

5. Eingeioeide. 

Diese Gruppe der V^eihgeschenke ist für den Mediziner die 
interessanteste — sie bringt uns bildliche Darstellungen der in- 
neren Körperorgane (Eingeweide) aus uralter Zeit. Es liegen unzwei- 
felhaft in diesen italischen Weihgeschenken die ältesten bildli- 
chen Darstellungen von Eingeweiden des Menschen vor, die wir 
bisher kennen. In Aegypten ist, so viel ich weiss, nichts derar- 
tiges gefunden worden, in Babylon und Griechenland auch nichts. 
Die soff, babv Ionische Leber ist entschieden eine Thierjeber, 
die Eingeweide der italischen Weihgeschenke dagegen sollen unzwei- 
felhaft menschliche Eingeweide darstellen. 

Die bisher von mir beobachteten bildlichen Darstellungen 
der Eingeweide sind sehr mannigfaltig. Ich versuche, sie in fol- 
gender Weise zu ordnen: 

a) bildliche Darstellungen von bekleideten oder un- 
bekleideten Menschen mit geöffneter Leibeshöhle; 

b) die auf einer Platte ausgebreiteten Eingeweide der Brust 
und des Bauches, oder des Bauches allein; 

c) einzelne Eingeweide. 

d) im Anhang: Mammae. 

Die bildlichen Darstellungen von Menschen mit geöffneter 
Leibeshöhle sind sehr mannigfach. So weit meine Erfahrung reicht, 
sind die bisher gefundenen Bilder einander nicht gleich. Doch ist 
die Zahl der bisher bekannten derartigen Darstellungen im Allge- 
meinen noch sehr gering. — 

Ich lasse eine Aufzählung der mir bekannten Bilder folgen. 

1. Am längsten bekannt ist das Bruststück eines marmornen 
Rimipfes im Vatikan, Gallerie der Statuen N. 284. Aus welcher 
Zeit das Bruststück stammt und wo es gefunden ist, ist unbekannt. 



UEBKR ALT-ITALISCHE WEIHGESCHENKE 239 

2 und 3. Bruchstücke zweier kleinen menschlichen Rümpfe 
mit geöffneter Leibeshöhle {DuUetliiio delV IstitiUo 1885, p. 144. 
Heibig Scavi dl Civita Lavinia), aufbewahrt im etruskischen 
Museum in der Villa di Papa Giulio. 

4. Gewand-Figur (ohne Kopf) gefunden in Nemi (cf. Rossbach, 
Bull, deiristituto per l'amo 1885, Roma, p. 149-157; und Ver- 
handlungen der 40. Vers, deutscher Philologen und Schulmänner 
in Görlitz 1889. Leipzig. S. 147-164). 

5 und 6. Bruchstücke zweier Rümpfe im Bonner Museum; 
sie stammen aus Veji. 

7, a und b. Bruchstücke zweier Rümpfe im Museo Nationale 
in Rom. (Tiber-Insel). 

8. Bruchstück eines Rumpfes, der auf der Turiner Aus- 
stellung 1898 sich befand. 

9 und 10. Bruchstücke zweier aus Veji stammenden Rümpfe, 
die ich in Rom erworben habe. — 

Im Ganzen sind mir also 11 Bilder menschlicher Leiber mit 
geöffneter Leibeshöhle bekannt, von denen nur zwei, und zwar die 
beiden im römischen Museo Nationale befindlichen, einander glei- 
chen, d. h. nach demselben Modell angefertigt sind. 

Alle andern sind verschieden, also kennt man bis jetzt 10 ver- 
schiedene Typen, davon drei umstehend abgebildet. 

Ich beschreibe jetzt nicht die einzelnen Stücke; ich gebe 
keine anatomische Analyse der einzelnen Theile, die in den Stücken 
sichtbar und erkennbar sind. Ich beschränke mich hier auf die 
kurze Bemerkung, dass ich zu erkennen meine: das Herz und 
die Lunge; die Leber und ihre Theile; einzelne Abschnitte 
des Darmkanals: die Milz, die beiden Nieren und die 
Harnblase. Eine ausführliche Erörterung, sowie der Versuch, 
die gegebene Erklärung näher zu begründen, geht zu weit ins 
medizinische Gebiet hinein, um hier verständlich zu sein, üeber- 
dies müsste das an der Hand von anderen Abbildungen geschehen, 
die ich dieser Mittheilung nicht beifügen kann. 

Es wäre mir sehr erwünscht, wenn die Herren Archäologen 
mich auf neue in der Uebersicht noch nicht aufgezählte Stücke, 
in denen Eingeweide sichtbar sind, aufmerksam machen wollten. 

Von einzelnen Einge weiden kann ich hier das Bild 
eines Kehlkopfes mit Luftröhre namhaft machen. Ich kenne 



240 ^- STIEDA 

das betreffende Stück zunächst nur aus Photographien, die mir 
Herr Dr. Oefele aus Neuenahr freundlichst zu Gebot gestellt hat. 
Das Stück stammt so weit mir bekannt aus dem Heiligtum der 
Tiber-Insel. Ferner ist ein Bild bekannt, das ein Convolut von 
Darmschlingen darstellt (Rom). 

Die bekannte Bronze-Leber von Piacenza (cf. Deecke, 

Etruskische Forschungen, Stuttgart 1880, und Etr. Forschungen 
und Studien, 2tes Heft 1882) gehört entschieden nicht zu den 
Weihgeschenken, darum muss ich die Besprechung derselben hier 



aV 




.j^y \ 






#/ 




- \ 



bei Seite lassen. Es ist die Bronze-Leber aus Piacenza, wie die 
Alabaster-Leber (G. Körte), wie die babylonische Leber {Ciuiei- 
form Text 6) unbedingt als das Modell einer Säugethier-Leber, 
und zwar als das einer Schafleber (Hammelleber) anzusehn. Ich 
werde an einem andern Orte die drei Lebern besprechen. 

Im Anschluss an die Rumpf- und Baucheingeweiden muss ich 
an die zahlreichen Weihgeschenke erinnern, die offenbar weib- 
liche Brüste {Mammae) darstellen. Es sind verhältniss- massig 
grosse Halbkugeln, deren Durchmesser von 6-12 cm., deren Höhe 
von 4-8 cm. schwankt. Die alt-italischen, die ich in Rom und Veji 
gesehen habe, waren alle aus Terracotta, doch soll es an andern 
Orten auch Brüste aus Marmor geben. 



(EftEK A.r,T-lTAI,!Si'HE WEIHGESi'HENKE 241 

(). Geschlechtsorgane; R ä t h s e 1 h a f t e Organe. 

Ich habe den (ieschlechtsorganeu eine besondere Stelle an- 
gewiesen, weil ich ihnen einige eigenthümliche Stücke anschlies- 
sen muss, deren Erklärung nicht sicher ist, obgleich es wahrschein- 
lich, dass die räthselhaften Stücke eine gewisse Beziehung zu den 
Geschlechtsorganen haben. 

Nachbildungen der äusseren männlichen Geschlechtsorgane 
{Organa genitalia masculiiia externa) sind sehr häufig; man erkennt 
den Penis und das Scroton nebst den Testikeln; die Theile sind 
sehr getreu naturalistisch dargestellt; ein Stück, das mir vorliegt, 
lässt an der Vorhaut ringförmige Erscheinung erkennen, die bei 
der Anwen(fung des Abbindens entstehen musste. (Ich werde diese 
Angelegenheit an einem andern Orte ausführlich behandeln.) 
Dass es richtig ist, diese Stücke als ^^ ]ilialli " zu bezeichnen, be- 
zweifle ich. 

Es finden sich nun ausserdem ziemlich häufig Stücke, die 
ich hier den männlichen Geschlechtsorganen anreihe. 

Es sind kegelförmige oder pyramidale Körper, die auf einer 
etwas breiteren Basis aufsitzen. Sie sind etwa 6-8 cm. hoch, die 
etwas vorragende Basis misst etwa 8-10 cm. 

Die Leute in Veji wussten keinen Namen dafür, die Bedien- 
steten der Museen in Rom benannten sie als « bubboni ", 
deuteten auf die Leistengegend, um verständlich zu machen, dass 
sie damit gewisse Erkrankungen der Leisten-Gegend zu bezeichnen 
wünschten. 

Ich bin vorläufig mit dieser Deutung nicht einverstanden: 
ich halte die betreffenden Stücke für die krankhaft veränderte 
Eichel des männlichen Gliedes {glans 'peuü). 

Vielleicht finden sich derartige Stücke in V^'erbindung mit 
einem menschlichen Rumpfe oder in scenischen Relief-Darstel- 
lungen, mit deren Hülfe man eine sichere Entscheidung treffen 
könnte. 

Auch Nachbildungen der äusseren weiblichen Geschlechtsor- 
gane {Organa genitalia muliebria externa) der weiblichen Scham- 
spalte — in höchst primiviter Form — kommen als Weihgeschenke 
vor. Sie scheinen sehr selten zu sein. Im reichen Magazzino des 

17 



•242 L. STIEDA 

Museo Nazloiiale fand ich keine, wohl aber zwei Exemplare im Ma- 
ofazin des etruskischeu Museums der Villa di Papa Giulio. 

Nun aber kommen noch eigentümliche Stücke vor, denen von 
Seiten der Archäologen eine Beziehung zu den weiblichen «ie- 
schlechtsorganen zugeschrieben wird. Von den Archäologen werden 
die betretfenden Stücke als « Vulva " (Rossbach), von den Leuten 
in Veji und den Bediensteten der Museen als Uteri bezeichnet. Es 
sind platte, elliptische, in der Mitte leicht gewölbte Körper mit 
deutlichen Querwülsten ; an dem einen Ende ist eine Art Oeffnung. 
Bereits 1654 hat Tomassini (Graevii Thesaurus, Tom. XII, 1699, 
Tomassini, de doriariis) ein derartiges Stück abgebildet, das aus 
Xemi stammt und daselbst im Heiligthum der Diana Nemorensis 
ofefunden worden ist. 

Job. Argola, der Sekretär des Kardinals Laetio Biscia, der 
im Auftrage seines Herrn über die Alterthümer von Nemi berichtet, 
erklärt das Stück für ein Wassergefäss zum Aufnehmen 
von Weihwasser {Uniula). An rielen dieser « Streifen- 
Körper » sitzt an dem einen oder dem andern Rand ein kleiner 
längsovaler nach unten zu leicht gewundener Körper an. Wollte 
man den grossen Streifenkörper für den Uterus (die Gebärmutter) 
halten, so könnte man den kleinen Körper daneben als Ooarium 
« Eierstock " autfassen. Aber zu jedem Uterus gehören zwei Ovaria 
— warum ist nur eines abgebildet? Ich habe unter den vielen 
derartigen Stücken keinen mit zwei Anhängen gesehen, will aber 
keineswegs in Abrede stellen, dass auch solche Stücke vorkommen. 

W^ollte man diese Körper für Abbilder der Vulva, der weiblichen 
Scheide, halten, so müsste dabei schon auftallen, dass die Runzeln 
{Rugae) an der äusseren Fläche angebracht sind; dann müssten 
die kleinen Nebenkörper als «« Blase » gedeutet werden. 

Nun ist zu bemerken: diese kleinen Nebenkörper kommen 
auch als E i n z e l s t ü c k e, als einzelne Weihgeschenke vor — vou 
sehr verschiedener Grösse. Das Magazzino archeologico im bota- 
nischen Garten in Rom besitzt ein sehr grosses, etwa 15 cm. 
langes und 8 cm. breites Exemplar, doch giebt es auch viel kleinere 
Exemplare. 

Die Leute in Veji benannten solche Einzelstücke fegato, das 
heisst eigentlich Leber, soll aber wohl Gallenblase bedeuten. Wenn 
das seine Richtigkeit hätte, so könnte jener « Streifeukörper -^ 



lEKKK AI/riTALlSCllK WEIHGESCHE.NKE 24:! 

wedei- Vulva noch Uterus sein. Ich vermag keine endgültige, ein- 
wandfreie Deutung dieser Körper zu geben. — 

Zum Schluss meiner kurzen Mittheilung sei hier der AVunsch 
ausgesprochen, dass in Rom an irgend einer Stelle, vielleicht im 
etruski sehen Museum (Villa di Papa Cliulio) alle die me- 
dizinisch ( — anatomisch — ) interessanten Weihgeschenke zu einer 
Sammlung vereinigt würden, um das eingehende Studium der 
äusserst interessanten Objecte den Archäologen wie den Medizinern 
XU erleichten und dem gebildeten Publikum klar vor Augen zu 
stellen, was für Kenntnisse vom Bau des menschlichen Körpers 
vor etwa 2000 Jahren die alten Italer besassen. 



Königsberg i. Pr. 



L. Stieda 
Prof. der Anatomie. 



MODERNE KAISERGEMMEN. 



In der Römischen Quartalschrift XIII 1899, Tafel X, 2 wird 
als ' römischantike Kaisergemme ' ein Cammeo zum zweiten oder 
dritten Mal veröffentlicht. Wie die dazu schon in J. 1880 geschrie- 
bene, ' doch bis jetzt ungedruckt gebliebene kleine Abhandlung ' 
von Dr. Hermann Rollett, S. 138 sagt, ist der Cammeo im J. 1879 
aus dem Besitze des griechischen Wiener Bankiers Demeter (De- 
metrios ?) Tirka in denjenigen des Wiener Privatiers Thomas Biehler 
übergegangen, und nach dessen Tode 1890 an einen Privaten in 
Philadelphia verkauft worden. Wie vor ihm C. W. King, bezieht 
auch Rollett die Darstellung wegen des vorgeblichen Labarums auf 
einen Triumph Constantius' IL Die Darstellung ist im Wesentlichen 
dem Titus Triumphator an seinem Bogen über der Sacra Via nach- 
gebildet. Das scheint King wie Rollett entgangen zu sein, nicht 
so natürlich Wieseler, der im XXX. Bande der Abhandlungen der 
K. Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen 1883 auf einer 
Tafel neben der Biehlerschen Gemme (1) noch eine ähnliche (2) 
abgebildet hat, die v. Sacken im J. 1869 ' von einem Händler aus 
Lyon erstand '. nach der Händlers Angabe ' im südlichen Frank- 
reich ' gefunden ; dazu einen dritten ähnlichen Stein bespricht, 
den Conze im Arch. Anzeiger 1864 S. 167 als Hawkinssche Gemme, 
im South-Kensingtonmuseum gesehen beschrieb, danach Michaelis 
Arch. Zeitung 1874 S. 12 und Ancient Marbles in Great Drüaiit 
S. 213. Diesen hatte Conze gegen Constantinische Zeit gesetzt 
(ähnlich Michaelis), ebenso Kenner den Wiener Cammeo, Wieseler 
gleich King und Rollet den Biehlerschen. Er fand keinen Grund an 
der Echtheit der Biehlerschen Gemme zu zweifeln, trotzdem die- 
selbe nach einer Bemerkung Biehlers ' nicht unter der Erde gele- 
gen haben kann ', und benutzt die drei Steine als secundäre Zeugen 
neben dem berühmten Relief. Die einzig richtige Methode, die doch 



K. PETERSEN, MODERNE KXISERGEMMEN '215 

mit Hilfe von Photographien und evt. Nachfragen in Koni auch 
damals schon möglich gewesen wäre, ergiebt dass alle diese Steine 
moderne Arbeiten sind; sie sind natürlich nicht aus der Urhand- 
schrift abgeschrieben, sondern aus einer Abschrift und zwar einer 
interpolierten; wo das Marmorrelief beschädigt ist, lässt eine ge- 
naue Untersuchung desselben Besseres erkennen als was die Gemmen- 
schneider geben, und die von Wieseler S. 8 geltend gemachte Ue- 
bereinstimmnng des Wiener Cammeo mit dem Titusbogenrelief und 
wiederum mit der Darstellung des Biehlerschen Cammeo ergiebt 
etwas ganz andres als, wie Wieseler meint, die Treue des Barto- 
liöchen Stiches. 

Zunächst der Wiener Cammeo, bei Wieseler 2. Hier hat 
der Triumphator in der Rechten einen kurzen Gegenstand; einen 
ähnlichen in der Linken ; jenen erklärt W. für einer Zweig, diesen für 
eine Kolle. Ersteres ist gewiss richtig; und wenn der Steinschneider 
einen Zweig gemeint hat, was möglich, so konnte er das von Münz-n 
und Schriftstellen oder Compendien her leicht wissen. Aber der 
Zweig der Titus war erheblich grösser. Auf dem Reliefgrunde sind 
drei Stützenbrüche, ein mittlerer mittelgrosser von der Hand, ein 
kleinerer darunter vom unteren Ende des Zweiges und ein grosser 
darüber. Danach war der Zweig, wie auf Münzen, etwas mehr als 
die kleinen Büschel in den Händen andrer Festzugstheilnehmer ; 
und auch die kleine K:ümmung des Zweigs entspricht jenen Münz- 
bildern ('). In die andre Hand gehört nun aber das Adlerscepter 
und in der That befindet sich, auf Photographien kenntlich, in der 
Linie der vermeintlichen Rolle auf dem Gewände weiter oben ein 
Stützenbruch : hier muss entweder der Knauf oder der Körper des 
Adlers angesessen haben, von dessen Fittigen noch atwas höher 
eine Abbruchsteile herrühren dürfte, für die eine andre Erklärung 
kaum möglich ist. 



(1) Es genügt auf Cohen I^ Vespasian 475 zu verweisen; desgleichen auf 
Titus 226 ff , II Trajan 92 ff"., 585: triumphus Parthicus, III Commodus 507, 557, 
Avo die Rechte ohne Zweig grüssend, das Adlerscepter aber sehr deutlich ist. 
Die Haltung der Rechten entspricht genau der Beschreibung des triumphie- 
renden Aemilius Paullus bei Plutarch 34 : Sacfvrji x?Mfa rf, ^e^tu nporsu-w»'. 
wie auch Wieseler S. 19 bemerkt. Ueber <leii Triumphzug am Bogen v>n Be- 
nevent s. Rom. Mitth. 1892 S. 245 Anm. 



246 E. HETEKSEX 

Zweitens der halbnackte Jüngling diesseits neben dem Wa- 
gen, selbstverständlich eine Idealfigur, wie die Führerin der Rosse 
und wahrscheinlich auch die beiden andern Figuren rechts und links 
im Vordergrunde. Der Wiener Cammeo lässt ihn mit der bis an 
die Zügel reichenden Rechten vorweisen, in der Linken einen Zweig 
tragen. Die Rechte kann aber nie so Aveit gereicht haben ; viel- 
mehr gelangte sie weiter diesseits dahin, wo auf dem Kreuz des 
Pferdes ein Stützenbruch ist. Eine zweite Stütze kommt zwischen 
Zügeln und Waagen hervor, ist aber dort abgebrochen: sie stützte 
vermuthlich das Attribut der Rechten, einen ähnlich wie vom Kai- 
ser selbst vorgestreckten Lorberzweig. Denn die Zweige werden, wie 
am besten der Kaiser zeigt, der Regel nach in der Rechten ge- 
halten. Dass diese Idealfigur jedenfalls in der Linken nicht einen 
Zweig getragen hat, so wie auf dem Wiener Stein, zeigt das um den 
Handabbruch rings wohl erhaltene Gewand. Aber die von diesem 
gradherausstehenden Armstumpf nach oben laufende Bruchtiäche. 
welche mit einem schmalen Streifen das über den Unterarm gelegte 
Gewand durchschneidet, zeigt dass die Hand einen vor diesem Ge- 
wand liegenden, nach oben gehenden Gegenstand hielt; und dieser 
Gegenstand wurde nach Ausweis der Bruchfläche nach oben breiter, 
bis da wo er, eben unterhalb der Schulter, aufhört ; er reichte mit 
einem dünneren ringsum ausgearbeiteten und etwas einwärts gebo- 
genen Ende auch unterhall) der Hand abwärts, avo auf den Palten 
ein Stützenbruch sein Ende anzeigt. Diese seine Spuren lassen kaum 
zweifeln, dass was die Linke trug ein Füllhorn war. Der Jüngling — 
als solchen lassen ihn die Körperformen erkennen — ist also der 
Genius Pojmli Romani, der, wie am Halsbruch noch heute sichtbar 
scheint, den Kopf zu den Nachfolgenden umgewandt hatte. Roma 
vor, imd der Genius P. R. hinter dem Wagen haben so dieselbe 
Stelle wie an den Schlusssteinen der Bogenwölbung, erstere an der 
inneren, der Stadtseite, letzterer nach aussen ('). 

(1) Purgold, Archac'ölogisclie Bemorkunt,'eii zu Claucliaii und Sidonius S. 20 
ff. findet die 1 angbekleide tc Koma wo sie nicht ist, sowohl bei Dichtern 
wie Sidonius und Claudian als auch in Bildwerken, wie an dem Sockel der 
Antoninssäule, wo unter dem Mantel kein langes Kleid zum Vorschein kommt. 
Von hier aus gelangt er dahin, die typische (iestalt der Roma in Triumphal- 
monumenten, auch unsere vor Titus' Wagen Virtus zu nennen. Dem stärksten 
Gegenargument, das in den Versen Claudians XXVIII 369 liegt, wo eben 



MODERNE KA.ISERC.KMMEN 247 

Drittens, auch der dem Genius P. R. folgenden Figur giebt 
der Wiener Cammeo wieder den Zweig in die Linke, während die 
geschlossene fast in Schulterhöhe gehaltene Rechte einen Gegenstand 
vermissen lässt. Dass nun die Rechte wirklich das Zweiglein ge- 
halten, wie es ihr an sich und nach ihrer Hebung zukouimt, ist 
am Marmor freilich heute nicht mehr zu erkennen. 

Viertens endlich der vor der Roma voraufschreitende; er ist 
besonders stark zerstört, nur der Zweig in der Rechten ist noch 
erhalten, ob die Linke eine Rolle oder Aehnliches gehalten, wie 
auf dem Cammeo, ist nicht mehr zu sagen; das aber ist gewiss, 
dass das Gewand nicht so sein konnte wie auf dem Cammeo, weil 
dies überhaupt eine unmögliche Trachtform ist, auch soviel wenig- 
stens noch am Marmor deutlich ist, dass das über dem 1. Arm lie- 
gende Gewand nicht bloss aussen, sondern auch innen vom Arm 
niederhängt. Eine Toga freilich, wie ich früher angenommen habe, 
kann es trotzdem nicht sein, wegen der um die linke Schulter nach 
innen oder von da horizontal gerichteten Faltenmasse ('). 

In allen diesen Punkten nun, wo die Wiener Gemme etwas 
andres giebt, als nach den vorhandenen Spuren einst am Titusbo- 
een selbst dargestellt war, stimmt sie mit — Bartolis Stich über- 
ein. Es ist also gewies, dass der Steinschneider nach diesem oder 
der ihm zugrunde liegenden Zeichnung gearbeitet hat, wahrschein- 
lich also im vorigen Jahrhundert. Dass er dabei die Absicht gehabt 
habe, sein Werk für ein antikes auszugeben, ist indessen gar nicht 
mit Sicherheit vorauszusetzen. 

Wenn dies Ergebniss noch irgend welchem Zweifel begegnen 
könnte, so wird doch solcher vor einer weiteren Thatsache sich beu- 



Roma sich selbst schildert, dem Augiistus den Dienst erweisend, den die frag- 
liche Gestalt dem Titus thut, begegnet Purgold mit dem Hinweis auf jene 
zweite Idealgestalt, die nun, als Honos gedeutet, auch Virtus erweisen soll. 
So gewiss wie Roma statt Virtus zu erkennen, ist es der Genius P. R. und 
nicht Honos. Vgl. Wieseler S. 31 ff. Den Genius P. R. mit dem Senatus, den 
mit mir, R. M. 1892 S. 255, v. Domaszewski, Jahreshefte des Oesterreich. Arch. 
Inst. II S. 179, erkennt, sahen auf dem Capitolinischen Relief aus Antoni- 
nischer Zeit auch schon Visconti und so, nur den Genius wegen fehlenden 
Füllhorns auslassend, Wieseler S. 33. 

(') Rom. Mitth. 1892 S. 257. Das Obergewand muss wie eine Paenula 
oder ein Paludamentum vorn geknüpft und seitlich über die r. Schulter zu- 
rück geworfen sein. 



248 E. PETERSEN 

gen. Ehe uämlich noch eiu Wort über die andern von Wieseler 
verglichenen Steine gesagt wird, sei hier noch ein vierter ganz 
gleichartiger beigebracht, für welchen der gleiche Ursprung noch 
anderweitig sich ergiebt. Eagraved gemSj their hlstory and place 
in all elaborate view of their place in art bij Maxioell Somnier- 
ville, ist der Titel eines in Philadelphia 1889 erschienen Buches, 
darin sich a descriptive list of the authors cabinet of gems for- 
ming a compend of greek and vornan classics and anliquities 
lindet. Der Werth der Sammlung und der aus diesem Buch zu 
schöpfenden Belehrung ergiebt sich aus der hier mitzutheilenden 
Probe. N. 1348 ' oriental alabaster (from the Zanetti Collec- 
tion, Venice ' ), giebt dieselbe Darstellung wie der Wiener Cammeo 
' aus Südfrankreich ', nur ohne einfassenden Kranz und nicht oval 
sondern viereckig. Auch hier sind an allen oben aufgeführten Stellen 
S. Bartolis Interpolationen befolgt. Dieselbe Sammlung 
nun bietet auf n. 1349, gleichen Materials und gleicher Herkunft, 
wie sich gebührt, auch das Gegenstück vom Titusbogen, den an- 
dern Theil der Triumphzuges — ich habe an andrer Stelle betont, dass 
Fries und beide Durchgangsreliefs des Bogens als drei gleichsam 
zu verschiedener Zeit oder an verschiedener Stelle gesehene Theile 
desselben Zuges zu verstehen sind, am Fries der Anfang, im Durch- 
gang links die Mitte, rechts das Ende — nach Sommerville freilich 
vielmehr the Exil from Jerusalem. Und damit nicht genug: die 
ganze Serie 1326 bis 1351 (also auch jene obigen zwei einbe- 
gfilfen — ' loere the subjects (?) of bassorilievos tvhich once adorned 
a triumphal Arch erected in honour of Trajan. In the reign of 
Conslantine these subjects (?) ■we7''e removed and emploijed to Or- 
nament the neiü Arch of Conslantine. This series of cameos, 
except two numbers, 1327 and 1330 « 2he Orient'« and « The Occi- 
dent » are all works of the most eminent artists of the epoch 
of Trajan '. Also alle nicht coustantinischen Reliefs des Constan- 
tinsbogens, sowohl die Trajanischen, wie die M. Aurel geltenden 
(s, Rom. Mitth. 1890 S. 73) sind hier in demselben oriental ala- 
baster geschnitten ; dass sie auch aus Venedig herstammen wird 
nicht gesagt. Es braucht kaum noch zugefügt zu werden, dass auch 
diese ganze Serie nicht nach den Marmorreliefs selber in Stein ge- 
schnitten sind : auch hier sind S. Bartolis Stiche die Grundlage, wie 
die üebereinstimmung mit dessen Interpolationen beweist, die ich 



MODERNK KMSERGEMMEN 219 

für die Trajanischen Medaillons (Antike Denkmäler I S. '61) nach- 
gewiesen habe. So ist z. B. der kleine Hercules, welchem die Exu- 
vien des gejagten Löwen geweiht werden, auch hier wie bei Bellori 
Taf. o9 durch eine Lanze zum Mars gemacht (vgl. Rom. Mitth. 1889 
S. 330, und in u. 1335 = Bellori tav. 33 ist statt des Bärenfells 
am Baume eine Syrinx aufgehängt. 

Schon damit dass für zwei dieser Tituscammeen der moderne 
Ursprung nachgewiesen ist, fällt auch auf die beiden andern ein 
starker Verdacht. Für die Hawkinssche kann ich, da keine Abbil- 
dung vorliegt diesen Verdacht nicht voll begründen. Bei dem ' von 
Roma gelenkten Viergespanne ' ist gewiss nur an die entsprechende 
Gruppe des Bogenreliefs zu denken. Wenn der ' Halbnackte ' (der 
Genius P. R.), wie Conze sagt, in der Rechten den Zweig hält, 
so liegt da eine Abweichung von S. Bartoli und den als modern 
erwiesenen Gemmen, und eine Uebereinstimmung mit dem Original- 
relief vor, die indes nicht schwer ins Gewicht fällt, so wenig wie 
dass neben diesem noch die drei andern Männer erscheinen wie auf 
dem Bogen ; auch die Sommervillesche Gemme hat sie, während 
die andern einen oder zwei davon auslassen. Das Entscheidende 
ist, dass jenem Haibackten das Füllhorn fehlt, und dass • oben 
ein Eros schwebt mit einem undeutlichen Gegenstand in der Lin- 
ken ', eine jedenfalls unantike Interpolation, für die im nächsten 
Bereiche z. B. Sol oder Luna des Constantinsbogens Vorbilder lie- 
ferten ('), wie sie auch für die 'Gefangene mit gesenktem Kopfe' 
im Abschnitt unten leicht zu finden war. 

Und nun zurück zur Biehlerschen Gemme. Auch sie ist von 
S. Bartoli unabhängig, aber auch sie giebt das Titusbogenrelief 
an den beschädigten Stellen mit unrichtigen Ergänzungen, und fügt 
dazu, wie die Hawkinssche, noch ganz willkürliche Interpolationen. 

Der Kaiser hat weder Scepter noch Zweig, in der Rechten nur 
einen kurzen Stab, mit der Linken scheint er die Zügel zu halten; 
der Geiiius P. R. hat weder Zweig noch Füllhorn ; aus den zwei 
Männern ganz rechts und links sind gar zwei Weiber geworden. 
Also wenn, wie selbstverständlich, der Steinschneider nach einer 

(') Vielleicht auch eine Münze, wie die des Marc Aurel Cohen III^ 367, 
wo im Triumphwagen ausser Marcus auch noch sein Sohn Commodus steht, 
und deshalb die Victoria klein über den Rossen schwebt, dem Kaiser vraus- 
fliegend. 



250 E. HETEKSEN, MODERNE KAISERGEMMEN' 

gezeichneten Vorlage arbeitete, so war es eine nicht sehr genaue, 
sicherlich aber erst von dem stark beschädigten Relief genommene. 
Willkürliche Zuthaten sind erstens die auf einer Stange getragene 
tabvla ansata. die aus dem andern Titustriumphrelief genommen 
sein wird: in der That gehören diese Tafeln ja nicht in die Nähe 
des Triumphators, sondern weiter nach vorn im Zuge ('). Eine 
durchaus moderne Zuthat aber ist das SPQR darauf. Und eine 
andre ebenso wenig hierhergehörige Zuthat ist das unmittelbar vor 
dem Kaiser sichtbare vexülum. doppelt absurd, weil es nicht getra- 
gen sondern aufgepflanzt zu sein scheint. In diesem vesillum aber 
das Labarum zu sehen, das ist allermodernste Vision : das Chri- 
stusmonogramm findet sich weder auf dem Fahnentuch noch darü- 
ber. Man sehe, wie Wieseler sich bemüht hat, es gegen den Au- 
genschein zu erkennen, um schliesslich doch zuzugestehen, dass es 
keiner der üblichen Gestaltungen entspricht: es ist nicht nur das 
Monogramm nicht vorhanden, sondern vorhanden ist, auf der Wie- 
selerschen Abbildung, die viel genauer ist als die der R. Quar- 
talschrift, deutlich kenntlich, die Lauzenspitze über der das Tuch 
tragenden Querhaste. 

Sollte die Biehlersche Gemme, die ja auch nach Philadelphia 
gekommen ist, etwa in die Sommervillesche Sammlung gelangt sein, 
so ist sie dort jedenfalls am Platz, und wegen dieses Verlustes 
wenigstens Europa nicht zu beklagen. 

E. Peterskn. 



(1) Neben die Oefansenen und Beutestücke, deren Namen und Deutung 
der schauenden Menge auf diesen Tafeln mitgetlieilt wurde. Neben dem Kaiser 
imd mit dieser Insclirift ist die Tafel eine Abgeschmacktheit 



MISCELLANEA EPIGRAFICA. 

(Continnazione, v Jfittheilungen 1896 p. 227-257). 



XXIV. I sc r i z i n e r e 1 a t i v a a 1 t e a t r o d i P o m p e o. 

Parecchie volte in qiieste miscellauee mi sono occupato d' iscri- 
zioni tiiiora credute antiche ma che sono opera di falsificatori mo- 
derni : questa volta il mio scopo e contrario, vorrei cioe dimostrare 
genuiua un'epigrafe che tigiira fra le falsae et susj)ectae del vol. VI 
del Corpus Liscriptionum Latinarum. Se il mio ragionamento e 
convincente, ne giiadagneremo un particolare non privo d' Interesse 
per la storia di uno dei piü nobili edifizi della Roma antica; e 
nel medesimo tempo, im aiitore di fede ottima sarä liberato del- 
r unico sospetto di falsificazione, che finora gli sia stato attribuito. 

Flavio Biondo da Forli, in qnel paragrafo della siia Roma instaii- 
rata (lib. II § 109 f. 25 ed. Venet. 1514), ove ragiona del Teatro 
di Pompeo, riferisce un singulare ritrovamento accadnto al tempo 
suo. Depo aver parlato di certe rovine esistenti presso al monaste- 
rio di Donna Rosa (oggi S. Caterina dei Fimari) ch' egli crede (erro- 
neamente) appartenere al detto Teatro, prosegue cosi : Remotissimo 
ab inde loco qua certiores ex fama theatri ipsiiis ruinae ad 
sancii Laurentii in Damaso aream ecclesiae vergunt, Angelvs. 
Pontianus iureconsuUus quora proximis diebus celLae vinariae 
locum altius effoderet, fandamenta reperit saxo quadrato ingeati 
üructa, in quormn um i[Uod cemeatarii exlraxeruiü, liilerae 
essent cubitales GENIVM THEATRI POMPEIANI dicenles: ul coni- 
cere liceat, geaium ibi pro iactl primo fandameati theairalis 
initio in ceteris si aeducerentur litteris ostendi. Dal libro del 
Biondo, la notizia passö nella traduzione italiaua fatta da L. Faimo 
(Venez. 1548), poi nel Thesaurus del Gruter ed in moltissimi libri 
di topografia ed antichitä romana. Ma dopo che lo Henzen nel 



252 CH. HUELSEN 

G. I. L. (VI, 55*) r ebbe messa fra le faisae et siispectae, gli 
scieaziati moderui si sono astenuti affatto di citarla. 

A me e stato sempre sommamente improbabile che iin autore 
come il Biondo, quello scienziato modesto e coscienzioso, il quäle 
per primo iniziö lo studio critico della romana topografia, abbia 
falsiticato im' iscrizione ; eppiire, nel caso nostro le siie parole sem- 
brano escliidere la siipposizione che egli sia stato ingannato da una 
terza persona. Ma siamo per Ventura in grado di togliere ogni 
dubbio ed asserire la veritä della sua notizia. 

II fatto cioe viene attestato anche da autori contemporanei del 
Bioudo ed indipendenti da lui, ma le cui notizie pare siano sfug- 
gite agli epigiaflsti moderni. In primo luogo Poggio Bracciolini. 
nel libro primo de Varietate Fortunae (p. 240 nel codex Urbis 
Romae topographiciis dell' Urlichs) narra quanto segue : Pars theatri 
Porivpeiani hawl procid ah eo, quem Campum Florae appellant, 
superextat, etiam ipsa privativ aedißcHs occiipata. Id ut credam, 
Literae (fMedam adducitat, effossis aaper marmoribus, qitae in 
eins collapsa poriicii coliimais immixta reperta siuit, iiicisae. 
Alterae, eingrammata effracto, geniiim theatri a qmdam Prae- 
fecto urbis instauratum ferimt; alterae a S//mmac/io urbis prae- 
fecto Homrio Augusto dicatum. 

Che non si tratti poi di semplici dicerie. viene constatato da 
un terzo autore, Ciriaco d' Ancona, il quäle ha conservato un apo- 
grafo completo del titolo secondo. Nel suocodice Parmense a foglio98. 
coli' indicazione ' in porticu theatri Pompeiani ' egli ha copiato il 
titolo seguente {C. L L. VI, 1193): 

romani orbis libertatisque 
custodi d. n. Honorio Pio Aug 
atque invicto principi 
Aur. Anicius Symmachus v. c. 
praef. urbi. iterum. vice 
Sacra iudicans devot e^s 
numini maiestatiq. eins 
dicavit 

Dalle parole del Poggio litterae, epigrammate effracto ge- 
NivM THEATRI a quodam praefecto vrbis instavratvm feruiit mi 
riesce sommamente probabile che l'epigrafe fosse composta di due 



MISCELLANEA EPIGRAFICA 258 

risflie, e che le lettere della secoada fossero tralasciate dal Biondo 
per essere troppo daiineggiate. Possianio quindi ricostmire il saxura 
litteris cubilalibna come segne 

GENIVM • THEATRI • POMPEIANlj 

PRAEFECTVS • VRBl •/ -v, INSTAVRAVIT ( 

e qiiesta da 1' impressioae di ima limga epigrafe, forse di un epi- 
stilio di cui sia conservata soltanto l' ultima parte. 

A primo sguardo potrebbe parere che la ragione principale 
per la quäle lo Henzen credette spuria 1' iscrizione la meuzione 
del genius theatri rimanga sempre in vigore ('). Anzi la fräse ge- 
NivM • THEATRI . . . PRAEFECTvs • INSTAVRAVIT piü chc del linguaggio 
romauo hanno il sentore di ima falsificazione del rinascimento. Ma 
la soluzione di questa difficoltä e assai facile. Tanto il Biondo quanto 
il Poggio hanno sbagliato nel copiare la prima lettera, la quäle non 
era G, ma C. Ed invece di un genitis, secondo me vi fu menzio- 
nato il irrosceniwn del teatro di Pompeo. 

Si potrebbe fare una obbiezione relativa all' ortografia : che 
cioe invece di proscenivm si dovrebbe aspettare proscaenivjw. Ma 
tale obbiezione sarebbe fondata soltanto se si trattasse di una epi- 
grafe dei tempi buoni. II teatro di Pompeo perö fu ristaiirato in 
gran parte sul principio del secolo quinto. L" anonimo Einsidiense 
vide ancora nel posto una iscrizione monumentale cosi concepita 
{CIL. YI, 1191): 

d. nu. Arcadius et Honorius iiwicti et 
perpetui Augg. theatrum Pompei collapso 
exteriore ambitu magna etiam ex parle 
interiore mente convulsum ruderibus 
subductis et excitatis invicem fahricis 
novis reslituerunt 

Questa e proprio contemporanea alla base dedicata dal pre- 
fetto Aurelio Anicio Simmaco, la quäle fu trovata insieme coli' iscri- 
zione riferita dal Poggio e dal Biondo: ed al medesimo gruppo 



(1) Sebbene anche nell' iscrizione certamente genuina cli Capua C. I. L. 
X, 3821. della quäle nii ricord" il eh. dott. Vac^lieri, abbiamo una dedica fatta 
Genio theatri da un redemptor theatri. 



254 CH. HUELSKN 

apparterrä uiia quarta epigrafe conservata dal solo oodice Oiriacano 
f. 100, ma senza indicazione di luogo {CIL. VI, 1719): 

reparatori rei publicae et 

parenti mxicth^imo r um 

principum Fl. Godsta/itlo 

V. c. et inlustri comiti et 

magistro iitriusq. miUtiae 

patricio et tertio aons a. p. Chr. 419 

ordinario Aur . Aniciiis 

Symmachus v . c . pr . urb 

vice Sacra iiidicans (') 
dedicavit 

Vi e intine im quinto frammento, copiato e vero in epoca piü 
moderna, ma che ha tutta l'apparenza di appartenere al mede- 
simo gruppo, dico il fjammento veduto da Pietro Stefanoni (circa 
l'anno 1620) iie gijwtiari (Via dei Giubbonari): 

IRVDERIBVS OCCVPATVM ET| 
! DEFORMI • FA^ 

(dallo Stefanoni G. B. Doni inscr. ant. 2,48; CIL. VI, 80845). 

Che questi ristauri si riferissero anche al proscenio del tea- 
tro e verosimile per se : le nostre fonti storiche naturalmente nou 
dicono niente in proposito. Ma voglio rilevare la cmiosa coincidenza, 
che r unica menzione di tal proscenio si trovi in un documento 
quasi contemporaneo, cioe nella nona relazione di Simmaco (-). 

Quindi sebbene il nome del prefetto resti incerto, sarä permesso 
di proporre a mo' d'esempio la seguente restitiizione : 



salvis dcL hu. arcadio et 
hoiiorio mgy. scenam et pros 

Hur. aiiicius si/mmachits v .c 



CENIVM • THEATRI • POMPEIANI 



PRAEF . VRBl 'vice Sacra iadicaiis INSTAVRAVIT 



noro ciMii sple/i- 
didiore ornatu 

ac dedicavit 



(') Del personaggio si veda Seeck, prefazione alle opere di Simmaco, 
p. LIII, il quäle osserva: neque oratoris /ilius neque nepos fuisse potest. 

(-) Alii triumphis suis kaec dona servassent, ut posita lauru novis 
auctoribus personarent Pompeiana proscaenia. La relazione h diretta a Teo- 
dosio ed Arcadio, nelTanno 384 o 385, secondo il Seeck. 



MISCELLA^E.\ EPIGRAFUA 25/» 

La sitiiazione della scena e del proscenio del teatro Pompeiano 
e perfettamente conosciuta : e sebbene nou abbia trovato finora docu- 
menti attestanti 1' esatto posto della casa di Angelo Pontano, noü 
dubito che debba cercarsi nella strada dei Chiavari, e precisaraente 
all' estremitä nord presso S. Andrea della Valle, ' laddove si oa 
alla inazsa di S. Lorenzo in Bamako'. In questo punto dunque 
la carta archeologica di Roma avrä da segnare gli 'scavi del 1440'. 
e come fmtto di essi, insieme alle due iscrizioni VI, 1193 e 1719, 
anche quella VI*, 55, la cui autenticitä, insieme con la fede del 
Biondo, spero che sia stabilita da queste mie osservazioni. 

XXV. Iscrizione riferibile ai trofei di Mario':' 

Che le brevi iudicazioui epigrafiche date dal Poggio nel 
dialogo de varieiale fortume, e finora tenute in poco conto dagli 
epigratisti, possono essere di qualche iitilitä, sebbene i testi non 
vi siano interamente riferiti, spero di aver mostrato nella nota 
precedente. Mi pare quindi non superfluo di richiamare \ attenzione 
degli Studiosi ad un altro passo della medesima opera, riferibile 
ad im insigne monumento romano, sulla cui etä e denorainazione si 
e dibattuto da lungo tempo. 

Nel principio del dialogo (pag. 236 nell' ediz. dell' ürlichs. 
Codex U. R. topogr.), il Poggio annovera le opera publica et pri- 
oata liberae qmndam civitatis, quorum vestigia visantur, e sono : 

1) gli archi del Tabulario con 1' iscrizione di Catulo {CIL. 
VI, 1314); 

2) il sepolcro di Bibulo {C VI, 1319); 

3) il ponte Fabricio (C. VI, 1305); 

4) r arco di Lentulo e Crispino sotto l'Aventino {C. VI. 
1385); 

5) momimenta quaedam prisca, quae hodie Cimbrum ap- 
pellaiü ; templum ex manubiis Cimbricis a C. Mario factum,, 
in quo adhuc eius trophaea conspiciuntur ; 

6) la piramide di C. Gestio {C. VI, 1374). 

Come si vede, di sei monumenti, cinque sono insigniti di epi- 
graü molto conosciiite ; e 1" interlocutore infatti prosegue : i/i hoc 
laudo curam et diiigentiam tuam, Poggi, qui isla tum publico- 
rum tum privatorum operum epigrammata intra urbem et foris 



256 '^H- HUELSEN 

qmqtie multis in locis conquisita atque in paruum volumen coacta 
litlerarmn studiosis legendas tradidlsti ('). Sorge dunque spon- 
taneamente la quistione, se il Poggio voglia accennare a qiialclie 
epigi-afe esistente al tempo suo presso il 'Cimbrum', dalla quule egli 
rilevasse che fosse moniimento di una vittoria su barbari del Nord. 
In qiiesta ricerca perö non dobbiamo limitarci alla piccola sil- 
loge epigrafica Poggiana contenuta nei codici Vaticano ed Ange- 
licauo (v. CIL. VI, praef. p. XXVIII-XL), — perche essa, come 
anche abbiamo veduto piü sopra, nou contiene punto tutte le iscri- 
zioni conosciute al Poggio, — ma bisogna estenderla sopra tiitto il 
materiale epigrafico conosciiito in qiiel tempo. E se ue la silloge 
Einsidlense, ne la signoriliana suppeditano un' iscrizione adatta per 
il nostro scopo, mi pare che la troviamo presso im altro contem- 
poraneo del Poggio, cioe Francesco Petrarca. Egli, nel suo libro 
de remediis iitriusque fortunae (lib. I, dial. CXIII), parlando di 
Driiso seniore, dice che: ille gesserat quibus vere gloriaretur, 
quod romaais in saxis, primis aliquot syllabis casu aliquo deie- 
ctis, nunc etiam sculptinn viget hisce versiculis: 

. ... ad divortia Rheni 
Pervasi hostiles depojmlatiis agros 
Dum tibi Roma decus aeternaque sudo tropaea 
Hister pacatis lenior ibit aiuis. 

L' indicazione del Petrarca Romanis in saocis e abbastanza 
vaga : ma ch' egli vedesse la lapide nella parte Orientale della cittä. 
diventa probabile dal fatto, che ima parte di essa nei secoli se- 
gueuti esistesse presso il Laterano. Circa il 1470, Barnabas Cri- 
stiniis (cod. Stuttgart, f. 58: cf. Mommsen in questo bull. 1890, 
p. 85-91) e Fra Giocondo (cod. Marc. f. 212), nel 1550 il Pighio, 
nel 1578 Paolo Melisso copiarono ' post S. Johannem in quadam 

(') Ne si dica che il Poggio, in questo primo capitolo, voglia anno- 
verare tutti i monumenti di etä repubblicana a lui conosciuti, siano o no di- 
stinti con epigrafi ; perche egli suUa pagina seguente (237 ed. Urlichs) de- 
scrive a lungo, p. es., il ' Templum Vestne ' (presso il Ponte Eotto) ed il 
' Templum Castoris et Pollucis ' (dinao di Venere e Koma), invocando le 
nmbre di Crasso, Ortensio e Cicerone: anche qnesti sarebbero monumenti ane- 
pigrafi doirepr-ca della libera reapublica. 



MISCELLA.NEA EPIGRAFICA 257 

maceria ' ovvero ' post aream templi Laterani ' la medesima la- 
pide in questa giiisa: 

MD DIVORTIA RHENI PERVASI HOSTILES DEPOPVLATOR AGrI 
DVM TIBI BELLA FORIS AETERNAQVE SVDO TROPAEA HI5TER ''^ 

Dalle copie del Pighio e del Melisso risulta inoltre, che l'iscri- 
zione aveva diie sole righe, delle quali ognuna conteneva un distico 
iatero : ed il Melisso aggiunge che 1' epigramma fu scritto grandi- 
bus omnino Ulteriz. Un' epigrafe di queste dimensioni si adatta a 
stento ad una base, e nemmeno ad un arco trionfale : ci vorrebbe 
una facciata lunga, quäle e appunto quella di un ninfeo. E la di- 
stanza fi-a il Cimbrum Marii ed il Laterano e tanto breve (poco 
piü di un chilometro), che tra 1' epoca del Petrarca e quella del 
Giocondo i marmi possono bene essere stati trasportati per ser- 
vire in qualche fabbrica moderna presso S. Giovanni. 

Non si poträ negare poi, che il contenuto dell' iscrizione ad 
un letterato del trecento poteva sembrare alludere al piü famoso 
vincitore dei popoli nordici, Gaio Mario. Ma oltracciö il ninfeo 
Esquilino aveva portato giä da secoli il nome di Cimbrum: cosi 
lo dicono non soltanto le Mirabilia (c. 27), ma anche 1' Ordo Be- 
nedictl canonici di 1143, ed un dccumento del 1176 (presso Coppi, 
Atti dell'Acc. Pontif. 15 p. 226: u.iam petiam vinee posita iuxta 
formam Cimbri in regione III). E con ragione lo Jordan (2, 517, 
518) conchiude, che il nome di Cimbrum non e stato inventato 
dall'autore delle Mirabilia, ma da lui soltanto raccolto, secondo 
una tradizione secolare. E probabile anzi che questa falsa deno- 
minazione rimonti tino all' ultimo periodo dell' antichitä, come, 
p. es., il nome di Sejmlcrum Scipionis alla piramide Vaticana viene 
data giä dagli scoliasti di Orazio del VII e VIII secolo. Dai veri 
trofei di Mario, esistiti anche suU' Esquilino ma caduti in obblio ed 
in rovina, in quell' epoca bassa il nome venne trasferito al ninfeo 
deir acqua Julia. Diventa quindi molto improbabile che quest' ul- 
timo fosse insignito di un' epigrafe che chiaramente parlasse delle 
gesta di un imperatore del quarto secolo, p. es., Valentiniano e 
Valente. 

Anche per questo riguardo, le espressioni molto vaghe del- 
r epigramma rendono piii probabile la nostra congettura. I tilologi 
che tinora si sono occupati di quei distici variano assai nel giu- 

18 



258 CH. HUELSEN 

dizio sopra la loro etä. Mentre il Petrarca ed il Burmann {A. L. 2, 
83) lo riferiscono al primo secolo, a Druso o Germanico, il Mommsen 
(C/Z. VI. 1206 nota) vi credette encomiato Domiziano, e recente- 
mente il Buecheler {Aalh. Lat. 895) per ragioni stilistiche voleva 
abbassare l'epoca tino al qiiarto secolo, ed al regno di Valentiniano 
e Valente. Disgraziatamente non possiamo decidere la questione 
per ragioni paleografiche : il frammento veduto dal Melisso nel 1578 
e scomparso, ed invano ho cercato, se forse dai lavori recenti presso 
la basilica Lateranense sia veiiuto fiiori qualche brano delle let- 
lere. E vero che la tVase aeternaque sudo tropaea. per noi trova 
im riscontro soltanto presso Claudiano (quae proelta sudas ?; epi- 
thal. HoDorii 111, cf. Birt. ind. in Claudian p. 586); ma del 
resto, i versi non contengono niente che contraddirebbe all' epoca di 
Domiziano. E che il Ninfeo dell' Esquilino sia costruito proprio in 
quell' epoca, e cosa generalmente accettata : lo dimostrano tanto lo 
Stile dei trofei che oggi decorano la balaustrata del Campidoglio, 
qnanto la iscrizione copiata dal Cittadini sofcto il plinto di uno 
dei trofei, quando essi, nel 1587, fiirono rimossi dal loro posto 
antico ('). 

Che il nome di Domiziano dopo la siia caduta e la conse- 
ofuente damnatio memoriae fosse cancellato da tutti i monumenti 
pubblici e privati, e conosciuto da tutti : se tra i monumenti, di- 
ventati per ciö anonimi, fu anche il ninfeo dell' Esquilino, tanto 
piü facilmente poteva essere trasferito un nome falso. Anche tolta 
dal suo posto r epigrafe principale col nome dell' imperatore, vi 
rimaneva sempre 1' iscrizione metrica e le sculture, che per i pri- 
gionieri raffigurativi, dimostravano essere il monumento eretto per 

(1) Presso Martinelli, Roma ex ethnica sacrap. 430; imp • dom • avg • | 
GER. • PER. I QKE{simum ?) w&'ertum). Nei lavori moderni fu soltanto trovato 
un meschino frammento con lettere ' di forma non perfetta, alte 20 cm. ' 




(bull. com. 1877, p. 11 ; CIL.YI 30237). Che nell' ossatura del monumento non 
fu trovato un solo mattone con boUo (bensi molti tc<:foloni def,'li anni 123 e 
126 nella völta dell' emissario), lo attesta espressamente il Lanciani (acque, 
p. 172): che il bollo con il consolato del 9 a Ch. riferito dal Piranesi siauna 
falsificazione, e £^eneralmente riconosciuto. 



MISCELLANEA EPIGBAFICA 259 

vittorie sopra barbari nordici. E cosi a Domiziano ed i Catti suc- 
cedettero nell' iiumagiüazioiie doi tempi bassi, Gaio Mario con i 
Cimbri e Teutoni. 

So beae, die con qiiesto ci siamo avanzati abbastanza nel 
campo delle congetture: ma la mutua relazione fi-a i diversi au- 
gomenti mi pare militi un poco in favore della mia tesi. In ogni 
caso sarei lieto, se qualche nuova scoperta vcnisse a confermare 
a correggere ciö che ho esposto sopra qucl monumento tanto no- 
tevole per la sua forma architettonica, quanto eniminatico per la 
sua Vera origine c deuominazione. 

XXVI. Di alcune iscrizioni recentemente trovate 

nel Poro Romano. 

Nel mio articolo Die Regia {Jahrbuch des InstitiUs 1889, 
p. 228-253), io aveva parlato delle iscrizioni ritrovate nel 1546 
insieme con i frammenti dei fasti consolari e trionfali ; ed aveva ri- 
levato quanto importanti esse siano per stabilire con esattezza il 
luogo degli scavi Farnesiani, che portarono alla luce qiiel docii- 
mento storico singolarissimo. Io allora dovetti limitarmi a disciitere 
le testimonianze tramandateci dagli opigrafisti del Cinquecento : ma 
siccome gli scavi recentissimi hanno fornito nuovi materiali anche 
per queste qiiistioni, non mi sembra inutile di ritornarvi sopra. 

Cinque sono le epigrafi che si dicono ritrovate ' eodem loco ubi 
saxa consulum ', 'nel medesimo edifitio ' con i fasti (v. Jahrbuch 
1. c. p. 231): di tre di esse, cioe le colonnette con i nomina le- 
giomm {C.I.L. VI, 3492 a b\ e 1' iscrizione dicata nel 729/25 a. C. 
all' imperatore Augnsto dal Senato e popolo romano (C/.Z.. VI, 873), 
non occorre parlare qui. Piii importante e la terza, che viene rife- 
rita dal Manuzio, dal Panvinio e dal Ligorio nel modo seguente: 

RINC...IVVENTVTIS- A... 

QVEM • COS • POPVLVS • CREAVIT 

A NN -N AT- XIII 
. . NATVS • ET • POPVLVS • ROMANVS 

Che essa si riferisca a Lucio Cesare, Io riconobbe il Mommsen 
{C. I. L. VI, 900); e negli addenda al vol. VI n. 31272, io espressi 



260 CH. HUELSEN 

la congettura, che vi si debba congiungere un frammento copiato 
da me nel 1893 fra un mucchio di sassi dinanzi al tempio di Ce- 
sare. Questo frammento {a) rappresenta V angolo superiore sinistro 
di im grande masso quadiato di marmo, e porta incisi con belli 
caratteri, le sole lettere: 

l-caeJ - 



E questa congettura vien confermata dall'essersi trovato negli scavi 
recenti, presso S. Cosma e Damiano, un altro pezzo (i^) di base, nel 
quäle e scritto con caratteri perfettamente identici: 



/R.I 



Queste senza dubbio fanno parte del titolo di Lucio Cesare trovato 
nel 1546; e ne completano il principio in questo modo: 

b 

IK\ "^x aug. f. divi n 




R I N 6^1 P I • llVVENTVTIS P^ug. 



Come si vede, nei pezzi recenti non vi e nemmeno una sola let- 
tera (poiche della C di principi sul frammento nuovo vi e soltanto 
una piccola traccia, nell' altro sasso ora perduto sarä stata la parte 
maggiore copiata per lettera intera dagli autori del Cinquecento), 
che ricorra sulla lapide scavata nel 1546: e sarebbe un caso stra- 
nissimo, se appartenessero a due iscrizioni diverse. 

Ma ciö che toglie ogni dubbio intorno a questa congettura, e 
l'esistenza di un titolo compaguo dedicato a Gaio Cesare e ritro- 
vato nelle medesime vicinanze. E un masso quadrato di marmo alto 
m. 0,60, largo m. 0,63, profondo m. 0,70, rotte da destra e da dietro, 
ma di modo che poco vi manchi. La parte superiore fu trovata 
giä nel 1872 presso 1' angolo nord-est della basilica Giulia (Brizio 
Bull dell' Ist. 1872 p. 229; Jordan Eph. epigr. III p. 283 n. 59; 
C. 1. L. VI, 3748), mentc la parte inferiore fu scavata r«cente- 



MISCELLANEA EPIGRAFICA 261 

mente nella sacra via, fra il tempio di Faiistina e quello di Ro- 
molo. Spetta al Gatti il meriio di averli riimiti e suppliti: 

cy^K E S A R I . A v/ ^. f. divi n 

PRINCIPI • Ijuuentuiis 
_ PO NT I FI c/? COS. des. 
s^rr^VS El\ffo'?<i\lus romanus 

OS. creatus est 



aauos natus 



X.IIII • C 



Le lettere sono belle e perfettamente conformi a quelle della epi- 
grafe di Lucio Cesare: non puö recare meraviglia se sono un poco 
piü grandi (le lettere del frammento a, L • CAE sono alte sei centi- 
inetri, quello AESARI • AV soltauto 5 Vz)» pei'che il secondo titolo 
conta sei rigbe, ed il primo soltanto cinque. 

L'epoca dei titoli si puö rinchiudere nello spazio di pochi 
anni. Quello di Lucio e posteriore al 752, nel quäle il giovinetto 
fu designato coosole ; quello di Caio anteriore al 754, nel quäle 
egli assunse il consolato e depose quindi il titolo di princeps iu- 
ventutis (v. Mommsen Res gestae Divi Augusti (') p. 52. 53). 
Essendo poi ambedue di argomento e di forma cosi uguale, facil- 
mente supporremo che siano posti contemporaneamente, cioe nel- 
l'anno 752 o 753. Che non siano semplici basi per statue, risulta dal 
fatto che sono prive di ogni sagoma o profilo : ma a quäle editizio 
appartennessero, non saprei dirlo. II piü probabile mi sembra che 
fossero poste in im edicola, forse lungo la sacra via, sotto il fianco 
del tempio del Divo Giulio, dinanzi al tempio dei Castori e l'Arco 
di Augusto (-). 



(i) II Gatti ha giustamente riconosciuto che i due pezzi ach appar- 
tengono insiemo: ma se egli ha voluto comporlo con un frammento giä esi- 
stito nella raccolta deH'antiquario Guidi e pubblicato CLL. VI 901 [..au- 
fjusti I . . uventuti \ . . guri), questa congettura, ingegnosa per se, viene rifiutata 
dall'esarae del pezzo originale. La lai)ide Guidiana si trova nei magazzini del 
Museo delle Terme: non e di una base, ma di una grossa lastra, anche le 
diverse misure delle lettere dimostrano che non puö appartenere ai frammenti 
del Foro. 

(2) La base G. VI, 875 fu, secondo lo Smetio ed il Pighio ' longa ped. 9, 



262 



CH. HUELSEN 



ün siipplemento interessante si aggiunge pure al titolo men- 
zioiiato sotto il n. 4 nello Jahrbuch 1. c. Dal Manuzio (Vat. 5241 
p. 52 e 357) e dal Panvinio (Vat. 6035 f. 43, fastl ad a. 748) 
viene riferito immediatamente dopo 1' iscriziooe di Lucio un fiam- 

mento : . . HONOREM • DOMVS • AVGVSTAE • KALAT Nel 

CLL. VI, esso si trova nascosto tra la varia lectio al u. 900. Ma 
che si tratti di un titolo afFatto diverso, come io aveva sostenuto 
nello Jahrbuch 1. c, vien confermato dall'essersi trovato ultima- 
mente 1' altra nietä del medesimo, cioe un bei pezzo d' epistilio lungo 
m. 1,80, con lettere perfettissime alte m. 0,06, il quäle si ricon- 
giunge coli' altro in questa guisa : 



1 a b 

!Ä HONOREM • DOMVS ' AVGVSTAE • KALAT ORES PONTIFICVM ' ET • FLAMINVM 

Essendo la lunghezza complessiva di c. metri 3,40, abbiamo da 
fare non con una porta semplice, ma una grande apertura larga 
tre metri (dieci piedi romani) che con somma probabilitä si poträ 
spiegare come ingresso alla schola kalaioruyn ;pontificum et ßa- 
miaum. Diinque in modo simile come presso Yaerariiim Salami 
esisteva la schola scribarum librarioram et iwaeconum aedilium 
curulium (la cosidetta schola Xaiitha). cosi presso la Kegia, il 
locale uffiziale del Ponteflce Massimo, avevano la loro schola i su- 
balterni dei grandi sacerdozi. E giustamente metteremo in relazione 
con questo i frammenti di una dedica fatta appunto dai kalatores 
poiilißcum et flaminum, all' imperatore Traiano (C. /. Z. VI, 2184; 
cf. Jahrbuch a. a. 0. p. 232; Bull, comun. 1899 p. 146), che sono 
stati trovati, parte nel secolo XVI, parte nel XVIII, sul Foro Romano. 

L' importanza speciale perö consiste in questo, che il nuovo 
pezzo b conferma la localitä degli scavi Farnesiaui nel 1546. Si 
vede, che quelle scavo che portö alla luce i fasti, si e arrestato 



lata 3, spissa 2'. Se fosse lecito prendere qui spissa nel sonso dell'altezza, 
le misure si adattorebbero bone a quelle di Gaio e Lucio, [Dopo composta 
questa nota, e stata trovata fra ^U avanzi della stessa Basilica Aemilia, Tiscri- 
zione monumentale in caratteri cubitali: L. Caesari Aug[u\Hti f(ilio) divi n(e- 
poti), principi iuventutis co(n)suli desig(nato) cum esset ann. nat. XIIIl, au- 
g(uri), senatus. {Bull, comun. 1899 p. 141): non posso pero. per ora, discutere 
86 esiste una relazione fra cssa e le dne epigrafi di cui abbiamo ragionato.] 



MISCEU-ANEA EPIGRAFICA 263 

a qiiel piano incirca, che fino ai tempi recentissimi fu il siiolo del 
Foro Romano. In qnesta altezza deve essere stato trovato il pezzo a 
ora scomparso : il miiro di epoca tarda, nel quäle fu incastrato il 
pezzo h si trova ad una profouditä piii grande di quasi un metro, 
e quindi non fii attinto dagli scavi del 1546, per ritornare alla 
luce soltanto trecentocinquanta anni piü tardi. 

{Sara continuaio) 

Ch. Huelsen. 



V 1 T E L L I U S 

(Taf. IX). 



Auf Tafel ist, icli will nicht sagen das beste, aber gewiss eines 
der besten Bildnisse des Vitellius abgebildet, von zweifelloser 
Echtheit und schon dadurch, bei der Verdächtigkeit der meisten 
andern Bilder dieses Kaisers, von Bedeutung. Ausgegraben bald 
nach 1870 auf dem Gebiet der Diocletiansthermen, lagen Kopf und 
Büste noch getrennt und ungereinigt in einem Keller, als der Bild- 
hauer Fritz Schul tze sie zuerst sah. Er erwarb und reinigte 
beide Theile und fügte sie wieder zusammen. 

Der Marmor ist lunensischer, wie ich von F. Schnitze lerne, 
von der minder harten Sorte, nach dem Bruch Detuglia benannt. Ein- 
zelne härtere Striche durchziehen die Masse: ein solcher ist, an 
hellerer Farbe kenntlich, an der linken Wange unseres Kopfes 
sichtbar. Die Arbeit ist sehr gut und der Eindruck einer zarten 
weichen Behandlung des Fleisches ist wohl noch ein wenig gestei- 
gert durch die Zeit und die Einwirkung der Erde: die Oberfläche 
erscheint wie leise verwischt und bekommt dadurch etwas was man 
wohl sfumaio nennen könnte. Die Erhaltung ist sonst vorzüglich : 
nur das Haar an der 1. Schläfe, die 1. Braue, die Unterlippe haben 
kleine Bestossungen erfahren ; die stärkste — von einem Ausbruch 
an der Büste hinten links abgesehn — hat den Eand der r. Ohr- 
muschel fortgenommen. An der Nase ist die Verreibung am stärk- 
sten gewesen, und doch ist auch sie im Wesentlichen intakt. 

Eine geringe üeberarbeitung hat der Kopf allerdings erfahren, 
aber nur an einzelnen Partien des Haares. Darauf hat mich 
F. Schnitze selbst aufmerksam gemacht, und ich habe die Spuren 
dieser Uebergehung mit dem Zahneisen genau geprüft. Diese Ue- 
bergehung ist zweifellos antik, und ich habe eine Zeitlang ge- 
schwankt, ob sie nicht von der ersten Hand herrühre, weil sie stel- 



E. PETERSEN, VITELLUJS 265 

lenweise, namentlich an der linken Schläfe, so gut und sorgfältig 
sich der ersten Ausführung mit Bohrer und Meissel anpasst. Denn 




um die Spitzen, in welchen die einzelnen, hier in etwas stärkerer 
Masse und Lockerung sich hebenden Haarsträhnen enden, zu son- 



266 E. PETERSEN 

dein, ist zuerst mit dem Bohrer hineingegangen, doch ohne dass 
dessen Wirkung so sichtbar gelassen wäre, wie man es hundert Jahre 
später zu thun liebte. In dieser ganzen Haarpartie hat unser Kopf 
die grösste Aehnlichkeit mit dem grossartigen Neapler Caesar ('). 
Aber während dieser letztere in der scharfen, präcisen Ausführung 
nicht bloss von Kopf- und ßrauenhaar, sondern auch des Gesichtes 
den Eindruck von Bronzearbeit macht, zeigt der Vitellius Mar- 
morstil. Das wenig gekräuselte und am ganzen Hinterkopf in sehr 
schwachem Kelief gehaltene Haar nun ist an manchen Stellen, 
nachdem es mit dem Meissel — mit dem Bohrer nur in jenen 
Schläfenpartien — gezeichnet und in kleine Löckchen gelegt wor- 
den, noch mit einem Zahneisen gleichsam gekämmt. Diese feine 
Strähnung ist aber ungleichmässig : an der linken Kopfseite ist sie 
auch weiter vorn, um die Schläfe sichtbar, an der andern nicht ; 
auch hinten nicht überall gleich, am auffälligsten im Nacken und 
hinter dem rechten Ohr, und hier stellenweise nicht in Ueberein- 
stimmung mit und Anpassung an die erste Zertheilung und Zeich- 
nung der Haare, sondern über die Haarbüschel wie über die sie 
sondernden Furchen weggehend, wie es scheint, zum Ersatz für 
Beschädigung des Haarreliefs. Fände man Bedenken solche jeden- 
falls nur geringfügige Beschädigung anzunehmen, so wäre vielleicht 
eine andre Möglichkeit denkbar, dass nämlich der Künstler der 
den Kopf gemacht, die Arbeit an der Rückseite nicht zu Ende ge- 
führt, und dann eine andre Hand in ihrer Weise die Sache abge- 
schlossen hätte. Wahrscheinleicher aber ist, dass eine noch spätere 
Hand im Spiele ist. 

Jedenfalls nämlich ist die Verbindung des Kopfes mit dieser 
Büste, ob sie gleich aus demselben Marmor gearbeitet ist, das 
Werk einer späteren Zeit. Denn vor Hadrian ist eine Büste dieser 
Form, die nicht nur die ganze Brust, sondern mit den Schultern 
auch ein Stück der Oberarme einbegreift, nicht denkbar. In diese 
Büste ist der Kopf eingelassen, so genau hineinpassend, als ob sie 
für ihn gemacht wäre : nur eine schmale Fuge, jetzt mit Gips ge- 
füllt, läuft innen am Hand des Panzers um. Denn, mit dem Palu- 
damentura bekleidet, soll die Büste Vitellius offenbar als Imperator 
darstellen. Unter dem Mantel kommt vorn der Panzerrand und 

(») Bernoulli Rom. Ikonogr. I Taf. XIII, Banmeister Denkm. S. 678. 



VITELLIUS 267 

unter diesem die Tunica zum Vorschein. Was den rechten Ober- 
arm umgiebt, sollen offenbar die Schulterstreifen des Panzers sein ; 
doch sind dieselben niclit genauer ausgefülirt. Als man der Kopf 
also nach nicht viel weniger als einem Jahrhundert auf diese Büste 
setzte, da wird vermuthlich auch jene Ueberarbeituug der Haares 
stattgefunden haben. 

Dieser Kopf des Vitollius zeigt im Wesentlichen dieselbe Be- 
wegung wie die zwei von Bernoulli abgebildeten; Taf. V der von 
Venedig und Taf. VI der Wiener, von denen jedenfalls der letztere 
ebenso wie der Schiiltzesche zum Einlassen in eine Büste hergerichtet 
ist. Alle drei sind etwas nach rechts gewandt und dabei nach dieser 
Seite hängend. Bernoulli findet den Wiener ' etwas abwärts geneigt, 
während sonst eher das Gegeutheil stattfindet'. Ohne anders als 
nach Bernoulli's Abbildung urtheilen zu können, bezweifle ich doch 
diese Verschiedenheit bei sonst so weit gehender Uebereinstimmung 
in allen Hauptzügen. Vermuthlich ist es nur Bernoulli's Photo- 
graphie die dieser p]indruck macht, weil die Aufnahme von zu ho- 
hem Standpunkt gemacht ist, mit so scharfem Licht von oben und 
den tiefen Schatten unter dem Kinn. Ich meine von dem Schultze- 
schen Kopf die gleiche Ansicht haben gewinnen zu können. Auch 
zeigt die fleischige Masse des ünterkinns am AViener Kopf keine 
stärkere Zusammendrückung als an dem römischen ; eben sie dürfte 
aucn der Grund sein, dass das vom Irdischen beschwerte Haupt 
nicht nach vorn sondern zur Seite sich neigt. Eben das schlaff'e, 
durch Völlerei aller Energie beraubte Wesen ist in dem neuen Vi- 
tellius noch besser zum Ausdruck gekommen als in dem Wiener, 
obgleich die Verwandtschaft beider Bildnisse in die Augen springend 
ist : ausser der, wie gesagt, gleichen Haltung, dieselbe oder wenig- 
sieiis ähnliche Lockerung des sonst mehr flachen Haares in den 
Schläfen, dasselbe Stirnbüschel, dieselben Stirnfalten, derselbe ge- 
schlossene links etwas herabgezogene Mund ; dass das Gesicht am 
Wiener Kopf schmäler, die Nase länger erscheint, ist wohl wieder 
durch die Aufnahme bedingt ('). 

(■) Auch die andern Köpfe, welche ich im Original (Bernoulli 1 Capitol. 
2 ebda, 4 Altemps, 5 Barberini, oder in Abbildung (7 Torlonia, 8 Uffizien, 
11 und 12 Mantua, — auch Labus LIV 1 scheint ein Vitellius zu sein — , 
19 und 20 Louvre und Berlin) habe vergleichen können, stimmen in der Be- 
wegung überein und hängen alle von einem Originale oder Originalen der- 



268 E PETERSEN, VITELLIUS 

Beide Köpfe lassen auch in gleicher Weise die Uebereinstim- 
mung mit den Münzbildern vermissen oder wenigstens nicht so gross 
erscheinen, wie sie bei Kaiserbildnissen der ersten Jahrhunderte 
die Regel ist. Und doch kann nicht wohl gezweifelt werden, dass die 
Marmorporträts wirklich Vitellius darstellen : die Stirnlinie, die 
Krümmung der Nase, der dicke Hals mit den Falten um den Mund 
und das Doppelkinn sind immer noch genügend das zu beweisen: 
es ist aber das Gesicht des Vitellius ein solches dass es seine Wir- 
kung besser in der Vorderansicht thut, wie andre grade in der Sei- 
tenansicht vorzugsweise zur Geltung kommen. 

Eine Eigenthümlichkeit bemerke ich nur an dem Schultze- 
schen Vitelliuskopf, dass nämlich links die Unter-, rechts die Ober- 
lippe ein wenig vortritt. In unserer Tafelabbildung, wo die linke Seite 
heller beleuchtet ist, leicht einseitig wahrgenommen, verleiht das 
dem Gesicht einen gewissen Ausdruck von Verachtung. Fasst man 
aber im Textbild beide Seiten ins Auge, so möchte man darin fast 
den Nachklang einer Mundbewegimg des Schmausenden erkennen. 

E. Petersen. 



selben Art wie die oben genannten ab. Ihr moderner Ursprung giebt sich, so- 
weit ich gesehen, durch reichere Fülle und stärkere und zwar dem Stile jener 
Zeit nicht gemässe Kräuselung des Haares, ganz besonders aber durch Verän- 
derung das physiognomischen Ausdrucks zu erkennen, indem der Blick leb- 
hafter (namentlich durch Einarbeitung in den Pupillen), und der geschlossene 
Mund mehr Festigkeit des Willens als Uebersättigung auszusprechen scheint. 
Durch etwas stärkere Hebung des Kopfes, und ganz in die linken Augenwinkel 
gedrehte Pupillen mit runden Eintiefungen ist der Barberinische Kopf n. 5 
ganz besonders auffällig. Jene Merkmale modernen Ursprungs hat auch der 
Capitolinische Kopf n. 1. 

[Nach gütiger Mittheilung von R. v. Schneider hält auch der Wiener 
"Vitellius den Kopf nicht ' abwärts geneigt ', ' da er ihn vielmehr etwas zurück- 
zieht '. Er dürfte also eher noch mit dem Barberinischen als mit dem Schultze- 
schen üboreinstimmen, ausser im Blick, da der Wiener ' aus weiigeöffueten 
Augen den Blick etwas noch unten richtet. Ohne Zweifel fühlt sich der Schlem- 
mer bei Wühlbesetztem Mahle erhoben und erhaben ' R. v. Schneider kann 
auch diesen Kopf nicht für antik halten, und nach dem Mitgetheilten dürfte 
man geneigt sein, ihm beizustimmonj. 



DIE ADOPTION HADRTANS. 



Man ist im Altertum sowol als in der Neuzeit verschiedener 
Meinung darüber gewesen, ob Traian selbst auf dem Krankenbette 
in Selinus den Hadrian zum Adoptivsohn und Nachfolger erklärte 
oder ob die Designierung Hadrians unmittelbar nach Traians Tode 
durch ein trügerisches Gaukelspiel der Kaiserin Plotina zustande- 
gebracht wurde. Vor kurzer Zeit ist Hermann Dessau dem Problem 
wiederum näher getreten und hat es in dem Sinne zu lösen ver- 
sucht, dass Hadrians Thronbesteigung Plotinas Werk gewesen sei ('). 
Zu meinem Bedauern kann ich jedoch den Ausführungen des aus- 
gezeichneten Forschers nicht beipflichten. 

Von den beiden Autoren, deren Darstellung der Vorgänge in 
Selinus, wenn auch nur im Auszuge, erhalten ist, leugnet Cassius 
Die den Excerpten des Xiphilinus und Zonaras zufolge die Adoption 
Hadrians durch Traian ganz entschieden {-). Er beruft sich hiefür auf 
das Zeugnis seines Vaters Cassius Apronianus, der Statthalter von 
Kilikien gewesen war. Aber Apronianus war ungefähr 60 Jahre 
nach Traians Tode Legat dieser Provinz (3) ; unmöglich konnte er 
zu dieser Zeit auch in Selinus selbst authentische Nachrichten über 
die Ereignisse beim Tode Traians erfahren ; unmöglich können wir 

(') u Die Vorgänge bei der Thronbesteigung Hadrians ». Festschrift für 
Heinrich Kiepert, Berlin 1898 S. 85 ff. 

(2) \4(fgiaf6g (fe vno fXEf Tquikvov ovx eas7Joitj9t] (LXIX 1,1) vgl. Zo- 
nar. XI 23. 

(3) Vgl. Klebs Prosopogr. I 312 n. 413; Pauly-Wissowa R. E. III 1681 
n. 27. Zu dem dort Bemerkten habe ich nachzutragen, dass in der Inschrift 
C.l L. XIV 4089, 26 = XV 216t (Ostia) wol gleichfalls der Vater Dies ge- 
nannt ist, dass derselbe demnach mit vollständigem Namen M. Cassius Apro- 
nianus hiess. Da in dieser Periode der Kaiserzeit die Praenomina vom Vater 
auf den Sohn vererben, wird dadurch die Vermutung nahegelegt, dass auch 
Dio selbst den Vornamen Marcus führte. 



270 E. GROAG 

das Geschwätz der Provinzler, die in den Vorgängen am Hofe gerne 
Geheimnisse suchten, als historische Quelle benützen. 

Dio sieht ferner einen Beweis gegen die Adoption darin, dass 
Hadrian von Traian keine ausserordentliche Auszeichnung empfieng 
und nicht Consul Ordinarius wurde. Der Grund mag in der streng 
loyalen Politik des « besten Kaisers " liegen, mit der die ungewöhn- 
liche Ehrung selbst des Mannes, dessen Adoption er im Auge hatte, 
nicht vereinbar war. Der Einzige, in dem die öffentliche Meinung 
einen Rivalen Hadrians bezüglich der Thronfolge zu sehen glaubte, 
— Neratius Priscus ('') — hat unseres Wissens ebensowenig wie Ha- 
drian eine ausserordentliche Auszeichnung empfangen. Uebrigens ist 
Dios Bemerkung bezüglich des Consulates nur teilweise richtig ; denn 
im Jahre 118 sollte Hadrian seinen zweiten Consulat als Jahres- 
consul antreten (''). 

Endlich führt Dio noch als Grund für seine Meinung an, dass 
das auf die Adoption bezügliche Schreiben an den Senat Plotinas 
Unterschrift trug: die Krankheit des Kaisers giebt uns hiefür die 
ausreichende Erklärung. 

Der andere Historiker, Marius Maximus, dessen Bericht in der 
Bearbeitung der historia Augusla vorliegt ('') und zum Teile wol 
auf Hadrians eigene Aufzeichnungen ('') zurückgeht, hat die Ansicht 
vertreten, dass Traian die Adoption Hadrians beschlossen hätte ; 
dies geht aus dem Tenor der Erzählung hervor (^). Doch auch ge- 
genteilige Gerüchte werden nicht verschwiegen {^) : dass Traian nicht 
Hadrian sondern Neratius Priscus zur Adoption ausersehen habe ("^); 

(*) Vgl. über ihn Dessau Prosop. II 402, n. 46 ; Ritterling Arch. epigr. 
Mitth., XX, 1897, 14 flf. 

p) Hist. Aug. vit. Iladr. 4, 4 (der Ausdruck facere findet sich auch sonst 
für kaiserliche Comraendation beim Consulat, vgl. Mommsen St. R. IP 925, 2 ; 
wahrscheinlich erfolgte die Designation Hadrians im Frühjahr 111, vgl. Momm- 
sen P 586 f.). 

(«) Vit. Hadr. 1-4; Marius Maximus wird 2, 10 citiert. 

(I) Vgl. vit,\, 1. 3, 3. 5. 

(8) Vgl. fuit . . in amore Traiani (2, 7); ad spem successionis erectus 
est (3, 7); a Suva comperit adoptandum se a Traiano esse (3, 10); defumto 
quidem Suva Traiani ei familiaritas crebuit (3, 11); in adoptionis spon- 
sionem venit (4, 3); totam praesumptionem adoptionis emeruit (4, 4). 

(») Vit. 4, 8-10. 

(1") Neratius kann nur um Weniges jünger als Traian gewesen sein. 



DIE ADOPTION HADRIANS 271 

dass er die Wahl dos Nachfolj^ors dem Senate überlassen wollte; 
endlich dass die Erklärung der Adoption nach dem Tode Traians 
durch eine von Plotina unterschobene Person erfolgte, die mit er- 
löschender Stimme für den todten Kaiser sprach ("). Schon hat der 
Hofklatsch die Gewandung einer Serailgeschichte angenommen. 

Einen neuen Grund hat Dessau beigebracht. Er weist darauf 
hin, dass der Lictor proximus des Traian, Ulpius Piiädimus, ob- 
wol ein noch junger Mann, wenige Tage nach seinem Herren in 
Selinus starb, und dass die Asche des Lictors erst 13 Jahre später 
durch einen Freund nach Kom geschafft wurde ('-). Dessau schliesst 
daraus, dass i» Phädimus eines nicht natürlichen Todes gestorben 
sei, und dass sein Tod zusammenhänge mit den geheimnisvollen 
Vorgängen am Todtenbette Traians, von denen das Gerücht zu be- 
richten gewusst hatte " ('^). 

Aber welchen Zweck konnte es für Plotina haben, gerade den 
Lictor proximus kurze Zeit nach dem Tode ihres Gatten aus der 
Welt zu schaffen? Der Lictor proximus begleitete den Kaiser, wenn 
dieser öffentlich erschien ; am Krankenbett des Imperators war er über- 
flüssig. Da gab es Hofbedienstete, die weit mehr um die Person des 
Herrschers beschäftigt waren und über Vorgänge, die sich am Kran- 
kenlager abspielten, genauer Bescheid wissen mussten : wenn man 
Phädimus tödtete, hätte man auch Aerzte und Kammerdiener ('^) 

(") Fi^ 4, 10; auf ähnliche Tradition gehen Vict, Caes. 13, 13 (abwei- 
chend 13, 11) und Eutrop. 10, 6 zurück. 

(•2) Grabschrift des Phädimus C I. L. VI 1S81 = Dessau Inscr. Lat. 
sei. 1792. Phädimus wird darin bezeichnet als udiviTraiani Aug. a potione 
item a laguna et lricliniarch{a), lictor proximm et a comment{ariis) bene- 
ficiorum » wozu Dessau bemerkt (S. 88), dass er das Amt eines Lictor pro- 
ximus vielleicht noch gleichzeitig mit den früheren Chargen oder doch gleich 
darauf bekleidet habe. Doch der Wortlaut der Inschrift besagt, dass Phädi- 
mus zuerst die drei durch item und et verbundenen Aemter innehatte, und 
dann erst zur Stellung eines Lictor proximus et a commentariis beneficio- 
rum vorrückte ; es wäre auch wunderbar, wenn ein Mann fünf ihrem Charakter 
nach zum Teile so verschiedene Hofstellungen vereinigt hätte. Zur Analogie 
führe ich die Inschrift des Bucolas aus der Zeit Domitians an : 7'i. Claudius 
Aug. lih. {Bucolas praegustator, tricliniarc(a), proc. a munerib., proc. aquar. 
cet. [C. L L. XI. 3612 = Dessau Inscr. Lat. 1567). 

(13) A. a. 0. S. 88 f. 

('••) Vgl. über die cubicularii Marquardt-Mau Privatleben der Römer P 
144, 5. 



272 E. GROAG 

beseitigen müssen. Aber nicht die mindeste Spur in unserer üeber- 
lieferung deutet auf eine solche Kabinetsjiistiz, die der Aufmerksam- 
keit der Zeitgenossen gewiss nicht entgangen wäre. Und selbst wenn 
Phädimus allein — so wenig glaublich dies ist — um das Geheimnis 
gewusst hätte : würde man nach der offiziellen Todesanzeige Traians 
noch mehrere Tage ('^) gewartet haben, um den Mitwisser aus dem 
Wege zu schaffen ? Es war dann ebenso überflüssig, ihn zu tödten, 
wenn er geschwiegen, wie wenn er das Geheimnis verraten hatte. 
Die Tatsache, dass ein junger Mann aus dem sehr zahlreichen Hof- 
personal einige Tage nach dem Kaiser stai-b, kann man daher wol 
kaum zu weitreichenden Schlüssen benutzen. Wie Traian selbst 
mag sich Phädimus den Krankheitskeim bei der Belagerung von 
Hatra in der mesopotamischen Wüste geholt haben ('^). 

Die Inscenierung des Gaukelspiels und Tödtung des Helfershel- 
fers wird nun gerade Pompeia Plotina zugeschrieben, die unter den 
römischen Kaiserinnen die reinste Figur ist('^). Wie mag man nur 
annehmen, dass Plotina, von deren Einfluss auf die Politik ihres 
Gatten nichts verlautet, die durch Sittenreinheit wie durch philo- 
sophische Bildung — sie bekannte sich zu den Grundsätzen Epi- 
kurs ("^) — ausgezeichnet war, eine Intrigue von so empörenden Pie- 
tätlosigkeit durchgeführt und ihrem Helfer mit dem Tode gedankt 
habe! Dies ist ebensowenig denkbar, als dass die alternde Kai- 

(^5) Am 11. August erhielt Hadrian in Antiochia die Nachricht von 
Traians Tode (vit Hadr. 4, 7), am 12. August starb Phädimus. 

(•6) Vgl. Dio LXVIII 31. 32, 1. Ohne Grund sucht Dessau die Spuren 
eines Geheimnisses auch darin, dass die Ueberreste des Phädimus nicht mit 
denen Traians nach Eom geschafft wurden. Wenn ein Kaiser stirbt, mag man 
leicht des Lakaien vergessen. Auch wenn Phädimus wirklich das Geheimnis 
verraten hätte, wäre es zwecklos gewesen, durch eine ungewöhnliche Behand- 
lung seiner Leiche dem Gerücht, das sich ohne Zweifel an seine Person 
geknüpft hätte, neue Nahrung zu geben. Erst Jahre später hat ein Freund 
des Phädimus, der sich zur Zeit von Traians Tode wol nicht in Selinus befun- 
den hatte und vielleicht im Gefolge Hadrians dahinkam, die Asche des Lictors 
nach Rom schaffen lassen. 

(•'') oilrw yE iavirjf öiä Tiäarjq tfjc: aQ^ij? (firjyr<yey wäre ^rjde^lav inrj- 
yoniuv axelf sagt derselbe Dio (LXVIII, 5, 5), der sie nachher eine so unwür- 
dige Kolle spielen lässt. 

(18) Vgl. zu dem Schreiben der Plotina, an Hadrian, das sich auf die 
Epikureische Schulordnung bezieht: Diels, Archiv f. Geschichte der Philo- 
sophie IV 1891, 486 ff. Wilhelm, Jahreshefle d. Ost. &rch. Inst. II 1899, 270 ft. 



DIE ADOPTION HADRIANS 273 

serin « aus sinnliclier Liebe » zu Hadriaii diesem zur Herrschaft 
verholfen habe ('^). 

Wenden wir uns zu den Tatsachen, die dafür spreclien, dass 
die Adoption Hadriaus den Absicliten des Kaisers entsprach (-^')- 

Enge Bande fesselten schon den jungen Hadrian an den da- 
maligen Senator Ulpius Traianus. Beide stammten aus demsell)on 
Orte; Beider Familien waren durch Verscliwägernng verbunden, so 
dass Hadrian einer der wenigen männlichen Verwandten Traiaus 
war (2'). Noch als Privatmann übernahm Traian gemeinsam mit 
Caelius Attianus, gleichfalls einem Landsmanne, die Vormund- 
schaft über den Knaben. Als er Kaiser war, gab er dem Hadrian 
seine Grossnichte Vibia Sabina zur Frau und kettete ihn so von 
Neuem an sich. Und doch wäre dies der grösste Fehler gewesen, 
wenn er nicht die Absicht gehabt hätte, Hadrian zu adoptieren; 
denn durch diese Verbindung mussten die Hoffnungen, die Hadrian 
von Jugend auf hegte (--), zur Gewissheit gesteigert werden. Ha- 
drian stand überdies in ununterbrochenem Verkehr mit dem Kaiser; 
er begleitete ihn in die beiden dacischen Feldzüge und erhielt 
beidemal militärische Auszeichnungen (-3) ; er verfasste nach dem 
Tode des Licinius Sura die Reden für den Kaiser (-'') ; er empfieng 
von diesem den Diamant, den Traian von Nerva bekommen hatte (-^). 

In einem Relief des Triumphbogens von Benevent, den der 
Senat im Jahre 114 dem Kaiser dedicierte (-'5), ist dargestellt, 

(19) f| sQiorixrjg cpiUag Dio LXIX 1, 2. Die Bildnisse der Plotina zei- 
gen durchwegs die Züge einer nidit mehr jungen Frau, vgl. Bernoulli riöm. 
Ikonogr. II 2, 92 ff. Dass die wolwollende Gesinnung Plotinas Hadrian in 
seiner Laufbahn geleitete und förderte, soll natürlich nicht bestritten werden. 

(20) Auch dies leugnet Dessau (S. 86 f.). Für das Folgende vgl. Rohden 
in Tauly-Wissowas R. E. I 493 if. Duruy-Hertzberg, Gesch. d. rüm. Kaiser- 
reichs II 329 ff. 

(21) Ausser Hadrian sind nur zu nennen der Gatte von Traians Schwe- 
ster Marciana, wahrscheinlich C. Salonius Matidius Patruinus, der bereits im 
Jahre 78 starb {Prosop. III 1G2 n. 81), und der Gemahl der Nichte Traians 
(und Schwiegermutter Hadriansj Matidia, der L. Vibius hiess (vgl. Prosop. II 
354), sonst aber gänzlich unbekannt ist ; vielleicht starb er in jungen Jahren. 

(2i) Vgl. Vit. 2, 4 ff. 

(23) C. I. L. III 550. 

(24) Vit. 3, 11. 

(25) Vit. 3, 7. 

(2G) Vgl. die Inschrift des Eugens C I. L. IX 1558 = Dessau Inscr. 
Lat. 29G. 

19 



274 E. GROA« 

wie Traian vom Kampfe heimkehrend der Göttin Koma entgegen- 
tritt. Diese aber legt ihre Rechte auf die Schulter Hadrians und 
weist damit auf die Zukunft des Reiches hin (-''). Allerdings hat 
Alfred von Domaszewski auf Grund einer Bemerkung Benndorfs die 
Ausarbeitung der Reliefs erst in die Zeit Hadrians selbst verlegt (-^). 
Aber abgesehen davon, dass es erstaunlich schiene, wenn die Arbeit 
am Triumphbogen, die 114 begann, erst nach 117 soweit gediehen 
wäre, dass man die Reliefs in Angriff nehmen konnte, scheint mir 
Domaszewskis Deutung des einen Reliefs, das ihn zu dieser zeit- 
lichen Ansetzung führt (2''), nicht das Richtige zu treffen. Ich kann 
mich seiner Meinung, dass dort die Unterwerfung Mesopotamiens 
dargestellt sei, nicht anschliessen, weil ich es für kaum glaublich 
halte, dass der Künstler grosse und seit uralten Zeiten berühmte 
Ströme wie den Euphrat und Tigris als Knaben dargestellt habe ; 
zeigt doch auch das Münzbild das damals, auf die Eroberung Ar- 
menions und Mesopotamiens geprägt wurde, deutlich zwei bärtige 





Plusgötter (3*^). Ebensowenig vermag ich der Deutung des neben 
Traian stehenden Mannes auf Lusiu3 Quietus, den Eroberer Meso- 
potamiens (^')' beizustimmen. Der Mann trägt nicht, wie Domas- 
zewski meint, unrömische Tracht ; einer freundlichen Mitteilung 
Eduard Hulas, der Petersen beistimmt, entnehme ich, dass er viel- 
mehr mit der Toga bekleidet ist. Und dieser alte Mann im Frie- 

(27) Vgl. Petersen Eöm. Mitth. VII 1892, 252 ; v. Domaszewski Jahres- 
hefte d. öst. arch. Inst. II 1899, 177 f. Courbaud, Le lasrelief Rom. ä reprö- 
scnt. hist. Paris 1899, 144. Das Relief ist abgebildet bei Meomartini, / mu- 
numenti cli Benevento tav. XV^III und in den Jahresheften S. 177. 

(28) S. 186. 

(29) Dasselbe ist abgebildet bei Meomartini tav. XXVI und in den 
Jahresheften S. 185. 

(3") Cohen IP 21 ; die obige Abbildung (nach einem Exemplar des Wie- 
ner Münzkabinets) verdanke ich der gütigen Verinittelung Kubilscheks. 
(3») Vgl. über ilin Dessau Prosop. II 308 n. 325. 



DIE ADOPTION HADRIAKS 275 

denskleide, soll den schneidigsten Reitergeneral seiner Zeit vorstel- 
len ! Wir wissen überdies, dass Hadrian nach seiner Thron])estei- 
gung den Lusiiis Qiiietus sofort seiner Stellung enthob (^-) und ihn 
bald darauf (noch im Jahre 118) tüdten Hess (^^) ; eine künstle- 
rische Verherrlichung des Maurenscheikhs ist also gewiss nicht nach 
seinem Wunsche gewesen. Schliesslich hätte man nach dem Tode 
Traians wol kaum die Tactlosigkeit begangen, gerade die Unter- 
werfung jenes Landes bildlich zu verewigen, in welchem den Kaiser 
am Schlüsse seines ruhmreiehen Lebens sein Feldherrenglück im 
Stiche gelassen hatte {^^). 

In diesem Relief des Triumphbogens dürfte also wol nicht die 
Besitznahme Mesopotamiens, sondern, wie Petersen vermutete (^^), 
die Unterwerfung Daciens dargestellt sein ; würde man doch sonst 
in den Reliefs des Bogens einen unverkennbar deutlichen Hinweis 
auf diese grösste Tat Traians vermissen (^f'). 

Für die Entstehung der Reliefs noch unter Traian selbst 
spricht auch, dass wir den Lictor proximus Ulpius Phädimus, von 
dem oben die Rede war, auf dem Bogen dargestellt finden, wie aus 
den individuellen Gesichtszügen des kaiserlichen Lictors geschlossen 
wurde (3^). Nach dem Tode des Phädimus wird man nicht mehr 
in der Lage gewesen sein, die Züge des Verstorbenen wiedergeben 
zu können. Dessaus Hypothese, die sich an diesen Mann knüpft, 
wäre allerdings durch die Annahme der späteren Entstehung des 
Bogens aufs schlagendste widerlegt. — 



(32) Vit. 5, 8. 

(33) Vit. 1, 2. Dio LXIX 2, 5. 

(34) Vor Hatra, vgl. Dierauer Beitr. zu einer krit. Gesch. Traians in Bü- 
dingers Untersuch, z. röm. Kaisergescliichte I 181 f. 

(35) A. a. 0. S. 242. Die Flussgötter würden dann, wie Petersen meint, 
zwei Nebenflüsse der Donau (etwa Theiss und Aluta) vorstellen wie sie in ähn- 
licher Gestalt auf Münzen des Gallienus (Cohen V2 3G8 n. 221) und Probus 
(Cohen VP 316, n. 635) erscheinen, während der Hauptstrom durch eine 
Brücke (vielleicht ein Hinweis auf Traians berühmte Donaubrücke) angedeu- 
tet wäre, über welche eben Hadrian und zwei andere Ttömer schreiten. Dass 
Hadrian an den beiden dacischen Kriegen teilnahm, ist bekannt. 

(30) Ganz fehlt eine Hindeutung auf die Gewinnung des Petraeischen 
Arabien : vielleicht weil der Eroberer Arabiens, Cornelius Palma, in der letzten 
Zeit Traians in Ungnade gefallen war (vit. 4, 3). 

(3'') Meomartini 83. 93. Petersen 253. Dessau 89 Anm. 



276 E. GROAG 

Im parthischen Kriege erhob Traian den einstigen Mitvormund 
Hadrians, Caelius Attianus (3^), zum Praefectus praetorio und er- 
nanute, als er, wahrscheinlich schon im Frühjahr 117 i^-^), er- 
kiankfce und die Rückreise nach Rom antrat, Hadrian zum Statthal- 
ter der wichtigsten Provinz, Syriens, und zum Kommandierenden 
des Heeres, das er selbst im Kampfe geführt hatte ('*'^'). Damals 
im Alter von 63 Jahren und von einem schweren Leiden heimge- 
sucht (^'), musste ein Mann vorschauenden Geistes, wie Traian doch 
ohne Zweifel gewesen ist, sich vor Augen halten, dass der Tod rasch an 
ihn herantreten könne ; er musste Avissen, dass es jetzt nur die Wahl 
gab zwischen der Entlassung der eng verbundenen Kommandieren- 
den der Orientarmee und der Leibgarde oder der Adoption Hadrians, 
die, wenn auch nicht staatsrechtlich, so doch den Tatsachen nach 
die Nachfolge desselben sicherte. Denn Hess er das Reich in Unge- 
wissheit über den Nachfolger oder designierte er einen Anderen als 
Hadrian, so war im Momente seines Hinscheidens die Entfesselung 
eines Bürgerkrieges unausweichlich, der doch gerade in dieser Zeit, 
da die letzten Schläge des parthischen Krieges nachzitterten und 
ein grosser Judenaufstand eben erst niedergeschlagen war ('-), um 
jeden Preis vermieden werden musste (''^). Die imposante culturelle 
Arbeit seiner Regierung wäre dann vergeblich gewesen. 

Die Lage gestaltete sich kaum anders, wenn Traian die Ent- 
scheidung dem Senate überliess. Es konnte ihm nicht unbekannt sein, 

(38) Vgl. über diesen Klebs Prosop. I 258 n. 90 ; Panly-Wissowa R. E. III 
1256 n. 17. 

(39j Dio LXVIII 32, 1 vgl. Dierauer 182. 

{*^) Dio LXVIII 33, 1 ; vit. 4, G. Hadrian war überdies für das nächste 
Jahr zum Consul Ordinarius designiert, s. o. Anni. 5. 

(''1) Die Beschreibung, die Dio (LXVIII 88, 2 f.) von seiner Krankheit 
giebt, ist nicht klar g( nug, um den Charakter derselben deutlich erkennen 
zu lassen: Wassersucht (ro J" ö'Ao*' v(fQ(')TiL((ae) kann nur die Folgeerscheinung 
von Herz-, lUut-, Nieren- oder Leberkranklieiten oder perijdieren Circulationsstö- 
rungen sein (vgl. Eulenburg Realencyclopädie der gas. Heilkunde XP 127 ff.); 
das Grundleiden kennen wir nicht; Dios Schilderung (6nj«r;ff.9fVro? «i'roJ xov 
cuuuTog, (V x«r' erof xiuo) (Ttf/w^)?«) bezieht sich vielleicht auf Begleiterschei- 
nungen hämorrhdidalen Charakters (vgl. Eulenburg IX^ 405 fF.). 

("2) Dio LXVIII 32 vgl. Dierauer ls2 f. 

(''3) Hat doch selbst Hadrian unmittelbar nach seinem in alUr Ruhe 
vollzogenen Regierungsantritt Aufstände und p]in fälle der Mauren, Sarmaten 
und Britannier zu bekämpfen gehabt {vit. 5, 2). 



DIE ADOPTION HADRIANS 277 

dass Hadrian unter den Senatoren viele und einflussreiche Feinde 
zählte (''') ; bei aller Korrektheit gegenüber dem Senate hat er doch 
seinen kaiserlichen Rechten nie etwas vergeben ('*''). Der Appell an 
den Senat konnte nur in der Form eines Schreibens ergehen, das von 
Plotina unterdrückt worden wäre: aber niclits berechtigt uns zu 
dieser Annahme. Von Anfang seiner Regierung an hatten ihm doch 
auch die Besten seiner Zeit (^'') den Gedanken der Adoption nahe- 
gelegt, dem er selbst die Herrschaft verdankte. 

Traian hat Hadrian und Attiauus in den wichtigsten Stel- 
lungen belassen ; er hatte demnach ohne Zweifel die feste Absicht, 
Hadrian zu adoptieren und damit zum Nachfolger zu designieren. 
Wahrscheinlich sollte die Adoption in feierlicher Form in Rom 
selbst vor dem Senate verkündigt werden. So wird es ausgemacht 
worden sein, als sich der Kaiser in Antiochia von Hadrian trennte. 
Aber die plötzliche Verschlimmerung seiner Krankheit, die wahr- 
scheinlich damals eine Lähmung seines Körpers durch Schlagfluss(^") 
zur Folge hatte, muss ihn veranlasst haben, schon in einer der 
nächsten Stationen auf dem Wege nach Rom, in Selinus, seinen 
Willen bezüglich der Thronfolge kundzugeben. Wir wissen, dass 
Hadrian die Nachricht von der Adoption am 9. August (''8), die 
Kunde vom Tode des Kaisersam 11. August (^9) emptieng. Es ist 
kein Grund vorhanden, weshalb wir die Richtigkeit dieser offiziellen 
Ueberlieferung in Frage ziehen sollten. An der Erklärung der Ado- 
ption im Beisein von Zeugen ist, wie auch Dessau zugiebt (''•^), nicht 
zu zweifeln; dass dieselbe, weil Traians Tod plötzlich eingetreten war, 
durch einen falschen Kaiser erfolgte, ist ein Märchen und völlig 
unhistorischen Charakters. Versucht man, sich diesen Vorgang in 
den Details zu reconstruieren, so wird man überall auf Rätsel stossen, 
die nicht zu lösen sind. Trat der Tod Traians unerwartet ein, so 
musste er auch Plotina und Attianus unvorbereitet treff'en ; eine In- 

{**) Vgl. Vit. 4, 3. 5, 5. 8. 7, 1. 2. 

(45) Vgl. Herzog Staats- Verfass. II 315 ff. 

{*6) Tacitus (bist. I 16) und riiuius (paneg. 94) \g\. Dessau S. 86. 

(47) Dio LXVIII 33, 3. 

(48) Vit. 4, 6. 

(49) Vit. 4, 7. 

(50) S. 87. Für die Rcclitsgiltigkcit der Adoption genügte die einfache 
Erklärung des Kaisers, vgl. Momnisen St. K. IP 1137 f. 



27g E. GROAG 

trigue wie diese konnte jedoch ohne Vorbereitung nicht gelingen. 
Es wäre kaum möglich gewesen, in der Provinzstadt, in der das 
Hoflager in provisorischen und gewiss unzureichenden Verhältnis- 
sen untergebracht war, den Tod des Kaisers mehrere Tage geheim 
zu halten {^'). Was geschah in dieser Zeit mit des Leiche des Kai- 
sers, die doch nach römischer Sitte vor der Verbrennung auf dem 
Paradebette dem Volke gezeigt werden sollte (•^-). Das Leiden, an 
dem der Kaiser gestorben war, die Hitze des kleinasiatischen Som- 
mers mussten zur Folge haben, dass der Körper in kürzester Frist 
in Verwesung übergieng, wenn man ihn nicht etwa durch Aerzte 
und Einbalsamierer behandeln Hess und diesen damit das Geheim- 
nis preisgab. Der Pseudotraian hätte übrigens nicht allein die Er- 
klärung der Adoption zu verkünden gehabt; auch für das Schrei- 
ben, das an den Senat gesandt wurde, war das persönliche Dictat 
des' Kaisers erforderlich. Welche Schwierigkeit liegt ferner in dem 
Zusamraenspiel Plotinas und Attians in Selinus und Hadrians in 
Antiochia ! Wieviel Hilfskräfte, die dadurch ebensoviele Mitwisser 
des Geheimnisses geworden wären, waren zu alledem notwendig! Doch 
der beste Beweis dafür, dass die Adoption Hadrians nicht das Werk 
einer niedrigen Hofkabale war, liegt darin, dass sich das so be- 
deutungsvolle Ereignis — der Wechsel in der Herrschaft über das 
Weltreich — in aller Ruhe und ohne innere Erschütterung voll- 
zogen hat. 

Traian selbst hat also — wir dürfen es mit einem hohen Grade 
von Wahrscheinlichkeit annehmen — am 7. August des Jahres 117 
in Gegenwart von Herren seiner Umgebung die Erklärung abgege- 
ben, dass er Hadrian zum Sohne nehme. Die vollzogene Adoption 
teilte er dem Senate in einem Schreiben mit, das er allerdings 
nicht mehr zu unterzeichnen vermochte {^^). Zwei Tage nach seiner 



(51) ddyarog Toii TQcacwov rjfiSQccs zivu? ()<« rovxo avvexQVfffh^, iV rj 
nolrjaig nQoexffoiitjaoc (Dio LXIX 1, 3). Traian müsste dann bereits vor dein 
7. August verschieden sein. 

(52) Vgl. Marquardt-Mau P 347. 

(53) S.o.; die Münze Cohen IP 21G ii. 5 {Imp. Caes. Ner. Traian. Optim. 
Aug. Germ. Dac. i^. Iladriano Traiano Cnesari), für deren Eclitlieit nach 
Eckhel (VI 473) auch Monimsen eintritt (St. U. 11'' 1154, 5), ist wogen des 
Caesartitcls, den Iladrian fülirt, doch wol hybrid. 



DIE ADOPTION HADRIANS 279 

Willensäusscning ist er gestorben. Trat der Tod so bald nach dem 
Acte der Adoption ein, las man überdies in der offiziellen Zuschrift 
an den Senat die Unterschrift, nicht wie sonst des Kaisers, son- 
dern der Kaiserin, hatte den Schauplatz für diese Vorgänge eine 
entlegene Provinzstadt al)gegeben : so war natürlich phantastischen 
Combinationen Thür und Thor rreöffnet. 



ö^ 



Wien, im December 1899. 

Edmund Groag. 



FUNDE UND FORSCHUNG. 



Dass doch wiederum zunächst nach Sicilien, nicht nach dem 
Norden, wie oben S. 192 verheissen war, der Blick sich richten muss. 
dazu nöthigt Orsi's rastlose Thätigkeit, deren Ergebnisse, wenn auch 
zum guten Theile nur erst angekündigt, doch nicht, wie anfangs 
beabsichtigt war, nachtragsweise in einer blossen Anmerkung sich 
berichten lassen. 

Nur erwähnt sei in Termini Im er ese gefundenes Steinge- 
räth B{ullettino di paletnologia üaliana), 99, 203 derselben Art 
wie früher B. 86, 74 in der Nähe am Monte Faino gefundenes; 
desgleichen die zahlreich inSerra d'Orlando (Caltanisetta) 
gefundenen Basaltäxte B. 98, 307, selbst in Häusern griechischer 
Zeit. Im Elymergebiet, zwischen Mte S. Giuliano und dem Meer ge- 
fundene Vasen der I. Periode hat Eizzo in Trapani aufgespürt. 
Zu weiterer Bestätigung des R. M. 98, 171 Gesagten sind sowohl 
inMelilli^:99, 69undi^.99, 204wieinCalafarina/?. 98,163, 
in Nekropolen der I. Periode etliche Grotten mit Nischen gefun- 
den und solche mit nur wenigen Skeletten. In letzterer bestätigt 
sich aufs Neue der Zusammenhang von I. und II. Cultur, desglei- 
chen in Valsavoia (Catania), wo in höherer Schicht auch die 
IIL Periode vertreten ist, TV. 99, 279. Eine Bestätigung des R. 
M. 98, 179 f. behaupteten Zusammenhangs auch des Presikeli- 
schen mit der I. und II. Periode scheint mir in dem B. 99, 53 
di un sepolcro neolitico in S. Cono bei Licodia-Eubea (Catania) 
Berichteten gegeben, mag auch der Berichterstatter, Catici, Alles 
mit Orsi's Abtrennung des Presikelischen in Einklang finden. Unge- 
wöhnlich sind, hier nicht wie sonst seltene, Steinpfeilspitzen (Taf. V), 
das Merkwürdigste aber Thoiigofässe (Taf. VI f.) von der Form einer 
Schüssel oder Kimime, wie sie ähnlich in Castelluccio schon in 
der I. Periode, B. 92 II 2 und IV 16, auch mit protiiheranse ma- 



E. PETERSEN, FUNDE UND FORSCHUNG 281 

mülomri 2U, mit Fiiss 17, ferner in der II. Periode Mon. d. Line. 
Tat". I 4, in III. Periode mit eingezogenem Mimdungsrand vorkom- 
men. Vor allem bemerkenswert!! sind indessen die eingeritzten und 
mit Weiss gefüllten Zeichnungen, weil das Ornament hauptsächlich 
mit Doppellinien gezeichnet ist, und weil es besonders in nacli oben 
oder nach miten gekrümmten fcsloni besteht, beides wie in der II. 
Keramik, wo Orsi auch denselben Namen gebraucht, nur dass 
die Doppellinien dort nicht mit Strichen gefüllt sind ('). Ausser- 
dem giebt es in S. Cono Zickzacks, abwechselnd, in VI 4 nur die 
nach unten, in VI 6 die nach oben gekehrten Dreiecke schraffiert, 
und bei letzterem Gefäss die nach unten gekehrten durch senk- 
rechte Doppellinien halbiert, was an ein Ornamentschema von 
Castelluccio B. 93 VI 9 und 17 (R. M. 98 S. 185 VIII 8) 
erinnern muss. 

Der II. bis III. Periode gehören Nekropolen von Buscemi 
(Syrakus) B. 98, 164 und der I. und II. solche in Chiara- 
monte Gulfi (Syrakus), dem ersten Platz, wo nach Orsi (/?. 98, 
164) die II. Periode auch weiter im Inneren erkannt wird. Die 
Flintmesser und Vasen I. Per. fanden sich daselbst in 6-7 m. langem 
Graben mit Gebein, und auch in Granmichele wird als Neuestes 
eine Nekropole mit Plattengodeckten fosse statt der grotticelle 
(weil der Sandboden letztere nicht gestattet, sagt Orsi) verkündet, 
doch wegen der molti bellissmi bromi arcaicl [fibuloni, col- 
telli ecc.) wohl eher der II. Periode gehörig. Bronzen sind in Si- 
cilien ja überhaupt auch noch in der II. Periode seltener als auf 
dem Festland in den gleichgesetzten Perioden, der ' aeneolithi- 
schen ' und der Bronzezeit. Ja, auf dem Festland tritt das Metall 
schon bei einer Keramik auf, die in Sicilien noch ganz ' neolithisch ' 
heisst. Der Becher von Villafrati R. M. 98 S. 178 VII 6, die ähnlich 
gemusterte Keramik von Stentinello und jetzt die von S. Cono heissen 
neolithisch. Nach Form und Verzierung ähnlich ist aber nicht 
nur die der Dolmen, (vgl. Pigorini B. 84, 225) sondern auch die 
von Colini B. 99, 30 für gleichzeitig erachtete von Ca di Marco, 
B. 98 T. XI, S. Cristina B. 99 II 2-4 III 5 (im Bresciano) 

(1) Z. B. Mon. d. Line. II Taf. I 22 II 14 und VI Taf. IV 2, 10 V 3 
(auch aus I konnte R. M. 98 S. 180 damit Einiges verglichen werden, mit 
S. Cono jetzt auch Castelluccio B. 93 V 6). 



282 E. PETERSEN 

erstere ohne, letztere mit metallischem Geräth (Taf. IV 2 und 6) 
zusammen gefunden. Sollte nicht die E. M. 98 S. 163 betr. des 
in Stentinello fehlenden Metalls geäusserte Reserve dadurch gerecht- 
fertigt werden ? Nicht in Gräbern und, weil ausser Zusammenhang, 
ungewiss, welcher Periode angehörig ('), sind primitive Aexte von 
Kupfer oder Bronze in Sicilien, früher von Pigorini B. 78, 204, 
neuerdings von Orsi B. 98, 162 aus dem Gebiet von Syrakus, 
Catania und Caltanisetta nachgewiesen (-). 

Von grösserer Bedeutung ist die im IX. Bande der Lincei- 
Monumenti(l. punlata) S. 33-116 erfolgte Untersuchung über 
Pantalicaund S. 117-146 über die Nekropole am Cassibile 
(vgl. II. M. 98 S. 153), beide der IL, erstere z. Th. auch der III. 
Periode angehörig. Schöne Pläne veranschaulichen das Gebiet von 
Pantalica mit seinem Kranze von Nekropolen, im Ganzen den gräber- 
reichsten von allen sikelischen. Und hier, wo ringsum die vorausge- 
setzten Hütten der Gemeinen verschwunden sind, ist ziemlich im 
Mittelpuükte, fast an der höchsten Stelle Gemäuer des Herreupalastes 
ein bis zwei Lagen hoch geblieben, das in Zeiten der Byzantiner, die 
auch in den Gräbern und einigen kleineu Kirchen oder Kapellen (s. 
Byzant. Zeitschr. VII 1 ) ihre Spuren hinterlassen haben, ausgeflickt, 
in seiner ursprünglichen Anlage mykenischer Zeit und selbst aus 
dem östlichen Mittelmeergebiet gekommenen Baumeistern zuge- 
schrieben wird. Der sehr einfache Grundriss : eine Reihe von fünf 
Räumen, deren vier kleineren an der NO-Seite noch eine zweite Reihe 
ungleichartiger vorgelegt ist, hat allerdings mit den Palästen von 
Tiryns, Mykene und Ilios keine oder geringe Aehnlichkeit. Ausser 
dem Mauerwerk, das auch nur bei dem aussen c. 10 m. im Qua- 
drat messenden Südgemach einigermaassen einheitlichen Charakter 
hat, ist es vor allem die imvimeiiiazione (^) und der Befund in den 
Räumen, was Orsi diesen, sonst ohne Analogie im sikelischen Kreise 

(') Nur Jass eine {B. 98, 268) mit andern jüngeren Formen und ae& 
rüde zusammen in einer Grube, nicht Grabe, gefunden wurde. 

(2) Vor fälschlich für sicilisch ausgegebenen, in Wahrheit aus Apulien 
stammenden Bronzen warnt Orsi B. 99, 2. 

(3) Das Citat S. 79 ist ausgefallen. Gemeint dürften die Grotten sein, 
welche auch als Wohnungen gedient hatten, wie die bei l'achino, N. 98, 35 
und bei Catania S. 222, obgleich von gestampftem Fussboden daselbst nicht 
die Rede ist. 



FUNDE UND FORSCHUNG 283 

dastehenden Baurest so hoch liinaiifrücken lässt; dazu das negative 
Moment, dass wohl sikelische Scherben der IL Art, aber nichts 
Späteres, von Byzantinischem abgesehen, sich darin finde. Diese 
Beweisführung ist in mehr als einer Hinsicht anfeclitbar. Das ;;«- 
vimento, nach Sp. 78 di un battume di eeiiere, imrjUa, trilumi 
ßllüi e di ossa colle dal fuoco, wird Sp. 79 von fofjgla aati- 
chissima genannt ; aber Sp. 84 sind die traccie di uti gran foco- 
lare, der vermeintlichen i(Sxiu des iibyaqn\\ gefunden in i carboni, 
le ceneri, le ossa coLle scomposte dal cuniulo primlUvo, pareg- 
giale, disperse e ridolte a batlido di pavimenlo dai tardi Bizan- 
tini. Wenn aber Byzantiner Asche und Knochenreste zum Fuss- 
boden gestampft haben, woran woll man denn sehen, ob Asche und 
Knochen von sikelischem vielmehr als von byzantinischem Feuer und 
Mahlzeiten herstammen. Orsi nimmt ja Sp. 79 f. selber, an dass 
die Byzantiner, die den Bau von Grund aus herstellten und mit Zie- 
geldach versahen, die Räume auch ausgekehrt haben : wie wird man 
also jene Reste den früheren eher als den letzten Bewohnern zu- 
theilen ? Grade im Hauptgemach ein verhärteter Haufe von Asche 
und Kohlen, der eine Fläche von mehr als 2 X 2 m. deckte, darin 
Fragmente von fünf Gussformen, dazu andre, mit zum Einschmelzen 
zerhackten Bronzewerkzeugen, draussen an der Mauer mit vielen 
sikelischen Scherben gefunden, veranlassen Orsi, hier im {.ibyaqov 
eine Erzgiesserei vorauszusetzen und solche Kunstübung als fürst- 
liche Frerosrative anzusehen. Wie viel natürlicher ist es aber, hier 
die Spuren der letzten Bewohner, der Byzantiner zu finden, von 
denen ja Orsi selbst nachgewiesen, dass sie die sikelischen Gräber 
heimgesucht und ausgeraubt haben. Wie sollten sie also nicht 
sowohl das Metallgeräth als auch die stattliche Thonwaare von 
da sich geholt und zu eigenem Gebrauch verwandt oder umge- 
schmolzen haben? Damit soll über die ursprünglichen Baumeister 
des ' Palastes ' nicht abgesprochen sein. 

Classischer Zeit, etwa des älteren Dionysios, theilt Orsi eine 
Befestigung des einzigen Zugangs zur Hochfläche von Pantalica zu, 
mit Mauer und Graben davor. Von deren Bauweise, in regulären 
Läufer- und Biuderschichten, ist das Gemäuer der Palastes zu ver- 
schieden, um nicht bedeutend älterer Zeit zugeschrieben worden zu 
können. Ihn aus mykenischer Zeit zu glauben scheinen die an- 
geführten Gründe nicht genügend. 



284 



E. PETERSEN 



Die Grabgrotten sind sowohl in Pantalica wie am Cassibile 
vorwiegend elliptischen oder halbkreis- oder trapezfömigen Grund- 
risses, doch häutig auch regelmässiger, rechteckiger Form. Die 
Nischen, die sonst bekanntlich in der IL Periode häutiger zu 
werden pflegen (doch s. ß. M. 98, 171) fehlen hier, aber wo um 
einen grosses Centralgemach sich eine Anzahl kleiner Gellen legen, 
wie im Grab 56 der NW-Nekropole, da scheinen die Nischen wie 
zu Gellen ausgeweitet. Häutiger freilich liegen die Gellen, wo in 
grösserer Zahl beisaumien, eine am Ende, die andern zu beiden Seiten 





Fig. 1. 



des Mittelganges, von welchem Seitengänge zu jenen sich abzweigen. 
Die Thüren — in Gassibile ist eine mit füntfacher Umrahmung — 
sind mit viel Bemühen verrammelt. 

Die Zahl der in den einzelnen Gellen Beigesetzten ist nicht 
gross, am häufigsten ist es nur einer, über fünf finden sich ganz 
selten. Hockend beigesetzt, wie zum Mahle, sind noch viele, mehr 
aber liegend, meist mit gebogenen Beinen, seltener auch Armen. 

Von den Beigaben sei ein wenig Goldschmuck nur der Sel- 
tenheit wegen erwähnt (Fa. Nord Gr. 37 Gass. 64) ; als etwas Neues 
einige Bonzescheiben von Spiegeln, in NW. Grab 23, N, 3 und 37 
gefunden, leider ohne Gritf ; der Taf. VIII 14 abgebildete war je- 
denfalls am Ansatz breit genug für dreifache Nietung. Von Metall 



FUNDE UND FORSCHUNG 



285 



sind das Wichtigste die Fibeln und Messer. Jene mit flacliera oder 
gebogenem Bügel, der ganz oder zwischen zwei Knoten mit ver- 
schiedenen feiu gravierten Zickzackmotiven verziert ist oder gedreht; 
Schlangenlibeln noch einfacher Form sind in Pai.italica seltener 
(nur in Filiporto und Cavetta), häufiger in Cassibile. Wichtiger 
noch scheinen mir die Messer, meist nur die Klingen, wenige mit 
erhaltenem Griff aus Knochen oder Elfenbein, in Gestalt von Hals 
und Kopf eines Pferdes, nicht einer Ente ('), Taf. VII 9 15 (18); 
vereinzelt VII 17 mit umgehämraerten Rändern des oberen Endes 
zur Einfügung der Griffverkleidung. Die Klingen, meist winzig 
klein, sind 1) blattförmig grad, natürlich zweischneidig aber spitz, 
2) einschneidig geschweiften Umrisses, 3) zweischneidig, z. T. gleich- 





falls geschweiften Umrisses, aber vorn nicht spitz sondern breit, 
meist mit einem Ausschnitt, der breit und eckig oder schmal und 
rund ist. 

Das sind ' Rasiermesser ', die ja auch schon in Finocchito ge- 
funden waren und von Orsi richtig mit den norditalischen rasoi ver- 
glichen wurden. Besser als in den R. M. 98 S. 161, 1 lässt sich jetzt 
ein weitreichender Zusammenhang an diesen Messerchen nachwei- 
sen, von denen Orsi eines, vielleicht das wichtigste, verkannt hat (-). 



(1) Vj:^!. den Pferdekopf-Griif eines praehistorischen Messers Mortillet 
Mus. prSh. 1194. und J. Mestorf, Vorgesch. Alt. aus Sclilesw.-Holst. 247; 
Entenkopf (?) dagec^en 251. 

(2) 1 Orsi, Cass. Sp. 125, ähnlich Sp. 133; « ebda Sp. 127, ähnlicli von 
Pantalica Taf. VIII 5; » ebda Sp. IHS; 4 Tigorini />'. 94 T. I 1; 5 ebda 3; 
€; ebdaG; 7 Mortillet ß/usre prehist. 1195. 7=» ^ />,-/;// fp«? «'q^. 1895 Taf. 10, 14; 
N Hampel, Alterthümer der Bronzezeit in Uno;arn XVII 7; ^' 'Ecftjustng (Iq/. 



286 E. PETERSEN 

Hatte Pis^orini in einer lehrreichen Studie B. 94 S. f. das 
bekannte rasoio lunalo der ersten Eisenzeit, durch Halbierung des 
älteren brouzezeitlichen zweischneidigen Kasirmessers der Terremare 
entstanden gedacht, so zeigt uns jetzt das zweischneidige von Cas- 
sibile, unsere Fig. 2, mit dem einschneidigen, Fig. 1, verglichen, 
aufs Neue, was schon Gozzadini, Arnoaldi-Veli S. 62 aussprach, 
dass vielmehr das zweischneidige nur eine Doppelung des einschnei- 
digen ist. Das verräth besonders der obere Einschnitt, den auch 
alle andern Doppelmesser von Pantalica auf Taf. VIII haben, ausser 1. 
Ist jener Typus des Doppelmessers mit eingezogener Schneiden- 
krümmung nur hier in Sicilien gefunden, so ist dagegen das entspre- 
chende einschneidige eine vom aegeischen Culturkreis im Südosten 
nach dem Nordwesten verbreitete Form('), 

In Cassibile hat sich aber auch ein anderer Typus des Doppel- 
messers gefunden, den Orsi Sp. 185 abbildet (unsere Fig. 3), aber 
das ciiriosissimo oggetto für einen Löffel hält, wogegen grade die 
drei Einschnitte sprechen, die, zusammen mit den mar^gini taglienti, 
eben das Doppelmesser erkennen lassen, ungeachtet es, durch Ver- 
biegung natürlich, un po' cava war; fast idenstich, nm* kleiner 
(reichlich 70 mm. lang statt, wie jenes, 125), ist ein in England 
gefundenes, unsere Fig. 9, bei dem nur die unteren Einschnitte 
verschwunden sind; und vielleicht hatten auch Fig. 269,271,273 
bei Evans, äge de bronse denselben gerundeten Umriss, sowie auch 
ein in Brabant gefundenes bei Undset, XXVII 3 S. 289 ("-) ; alle 
haben jedenfalls die scharfe Theilung vorn, während die spitzen 
Winkel hinten, neben dem Griff, fast zu rechten geworden sind, am 
wenigsten bei 274 = Fig. 10. Alle ausser 273 haben in der Mittel- 
axe, unfern des vorderen Einschnitts, ein Löchlein, und dieses, das 



88 T. 9, 18; 9 J. Evans Afie de bronse S. 23G, 270; 10 ebda fig.274; 11 Mor- 
lillet J/. pr. 1187; 1« Hampel XVII 2. 

(') Im mykenischcn Troja: Schliemanii, Ilios S. 565 f.; im vormykonischcn 
S. 284 ; in Mykone, Myci'nes S. 143; aus Norditalien Montelius civ. prim. I 2, 7 ; 
5, 11 f. '.]'.], 1-3 u. s. w. ; aus der Schweiz und Frankreich MorüWct Mus. pr^h. 
T. LXXIX; aus Norddeutschland Undset, Das erste Auftr. d. Eisens, Taf. IV^ 4, 
X 7 XXV 3, 4 13, 14. 

(2) Ob solche Messer wie Evans S. 235 Fit,'. 267 f. von diesem Doppel- 
messer oder der alten blattförmif^'en Klinf^^e abzuleiten sind, kann man zwei- 
feln ; doch scheint das Ornament in der Mitte für ersteres zu sprechen. 



FUNDE i;ND FORSCHUNG 287 

wir in dieser Reihe schon immer kleiner werden, in 273 und ebenso 
in jenem Cassil)ilemesser ganz verschwunden sehn, ist zu jenen 
Einschnitten ein weiteres Ueberbleibsel des die zwei zum Doppel- 
messer verbundenen Klingen trennenden Zwischenraumes. Dieses 
Loch aber ist nach der mehr giaden oder mehr gekrümmten Gestalt 
der vereinten Klingen bald mehr eckig bald mehr gerundet, und 
der Zwischenraum zwischen den beiden Klingen ist anfangs gross, 
indem nur oben und unten eine je quer oder überkreuz gelegte 
Verbindung angebracht wird('). In sichtlichem Streben nach Zier- 
lichkeit, vielleicht zugleich aus Gründen der Gusstechnik wird die- 
ser Zwischenraum aber häufig mit Gitterwerk ausgefüllt, das zwi- 
schen gerundeten Klingen selbst rundlinig ist, zwischen graden grad- 
Vum. Häufig aber findet sich auch ohne solche Füllung das Loch, 
wenn auch bereits stark verkleinert, doch noch durch mehr kreis- 
förmige oder mehr langgezogene Rundung die mehr oder weniger 
gekrümmte Form der einzelnen Klingen in Erinnerung bringend. 
Solche Einzelklingen, wegen ihrer geringen Grösse und ihrer 
Leichtigkeit ebenfalls für Rasiermesser ausgegeben, sind in Mykene 
sowohl von gekrümmter wie von grader Form gefunden {-), ge- 
krümmte mit breitem Ende auch im Norden, auf der cimbrischen 
Halbinsel (3), und deren alte Herkunft wird durch die ebenda und 
sonst gefundenen graden mit dem drahtartig dünnen zurückgebo- 
geuen und aufgerollten Griff erwiesen. Die krummen mit überall 
breiter Schneide, ganz entsprechend jenen Doppelmessern wie Fig. 11, 
sind aus Norddeutschland Dänemark und weiter bezeugt (''), ohne 

(1) Man vergleiche Harapel, Alterthümer der Bronzezeit in Ungarn 
Taf. XVII 4 mit 2. Das ebenda 5 abgebildete ist, wie das S. 239 bei Evans 
a. 0. aus der Schweiz beigebrachte, wie vielleicht das von Orsi aus Vadena 
La necrop. di V. T. VIII 5 mit S. 84 f.), nicht aus dem unten zu besprechenden 
Typus abzuleiten, sondern dadurch entstanden, dass Loch und Einschnitt zu 
einer einzigen grossen Einbuchtung geworden sind. 

(2) Vgl. 'EcprjfiSQi? cIqx. 1888 T. 9, 18 (unsere Figur S") und 17 ähnlich 
unserer 'i'^. 

(3) J. Mestorf, Vorgesch. Alterth. aus Schleswig-Holstein 251 und 247. 
Undset, X 4, 8, XIX 1, XXII 7, XXVII 4, XXVIIl 16, XXX Ty. 

(4) Bei Undset, XXV 5, XXVI, S. 379, 55; 399, 102; 475, 1G8. Das letzte, 
fast ein Dreiviertelkreis mit rundem fast geschlossenem Loch darf man ver- 
gleichen mit Garrucci's Beschreibung eines a]iulischen Älessers {Ann. d. Inst. 
1868 S. 57) angeführt von Gozzadini Arn.-Veli S. 58, 5 della fiijura di mezzo 



288 E. PETERSEN 

Griff, oder mit Nietloch an einem Ende, oder mit einem Ringgriff in 
der Mitte des Rückenrundes, zu welchem mittleren sich wohl noch 
zwei seitliche Ringe gesellen ('). Auch in der Form eines halben 
oder nur Drittelkreises mit (oder ohne) Rest der Rückenrunduug und 
spitzigen Enden giebt es diese Messar, und solcher Gestalt ist 
eines mit Ringgrilf an einem Ende bei Mortillet 1179, in einem 
Schweizer Pfahlbau gefundeo. Mit längerem Griff, der in einem 
Ring mit einer oder zwei Spitzen oder einer Volute endet, fanden 
sie sich in Oberitalien imd im Norden (-). Von diesen stehen manche 
dem ramio lunaio der Villanovazeit so nahe, dass dieses nicht 
anderswoher abgeleitet werden kann. 

Aus der Verdoppelung jener mehr graden Klingen hat sich 
aber noch eine andere Form des zweischneidigen ' Rasiermessers ' 
ergeben, indem Loch imd Einschnitt, welche durch die Verbindung 
zweier Klingen entstanden waren, beide schwinden, und so ein im- 
gefähr rechteckiges Blatt übrig bleibt, das zuletzt kaum an jenen 
Ursprung erinnern würde, wenn nicht die Uebergangsformen vor- 
handen wären. Schon an Terremaremessern sieht man diese Ent- 
wicklung beginnen. So hat ein Messer bei Montelius I Taf. 23, 7 
ziemlicb viereckigen Umriss, aber noch gegittertes Loch und tiefen 
Einschnitt vorn; ebenda 10 aber nur kleines Loch und flachen 
Einschnitt, und noch näher kommen vielleicht die nicht vollstän- 
digen Gussformen 7 und 12. Aber auch das ganz viereckige Blatt 
erscheint bereits im Pfahlbau am Gardasee: ein Exemplar von mehre- 
ren bildet Pigorini 1 6 (unsere Figur 6) ab, wo das in die Form 
mit mehrzinkiger Gabel eingerissene, also mitgegossene Ornament 



dhco con foro nel mczzo della lamina per inscrirvi il dito pollice neW ado- 
perarlo : la parte afßlata e tagliente e su tutta la linea curva ; la costa d 
(diu base. 

(1) Vgl. Mortillet Mus. pröh. 1183, 1184, 1185, dessen Sclineide erst 
durch den Gebrauch gerade geworden zu sein scheint. In letzterem und ähn- 
lichen menschliche und Thierfiguren zu erkennen mit llürncs, Urgeschichte der 
bild. Kunst S. 446, ist mir nicht möglich, so sehr sein Gedanke anderswo 
zutrefTend ist. 

(2) Pigorini I, 11; Montelius civil, prim. I 34, 17 und 41, 2; aus Ungarn 
bei Hamixl a. 0. XVII. 1 ; Undset a. 0. IV 4, X 8, XII 2 (an eine andre Form 
erinnernd) XXII 13, XXV 3, 4, 13,14; S. 400, 103 f.; 402, 202; 49,3, 204. 



Fl'NDK LNO FORSCHL'NG 289 

als Ersatz der Gitterung anzusehen sein dürfte, wie auch der Ein- 
schnitt, wenn auch klein und flach, noch vorhanden ist. 

Beides, Loch and Ein- oder Ausschnitt, zusammen hat von 
mir bekannten Rasiermessern dieses Typus nur eines aus Campa- 
nien im Berliner Museum und die drei von Finochito, wenn sie alle 
so gestaltet waren, wie das eine von Orsi ergänzt ist, dieses sogar 
mit drei Löchlein in der Mittelaxe (')• Nur ein Loch (keinen Aus- 
schnitt) haben eines von Vadena ('), eines von ' Rom " bei Mortillet, 
Mus.pre/ust. 1193, eines von Corneto im Museo civico n. 309, dessen 
Griff vielleicht mit einem ausgebrochenen Stück verloren ging; 
ferner neben dem Mittelloch jederseits noch ein Punktloch hat ein 
solches Messer von Ascoli Piceno (■^) ; ein zweites ebenda hat nur 
Kreisornamente mit durchbohrtem Centrum : ein mittleres mit drei 
andern daneben und darüber oder besser darunter. Denn dass diese 
Messerchen, wie Kämme ('*) und andre kleine für die Körperpflege 
gebrauchte Geräthe hängend an Halsband oder Fibel getragen wur- 
den, also der Griff — nicht zwecklos so oft mit einem Ringe endend — 
oben, und die vorher als vordere bezeichnete Seite unten ist, das 
zeigt uns jenes Berliner Exemplar, wenn es doch wohl an der Fi- 
belnadel hangend gefunden wurde : das zeigt ferner ein drittes im 
Museum von Ascoli von mir notiertes Messer dieses Typus, das 
merkwürdigste von allen. Auch hier nimmt die Stelle des Lochs 
ein Radornament, oder Kreis mit eingezeichnetem Kreuz und durch- 
bohrtem Centrum ein; dazu, gleichfalls fein graviert, ein Mäander 
am Rande, der eben als unterer zu bezeichnen ist, weil darüber, 
jederseits gegen das Radornament gekehrt, zwei streng geometrisch 

(») Vgl. über diese und das Campanische R. M. 98 S. 169. 

(2) Orsi, La necrop. ital. di Vadena VIII 1 , danach Pigorini S. 9. 

(i) G. Gabrielli, II palazzo comun. di Ascoli P. p. 16 bildet dies erste, 
von den Hügeln des Tronto, und das zweite, von Castel Trosino ab, erwähnt 
das dritte nicht. 

(*) Z. B. Montelius Civil, prim. 1. Taf. 8, 14. 17. 19. 24. Einen ganz 
ähnlichen Kamm hat die langhalsige Thonfigur in den Monum. Piot l Taf. III 
(danach B. 97 S. 85) am Halsband hängen. Einen zum Anhängen bestimm- 
ten Kamm von ähnlicher Furm, wie die viereckigen Rasiermesser, nur mit 
Ringgriflf ohne längeren Stil hat das Museum von Ascoli. Einen zweiten ebda 
mit "schräger Zahnreihe würde ich aus einem Rasiermesser hergestellt glau- 
ben, (wegen längeren Stiles), wenn die oberen Ecken abgerundet wären wie 
.bei den drei wirklichen Messern daselbst. 

20 



290 E. PETERSEN 

gezeichnete Wasservögel stehn. Höher noch je ein Kreuzoruament. 
lind das dreieckige Blech, mit welchem der Griif befestigt ist, zeigt 
sich mit Wolfszähnen umsäumt, alles fein in geometrischem Stil 
eingraviert wie auf cinturoni, Fibelfussscheiben der ersten und 
folgenden Eisenzeit. 

Das Loch ohne Ausschnitt hat ferner ein solches Messer von 
Alfedena ; eines von Tolentino dagegen nur ein Kreislein zwischen 
vier andern gegen die Ecken gestellten. Eines von Suessula (Pigo- 
rini I 10) hat zwei Löcher nebeneinander, kaum zur Befestigung 
eines Griffes ; ein Loch dagegen eines von Capua. während ein zweites 
ebenda (s. R. M. 98 S. 161, 1 nur vorn den Ausschnitt hat ('); ein 
drittes weder Loch noch Ausschnitt, so wie eines von Castelmez- 
zano (N. 96 S. 186). Auch im Norden wurden sie gefunden, eines 
unweit Kamenz (Undset XXV 2), eines in Mecklenburg (ebenda 
XIX 2) mit dem Gusszapfen, also dort gegossen. 

Genug, das erste Zweischneidenmesser von Gassibile Fig. 1. 
einer Culturschicht angehörig, in welcher mykenische Beziehungen 
nicht selten sind, zeigt eine Klingenform verdoppelt, die vom vor- 
mykenischen Troja, mehr oder weniger inoditiciert, nach Westen 
südlich und nördlich von den Alpen verbreitet ist; das zweite 
Doppelraesser von Gassibile, Fig. 3 findet seine nächsten Verwandten 
in England und Holland und giebt eine Doppelung von Klingen, 
wie sie in Mykene und zwischen Nord- und Ostsee gefunden wurden ; 
der allmählich zum Viereck werdende Typus findet sich vom sici- 
lischen Finochito durch ganz Italien bis in die Alpen und auch 
nördlich von diesen und ist, gleich den andern Doppelmessern von 
Pantalica, nur ein Abkömmling der in Terremare, in Ungarn wie 
im Nordwesten Europas gefundenen Doppelung, die inmitten an 
dem mit Gitterung gefüllten oder leei-en, dann zusammenschrumpfen- 
den, zuletzt verschwindenden Loch, vorn an dem erst tiefen dann 
fiachen, zuletzt gleichfalls verschwindenden Ausschnitt, endlich an 
den erst tiefer, später weniger einschneidenden Winkeln neben dem 
Griff die Vereinigung zweier Messer am deutlichsten erkennen lässt. 
Zusammengenommen, macht dieses die Herkunft unserer Messer aus 
dem Südosten, wie sie schon Orsi B. 97 S. 196 aussprach, in hohem 

(1) So auch ein ungarisches bei Hampel XVII 8, das aber durch den 
weiten Ausschnitt und die spitzeren Winkel am Griff alterthümlicher ist. 



FINDE IND FORSCH L>G "2^1 

Grade wahi-scheinlich, uad die Deutung, die ich 5. 97 S, 81 (1 Mitte 
UQd 3) zwei Piktogrammen von Inäelsteinen gegeben, erheblich be- 
gründeter, seitdem das Vorkommen der Zweischneidenmesser in Si- 
cilien, eben im Bereich mykenischer Verbindungen erhärtet ist. Das 
erste jener beiden Piktogramme würde zu den gradschneidigeu ge- 
hören und durch die Gitteruug den Terremaremessern nahekommen. 
Haben letztere gewöhnlich die stärkere Verbindung zwischen den 
zwei Schneiden am Griff, nicht vorn, und hier nicht eine den Aus- 
schnitt theilende Mittelzunge, so könnte letzteres doch auch bei 
einem von Montelius civil, irrim. I 23, 10 abgebildeten der Fall 
gewesen sein, und in der andern Hinsicht wäre ebenda die Guss- 
form 11 zu vergleichen. Das zweite Piktogramm würde durch un- 
sere Figg. 11, 12 und die dazu verglichenen Formen bestätigt 
werden. Aber ich bestreite natürlich keineswegs, dass wir das Dop- 
pelmesser selbst aus jenen Gegenden damit noch nicht haben. — 
Die Orientation und Limitation (') der Terramarestationen, 
welche in so merkwürdiger Weise an zwei Beispielen : C a s t e 1 - 
lazzo di Fontanellato und Rover e di Caorso (hier mit 
F bezeichnet) constatiert waren, haben weitere Bestätigung erhalten 
durch die im neunten Jahre endlich abschliessende Ausgrabung der 
erstgenannten B. 97, 56 mit Taf. IV und durch zwei weitere Bei- 
spiele im Piacentino, Montata dell'Orto (hier 31), und bei 
Carpi diejenige della Savana (hier S). lieber die erstere liegt 
ein von einer Anzahl von Offizieren und andern Notabein unter- 
zeichnetes Protokoll vor {B. 98, 296), über letztere ein Bericht 
in .V. 99, 312, endlich ein kürzerer B. 98, 302 über die Ter- 
ramare von Cebena (Modena, hier C). Ich fasse kurz die den 
Stationen F 31 S (z. Th. auch für C lezeugt) gemeinsamen Züge zu- 
sammen, die, wie bei 31 besonders hervorgehoben wird, bei auf einem 
Hügel angelegten Stationen (M) dieselben wie bei in der Ebene ge- 
legeneu (F) seien : trapezförmiger Grundriss. die Langseiten gegen 
Ost u. West (mit etwas Abweichung nach S u. N) orientiert, aussen 
ein Graben, an diesem innen ein Damm, lehn nach aussen gegen 
den Graben, innen senkrecht durch Pfahlwerk abgestützt. In ent- 
gegengesetzter V/eise wie der Serviuswall angelegt, welcher ja 
innen den agger, aussen am Graben die senkrechte Steinmauer hatte. 

(1) Vgl. K. M. 96, 260; 95, 75. 



292 E. PETERSEN 

rauss der Damm der Terramare nicht gegen Menschen sondern gegen 
üeberschwemmung gedient haben. Bei S ist zwischen Damm und 
Pfahlwerk der Länge nach eine erste Markierung durch ein mit 
Kieseln, Thonscherben und Erde gefülltes Gräbchen. das man mit 
Kecht einen solco augurale zu nennen scheint, beobachtet. In der 
Mitte der Ostseite liegt ein aufgehöhter abgesonderter Bezirk, den 
man früher als tem^üum, jetzt als arx zu bezeichnen liebt. Dieser 
Bezirk ist selber wieder von Graben (er fehlt M und, wie S. 299, 8 
bemerkt wird, auch in der Tm. Colombare di Bersano) und 
Wall umgeben, so dass an seiner Ostseite zweimal Graben und Wall 
aufeinanderfolgen würden ; er reicht westlich bis an den nordsüd- 
lichen Mittelweg der Uazione, den cardo und wird in seiner Mitte 
von dem ostwestlichen Mittelweg, dem decitmanm geschnitten, wel- 
cher in der arx durch einen Graben markiert ist. In dessen Sohle 
waren fünf Gruben possetti (F M) von 5,0 X 2,50 m. Ausdehnung 
und 1,60 Tiefe ausgehoben und mit ähnlichem Gemisch wie jener 
solco augurale, dazu auch gespaltenen Thierknochen und Flint- 
steinsplittern gefüllt und in M einst mit Brettern gedeckt. An 
den Ausgängen der beiden Mittelwege war der äussere Graben, nur 
an der arx der innere überbrückt. Dem cardo maximus lief (F) 
jederseits ein minor, dem decumanus max. je zwei minores paral- 
lel ('), alle diese Wege aus Lehm gebildete Dämme, welche durch 
senkrecht eingerammte und qiierverbundene Pfähle zusammenge- 
halten waren. Durch besondere Beschaffenheit des Erdreichs ist in 
F an einer Stelle dies Pfahlwerk erhalten, auf S. 63 photogra- 
phisch abgebildet. Zwischen diesen sich kreuzenden Dämmen lagen 
wie hacini die isole mit den Pfahlhütten, alle Inseln gleich gross, 
ausgenommen die nördlich an der schrägen Linie des Trapezes gele- 
genen. Die Maasse der Gräber, Dämme, Wege, der Pfahlabstände 
in letzteren, der Brücken lassen ein Grundmaass von 0,30 m. also 
fast identisch mit dem römischen Fuss von 0,296 m. erkennen. In S 
haben die Bewohner, statt durch die Klappe unter die Hütte, viel- 
mehr rundherum den Abfall geworfen. Gleichwohl soll hier eine 
dreimalige Höherlegung der Hütten stattgefunden haben. Die foco- 
lari, der Bewurf des Flechtwerks mit Lehm, die Funde von Thon- 



(') In kleineren Ansiedelungen, wie Bell and a (Mantua), Rovere di 
Caorso waren nur die zwei Hauptwege. 



FUNDE I'M) FORSCHUNG 29ö 

uud (wenigen) Bronzesachen in 8 sind nichts Neues ; dass aber diese 
Terramare bis in römische Zeit bewohnt gewesen, würde ein No- 
vum sein. Es wird gefolgert daraus, dass römische -Riegel unten 
im Graben gefunden Avurden. Aber es scheint nichts gefunden 
zu sein was der langen Zwischenzeit vom 9. bis 3. Jhdt. v. C. 
angehören könnte (^). 

Von einschneidender Bedeutung ist eine Entdeckung Quagliatis 
am mare piccolo von Taren t, über die gedruckt nur erst eine 
kurze aus der Zeitung geschöpfte Notiz im B. 99, 202 vorliegt; 
und persönlichen Mittheilungen gegenüber, die Quagliati selber 
zu machen die Güte hatte, ziemt sich Zurückhaltung. Genug dass, 
während bis dahin die ' Italiker als terramaricoli nicht weiter 
südlich als in der PJmilia angetroffen waren und deshalb eist in 
einem späteren Stadium ihrer Entwickelung den Apennin über- 
schritten haben sollten, nunmehr in Pfahlbauten und Thonware 
mit den charakteristischen aiisc coriiute, auch Bronzen eben jene 
frühere Zeit soweit südlich sich vor uns aufzuthun beginnt. Von 
ganz besonderer Wichtigkeit ist aber noch die fernere Beobachtung 
Quagliatis, dass mykenische Scherben, wie mir bei flüchtiger Be- 
sichtigung schien, ähnlicher Art wie die von Orsi in Sicilien gefun- 
denen, sich mit unverkennbar ' protokorinthischen ' Scherben zu- 
sammen (?) in einer höheren Schicht, nicht unerheblich über den 
Pfahlbauresten gefunden haben. Die weitere Verfolgung dieses nach 
verschiedenen Seiten hin Aufklärung versprechenden Fundes wird 
man sich vom Eifer und Geschick Quagliatis und anderer zuge- 
zogener Forscher versprechen dürfen. 

Darf man auch noch nicht sagen, dass damit der Contakt 
nicht nur des Sikelischen einer- und der Terremare andrerseits 
mit wenigstens Spätmvkenischem, sondern auch jener zwei Sphären 
miteinander gegeben sei, so berühren doch beide einen und den- 
selben Punkt. Auch entspricht die zeitliche Aufeinanderfolge im 
Allgemeinen der herrschenden Ansicht, nur dass das Mykenische 
hier allem Anschein nach erheblich jünger sein muss, als es in 
Orsis Berechnungen angesetzt war, gegen welche schon oben 



(>) Ein andres Beispiel solcher Contitiuität. bis ins Mittelalter soear, fin- 
det Brizio beim Monte Oastollaccio (Imolal .V. 97. öl. 



291 E. PETERSEN 

S. 172 ein Zweifel geäussert wurde ('). Zwischen die ältere und 
die jüngere jener am mare piccolo auftretenden Phasen fügt sich 
nun jener in nächster Nähe in Tarent selbst gemachte Vasenfund 
(oben S. 186), und die von verschiedenen Seiten behauptete Ver- 
wandtschaft dieser Vasen mit der Villanovakeramik gewinnt erheb- 
lich an Halt. 

Sind doch auch in Cumae eben von Patroni (nach dem Vor- 
o-ano' von Stevens (-)) B. 99, 183 mit richtigem Urtheil aus der 
Zahl der griechischen Vasen eine Anzahl solcher von primitivem 
Aussehen ausgeschieden, welche nach der B. 99, 186 gegebenen 
Charakteristik technisch wesentlich auf derselben Stufe, wenn nicht 
noch etwas niedriger stehen wie die Villanovakeramik. Nament- 
lich finden die Hauptformen daselbst Fig. 2 (3) aber auch 3-6 
und 9 in jenen Tarentiner Vasen Parallelen und zwar nicht nur 
in den feineren, bemalten sondern auch in den braunschAvarzen, mit 
welchen die Cumaner Vasen auch den primitiven Schmuck der War- 
zen sporgense mamillari gemein haben. 

Wie in Tarent haben auch hier einige Gefässe die Gestalt 
der Villanovaurue (^). Dass sie viel kleiner sind und nicht einen 
horizontalen sondern einen vertikalen Henkel haben, kann nicht 
gegen die Verwandtschft beweisen, denn auch in Bologna (S. Fran- 
cesco und Arnoaldi) an Stellen, wo der Zusammenhang mit ' Vil- 
lanova ' feststeht, findet sich ähnliche AbAvandelung des Typus. 
Dazu kommt in Cuma die schon in Terremare gebräuchliche Tas- 
senform Fig. 7, 8, einmal 10 sogar mit zwei Hörnchen auf dem 
Henkel. Dazu das mit mehr zinkiger Gahelistrumento a denti 

(1) Solchen scheint auch Karo in seiner eintjehenden Widerlegung des 
Monteliusschen chronologischen Schemas (s. oben 98 S. 151, 1) B 99 S. 144 f. 
auszusprechen. 

(*) Dessen bisher leider allzu sehr verborgen gehaltene Sammlung ist, 
nach a. a. 0. Mitgetheiltem so in Unordnung gerathen, dass eine Scheidung 
der Funde auch mittels sehr genauer Fundnotizen, deren Vorhandensein kaum 
wahrscheinlich, schwer möglich sein dürfte. 

(3j Noch näher kommt der Tarentiner Form (s. Patroni. La ceramica 
ant. nelVIt. merid. S. 6 F. 1) ein Gefäss in Suessula, der Sammlung Spinelli. 

(^) Patroni hat das hervorgehoben. Man kann ihm gern einräumen dass 
es in Unteritalien keine genuina tradizione vülanoviana gebe, weil die inci- 
nerazione und damit der uso veramente rituale fehle. Dass aber eine Tra- 
dition vorhanden, ist gewiss, wie mächtig, das ist noch zu erforschen. 



KL'NDE IND I•'0RSCH1•^G 2!'.") 

eingeritzte Dreiecks- (Zickzack) und Vierecksornament (primitiver 
Mäander, auch Hakenkrenz). Audi sind ja, wieder von Patroni, 
kürzlich (') sowohl in Neapel, aus Cumae stammend, wie in Capua 
Gefässe nachgewiesen, die der Villanovaurne auch in der Grösse 
und Henkelforni noch viel näher stehen. 

Grössere Aehnlichkeit noch als mit den Vasen von Tarent ha- 
ben die primitiven Cumaner mit solchen der frühen Fossagräber 
von Narce. wo dieselben Formen, sogar die Tasse mit quergetheil- 
tem, oben mit Hörnchen besetztem Henkel sich findet, wo auch die 
von Killen umkreisten Warzen und geometrisches Dreiecks- und 
Vierecksornameut, und die Buckeln unter der Tasse den borchie 
entsprechen, um deren willen Ghirardini la situla II Sp. 91 ff. (vgl. 
besonders Fig. 23 und 24 ff. mehrere jener Vasen von Narce mit 
norditalischen zusammenstellt. 

Ausser der Urne vom Villanovatypus waren aber im Museum 
von Capua, das ja auch jene hochalten Rasiermesser besitzt, noch 
andre Vasen gleicher Technik, Ornamentik und z. Th. auch Form zu 
nennen : ein riesiger Skyphos, eine winzige Amphora, eine gedrückter 
herzförmiger Krug mit niedrigem dickem Hals, eine andre mit lan- 
gem weitem Hals und bandartigem Henkel. Der schwärzliche im- 
imüo üalico, das mit sechszinkiger Gabel eingerissene oder schnur- 
artig eingepresste Zickzack- und Mäanderornament, die an den 
Spitzen von Wolfszähnen eingepressten concentrischen Kreislein au 
diesen Gefässen sind lauter Züge älterer oder jüngerer Villanova- 
keramik. Hier ist nun auch der oben S. 185 erwähnte, S. 186, 
Fig. 4 a-c skizzierte kleine Askos zu nennen, der mit seiner 
Mäanderverzerrung an die Villanovaornamentik (-) erinnerte, wie 
mit seinen gekreuzten Haken an sikelische Motive der I. Periode. 

In Suessula, wo Patroni ähnliche Gefässe wie die von Cuma 
und Capua bemerkte, gab es (vgl. oben S. 184) auch jene beson- 
ders Nordapulien, z. B. Canosa eigenen Gefässe, die in so eigen- 
thümlicher AVeise breit- und feinstrichiges Ornament verbinden, 
und unter letzterem namentlich jene Dreiecksmäander, die nur viel 
grösser ('0, eine so eigenthümliche Erscheinung der Villanovake- 

(1) Notizie 96, 531. 

(2) Beabsichtio-t war \v<i]il das von Boehlau a. unten a. C. Beilage 8 
oder 18 abgebildete Schema. 

(3) Die ungemeine Grösse der (•rnanu-ntscliemata ist die Folge der melir- 
stri'diigen Zeichnuuir. 



296 E. PETERSEN 

ramik sind, diesseits wie jenseits des Gebirgs gebräuchlich, und 
zwar augenscheinlich, nachdem einfache Dreiecksmotive, wie Wolfs- 
zähne und Zickzacks, schon auf Terremarekeramik gebraucht waren, 
neu hervorgerufen durch Anwendung des an Mäander und Haken- 
kreuz geübten Linienzugs auf das Dreiecksornament. 

Vereinzelt wie jene Vasen der Villanovaspecies in Campanien, 
sind ferner zwei der eben genannten apulischen Gattung im Norden, 
nicht etwa wie einige in den Museen von Bologna und Florenz als 
Proben aufgestellte, neuerdings dahin geschaffte Vasen, sondern 
unlängst bei sorgfältig überwachten und beschriebenen Ausgrabun- 
o-en orefundene. Es sind zwei Gefässe aus den Gräbern 81 und 50 
von Novilara, unweit Pesaro, abgebildet und besprochen von Brizio 
Mon. Line. V Sp. 297 f. Für das erste, einen birnförmigen Krug 
hatten schon Orsi und Brizio auf Tarentiner und apulische Vasen 
hingewiesen (Avie oben S. 49); für den zweiten, einen zweihenkli- 
gen Krater würde man gewiss dasselbe gethan haben, wenn Mayers 
Arbeit über die mittelapulische Keramik, oben S. 13 ff. schon vor- 
gelegen hätte ('). 

Hier in Novilara, dessen Gräberinhalt, trotz des andern Bestat- 
tungsritus, in festem Zusammenhang mit der Villanovacultur steht, 
sind jene zwei apulischen Gefässe ein bemerkenswerthes Verbindungs- 
glied des Nord- und Süditalischen. Die Vereinzelung dieser wie der 
andern hervorgehobenen Beziehungen mag noch befremdlich sein, 
die Thatsache ist nicht wegzuleugnen und wird gewiss weitere Bestä- 
tigung erfahren. Setzen wir nun mit Karo {B. 97 S. 161) die Villa- 
novaperiode der croiiologia elrusca, als anteriore all' imiwrlazione 
greca, ins IX. und VlII. Jhdt. und die erste importa^ione greca 
dl vasi e hroiui geometrici ins VlII. und VII. und sehen wir jeden- 
falls die ersten anerkannten griechischen Vasen, die geometrisch 
bemalten Kannen sowohl Avie die kaum aus sehr verschiedener 
Fabrik entstammenden protokorinthischen Gefässe sowohl in Sici- 
lien wie in Campanien und Etrurien ungefähr gleichzeitig auftre- 

(') Vgl. besonders S 27 Fit?. ?> und die mit et\va.s andern Henkeln 
versehenen Krater Tat'. II und III. Es scheint mir kaum zweifelhaft, dass das 
hier so gewöhnliche Ornament, dessen Deutung als Kamm ich oben S. 185, 1 
ablehnte, namentlich wie es S. 24, 27, 29 (5), 36 und Tat". III 14, V 2 erscheint, 
kein andres ist als das welches auf jenem Novilarakrug der untersten Zone 
angehängt ersclieint, und auf das noch zurückzukommoii ist. 



KINDE UND FORSCHUNG 2y7 

teil, SO stellt sich die Frage, ob dies wirklich der erste griechische 
Import gewesen sei, und auf welche Weise und durch welcherlei 
Gegenstände und woher denn die Anregungen zu den sclion in der 
ersten Eisenzeit und noch früher sich zeigenden dem Norden und 
Süden Italiens gemeinsamen Dingen und Formen gekommen sind. 
Ghirardini, la situla iLailca irrlmilloa stiidiata specialmeiäe 
id Este im II. und VII. Band der Monitmenti a/ilichl Line, hat 
in sehr fleissiger aber auch sehr umständlicher Weise und mit kaum 
gerechtfertigter Beschränkung auf eine Gefässform, den Eimer aus 
Kupferblech mit getriebenem Ornament in seiner Verbreitung von 
Latium bis in die Alpen behandelt. Einbezogen hat er auch die 
thönernen Nachbildungen und, weiter abliegend, die Gattung der 
mit eingedrückten borchie, d. i., Buckeln aus Kupferblech verzier- 
ten Thongefässe verschiedener Gestalt, üas Ornament dieser ganz 
aus dem Metall getriebenen oder mit Metalbuckeln wenigstens ver- 
zierten Gefässe ist in den zahlreichen älteren, in frühe Eisenzeit 
hinaufreichenden Exemplaren geometrisch, von einzelnen rundlini- 
gen Scheraaten, namentlich jenen an grösseren Kreisen hängenden 
und schwingenden Bändern oder Entenköpfen (') abgesehen, grad- 
linig: es sind dieselben oder ähnliche Dreiecks- und Vierecksmäau- 
der wie in der Villanovakeramik. Die Verbreitung dieser sltuLa 
von Bologna und Este nach dem Norden ist von Ghirardini besser 
erwiesen, als dass sie auch nach Bologna von Süden, d. h. aus 
Etrurien gekommen sei. Die ersten Vorbilder glaubt Gh. aus dem 
Osten gekommen, durch Phoenizier übermittelt. Ein als Kefatribut 
in aegyptischem Wandgemälde dargestelltes Gefäss I Sp. 56 hat 
allerdings eine partielle Aehnlichkeit (-); sonst ist eben das Dogma, 

(1) Ghirardini scheint Undsets Herleitun;-: von tier Uracusschlange mit 
Huernes anzunehmen I Sp. 25. Ich kann nicht umhin, auch hier eine Ver- 
waudt:ichaft mit Süditalischera zu vermuthen, nämlich mit den oben S. 190 
von Henkehi aber auch sonst herabhängenden Doppelbändern. 

(2) Viel grösser ist diejenige eines wirklich nach Etrurien gebrachten 
aegyptisierenden Gefässes, das Schiaparelli in Mon. Lim. VIII Tat". II, Sp. SO 
pnbliciert und comnientiert hat. Von ihm zeitlich fixiert als um 728 v. (J. nach 
(Jorneto gebracht, dort in einem Kammergrabe gel'un.len, ist es von hervon-a- 
«render Bedeutung für die Gräberchronologie (vgl. Karo. a. a. 0. S. 155 f.). 
Den ältesten Situlen ungefähr gleichzeitig, hat es mit südapenninischen, wie 
Ghirardini I Sp. 50, und norda])enninischen, wie S]). 87, fast »lieselbo Gestalt, 
und hat auch allem .\nschein nach einen Henkel gehabt wie Gh.'s erste, aus 
Corneto I S]). 45. 



298 E. PETERSEN 

dass es in der ersten Eisenzeit keinen griechischen Import gegeben 

habe. Beweis. 

Diesem Dogma entgegen hat Boehlau, zur Ornamentik der 
Villanovaperiode, Cassel 1895, das Ornamentsystem dieser Periode 
als griechisch angesprochen. Auf welchem Wege es nach Nordita- 
lien gelangt sei, lässt er dahingestellt sein('); die Herkunft glaubt 
er. eben wegen der Verbindung von Dreiecks- und Vierecksmotiven, 
weder im Dipytonstil, dem nur letztere, noch in der böotischen 
geometrischen Keramik, der nur erstere eignen, sondern an dritter 
Stelle, wo schon beides vereinigt gewesen sei, suchen zu müssen. 
Es ist dagegen schon oben gesagt, dass die Dreiecksmäander, die 
doch wohl specifisch italisch sind, aber nicht auf Norditalien be- 
schränkt, nur eine durch den Mäander hervorgerufene Weiterbildung 
des Dreieckornaments sein dürften. Nur der Mäander ist das neue von 
aussen gekommene Element, das ungefähr zur selben Zeit spärli- 
cher in Unteritalien und Sicilien, häufig in Oberitalien auftritt; 
und das Fehlen dieses Ornaments, auch in seiner allereinfachsten 
Form, in der reichen altsikelischen (I und II) Ornamentik, ebenso 
wie in der norditalischen heimischen AVaare der Terremare, da doch 
die Dreiecksmotive wie Wolfszähne und Zickzackbäuder beider Or- 
ten so häufig sind, ist ein sprechender Beweis dafür, wie mächtig 
in diesem scheinbar so naheliegenden und dem Belieben oder Zu- 
fall heimgegebenen Linienspiel die Tradition ist. 

Die erste Eisenzeit und der Uebergang von der geometrischen 
Verzierungsweise mit seinem beschränkten Figurenkreis zu orien- 
talischem Reichthum hat durch Grabungen und Funde in Vetulo- 
nia, Volterra. Pitigliano (Grosseto), Verucchio (Himini) 
neues Licht erhalten. 

In Vetulonia(-), wo der unermüdliche Falchi bald hier bald 
dort sucht und findet, sind auf dem Poggio alla Guardia und Ren- 

(>) Nur dass aus der Häufigkeit der Mäaiiderverzerrungen nördlich, aus 
ihrer Seltenheit südlich vom Apennin wühl mit T'echt geschlossen wird, dass 
dieses Ornament vnn Etrurien nach Bologna gewandert sei. Man möchte zufü- 
gen, dass das neue Schema in Ktrurien zunächst den Dreiecksmäander her- 
vorrief, dessen krause Windungen dann bei den Nördlichen auch den Mäander 
rückwirkend entstellten. Mitwirken mochten die an der Adria nicht seltenen 
Wellenbandsysteme, gerundete wie eckige. Vgl. unten bei Verucchio. 

(2) Xotizie 189S S. 91, Berichte über die Jahre 1895 bis 1897. 



FUNDE UND KORSCHI NG 29!» 

zetto und an der via di Sagrona wieder zahlreiche Pozzogräber ge- 
funden, mit dem bekannten dürftigen Inhalt: Cinerare, meist in 
Urnen- selten in Hüttenform, mitunter eine auf die Deckplatte der 
andern gestellt. Vom Inhalt hervorzuheben ist, wegen ethnographi- 
scher Fragen, das Bronzetigüi'chen eines Kriegers mit Schild und 
Helm (von der bekannten Form, die auch als Urnendeckel diente, 
mit von vorn nach hinten gehendem Kamm) ; dazu auch wirkliche 
Waffen in verschiedenen jioj^i. Zwischen diesen finden sich die 
Gräber a biica, meist a circolo benannt nach den sie auf der Ober- 
fläche markierenden Steinkreisen, vielleicht den Abgrenzungen ein- 
stiger Grabhügel. Diese Ansicht vertritt z. B. auch Milani in seinem 
an kühnen Ideen reichen Museo topograßco deW Ktniria S. 25. 
wo er nachdrücklich auch die Gleichzeitigkeit beider Grabarten, 
jene der italischen und etruskischen (') Plebs, dieser dem etruski- 
schen Adel zugeschrieben, behauptet, ohne dies vorerst zu bewei- 
sen. Dagegen spricht ausser anderem auch Falchis Beobachtung 
(iV. 98, 101), dass die Steine der circoli, wo poszi berührend, 
kleiner sind. In den buche sind meist keine Ossuare gefunden und 
von sterblichen Resten nur Zahnkronen, wie in Noviiara (-). Wie 
hier werden wir auch in den Circolo - Gräbern als die Regel Be- 
stattung anzunehmen haben ; aber dass man, wie gewöhnlich gesagt 
wird, den mit seiner reichen Ausstattung ins Grab gelegten Todteu 
erst mit Steinen, dann mit p]rde verschüttet habe, ist schwer zu 
erlauben, da das sowohl dem vorher als dem nachher in Vetulouia 
üblich gewesenen Bemühen, den Grabinhalt zu schirmen, wider- 
spricht. Hier wie in Veji und Palestrina, wo man den glei- 
chen Bestattuugsmodus gefunden haben will (•<). dürften die Steine 
von innerer Ausmauerung und Ueberwölbung der fossa herrühren, 
ähnlich wie es in Rom und Bologna constatiert (^), neuerdings -auch 
in Yerucchio {N. 98, 348) erschlossen ist. Die Gräber, die kürzlich 

(') Vgl. S. 21. Ob und wie sich diese beiden Volkstheile unterschieden 
bleibt unklar. 

C^) Mon. ant. Line. V Sp. 18:^. Bestattuno; ist hier nicht zu bezweifeln. 
Wenn nach N. 95, 2.5 schwache Verbrennunif die Kronen von den Zälnien lö- 
sen konnte, wo blieben denn die Zähne ? 

(3) Ärchaeologia 4L 1 S. 196 ff. 200 und 20:3. 

{*) Für Rom vgl. Mariani. Bull, comun. 9'» S. 20; für Villanova »ioz- 
zadini. Sepolcreto etrusco S. t! und 12 Taf. I. 



300 E. PETERSEN 

iu Palestriiia imter genauerer Beobachtung aufgegraben wurden, 
sind zu jung für den Vergleich. Es wird aber bei der Gelegenheit 
.V. 97, 256 ein Beweis beigebracht, dass das berühmte reiche ' Grab 
Beruardiui ' welches auch für eines der verschütteten gilt, wirklich 
ein Grab war. Die in diesem vorgefundene Ausmauerung der Grab- 
höhle mit Quadern bis zu 1,70 m. Höhe {'), Aehnliches iu Vetu- 
lonia, und in zwei andern Gräbern von Palestrina die seitlich in 
die Grabhöhlenwand eingearbeiteten Loculi (-) scheinen aufs be- 
stimmteste dafür zu sprechen, dass diese Gräber zwar ohne Zugang 
aber doch durch eine Ueberdeckung hohle, je nach der Grösse 
mehr oder weniger kammerartige Räume waren. Wenn nicht wenige, 
wie jenes von Palestrina und andre in Vetiüonia, zu gross sind, 
un in jener primitiven Weise überwölbt zu sein, nun so ist in 
Conca N. 98, 166 constatiert, dass man die fosse oder Kammern 
auch mit Holzbalken deckte, was bekanntlich auch in den Schacht- 
giäbern von Mykene der Fall gewesen ist und von den Entdeckern 
zuerst verkannt aber später eingesehen wurde. 

Ein besonderes Interesse beanspruchen die Gräber von Vol- 
terra(^), weil hier, wie in Rom auf dem Esquilin, ein Theil der 
ältesten Nekropole später in die Stadt einbezogen ist. Avährend der- 
grösste in die balse dl S. Giiisto abgestürzt ist, wohin im Laufe 
der Jahrhunderte das üebrige nachfolgen wird. Das Alter der 
jüngsten Gräber ergiebt also die obere Zeitgrenze für der Mauerbau. 
An der Grabausstattung ist wieder der ununterbrochene Fortschritt 
von den Pö^^o-Gräbern zu den /'^ossß-Gräbern nachgewiesen. Die 
ältesten von jenen stellen durchaus beste alte Villanovazeit dar. Ne- 
ben deren charakteristischem Ossuar erscheint aber alsbald eines von 
andrer Form und Farbe Fig. 6, 2, dasselbe mit kleinen Formnuancen 
N auch in vollkommenerer Technik aus reinem Thon, gedreht, be- 
malt mit bräunlichem oder röthlichem, Ornament auf weissgrauem 



(') S. Bull il Inst. 1876 S. 117 ff'. 

(2) V<,'1. Archaeolo,i,na 41. 1 S. 107 (V(^ji) an «1er rechten Seite, darin 
Vasen; an der 1. Seite eine gewölbte Nische mit einem Gefäss; ebda in einem 
andren Grabe in beiden Seitenwänden eingeschnittene repositories mit Bron- 
zevasen, off"enbar erheblich über dem Boden der (irabhöhle. Vgl. was ,V. 98, 
1 1 1 übe die tomöa del littore berichtet wird. 

(3) Worüber ansführlioh jetzt Gliirardini in Mon. ant. Line. VIII S. 101 ff. 
berichtet hat. 



I'Tmjk INI) FoiisciiUNf; 301 

Grunde, fremde Vorbilder und ihre Nachahmungen. Der Körper des 
Gefässes ist kugelig, wenig eiförmig, Hals und Fuss, wo letzterer 
vorhanden (Fig. 42 ohne, 43 mit Fuss aus demselben Grabe) in 
scharfer Umbiegungabsetzend. Ghirardiui Sp. 102 f. vergleicht mit 
Recht ähnliche Gefässe die in Narce, Vulci, Bisenzio und nament- 
lich in Corneto in Gräbern gleicher Zeit gefunden sind. 

Dazu das andre Gefäss, ein Henkelkrug (Fig. 24, 35 und etwas 
verschieden 28, aus biicckero ßae; Nachbildungen Fig. 17 und 27) 
auch kus:elförmi<j:, nur gedrückter, mit ähnlichem Fuss und Hals, 
nur dass letzterer zunächst als weite Röhre ansteigt, bevor er zur 
Lippe ausladet; dazu ein vertikaler auch oben nicht am Halse, 
sondern an der Schulter ansetzender Henkel mit fast rotellenar- 
tigen Lappen an der oberen Biegung. Diese beiden Gefässe haben, 
wenn ich nicht irre, weit, auf- Avie abwärts, reichenden Zusammen- 
hang. Wenn man ausser den mit eigenem Fuss versehenen Krate- 
ren auch die fusslosen, auf Untersätze gestellten heranzieht, so ge- 
hören zur Familie: a glatte roth- oder brauufärbige, nicht selten 
in Corneto und im Faliskergebiet ; b ebenda gleichfalls rothe oder 
braune geriefte, deren Riefen grade senkrecht oder oben um Warzen 
herum, abwärts senkrecht verlaufen ; c geometrisch bemalte entwedei' 
weiss auf rothem Grunde oder roth auf weissem ('). Mit b stehe 
ich nicht an, die gerieften rothen Kratere von Pantalica Mou. aal. 
Line. IX, Taf. IX 3, 4 für gleichen Ursprungs zu halten, denen 
der sonst auch im Sikelischen übliche Untersatz als eigener hoher 
Fuss angewachsen ist ; ja auch die gleichfalls gerieften specitisch 
' roththonigen ' Gefässe möchten als etwas jüngere Glieder, zur Fa- 
milie gehören. Auch c hat seine Verwandtschaft: in Novilara (Cam- 
panien) und Mittelapulien (oben S. 296) den Krater, der so häufig 
in der Nekropole del Fusco (vgl. N. 95 S. 159, 161, 176, 185), 
und die Amphora der III. und IV. Sikelischen Periode (vgl. R. M. 98. 
besonders S. 338 tf., 342 ff. und 350 ff., auch den Colonnettkrater 
S. 362). Neben diesen Gefässen erscheint die geometrisch bemalte 
Kanne, gewiss aus denselben Fabriken wie jene. Von gemalten Or- 
namenten seien besonders genannt, die horizontalen Streifen, dicht 



(ij Für a vgl. Mon. ant. Line. IV Sp. 235 flf., besonders Fig. 108 iiiid 
Taf. VII 7 ; von b giebt es schöne Beispiele in Corneto, Phot. Moscioni So."» t 
und Sammlung Benedetti (Phot.): für c vgl. Mon. ant. Line. IV Taf. VII. 



302 E. l'ETERSEN, FINDE UND FORSCHING 

oder weitläutig, fein oder dick, wo weitläuftig, die Zone durch tri- 
glyphenartige Systeme metopenartig getheilt; endlich (Volt. fig. 42, 
43, Corneto Mon. iaed. d. List. XI 59, 18) wenige kräftige Hori- 
zontalen durch Senkrechte getheilt; die so entstehenden Felder 
sind in dem ersten Yolterraner Krater leer, in dem Cornetaner mit 
Rechtecken gefüllt, die durch Diagonalen getheilt sind. Verbindet 
dies Ornament unsere Vasengruppe mit der Villanovakeramik, so 
ist das ähnliche Triglyphenrechteck so wie am Novilarakrug (oben 
S. 296), und entstellter an den mittelapulischen Krateren, gar schon 
in otfenbar jüngerer Terramarekeramik von Gorzano vorhanden und 
zwar mit jenen oben unter b genannten umrillten Warzen verbun- 
den ('). Dass die kleinen Schmucksachen aus Knochen und Bronze in 
den Terramare ausser andern Ornamentschematen auch schon das in 
Sicilien (I. Per.) Mittelapulien, und Volterra angetroffene, von ge- 
kreuzten Diagonalen getheilte Rechteck aufweisen, soll hier nur 
angedeutet werden. Woher das Alles? Nun, Boehlau hat auf den 
orientalischen Ursprung jener Cornetaner Krateren hingewiesen (^) ; 
desselben Ursprungs sind natürlich auch die Volterraner Krüge. 
Zur Bestätigung dient, wie mir scheint die von Loeschcke, Athen. 
Mitth. 81, 7 beigebrachte Beschreibung einer in ' phoenikischer ' 
Schicht in Kameiros gefundenen Kanne, deren Form allerdings ganz 
verschieden : » auf gelblichen (Irund sind mit graubraunem Firniss 
Quadrate gemalt, die in vier kleine Quadrate zerfallen, von denen 
je zwei in der Diagonale liegende mit sich kreuzenden Linien aus- 
gefüllt sind » , womit zu vergleichen die verschieden abgetheilten 
Rechtecke von Villanovaurnen bei Gozzadini, sepolcr. etr. Taf. II 7. 

(Fortsetzung folgt.) 

E. Petersen. 



(i) S. Montelius, civilis prim. I Taf. 18, 15 und 10. In der Terramare- 
keramik sind ja auch die Auswiechse oben am der sogen, ansa cornuta so 
mannigfach abgewandelt. 

(2) Aus ionischen und italischen Nekropolen S. 145. In einer folgender 
Periode zeigt dieselbe henkellose Form, wie Karo bemerkt, das von ihm in 
der Streuna Helbigiana S. 152, .3 (vgl. S. 150, 6) abgebildete ionische Gefäss. 



SITZUNGEN UND ERNENNUNGEN 



15. December: die Winckelmannssitzung wimle von dem Vorsit- 
zenden eingeleitet mit Worten über archaeologische Tages- 
fragen, den Wettbewerb der verschiedenen Nationen auf ar- 
chaeologischem <.lebiet des eigenen und fremden Bodens, die 
Gründung von Instituten und die in Italien und Griechenland 
ungleiche Betheiligung der Fremden an der Durchforschung 
des Bodens. — Mau über den neuentdeckten Tempel von 
Pompeji. — Amelung über einige Typen bärtiger Götter aus 
der Zeit des Phidias. 

22. December: Mau giebt noch speciellere Ausführungen über die 
Baugeschichte und den jetzigen Zustand des pompejanischen 
Tempels. — Petersen: Nochträgliches zum Torso des Bel- 
vedere. — Derselbe über den colossalen Bronzekopf und die 
zugehörige Hand als Reste einer Colossalstatue des Constantin 
oder eines seiner Söhne. 



Zur Winckelmannssitzung wurden erwählt als Ordentliche Mit- 
glieder die Herren: 

Georg Kaibel in Göttingen 
Benedictus Niese in Marburg 
Eduard Meyer in Halle ; 

als Correspondierende Mitglieder die Herren: 
E. Assmann in Berlin 
Bodewig in Oberlahnstein 
P. Herrmann in Dresden 
C. Koenen in Bonn 
KoEHL in Worms 
G. Oberziner in Genua 
R. Oehler in Gross-Lichterfelde 
H. Schmidt in Berlin 
Vasilios auf der Insel Thera 
Weckerling in Worms 
Wheeler in Ithaka U. S. A. 



INHALT 



\V. Amelüng, Ueher eia Relief im Museo Nasionale Bomano 
(Taf. I) S. :^-7. 
Kybele-Orans S. 8-12. 

0. Donner von Kichter, Ueber die eingesetzten HoUtafeln in Pom- 

l^ji und die Pliniusstelle XXXV, U9. S. 119-140. 
E. Groag, Die Adoption Hadrians. S. 269-279. 
Ch. Huelsen, Das angebliche Templum Matidiae bei Piazza Ca- 

irranica. S. 141-153. 
r r Miscellanea ejiigrophica: XXIV. Iscrizione rela- 

tiva al teatro dl Pompei S. 251-255. — XXV. 

Iscrizione riferibile ai trofei di Mario S. 255- 

529. — XXVI. Di alcune iscrisioni recenfemente 

trovate nel Foro Romano. S. 259-263. 
L. K.JELLBERG, Athena Hejjhaistia (Taf. VI). S. 114-118. 
H. Lucas, Ein iriesrelief des Tabulariams S. 213-221. 
A. Mau, Die oskischen Wegweiserinschriften in Pompeji. 

S. 105-113. 
M. Mayer, Ceramica deU'Apulia preellenica. II. La Peucezia 

(Taf. II-V) S. 13-80. 
A. Michaelis, Pompe Jana S. 193-212. 
E. Petersen, Artemis und Hipjpotytos S. 91-100. 

Zu Xin S. 97 ff. S. 101-102. 

Die Geburt der Aphrodite (Taf. VII). S. 154-162. 

Hadrians Steuererlass (Taf. VIII) S. 222-229. 
« " Moderne Kaiserg ernmen S. 244-250. 

Vitellius (Taf. IX). S. 264-268. 
r» » Funde und Forschung. S. 163-192 und 280-302. 

1. Six. Ikono graphische Studien: XIV. Maussollos, Fürst von 

Mylasa, Satrap von Karlen. S. 81-83. — XV. ^/(?ä- 
ander HI, König von Makedonien. S. 83-88. — 
XVI. Alexander IV , König von Makedonien. 
S. 88-90. 

L. Stieüa. Altitalische Weihgeschenke S. 230-243. 

Sitzungen und Ernennungen. S. 303. 










CO 
D 






d^i ,'>--'d 11 





J^ 



% 




i ^^ 





11 





VASI DELL'APULIA MEDIA 



Roma Fotüt. Danesi 






CD 




CO 





Sf 




CO 



< 

t^ 
Z, 

Cd 

o 

< 

D 

<; 

H 
Q 

H 

o 
o 

H 
03 

<; 
> 



PC 

ü 

f< 

< 

Ü 
Ü 

o 



> 



IC) 




< 



D 
CU 

< 

t—t 

CO 

<; 
> 



TAV. V. 




• '<;••-' 




Fit/. 2 




Fig.l 







"uj / 



~,.,.Tj 



l'llf o 



Ficj.O 



FRAMMENTI TROVATI A PUTICNANO 

I APULIA CENTRALE ) 



> 




Q 



o 

X 

ü 
o 

CO 




O 

o 

Di 
< 



(JUt i^9t^ ^ VII 




Roma Fotot. Daiiesi 



HYDRIA IN GENUA 



> 




X 

o 

X 

o 

El. 



^'ü f, 



IX 




Roma Fütot. Danesi 



VITELLIUS - ROM 



GETTYCENTER 



BRARY 



3 3125 00458 7255